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Welche Faktoren korrelieren mit einer Smartphone-Abhängigkeit unter Studierenden? Eine Metaanalyse

Akademische Arbeit 2019 30 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Methode

4. Analyse

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

In der heutigen Zeit sind Smartphones in unserem alltäglichen und oft auch beruflichen Leben allgegenwärtig. Die damit einhergehende Smartphone-Nutzung ist innerhalb der letzten Jahre vor allem bei Jugendlichen dramatisch gestiegen (Chen et al., 2016 in Gao, Tingting et al. 2017 S. 1). Um die Fragestellung, welche Faktoren mit einer Smartphone-Abhängigkeit unter Studierenden korrelieren, beantworten zu können, sollten zunächst die relevanten Begrifflichkeiten näher erläutert werden. Mit „korrelieren“ ist im Folgenden gemeint, dass zwei Merkmale in Zusammenhang bzw. in Beziehung zueinander stehen, ohne zu trennen, welcher Faktor die Ursache und welcher Faktor die Wirkung oder das Symptom ist. Der Begriff des „Smartphones“ wurde im Jahre 1997 erstmals von der Marke Ericsson ins Leben gerufen, um diese aufgrund ihrer verbesserten Technologie von herkömmlichen Mobiltelefonen zu unterscheiden (Stockholm Smartphone 2010 in Randler, Christoph et al. 2016 S. 1). Ein Smartphone ist ein Mobiltelefon, das viele Funktionen eines Computers ausführen kann. In der Regel verfügt es über eine Touchscreen-Oberfläche, Internetzugang und über ein Betriebssystem, mit dem die heruntergeladenen Anwendungen (= Applications) ausgeführt werden können (Boumosleh, Jocelyne Matar & Jaalouk, Doris 2017, S. 2). Mit der Möglichkeit, immer und überall auf das Internet zugreifen zu können, wurden diese zu mehr als einem einfachen Kommunikationsmittel (Gökcearslan, Sahin et al. 2016). Neben dem Internetzugriff haben Smartphones noch viele weitere Vorteile und Funktionen, wie zum Beispiel Social Media Apps (WhatsApp, Facebook, Twitter und Skype), Spiele, Kamera, Bluetooth, Radio, Filme, GPS sowie eine komplette Tastatur, die es Smartphone-Nutzern ermöglicht, Nachrichten schnell und einfach zu schreiben (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 1). Durch die Vielfalt an Funktionen zur schnellen Informationssuche und weltweit möglichem Austausch bringen Smartphones auch während des Reisens viel Bequemlichkeit in das alltägliche Leben (Jiang, Qiaolei et al. 2018, S. 2). Die kleinen Mini-Computer helfen uns, mit anderen in Kontakt zu bleiben, uns selbst zu organisieren und uns zu jeder Tages- oder Nachtzeit zu unterhalten (Samaha & Hawi 2016 in Hu, Yuanming et al. 2017, S. 1). Es kann festgehalten werden, dass Smartphones unsere Art zu leben, zu fühlen, zu kommunizieren und sogar unsere Art zu altern verändert haben (Dennison et al., 2013; Sarwar und Soomro, 2013; Abu-Shanab und Haddad 2015 in Hu, Yuanming et al. 2017, S. 1). Zu den Top drei Gründen für die Nutzung von Smartphones zählen das Nachrichtenschreiben mit 83%, die generelle Nutzung zu Unterhaltungszwecken mit 67% sowie das Telefonieren mit Freunden mit 62% (Boumosleh, Jocelyne Matar & Jaalouk, Doris 2017, S. 5). Auch im universitären Kontext ist die digitale Technologie nahezu nicht mehr wegzudenken (Lian, Ling 2017, S. 1). Neben den vielen positiven Effekten und der stetigen Weiterentwicklung unserer digitalen Endgeräte (Mok, Jung-Yeon et al. 2014, S. 2) sollten die möglichen Nachteile und Risiken der Smartphone-Nutzung jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Es hat sich gezeigt, dass eine übermäßige Nutzung mit nachteiligen und problematischen Auswirkungen verbunden sein kann (Pavia, Laura et al. 2016, S. 1). Zu den unmittelbarsten negativen Folgen der Smartphone Nutzung gehört die eingangs erwähnte Smartphone-Abhängigkeit (Chóliz 2010 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 1), wovon hauptsächlich Jugendliche betroffen sind (Attamimi 2011 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 1). Obwohl das Thema der Smartphone-Abhängigkeit bereits länderübergreifend in verschiedensten Studien immer wieder auftaucht und ebenfalls zumindest schon teilweise in das öffentliche Bewusstsein der Gesellschaft gerückt ist (Jiang, Qiaolei et al. 2018), existiert keine einheitliche Definition der Smartphone-Abhängigkeit. Laut Griffith kann diese als eine Form der technologischen Sucht angesehen werden, die durch ein Verhaltensmuster gekennzeichnet ist, das der Internetsucht oder anderen Substanzsucht ähnelt (Griffiths, 1996; Lin et al. 2014 in Pavia, Laura et al. 2016, S. 1). Die Anzahl der Smartphone-Nutzer, die beträchtliche Summen für die neuesten Upgrades, Versionen und Apps ausgeben, hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Benutzer fühlen sich so sehr an ihr Smartphone gebunden, dass sie das Gefühl haben, ohne es nicht funktionieren zu können und die Beschäftigung mit dem Smartphone führt zumindest bei manchen dazu, dass andere Aufgaben vernachlässigt werden (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 1). Jiang et al. (2018) beschreiben die Smartphone-Abhängigkeit als eine unkontrollierbare und übermäßige Smartphone-Nutzung, um Probleme im wirklichen Leben zu vermeiden. Zu erkennen sei diese Sucht unter anderem daran, dass Betroffene ihre tatsächliche Nutzungsdauer vor Freunden und Familienmitgliedern versuchen zu verbergen, bei Kontrollversuchen der Nutzungsdauer mit Entzugssymptomen zu kämpfen haben und die kontinuierliche Smartphone-Nutzung fortsetzen, trotz Bewusstsein über mögliche negative Folgen und gefährlichen Situationen, beispielsweise während des Autofahrens. In anderen Studien wird die Smartphone-Abhängigkeit als eine Verhaltenssucht beschrieben, ähnlich wie bei Drogen- oder übermäßigem Alkoholkonsum (Hu, Yuanming et al. 2017, S. 2). Berichten zufolge sind physische und psychische Probleme auf eine übermäßige Nutzung von Smartphones zurückzuführen, darunter Muskelschmerzen, verschwommenes Sehen, Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen (Jiang, Qiaolei et al. 2018, S. 2-3). Darüber hinaus kann ein zu häufiger Smartphone-Gebrauch die soziale Interaktion im wirklichen Leben verringern sowie die akademischen Fähigkeiten, Beziehungsprobleme verursachen und körperliche Gesundheitsprobleme verursachen (Mok, Jung-Yeon et al. 2014, S. 2). Laut Aljomaa et al. (2016) gehört die Smartphone-Sucht zu den am weitesten verbreiteten Suchtkrankheiten (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 2). Dies betrifft Studierende länderübergreifend: die Rate der smartphoneabhängigen Studierenden im Jahr 2017 betrug in Italien 6%, in Spanien 38%, in Japan 18,8%, in den Niederlanden 28,7%, in Hong Kong 27,4%, in den Vereinigten Staaten 25%, in Indien 44% und in den Vereinigten Arabischen Emiraten 67% (Machado Khoury, Julia et al. 2017, S. 2). Betrachtet man die unterschiedlichen Studien wird also schnell deutlich, dass es keine allgemeine Definition zur Smartphone-Abhängigkeit gibt. Pavia et al. (2016) begründen dies damit, dass eine Vielzahl von Symptomen und Anzeichen existieren, die nicht eindeutig als Indikatoren für eine Sucht angesehen werden können. Ähnliches beschreiben auch die Autoren Demirci et al. (2015): Es gäbe keine offiziell diagnostizierten Kriterien für eine Smartphone-Sucht (Demirci, Kadir et al. 2015, S. 1). Aus der Literatur gehe hervor, dass es sich um ein mehrdimensionales Konstrukt handle (Pavia, Laura et al. 2016, S. 2). Während also einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Smartphone-Abhängigkeit als eine technologische Abhängigkeit oder als eine Verhaltenssucht beschreiben, definieren die Forscherinnen Jocelyne Matar Boumosleh und Doris Jaalouk diese anhand der Nutzungsdauer: „Excessive smartphone use was defined by at least 5 hours {…} on a weekday.“ (Boumosleh Matar, Jocelyne & Jaalouk, Doris 2017, S. 4).

In dieser Arbeit soll es konkret um die Fragestellung gehen, welche Faktoren mit einer Smartphone-Abhängigkeit unter Studierenden korrelieren, wie Geschlecht, Alter, Wohnsitz, Fakultät, akademische Leistung, Arbeitszeit pro Woche, Lebensgewohnheiten, Konfession, mentale sowie körperliche Gesundheit, soziales Umfeld, Einkommen, Persönlichkeitstyp, Dauer der Nutzung, Alltagsstörungen, Zwanghaftigkeit, Schlafprobleme, Zweck bzw. Art der Nutzung und Chronotypen. Die dahinterstehende Hypothese lautet, dass sich eine übermäßige Smartphone-Nutzung negativ auf den Gesundheits- und Gemütszustand von Studierenden auswirkt. Um ein umfassendes Bild über die relevanten Faktoren zu erhalten, wurde mithilfe des Softwareprogrammes „MAXQDA“ eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt. Zunächst gibt Kapitel 2 einen Überblick, auf welchem Stand sich die Forschung im Bereich der Smartphone-Abhängigkeit momentan befindet. Hierzu werden beispielhaft zentrale Autorinnen und Autoren sowie ihre Forschungsergebnisse vorgestellt. Näheres zum methodischen Vorgehen dieser Arbeit wird in Kapitel 3 beschrieben. Im Anschluss werden in Kapitel 4 die Ergebnisse der 18 zugrundeliegenden Studien zusammengetragen, um abschließend im Schlussteil dieser Arbeit ein Resümee über die gewonnenen Erkenntnisse zu ziehen.

2. Forschungsstand

Der Haupt-Gegenstand dieser Arbeit ist die Smartphone-Abhängigkeit bzw. Smartphone-Sucht. Da sich die derzeitige Forschungsliteratur bei der begrifflichen Einbettung uneinig ist, wie auch schon in der Einleitung deutlich geworden sein müsste, sollte diese als mehrdimensionales Konstrukt verstanden werden (Pavia, Laura et al. 2016, S. 2). Zunächst wird ein Überblick über den derzeitigen Forschungsstand durchgeführt mit einer damit einhergehenden begrifflichen Erläuterung der relevanten Faktoren. Smartphone-Abhängigkeit geht mit verschiedenen Symptomen einher, die schon von mehreren Autorinnen und Autoren beschrieben wurden. Die am häufigsten beschriebenen Entzugssymptome waren Angstzustände, Reizbarkeit, Ungeduld, Kontrollverlust bei der Nutzung von Smartphones, eine längere Nutzungsdauer als ursprünglich vorgesehen, Eingriffe in Aktivitäten des täglichen Lebens und Aufrechterhaltung der Nutzungsmenge trotz negativer Folgen (Machado Khoury, Julia et al. 2017, S. 2). Ähnliche Symptome beschreiben auch die Autoren Hiscock (2004), James & Drennan (2005) und Richard (2001): Eine übermäßiger Smartphone-Gebrauch wirkt sich negativ auf Schlaf, Gesundheit, Konzentration und das Auffassungsvermögen aus (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 2). Konsequenzen von erhöhtem Smartphone-Gebrauch sind also unter anderem Schlafprobleme, mentale Gesundheitsprobleme sowie eine Abnahme der Lern- und Arbeitsleistung. (Machado Khoury, Julia et al. 2017, S. 2).

Unter dem Begriff der mentalen Gesundheit werden in dieser Arbeit mehrere Unterpunkte behandelt: neurotisches Verhalten/ Neurotizismus, Lebenszufriedenheit, Depressionen, Ängste, Stress, Einsamkeit, Selbstbeherrschung sowie zwischenmenschliche und gewissenhafte Tugenden. Vorangegangene Studien ergaben, dass Personen mit neurotischen Charakterzügen anfälliger für Suchtverhalten sein können (Shaffer et al. 2000 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 1). Auch die Forscher Augner und Hacker (2012) fanden heraus, dass übermäßige Smartphone-Nutzung in positivem Zusammenhang mit Neurotizismus steht. Neurotizismus könnte also eine Smartphone-Abhängigkeit begünstigen (Ehrenberg et al. 2008 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 1). Darüber hinaus ergab eine Querschnittsumfrage aus dem Jahr 2016, dass die Lebenszufriedenheit von internetabhängigen Studierenden geringer ist als von nicht-Betroffenen (Fatehi et al. 2016 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 1). Lebenszufriedenheit wird definiert als: „individual´s perceptions of their position in life in the context of the culture and value systems in which they live and in relation to their goals, expectations, standards, and concerns.“ (WHO 1999 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 1).

Damit einhergehend ergaben Befunde, dass Depressionen stark mit der eigenen Lebenszufriedenheit korrelieren (Cohen et al. 2015 in Gao, Tingting et al.2017, S. 1). Studierende mit Depressionen hatten eine signifikant niedrigere Lebenszufriedenheit (Mohamed et al. 2014 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 1). Zudem wiesen Betroffene von Smartphone-Abhängigkeit stets ein höheres Niveau von Ängsten und Depressionen auf (Turel et al. 2011 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 2). Der Grad der Smartphone-Abhängigkeit steht in signifikantem Zusammenhang mit depressiven Zuständen (Chen et al. 2016 in Gao, Tingting et al. 2017, S. 2). Maya und Nizar (2016) zeigten zudem, dass das Risiko von Smartphone-Sucht in positivem Zusammenhang mit Stress steht und Stress wiederum in negativem Zusammenhang mit der Lebenszufriedenheit (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen auch andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Stress gilt als konkreter Faktor für Substanz-Abhängigkeiten und das Wiederauftreten einer Sucht (Sinha 2008 in Kuang-Tsan, Cheng & Fu-Yuan, Hong 2017, S. 2). Untersuchungen zufolge kann es bei Personen, die internem und externem Stress ausgesetzt sind, zu einer Internet- oder Smartphone-Sucht kommen, um sich von dem eigenen Stressgefühl abzulenken oder als eine Reaktion auf den wahrgenommenen Stress (Kuang-Tsan, Cheng & Fu-Yuan, Hong 2017, S. 2). Smartphone-Süchtige sind außerdem bewiesenermaßen häufiger von dem Gefühl der Einsamkeit betroffen, unter anderem durch die Reduzierung von realer Interaktion (Kuss & Griffiths 2011 in Demirci, Kadir et al. 2015, S. 2), aber auch Studierende, die ein Auslandssemester absolvieren. Jiang et al. beschrieben Einsamkeit folgendermaßen:

„Defined as the subjective gap between an individual´s desired and actual levels of social relations, loneliness is an enduring condition of emotional distress that arises when an individual feels estranged from, misunderstood, or rejected by others and/ or lacks of appropriate social partners for desired activities, particularly those activities that provide a sense of social integration and opportunities for emotional intimacy.“

(Jiang, Qiaolei et al. 2018, S. 2)

In vorangegangenen Studien wurden die Herausforderungen untersucht, denen sich internationale Studierende gegenübersehen (Jiang, Qiaolei et al. 2018, S. 1). Die Ergebnisse waren, dass Einsamkeit eine häufige Erfahrung ist, die sich wiederum auf ihre Smartphone-Nutzung sowie akademische Leistungen und ihr psychisches Wohlbefinden auswirken kann. Insbesondere für internationale Studierende kann es sehr wichtig sein, Zeit und Raum mithilfe von Smartphones zu überwinden, um Bindungen aufrechtzuerhalten und neue zu schaffen (Jiang, Qiaolei et al. 2018, S. 1). Einsamkeit steht demnach in einem signifikanten Zusammenhang mit Smartphone-Abhängigkeit (Jiang, Qiaolei et al. 2018, S. 2). Betrachtet man den derzeitigen Forschungsstand zum Thema persönliche Merkmale, wie Selbstregulierung und Selbstbeherrschung, findet man schnell heraus, dass es zu diesen in Zusammenhang mit Smartphone-Sucht noch nicht viele Veröffentlichungen gibt. Die Autoren Gökcearslan, Sahin et al. (2016) beschäftigten sich daher in ihrer Studie „Modelling smartphone addiction: The role of smartphone usage, self-regulation, general self-efficacy and cyberloafing in university students“ mit genau diesem Thema, deren Ergebnisse in Kapitel 4 näher erläutert werden. Eine weitere Forschungslücke behandelte Ling Lian (2017) mit seiner Forschung bezüglich der Beziehung zwischen Tugenden der Studierenden und Smartphone-Sucht (Lian, Ling 2017, S. 1). Tugenden definiert Lian (2017) folgendermaßen: „Virtues are a core concept in positive psychology, refering to a property of the whole person and the life that person leads.“ Als Beispiele führt er Charakterstärken auf, wie beispielsweise Teamwork, Dankbarkeit, Liebe, Neugier, Umsicht und Selbstregulierung. Lian (2017) verwies auf den aktuellen Forschungsstand bezüglich Smartphone-Sucht und hielt fest, dass es bisher nur wenige Studien gibt, die potenzielle Schutzfaktoren, wie Tugenden untersuchen, die Auswirkungen auf zukünftige Smartphone-Suchtinterventionen haben könnten. Diese Forschungslücke wollte er mit der folgenden Studie schließen: „Alienation as Mediator and Moderator of the Relationship between virtues and smartphone addiction amaong chinese universtiy students“ Als Gründe für diese Forschungslücke führt Lian (2017) auf, dass die Tugendstruktur kulturelle Unterschiede nur schwer berücksichtigen kann.

Anhand des derzeitigen Forschungsstandes zur mentalen Gesundheit und Smartphone-Sucht lässt sich also festhalten, dass diese in positivem oder negativem Zusammenhang mit einer Vielzahl an mentalen Problemen stehen kann, wie Neurotizismus, Lebenszufriedenheit, Depressionen, Ängste, Stress, Einsamkeit, Selbstbeherrschung sowie zwischenmenschliche und gewissenhafte Tugenden (Bianchi & Phillips 2005, Ezoe et al. 2009, Igarashi et al. 2008, Jenaro et al. 2007 in Kuang-Tsan, Cheng und Fu-Yuan, Hong 2017, S. 1).

Zu Effekten des erhöhten Smartphone-Einsatzes gehören zudem einige negative Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, die sich vor allem durch die Einwirkung von Strahlen und Funkwellen ergeben. Diese können Krebs, Gehirntumore, Nervenstörungen, Konzentrationsstörungen, Probleme mit der Funktion der Iris und des Immunsystems verursachen (Alasdair & Philips 2011 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Zudem haben Strahlen und Funkwellen negative Auswirkungen auf das Trommelfell, den Hals und die Gelenke und können darüber hinaus zu erhöhten Müdigkeitserscheinungen führen (Alasdair & Philips 2011 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Richard (2001) enthüllte, dass man durch eine Smartphone-Nutzung von mehr als 10 Jahren mit größerer Wahrscheinlichkeit an Hirntumoren erkrankt. Langzeitnutzer haben außerdem eine höhere Wahrscheinlichkeit an einem Tumor in dem Nerv zu erkranken, der das Ohr mit dem Gehirn verbindet (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Außerdem führt eine generelle übermäßige Benutzung von Smartphones zu Schmerzen im Nacken und im Handgelenk (Kwon et al. 2013 in Demirci, Kadir et al. 2015, S. 2).

Das soziale Umfeld wird im Zusammenhang mit einer Smartphone-Abhängigkeit ebenfalls in zahlreichen Studien thematisiert. Viele dieser Studien ergaben, dass soziale Beziehungen Stress vermeiden, das Glücksgefühl steigern sowie das Traurigkeitsgefühl verringern (House et al. 1988, Johnson 1991 in Kuang-Tsan, Cheng und Fu-Yuan, Hong 2017, S. 3). Persönliche Beziehungen wirken sich positiv auf das psychische Glück und auf das eigene Smartphone-Nutzverhalten aus. Kuang-Tsan und Fu-Yuan (2017) betonen aber auch, dass sich die Smartphone-Nutzung sogar positiv auf persönliche Beziehungen auswirken kann, wenn diese den Individuen hilft, soziale Aktivitäten zu planen und diese somit das psychologische Zufriedenheitsgefühl steigern. Wenn allerdings die Rede von Smartphone-Abhängigen ist, haben Befunde ergeben, dass diese Schwierigkeiten bei der direkten Kommunikation haben (Ezoe et al. 2009 in Kuang-Tsan, Cheng und Fu-Yuan, Hong 2017, S. 3).

Bezüglich des Faktors Einkommen gibt es laut derzeitigem Forschungsstand keinen einheitlichen wissenschaftlichen Konsens: während die Autoren Castell et al. (2004) und Zulketly & Baharudin (2009) bewiesen, dass Studierende mit höherem Einkommen mehr Zeit mit ihren Smartphones verbringen, zeigten Brown et al. (2011) genau das Gegenteil, und zwar, dass Studierende mit geringerem Einkommen eine höhere Nutzung aufweisen. Chakraborty (2006) und James & Drennan (2005) veröffentlichten wiederum, dass das Einkommen keine Rolle bei der Smartphone-Nutzung spielt (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 4).

Auch Studien zum Faktor Geschlecht in Zusammenhang mit Smartphone-Sucht stehen sich widersprüchlich gegenüber. Während einige Studien signifikante Differenzen zwischen weiblichen und männlichen Smartphone-Nutzern feststellten (Assabawy 2006 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S.3), fanden andere keine geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich des Smartphone-Gebrauchs (Chung 2011, Prezza et al. 2004 in Aljomaa, Suliman S. et al 2016, S.3). Auch die Studien, in denen geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt worden, unterscheiden sich in ihren Ergebnissen: In einigen Studien wurde berichtet, dass Frauen mehr als Männer zu übermäßiger Smartphone-Nutzung neigen (Augner & Hacker 2012, Billieux et al. 2008, Lee et al. 2014, Mok et al. 2014, Sar Ayas & Horzum 2015 in Randler, Christoph et al. 2016, S. 2). Abo-Jedi (2008) fand beispielsweise heraus, dass die Anzahl der weiblichen Smartphone-Abhängigen doppelt so hoch, wie die der männlichen ist (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Andere Studien kamen zu einem gegenteiligen Ergebnis, nämlich, dass Männer im Vergleich zu Frauen anfälliger für eine Smartphone-Abhängigkeit sind (Morahan-Martin & Schumacher 2000, Öztunc 2013, Takao et al. 2009 in Randler, Christoph et al. 2016, S. 2).

Das Alter ist ein weiterer korrelierender Faktor bezüglich der Smartphone-Nutzung. Laut einer Umfrage der nationalen Agentur für Informationsgesellschaft (2011) ist die Smartphone-Abhängigkeit bei 10- bis 20-Jährigen häufiger anzutreffen als bei 20- bis 30-Jährigen. Damit einhergehend kamen Kwon et al. (2013) zu dem Schluss, dass Jüngere Smartphone-Besitzer leichter in eine Smartphone-Abhängigkeit geraten, als Ältere (Randler, Christoph et al. 2016). Ähnliches beschreiben auch die Carbonell, Xavier et al. (2018): Jugendliche nutzen ihre Smartphones sowie das Internet häufiger als ältere Smartphone-Besitzer (Carbonell, Xavier et al. (2018), S. 9). Dies bestätigen ebenfalls viele weitere Studien, wie Augner & Hacker 2012, Martinotti et al. 2011 und Walsh et al. 2007: Jugendliche tendieren eher zu einer Smartphone-Abhängigkeit, als ältere Smartphone-Nutzer. Ergänzend dazu betonen Lu et al., dass sich Smartphone-Abhängigkeit nicht nur auf Jugendliche, sondern ebenfalls auf Erwachsene auswirken kann (Simó-Sanz, Conchín et al. 2018, S. 8). Da sich viele Studien bezüglich der Smartphone-Nutzung auf eine junge Altersgruppe beziehen, besteht hier, laut Simó-Sanz et al. (2018), noch Potential für die zukünftige Forschung, die auch ältere Generationen bei dem Thema stärker mit einbeziehen (Simó-Sanz, Conchín et al. 2018, S. 8).

Tindell und Bohlander (2012) fanden heraus, dass ein Großteil der Studierenden ihre Smartphones auch während der Vorlesungen benutzen (Aljomaa, Suliman S., S. 3). Ergänzend dazu wurde empirisch belegt, dass es einen negativen Zusammenhang zwischen der Smartphone-Nutzung und der akademischen Leistung gibt (Chen & Lever 2004, Lepp, Barkle & Karpinski 2015 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Zu dem gleichen Schluss kommt unter anderem auch der Autor Bandura (2000): Die akademischen Leistungen korrelieren negativ und signifikant mit einer Smartphone-Sucht (Chiu, Shao.-I. 2014, S. 3). Laut anderen vorangegangen Studien, verbringen Studierende immer längere Zeiträume im Internet, was zur Vernachlässigung ihrer akademischen Arbeit führen kann (Chou 2001, Nalwa & Anand 2003, Tsai & Lin 2003, Young 1998 in Chiu, Shao-I. 2014, S. 3). Der Kontakt mit den großen Informationsmengen im Internet kann dazu führen, dass nicht mehr zwischen relevanten und irrelevanten Informationen unterschieden werden kann (Acelajado 2004 in Aljomaa, Suliman S., S. 3). Ähnliche Ergebnisse zeigten Sarwar und Soomro (2013) und Abu-Shanab und Haddad (2015): Smartphone-Abhängigkeit hat einen direkten Einfluss auf die akademische Leistungsfähigkeit und ebenso auf die soziale Kommunikation (Hu, Yuanming et al. 2017, S.6).

Einige Studien beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Smartphone-Sucht auf den Alltag und brachten damit einhergehend hervor, dass das Leben von Smartphone-Süchtigen durch gewisse Alltagsstörungen gekennzeichnet ist. Dazu zählt unter anderem, dass die übermäßige Smartphone-Nutzung die zwischenmenschlichen Beziehungen erschweren (Augner, Hacker 2012, Chóliz 2012, Leung 2008 in Gökcearslan, Sahin et al. 2016, S. 1). Zudem wird das alltägliche Leben durch Smartphone-Abhängigkeit beeinträchtigt, beispielswiese durch die Nutzung in unangemessenen Situationen, wie zum Beispiel im Kino oder im Hörsaal oder durch die Nutzung in gefährlichen Situationen, wie zum Beispiel während des Autofahrens (Walsh, White & Young 2007, S. 1). Pennay (2006) hat darauf aufbauend herausgefunden, dass die Nutzung des Smartphones während des Autofahrens die Konzentration schwächt, was wiederum zum Verursachen von Unfällen führen kann (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3).

Auch die Frage, ob der Zweck bzw. die Art der Nutzung Auswirkungen auf eine Smartphone-Abhängigkeit haben, wurde bereits in einigen Studien thematisiert. Canan et al. (2013) fanden heraus, dass der Zweck der Internetnutzung in Bezug auf die Schlafdauer von Bedeutung ist (Demirci, Kadir et al. 2015, S. 6). Woodbury (2009) deckte auf, dass Smartphones im Wesentlichen für den Kontakt zu Familien oder Freunden genutzt werden und weniger für das Arbeiten mit Lernmaterialien im universitären Kontext (Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3).

Bezogen auf die Nutzungsdauer zeigten vorangegangene Studien, dass Jugendliche und Erwachsene ihr Smartphone mehr als 4 Stunden pro Tag benutzen, um Anrufe zu tätigen, Nachrichten zu empfangen und zu beantworten (Torrecillas 2007 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 2). Roberts, Yaya und Manlis (2014) veröffentlichten, dass Studierende täglich sogar bis zu 9 Stunden mit ihren Smartphones tätig sind (Demirci, Kadir et al. 2015, S. 1). Diese Personen fühlten sich in ihrem Alltag gestört und verärgert, wenn sie nicht auf alle an sie gerichteten Anrufe und Nachrichten antworten konnten. Außerdem stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass sich Smartphone-Abhängige unabhängig vom Grund des Entzugs für diese Zeit niedergeschlagen fühlten und dass das Ausschalten des Smartphones zu Sorgen, Depressionen, Wut und zu Schlafproblemen führte (Yu-Kang, Chun-Tuan & Zhao-Hong 2014 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Ergänzende Forschungsergebnisse bestätigen, dass eine übermäßige Nutzungsdauer zu einer Smartphone-Sucht führt (Ehrenberg, Juckes, White & Walsh 2008 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3). Ähnliches beschreiben auch Kwon et al. (2013): Die tägliche Nutzungsdauer steht in direktem Zusammenhang mit einer problematischen Smartphone-Nutzung. Anders ausgedrückt: eine übermäßige Smartphone-Nutzung verursacht eine Smartphone-Abhängigkeit (Augner & Hacker 2012 in Gökcearslan, Sahin et al. 2016, S. 2). Die Vielzahl an Smartphone-Anwendungen (=Applications) führen dazu, dass Nutzer ihre Smartphones häufiger überprüfen (Salehan & Negahban, 2013, van Deursen, Bolle, Hegner & Kommers 2015 in Gökcearslan, Sahin et al. 2016, S. 3). Laut van Deursen et al. (2015) wird dieser Überprüfungsprozess ständig wiederholt, da neue Nachrichten, Benachrichtigungen oder Nachrichten-Feeds als eine Art „Belohnung“ fungieren, was wiederum zu einer Suchtentwicklung führen kann (Gökcearslan, Sahin et al. 2016, S. 3). In den zuvor erwähnten Studien wurde einheitlich festgestellt, dass die Dauer der Smartphone-Nutzung eine signifikante Variable in Bezug auf eine Smartphone-Abhängigkeit ist (Gökcearslan, Sahin et al. 2016, S. 3).

Bezüglich der Zwanghaftigkeit in Zusammenhang mit einer Smartphone-Sucht unter Studierenden, legen die bisherigen Forschungsergebnisse nahe, dass die zwanghafte Nutzung von Smartphones in positivem Zusammenhang mit psychologischen Merkmalen, wie Angst vor sozialer Interaktion, Materialismus und dem Bedürfnis nach Berührung sowie einer Smartphone-Abhängigkeit steht (|Yu-Kang, Chun-Tuan & Zhao-Hong 2014 in Aljomaa, Suliman S. et al. 2016, S. 3).

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