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Die Christenverfolgungen im römischen Kaiserreich

Von Nero bis Diokletian

Hausarbeit 2001 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorbetrachtung

II. Die Geschichte der Verfolgungen
IIa. Das erste Jahrhundert: Verfolgung als herrschaftliche Willkür
IIb. Das zweite Jahrhundert: Passive Nichtduldung
IIc. Das dritte Jahrhundert: Toleranz und Christenhass
IId. Das vierte Jahrhundert: Diokletian und das letzte Martyrium des Christentums
IIe. Ausblick: Konstantin und der Durchbruch des Christentums

III. Schlußbetrachtung

IV. Literaturverzeichnis

V. Quellenverzeichnis

I. Vorbetrachtung

Eine Auseinandersetzung, gerade eine wissenschaftliche, mit delikaten historischen Themen, wie sie Analysen von Verfolgungen schon aufgrund der (berechtigt) negativen Besetzung des Wortes selbst zweifellos darstellen, erfordert zunächst das weitgehende Freimachen von dem Impuls der Parteinahme für die Verfolgten im Interesse einer möglichst sachorientierten Betrachtung, die auch die Motive der Verfolger einbezieht und somit ein zumindest einigermaßen verständliches Gesamtbild des Themas vermitteln kann. Im vorliegenden Fall – der Christenverfolgungen des ersten bis vierten Jahrhunderts unserer Zeit – wird zwar die Sympathie für die Opfer durch deren eigenes Verhalten geschmälert und damit die Motivation des römischen Staates und seiner Bevölkerung wenigstens teilweise von dieser Seite her erklärt (wie zu zeigen sein wird), jedoch gestaltet sich die Konstruktion eines einheitlichen Gesamtbildes der Verfolgungen, sowohl was die einzelnen Maßnahmen wie auch ihre juristische, religiöse oder sonstige Legitimation angeht, schon aufgrund des großen Zeitraumes und den entsprechenden Entwicklungen recht kompliziert. Hinzu kommt das beträchtliche Ausmaß an Inkonsequenz, das die römische Politik gegenüber dem Christentum an den Tag legte und die je nach Kaiser (und Zeitgeist) zwischen den beiden Polen einer wohlwollenden Toleranz und der Bekämpfung bis aufs Messer schwankte.

Nicht eben erleichtert wird dieses Unterfangen auch durch die Quellenlage, die nicht einmal quantitativ einigermaßen befriedigend ist und sich zwangsläufig aus den erhaltenen Dokumenten speist[1], was für den vorliegenden Fall ein deutliches Überwiegen christlicher Quellen bedeutet, von denen es den Wenigsten auf eine historisch korrekte Darstellung der Ereignisse ankam.[2] So bleibt aus Mangel an offiziellen Skripten nur die Rekonstruktion aus den wenigen ‚heidnischen’, im übrigen auch nicht unbedingt objektiven, Quellen oder die Konsultation ernsthafterer Beobachter wie Eusebius, die Geschichte nicht auf Märtyrerakte oder einen Zweikampf Kirche – Staat reduzieren[3] und sich ansonsten – wie Tertullian – weitgehend auf Polemiken gegen nicht–Richtiggläubige beschränken oder (z.B. Lactantius, De mortibus persecutorum) eine Art göttlichen Wirkens in die Geschichte hineinprojizieren, was den Versuch einer objektiven Betrachtung behindert. Entsprechend zahlreich sind die Konflikte unter den Historikern über den exakten Hergang der Ereignisse, zu guten Teilen ausgelöst durch falsche Einsortierung diverser Martyrien durch christliche Chronisten (siehe auch1 ), was auch durchaus dazu diente, die Einteilung der Kaiser in „gute“ und „böse“ zu stützen: So sind in der „offiziellen“ Überlieferung zahlreiche eigentlich undatierbare Martyrien unter Decius oder Diocletian zu finden[4].

So stellt schon die Beantwortung der Frage nach einer halbwegs gelungenen Chronologie eine ernste Hürde dar, deren Überspringung hiermit versucht werden soll. Der Schwerpunkt wird dabei aufgrund ihrer besonderen Härte und ihrer zeitlichen Sonderstellung (auf sie folgte unmittelbar der Durchbruch des Christentums) bei der Christenverfolgung Diokletians liegen. Es wird sich zeigen, dass die Verfolgungen zwar selbst nicht kontinuierlich waren, ihre Praxis und Legitimation jedoch einem kontinuierlichen Wandel unterlagen.

Bliebe als letztes noch das Problem des Kernwortes selbst: Da in der christlichen Überlieferung dazu geneigt wird, jedwede Maßnahme auf lokaler Ebene als Verfolgung zu klassifizieren[5], ergibt sich neben dem intendierten Bild der von den Römern permanent gejagten Christen ein sehr unscharfer Begriff des Wortes; dies mag zwar nicht ungelegen kommen, dient jedoch nicht der Aufklärung. Deshalb sei angemerkt, dass in der vorliegenden Untersuchung der Ausdruck „Verfolgung“ ausschließlich staatlich initiierte, d.h. mehr oder weniger organisierte Maßnahmen gegen die Christen bezeichnen soll, auf denen ohnehin das Augenmerk liegen wird; unberücksichtigt bleiben werden also die unzähligen Diskriminierungen und Nachstellungen gegen die Christen, die auf einen besonders übelwollenden Statthalter (Recht zur coercitio!) oder auf die Initiative der örtlichen Bevölkerung zurückgingen.

II. Die Geschichte der Verfolgungen

IIa. Das erste Jahrhundert: Verfolgung als herrschaftliche Willkür

Wenn man einmal von den ersten anti-christlichen Maßnahmen des römischen Staates und auch (wesentlich schwächer) der jüdischen Gemeinden absieht, deren bekannte Konsequenz die Kreuzigung Christi war, führten die Christen inklusive ihrer Apostel[6] im ersten Jahrhundert zumindest bis zum Jahre 64 ein recht unbehelligtes Dasein, was auch daraus resultierte, dass man sie als Juden betrachtete, denen die Römer einige Selbstverwaltungsrechte, vor allem in der Jurisdiktion, eingeräumt hatten[7]. Zwar mangelte es nicht an Abneigung seitens der jüdischen Gemeinden, die sie als abweichlerische Sekte betrachteten, oder der römischen Bevölkerung, dennoch blieben Pogrome aus oder sie sind vergessen. Die erste staatliche Maßnahme, von der die Christen betroffen waren, war die Ausweisung der Juden aus Rom durch Claudius: „Iudaeos impulsore Chresto assidue tumultuantis Roma expulit“[8], wobei die Nennung eines „Chrestos“ (= Christus?) unter Historikern nicht unumstritten ist, hier jedoch nicht weiter interessieren soll. Jedenfalls ist von einem gewissen Aufruhr in der jüdischen Gemeinde die Rede, möglicherweise verursacht durch die ersten Christen, was zur ihrer Ausweisung – und damit auch einiger Christen – aus Rom führte.

Erstmals als Christen zum Ziel der Nachstellungen wurden sie im Jahr 64, nachdem unter der Herrschaft des Kaisers Nero ein verheerender Brand Rom zu guten Teilen zerstört hatte. Da es dem Kaiser wohl auch durch großzügige Spenden und Opfer nicht gelang, den Verdacht der Brandstiftung von sich abzuwälzen[9] (auch wollten die Gerüchte nie verstummen, nach denen der Brand zum Zwecke der Platzschaffung für Neros gewaltige Baupläne gelegt worden sei), wurde in der Folgezeit die christliche Gemeinde in Rom Ziel einer ausgedehnten Verfolgung und büßte dabei empfindlich an Zahl ein. Interessanterweise sieht nur ein zeitgenössischer Schreiber, nämlich Tacitus[10], einen direkten Zusammenhang zum Brand, geht allerdings nicht so weit, tatsächlich die Christen für ihn verantwortlich zu machen. Der Rest der erhaltenen Dokumente übergeht oder bestreitet eine Verbindung; in diesem Kontext aufschlußreich mag allerdings die Tatsache sein, dass die „Annehmlichkeiten“, die den Christen zuteil wurden, nach römischem Recht die Strafe für Brandstiftung waren, auf welche auch die Hauptanklage lautete[11]. Dagegen führt Sueton als einzigen Grund eine „superstitio illicita“[12] an, wohingegen christliche Quellen[13] Neros Bösartigkeit, jedoch nicht den Brand als Ursache angeben. Sei es wie es ist, jedenfalls wurde im Jahre 64 durch Beschuldigen der Christen der Ausübung einer superstitio illicita ein Präzedenzfall für die späteren Verfolgungen geschaffen, die sich größtenteils auf eben den Grund des „unsittlichen Aberglaubens“ beriefen.[14]

[...]


[1] wobei sich die Römer hier im Nachhinein ins eigene Fleisch geschnitten haben, da während der Verfolgungen im 3. und 4. Jhdt ein Gutteil der christlichen Archive und damit ihrer Historiographie einschließlich eventuell brauchbarer Skripte in Flammen aufgegangen sind: Moreau, Jacques: Die Christenverfolgung im römischen Reich. Berlin 1971, S. 13. Ihren Teil dazu trugen dann später die Christen selbst durch direkte oder indirekte Vernichtung der ‚heidnischen’ Skripte bei.

[2] Moreau, S. 13

[3] ebd., S. 16

[4] Moreau, S. 13

[5] ebd., S. 12

[6] Paulus wurde erst im Jahre 59 nach Rom gebracht und genoß sogar dort noch relative Freiheit: vgl. Moreau, S. 28

[7] Dies änderte sich allerdings spätestens nach dem Aufstand des Jahres 66. vgl. Moreau, S.28

[8] Sueton, Claudius 25, 4

[9] Moreau, S. 34

[10] Tacitus, Annales XV, 44.

[11] Sordi, Marta: The Christians and the roman Empire. London 1988, S. 30; dies macht eine Zuweisung der Schuld an die Christen, also die Abwälzung auf einen Sündenbock, recht wahrscheinlich.

[12] Sueton, Nero 16, 2

[13] es sei Laktanz, DMP II,6 genannt

[14] Sordi, S. 35

Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638045254
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90427
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Seminar für Alte Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
Christenverfolgungen Kaiserreich Proseminar

Autor

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Titel: Die Christenverfolgungen im römischen Kaiserreich