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Niedermoore - Entstehung, Merkmale und Nutzung im Überblick

Seminararbeit 2008 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung / Allgemein
1.1 Historie
1.2 Landverbreitung
1.3 Niedermoortypen

2. Entstehung/ Entwicklung
2.1 Entwicklungsstadien
2.2 Bodenprofil
2.3 Torftypen

3. Flora & Fauna
3.1 Flora des Ökosystems
3.2 Fauna des Ökosystems

4. Anthropogene Nutzung
4.1 Wirtschaftsfaktor Niedermoor
4.2 Renaturierung
4.3 Zukunftsentwicklung der Niedermoore in Deutschland

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Internetquellen
I Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung / Allgemein

Mit dieser Belegarbeit soll dem Leser ein erster Einblick über die Komplexität der Moore geben werden. Das speziell behandelte Thema sind hierbei die Niedermoore in Mitteleuropa. Die Schwerpunkte habe ich chronologisch nach der Historie, dem Aufbau und der momentanen Beschaffenheit, sowie der Nutzung und den Zukunftsaussichten in Deutschland gegliedert.

Zunächst wird näher erläutert, wie ein Moor entstehen kann.

Moore entstehen unter anderem bei hohem Luftmangel im Untergrund, hoch verdichtetem Boden, permanent gestauten Niederschlägen auf dem Oberboden oder durch eine Grundwasserspeisung.[1] Der in dieser Arbeit behandelte Moortyp „Niedermoor“, wird überwiegend durch mineralbodenhaltiges Grundwasser gespeist, wobei eine permanente positive Wasserbilanz nötig ist.

Das heißt also, Moor ist nicht gleich Moor. Aus Grundwasser gespeiste Niedermoore sind durch die Bodenelemente relativ nähr- und mineralstoffreich, sowie mit einem ausgeglichen Säure-Basen-Haushalt präsent. Das Hochmoor hingegen ist extrem nährstoffarm und sauer. Es hat keine Verbindung zum Grundwasser und der Säuregehalt entspricht ungefähr dem des Essigs. Diese Eigenschaften lassen schon erahnen, welche Unterschiede für die Lebensgrundlage der Flora und Fauna bestehen.

Das Niedermoor hat eine Vielzahl an wichtigen natürlichen Funktionen. Unter anderem eine Lebensraumfunktion, Pufferfunktion und Regelungsfunktion (Stoffspeicher, -senke, Wasserrückhaltefunktion)[2], sowie eine Archivfunktion für Natur und Kulturgeschichte (Moormann, Pollenanalyse etc.). Diese Funktionen sind auch allgemeine Bodenfunktionen und treffen zu, da das Moor ein Bodentyp ist. Je nach Moortyp und Mächtigkeit kann das Moor z.B. Senke für Kohlenstoff und Stickstoffverbindungen (langfristige Festsetzung)sein.[3]

Die Kohlenstofffestsetzung im naturnahen Niedermoor, erreicht je Jahr und Hektar ca. 500 kg bis 1500 kg. Dies entspricht 1800 kg bis 5500 kg CO² aus der Atmosphäre.[4] Auch Nitrat aus dem Grundwasser wird jährlich in Mengen von ca. 180 kg/ha gebunden und

gespeichert. Stickstoff wurde ebenfalls in hohem Maße in der Bodenzusammensetzung festgestellt.[5]

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Moor oft als Sumpf bezeichnet. Aber Sümpfe unterscheiden sich vom Moor dadurch, dass keine permanente Wassersättigung herrscht. Sümpfe trocknen regelmäßig aus, der Wasserstand variiert ständig.

Die Physiognomie in Hochmoore und Niedermoore wird weiterhin nach Örtlichkeiten unterschieden an denen das Moor entstanden ist. Da Moore Wasserüberschussgebiete sind die von Torf bildender Vegetation besiedelt werden, handelt es sich bei den Orten immer um Lokalitäten mit positiver Wasserbilanz (siehe Abb.2). Diese bewirkt, dass bis zu 95% des Moorkörpers aus Wasser und nur 3% bis 10% des Volumens aus Feststoffen bestehen.[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gewässersystem in Mooren

Die Niedermoore, Moore allgemein können als eine Art „Niere der Landschaft“ verstanden werden. Das Moor nimmt Wasser, welches mit verschiedenen Stoffen angereichert ist auf und gibt es gefiltert (wie bereits erwähnt) und nahezu Nährstofffrei wieder in das Gewässersystem ab. Die Stoffe werden in den

Torfschichten zwischen- oder abgelagert.

Das Niedermoor wird im Sprachgebrauch auch als Flachmoor oder Reichmoor bezeichnet. Diese Nomenklatur entstand aus der Physiognomie des Niedermoores. Flachmoor, da es erheblich weniger schnell wächst als ein Hochmoor und keine so enormen Schichten aufbaut. Reichmoor heißt es, da es reich an mineralbodenhaltigen Nährstoffen ist und einen geringeren Säuregrad (bessere Lebensbedingungen) als ein Zwischenmoor oder Hochmoor aufweist.

Die Gliederung der Moore wurde nach der Herkunft des Wassers vorgenommen, Niedermoore haben oft ein größeres Wassereinzugsgebiet als Hochmoore.[7]

1.1 Historie

Das Moor entspricht seinem Klischee des 18. Jh. als oft kalt nasser Lebensraum. In damaliger Zeit wurde das Moor aber nicht als Lebensraum bezeichnet, es galt als lebensfeindlich.

Die Hauptbildungszeit der Niedermoore war das jüngere Holozän.[8] In dieser Zeit der geologischen Gegenwart haben eiszeitliche Gletscher ein Relief hinterlassen, daraus bildeten sich im Spät- und Postglazial die moortypischen Bodenwasserverhältnisse heraus.[9] Aber auch schon vor 100.000 Jahren überrollten gewaltige Mengen Schmelzwasser den Sandboden, der Meeresspiegel sank und das abfließende Wasser staute sich in Mulden, Niederungen und dem teilweise undurchlässigen Boden. Ab ca. 6000 v. Chr. bildeten sich Niedermoore. Noch heute sind in den unteren Profilebenen Molasseschichten (Mudde) zu finden, welche auf maritime Einwirkungen zurückgehen. Mudden bilden entwicklungsgeschichtlich gesehen die unterste Schicht topogener Moore (Verlandungsmoore). Absterbende Pflanzen fielen ins Wasser und wurden nach langen Prozessen zu Torf umgewandelt. Ungefähr 3000 v. Chr. war ein Großteil der Niederungsgebiete mit Torf bedeckt. In Flusstälern und anderen Niederungen bildeten sich nach der Eiszeit durch hohe Grundwasserstände Niedermoore.[10] Um 2500 v. Chr. wuchs in flussfernen Bereichen auf dem Niedermoor das Hochmoor.

Generell lässt sich feststellen, dass der Abbau organischer Substanz und die Torfbildung je nach Moortyp unterschiedliche Auswirkungen hat (Höhenwachstum= Hochmoor, Nährstoffzufuhr= Niedermoor).

Moorbildung fand in Deutschland vermehrt in Niederungen und dem Alpenvorland statt.[11] Dort kann man erkennen, das die Niedermoore oft nur wenige Dezimeter mächtig gewachsen sind (siehe Drömling), Hochmoore dagegen bis zu 5m und mehr.[12]

Bereits im 11., 12., 13. Jh. wurden zahlreiche Siedlungen auf moorigem oder sumpfigen Grund angelegt[13]. Die ersten Moortrockenlegungen erfolgten durch Mönche (allein in Friesland wurden 39 Klöster zur Niedermoorerschließung gegründet[14] ). Davon zeugen noch heute archäologische Funde. Vor allem der Moormann von Tollund ist überregional bekannt und eines der ältesten entdeckten Relikte der Moorbesiedlung.

Mit der Industrialisierung folgte die rasante Erschließung der Moore, jedoch wurden die Niedermoore fast ausschließlich als Acker oder Grünland genutzt, da aufgrund der geringen Torfmächtigkeit keine Torfproduktion auf Dauer sinnvoll zu sein schien.

1.2 Landverbreitung

Moore sind relativ weit verbreitet und haben so allein im deutschen Sprachraum Synonyme wie Bruch, Luch, Ried, Filz oder Moos inne. Weltweit gesehen erstreckt sich die Verbreitung aber vor allem über Russland, Nordamerika, Nordeuropa, Südamerika sowie Nord- und Südostasien. Heute werden circa 3% der Landfläche der Erde von Mooren bedeckt(alle Moore). Dabei bedecken Niedermoore meist maritim geprägte Regionen, während Hochmoore oft unter kontinentalem Klimaeinfluss verbreitet sind[15]

Bis zu einem Drittel der Landesfläche Mitteleuropas sind bzw. waren durch Moore eingenommen, die meisten sind von Mineralbodenwasser gespeiste Niedermoore.

Das heute noch höchste Vorkommen befindet sich in Russland, Kanada und Alaska(Moorvorkommen, siehe Tabelle 1). In Deutschland erstreckt sich die Verbreitung vor allem über den Nordwesten, Nordosten und im Alpenvorland. Diese Vorkommen sind entstehungsgeschichtlich bedingt fast ausschließlich nach der letzten Eiszeit entstanden. Die meisten Moore sind in kühlen und kalten Klimaten (Verdunstung ist kleiner als Niederschlag)zu finden.

Speziell Niedermoore gibt es oft im hochkontinentalen und vom Permafrost geprägten Ostsibirien (auch Wiesenmoore). Hoch anstehendes Grundwasser, stauende Substrate und Permafrostboden begünstigen hier die Moorbildung. Mineralbodenwasser ernährte Moore im Südbaltikum dagegen, sind mehr von der Landschaftsform als vom Klima abhängig.

Tab.1: Torfvorrat ausgewählter Länder (Succow/ Jeschke, 1986, S. 178)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Liedtke/ Marcinek, 1995, S. 187

[2] Kratz/ Pfadenhauer, 2001, S. 31

[3] WWF, 2007

[4] Niedersächsisches Umweltministerium, 2002, S.9

[5] Niedersächsisches Umweltministerium, 2002, S.9

[6] Succow, 1986, S. 32ff

[7] Niedersächsisches Umweltministerium, 2002, S.4

[8] Liedtke/ Marcinek, 1995, S. 461

[9] Liedtke/ Marcinek, 1995, S. 461

[10] Liedtke/ Marcinek, 1995, S. 461

[11] Kratz/ Pfadenhauer, 2001, S. 13

[12] Berg, 2004, S.17ff

[13] Berg, 2004, S. 16

[14] Berg, 2004, S. 16

[15] Niedersächsisches Umweltamt, 2002, S.4

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638047371
ISBN (Buch)
9783638943345
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90344
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Geographie
Note
1,3
Schlagworte
Niedermoore Entstehung Merkmale Nutzung Mittelseminar Physische Geographie
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Titel: Niedermoore - Entstehung, Merkmale und Nutzung im Überblick