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Der erste Punische Krieg

Vom Kriegsausbruch bis zum Friedensvertrag

Seminararbeit 2006 23 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte
2. 1. Polybios
2. 2. Vorgeschichte : Die Ereignisse bis 264

3. Der Verlauf des ersten Punischen Krieges
3. 1. Vom Kriegsausbruch bis zur Seeschlacht bei Mylae: 264 bis 260
3. 2. Von der Seeschlacht bei Mylae bis zum Abzug der Römer aus Afrika: 260 bis 255
3. 3. Vom Abzug der Römer bis zur Schlacht bei den Aegatischen Inseln: 255 bis 241
3. 4. Der Friedensvertrag von 241

4. Beurteilung des Krieges
4. 1. Aus römischer Sicht
4. 2. Aus karthagischer Sicht
4. 3. Kriegsschuldfrage

5. Schlusswort

6. Verzeichnisse
6. 1. Quellenverzeichnis
6. 2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der erste Punische Krieg wird auch der „erste römische Krieg“[1] oder der „Krieg um Sizilien“[2] genannt. Es handelt sich dabei um eine Serie von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Rom und Karthago im Zeitraum von 264 v. C. bis 241 v. C. „Punier“ ist eine Bezeichnung für die semitischen Phönizier Nordafrikas, besonders für die Einwohner Karthagos, für welche der Begriff synonym gebraucht wird. Dem ersten Punischen Krieg sollten noch zwei weitere folgen. Der dritte und letzte dieser Reihe von Kriegen endete mit der Zerstörung des karthagischen Reiches.

Im Mittelpunkt des ersten Punischen Krieges steht die Insel Sizilien. Sie ist Hauptschauplatz der Kampfhandlungen und Streitobjekt gleichermassen. Die vorliegende Arbeit wird die Vorgeschichte, den Auftakt, den Verlauf, das Ende und die Nachwirkungen des ersten Punischen Krieges so wohl als eigenständige Themenbereiche begreifen und untersuchen, als auch als Komponenten eines einzigen grossen Prozesses verstehen.

Für den ersten Punischen Krieg sind wie für die meisten Bereiche der Antike wenige Primärquellen erhalten oder zugänglich. Zudem entsprechen diese Berichte vielleicht nicht immer den heutigen Vorstellungen von Objektivität oder - weitaus gravierender - der Wahrheit. Die Fülle an Sekundärliteratur bezieht sich meist nur auf diese wenigen Überlieferungen und bietet umfassende Interpretationen der geschilderten Ereignisse, welche allerdings auch wiederum tendenziös sein können. Sämtliche zitierten Schriften werden nachfolgend mit der gebotenen Vorsicht angegangen und kritisch bearbeitet.

Diese Arbeit versucht, ein Bild der Ereignisse um den ersten Punischen Krieg zu zeichnen, das der historischen Realität so nahe wie nur möglich kommt und den Personen und Ereignissen in ihrem ursprünglichen Sinne gerecht wird.

Die folgenden Seiten versuchen, zuerst aufzuzeigen wie es zum Ausbruch dieses ersten Punischen Krieges kommen konnte und welche Ereignisse und Personen dafür verantwortlich gezeichnet haben. Danach folgt eine Schilderung der Geschehnisse in den Kriegsjahren und den daraus resultierenden Konsequenzen für die beteiligten Parteien.

Anschliessend werden die Umstände untersucht, die diesen langen Krieg zu einem Ende kommen liessen, und zu einem Friedensabkommen geführt haben.

Zuletzt werden der Krieg, der Kriegsverlauf und die Bedeutung des Krieges, so wie dessen Konsequenzen von verschiedenen Blickpunkten aus betrachtet, um deren historischen Bedeutung gerecht zu werden. Die Folgen für die beteiligten Parteien, die Veränderungen im Machtgefüge der Mittelmeerstaaten und die Einordnung des ersten Punischen Krieges in den weiteren Verlauf der Geschichte stehen im Mittelpunkt der abschliessenden Analyse.

Die nachfolgend geschilderten Ereignisse sind der Auftakt zu einer Epoche der Menschheitsgeschichte, die vom Aufkommen und Erstarken des römischen Reiches geprägt wurde. Rom wurde nicht nur zu einem ernstzunehmenden Machtfaktor im Mittelmeer, sondern auch in der Weltpolitik.

2. Vorgeschichte

2. 1. Polybios

Viele Schriften und Dokumente, die sich mit dem ersten Punischen Krieg befassen, beziehen sich auf die Berichte des griechischen Historikers Polybios. Dieser lebte von 201 bis 120 und somit nicht nur nach dem ersten, sondern auch nach dem zweiten Punischen Krieg. Er griff in seinen Berichten auf die Schilderungen des römischen Annalisten Quintus Fabius Pictor zurück. Diese Schriften gelten in manchen Punkten der Berichterstattung als „prorömisch“. Trotzdem bringen die Historiker Polybios „das grösste Vertrauen entgegen“. Polybios erfreut sich „eines guten Rufes als Historiker“ und der Verfasser seiner Vorlagen, Pictor gleichermassen einer „hohen Glaubwürdigkeit“.[3] So gilt auch hier Polybios als „Hauptgewährsmann für den Krieg“[4], was allerdings nicht bedeutet, dass seinen Ausführungen gänzlich unkritisch begegnet werden soll.

2. 2. Vorgeschichte : Die Ereignisse bis 264

Der Grieche Pyrrhus, König von Epikur, zog sich um 275 aus Italien und Sizilien zurück. Er war einst gerufen worden, um der südostitalischen Hafenstadt Tarent gegen Roms Expansionspläne zu helfen. Aber dies war trotz anfänglichen Erfolgen in den pyrrhenischen Kriegen von 280/279 nicht gelungen. So geriet, als Folge der Vertreibung Pyrrhus’, der Südosten des italischen Festlandes um Tarent in den sich sukzessive erweiternden römischen Machtbereich. Im Laufe der folgenden Jahre errang Rom im Kampf gegen italische Stämme auch noch die Herrschaft über den Südwesten der Insel.

Auf Sizilien vermochte auch Karthago seine Besitzungen zu erweitern. Noch 314 war bloss das westlichste Drittel der Insel in der Hand Karthagos. Nach dem Weggang von Pyrrhus fiel den Puniern der grösste Teil der Insel zu. Der Osten der Insel allerdings war noch zum grössten Teil in griechischem Besitz. Im Südosten schwang sich nach Pyrrhus’ Vertreibung Hieron zum Militärführer von Syrakus auf, und wurde alsbald zum Machthaber in der griechischen Stadt.

Im Nordosten der Insel, in Messana (dem heutigen Messina) waren die Machthaber die so genannten Mamertiner. Diese Mamertiner waren ein kampanischer Söldnertrupp, die noch unter einem früheren griechischen Strategen, Agathokles, gedient hatten und sich nach dessen Tode 289 in der Stadt Messana festsetzten. Sie waren Söldner aus Kampanien, einer Region südlich von Rom, waren somit Italier und nannten sich Mamertiner nach dem Kriegsgott Mars, der in ihrer Sprache, dem Oskischen, Mamers genannt wurde.[5] Diese „Marsmänner“ konnten sich auch gegen Pyrrhus behaupten, allerdings auch mit der Hilfe Karthagos, das nicht den ganzen Osten der Insel griechisch sehen wollte. Allerdings zogen diese regelmässig brandschatzend und plündernd durch die griechischen Dörfer an der Ostküste, was immer mehr den Unmut der Griechen in Syrakus erregte.

Eben in diesen Jahren, gegen 270, ging Rom gegen andere italische Stämme in der südwestitalischen Region um Rhegion (das heutige Reggio di Calabria) vor, und unterwarf auch dieses Gebiet. So fühlte sich Syrakus dazu bemächtigt, auf der anderen Seite der Meerenge dasselbe zu tun, und gegen die Mamertiner - die ja auch ein italischer Stamm waren - in Messana vorzugehen. Wahrscheinlich im Jahre 269 errang Hieron dann einen wichtigen Sieg gegen die Mamertiner bei der Schlacht am Longanos und wurde daraufhin zum König Hieron II. von Syrakus gekürt, was er bis zu seinem Tode 215 bleiben sollte.

Die Bürger von Messana konnten sich des Druckes allerdings nicht erwehren und mussten sich an eine Schutzmacht wenden. Die Meinungen gingen auseinander, genauso die heutigen Schilderungen der damaligen Ereignisse. Einerseits könnte sich die Mehrheit dazu entschlossen haben, Rom um Hilfe zu bitten.[6] Vielleicht bot man Rom zugleich sogar die Unterwerfung („deditio“) an, und appellierte an die Stammesverwandtschaft aller italischen Stämme.[7] Ein anderer Bericht besagt, dass sich karthagische Truppen in der Nähe der Stadt aufhielten und diese sich des Schutzes der Stadt annahmen. Erst später habe die Stimmung in der mamertinischen Bürgerschaft umgeschlagen und man habe in Folge dessen die Römer gerufen.[8] Andererseits ist es auch gut möglich, dass die mamertinische Bürgerschaft schon von Beginn an in zwei Lager gespalten war, diese zu keinem Konsens fanden und sowohl an Rom wie auch an Karthago ein Hilfegesuch sandten.[9] Letztere Darstellung entspricht auch dem Bericht des Polybios.[10] Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass die genauen Umstände der Hilfegesuche und ihres Zustandekommens bis heute umstritten sind.

Auf jeden Fall führte das Gesuch im römischen Senat zu intensiven Gesprächen, denn ein Eingreifen Roms käme einer Zäsur in der Aussenpolitik gleich. Bisher hatte sich Rom ausschliesslich auf die Expansion auf dem Festland konzentriert. Nun war man allerdings an die geografischen Grenzen gestossen. Eine weitere Expansion würde erstmals einen Interessenkonflikt mit einer anderen Mittelmeermacht zur Folge haben, das musste den Römern bewusst gewesen sein. Polybios schreibt an dieser Stelle von einer geopolitisch wichtigen Entscheidung: Einerseits konnte man den Brückenkopf über die Meerenge schlagen ohne Verluste zu riskieren, und andererseits wäre bei einem Nichteintreten auf das Gesuch vielleicht der Konkurrent Karthago darauf eingegangen, was diesen vielleicht zu einem “äusserst gefährlichen Nachbarn“ gemacht hätte.[11] Hier gilt es jedoch zu bedenken, dass diese Schilderung aus der Feder des Römers Fabius Pictor stammt und etwas einseitig ist. Wenn sich eine der beiden Seiten bedroht gefühlt haben musste, dann Karthago. Denn Rom war eben erst zu einem bedeutenden Gegner angewachsen und war deshalb in seinen Handlungen für Karthago unberechenbar. Karthago hingegen hatte im Verlauf der Geschichte mehrfach gezeigt, dass man keine aggressive und imperialistische Politik betrieb.[12] Allerdings wusste man sich zur Wehr zu setzen, denn Sizilien war von grosser strategischer Bedeutung für die Handelswege Karthagos.[13] Eine allfällige Bedrohung ging also eher von Rom als von Karthago aus. Und auch wenn Karthago nach der Macht über Sizilien gegriffen hätte, wäre – um eben dies zu verhindern – aus römischer Sicht ein Bündnis mit Hieron von Syrakus sinnvoller gewesen als eine Übernahme Messanas.

Der römische Senat vermochte sich im Bewusstsein um diese Tragweite einer Entscheidung nicht zu einer solchen durchringen, und befragte das Volk, welches entschloss, auf das Gesuch einzutreten, Messana in Roms Symmachie aufzunehmen und Karthagos vermeintlichen Griff nach Ostsizilien zu verhindern.

Im Frühjahr 264 standen dann römische Truppen bereit zur Überfahrt nach Sizilien. Doch waren bereits karthagische Truppen im Hafen und auf der Burg von Messana, die von jenem Teil der mamertinischen Bürgerschaft geordert wurden, der sich gegen Rom als Schutzmacht ausgesprochen hatte. Es ist allerdings auch möglich, dass sich diese Truppen bereits nach der Schlacht am Longanos 269 dort eingefunden haben. In diesem Falle erschiene der Eingriff Roms umso schärfer als Akt der Aggression.[14] Jedenfalls setzte der römische Kriegstribunal Appius Claudius über die See, und liess den karthagischen Admiral Hanno und seine Gefolgsleute vertreiben. Die karthagischen Befehlshaber „schlugen hierauf ihren Feldherrn ans Kreuz“[15].

[...]


[1] Vgl. Huss: Geschichte der Karthager. S. 216ff.

[2] Vgl. Heuss: Der erste Punische Krieg. S. 6.

[3] Vgl. Huss: Geschichte der Karthager. S. 218-219.

[4] Vgl. Heuss: Der erste Punische Krieg. S. 13.

[5] Vgl. Hoffmann: Karthagos Kampf um die Vorherrschaft. In: ANRW. S. 354

[6] Vgl. Mommsen: Römische Geschichte. S. 511.

[7] Vgl. Bellen: Grundzüge der römischen Geschichte. S. 54.

[8] Vgl. Heuss: Der erste Punische Krieg. S. 16.

[9] Vgl. Hampl: Vorgeschichte. In: ANRW. S. 414.

[10] Vgl. Polybios I:10,1.

[11] Vgl. Polybios I:10.

[12] Vgl. Heuss: Der erste Punische Krieg. S. 24-25.

[13] Vgl. Bringmann: Römische Geschichte. S. 24.

[14] Vgl. Hampl: Vorgeschichte. In: ANRW. S. 417.

[15] Vgl. Polybios I:11,5.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638044455
ISBN (Buch)
9783638940733
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v90162
Institution / Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz) – Philosophische Fakultät
Note
sehr gut
Schlagworte
Punische Krieg Römer Griechenland Jahrhundert

Autor

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