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Die Zeichenarten Symptom, Ikon und Symbol bei Rudi Keller und Charles S. Peirce im Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 19 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeichentheorie von Rudi Keller
2.1 Das Symptom
2.2 Das Ikon
2.3 Das Symbol

3. Zeichentheorie von Charles S. Peirce
3.1 Der Index
3.1 Das Ikon
3.3 Das Symbol

4. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den beiden Theorien
4.1 Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den indexikalischen Zeichen
4.2 Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den ikonischen Zeichen
4.3 Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den symbolischen Zeichen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon seit über 2000 Jahren beschäftigen sich die Menschen mit dem Wesen des Zeichens. „Die frühste erhaltene wissenschaftlich-philosophische Schrift zu der Frage nach dem Wesen der Zeichen ist Platons Dialog ‚Kratylos’, vermutlich aus dem Jahr 388 v.Ch.“[1] Diesem Dialog folgten noch viele weitere Untersuchungen und Theorien über Zeichen und deren Bedeutung, z.B. von Aristoteles, Frege, Wittgenstein oder Saussure.

Auch Rudi Keller und Charles Sanders Peirce haben sich mit Zeichen und deren Bedeutung beschäftigt. Dabei vertreten beide teils unterschiedliche Meinungen über Zeichen, aber es gibt ebenso auch Ansichten, die sie teilen.

Was sagt Keller über die Zeichenarten Symptom, Ikon und Symbol? Und wie denkt Peirce über diese Zeichen? Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es zwischen den Ansichten von Keller und Peirce?

Diese Fragen zu beantworten ist das Ziel dieser Arbeit.

Dabei stelle ich zuerst Kellers allgemeine Meinung über Zeichen vor, bevor ich dann im Speziellen zu Symptom, Ikon und Symbol übergehe.

Auch bei Peirce stelle ich die allgemeinen Ansichten über Zeichen der Ausführung über die verschiedenen Zeichenarten voran. Dem folgt dann die Untersuchung nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Die Ergebnisse dieser Arbeit beziehen sich ausschließlich auf die in dem Literaturverzeichnis angegebenen Werke. Abweichende Meinungen von Keller und Peirce in anderen Schriften konnten nicht berücksichtigt werden.

2. Die Zeichentheorie von Rudi Keller

Rudi Keller unterscheidet bei seiner Zeichentheorie zwischen zwei verschiedenen Perspektiven. Für Ihn gibt es zum einen die Perspektive des Interpreten, und zum anderen die Perspektive des Sprechers.

Für den Interpreten ist das Zeichen ein Hilfsmittel, um von dem unmittelbar Wahrnehmbaren auf das eben nicht unmittelbar Wahrnehmbare schließen zu können. Der Sprecher beabsichtigt umgekehrt mit seinem Zeichen den Interpreten dazu zu bringen, zu erkennen, wie er ihn beeinflussen möchte. Dazu verwendet er wahrnehmbare Dinge. Der Sprecher nutzt so die Fähigkeit des Adressaten zu interpretieren zu seinem Gunsten aus.

Für Keller heißt interpretieren, einen Schluss zu ziehen. Und diejenigen systematischen Zusammenhänge, durch die die Zeichen interpretierbar sind, nennt er die Bedeutung der Zeichen.[2]

Von diesen systematischen Zusammenhängen gibt es für Keller drei, den kausalen Zusammenhang, den assoziativen, und den regelbasierten Zusammenhang. Diese drei Zusammenhänge nennt er Grundverfahren der Interpretation.[3] Der kausale Zusammenhang ist symptomisch, der assoziative ikonisch, und der regelbasierte ist symbolisch.

Er unterscheidet also die Zeichen Symptom, Ikon und Symbol durch die Art und Weise wie sie interpretiert werden. Das Symptom wird durch kausales Schließen interpretiert, das Ikon durch Assoziation, und das Symbol durch regelbasiertes Schließen.

Die Folge davon, dass die Zeichen durch die Methode ihrer Interpretation unterschieden werden, ist, dass etwas für den Adressaten ein Ikon ist, für einen anderen aber ein Symbol usw.[4] Es kommt nämlich nur darauf an, auf welche Art und Weise interpretiert wurde.

Weiter ist Keller der Meinung, dass Zeichen nicht für etwas stehen, sondern dass sie nur Schlüsse ermöglichen. Außerdem haben sie auch dann Bedeutung, wenn sie gerade nicht verwendet werden.[5]

2.1 Das Symptom

Das Symptom ist für Keller das einfachste und älteste unter den drei Zeichen. Es ist das Einfachste, weil es einfacher ist etwas zu interpretieren, als „jemanden dazu zu bringen, eine bestimmte Interpretation zu leisten.“[6]

Symptome werden nicht geschaffen um gedeutet zu werden, sondern sie existieren einfach. Sie werden im Gegensatz zu Ikonen und Symbolen nicht gemacht, um vom Wahrnehmbaren auf das Nicht – Offensichtliche zu schließen. Daher haben sie auch keinen Sender und keinen Empfänger. Und erst dadurch, dass sie interpretativ genutzt werden, werden sie zu Zeichen.

Demnach kann alles ein Symptom sein, was von einem Interpreten zur Prämisse eines Schlusses gemacht wird. Darum ist es auch offen, wofür ein Symptom ein Symptom ist.[7] Auch Tiere können Symptome interpretieren, wenn z.B. wie Keller ausführt, Paviane in der Steppe bestimmte Bewegungen der Grashalme als Zeichen für eine Gefahr durch Raubkatzen deuten.[8]

Weiterhin ist Keller der Meinung, dass Symptome nicht für etwas stehen. Dies zeigt er an dem Beispiel der Krankheit Masern mit ihren typischen Flecken. „Wenn die Metapher des Stehens - für irgendwo völlig fehl am Platze ist, dann in bezug auf Symptome. Denn […] die Flecken ‚stehen’ ja nicht ‚für’ Masern, sondern sind Teil dieser Krankheit.“[9]

So stehen die sich bewegenden Grashalme nicht für Raubkatzen die sich nähern, sondern die Raubkatzen sind die Verursacher von den Bewegungen der Grashalme.[10]

Einige weitere Beispiele für Symptome in der Kommunikation die Rudi Keller anführt sind das Erröten bei Schamhaftigkeit, das Zittern bei Angst, Tränen bei Trauer und der Dialekt als Zeichen der Herkunft.

Keller teilt die Symptome nach der Art ihrer Bedeutung in drei Unterarten ein. Diese sind die Teil – Ganzes Relation, die Ursache - Wirkungs- Beziehung, und drittens, die Mittel - Zweck - Beziehung.

Bei der Teil - Ganzes Relation ist es „der systematische Zusammenhang, nach dem wir suchen, der uns erlaubt, solche Erscheinungen wie Flecken, Zittern oder Erröten als Zeichen zu nutzen und als Symptome zu ‚verstehen’ […].“[11] Die Symptome sind Teil eines Ganzen. Die Masernflecken sind Teil des Ganzen, nämlich der Krankheit Masern. Der Teil wird genutzt um auf das Ganze, z.B. die Krankheit, zu schließen.

Bei Fingerabdrücken, Fußspuren oder Dialektakzente als Symptome ist die Art der Bedeutung nicht die Teil-Ganzes-Relation, sondern die Ursache-Wirkungs Beziehung. „Die Bedeutung eines Fingerabdrucks als Symptom besteht darin, Wirkung der Ursache eines Verursachers zu sein.“[12] Die Fingerabdrücke oder Fußspuren sind nicht automatisch Symptome, nur weil sie vorhanden sind. Sie werden erst zu Symptomen, wenn versucht wird sie zu interpretieren. Wären z.B. Fingerabdrücke oder Fußspuren immer Symptome, unabhängig davon ob sie interpretiert werden oder nicht, gäbe es unendlich viele Symptome und somit eine Zeicheninflation.

Bei der Mittel - Zweck Relation schließt man von einem benutzten Mittel auf den mit diesem Mittel verfolgten Zweck. Wenn z. B. ein Jäger mit dem Gewehr in den Wald geht ist das ein Symptom dafür, dass er z.B. Rehe oder Hasen jagen geht. Das Mittel dazu ist dabei das Gewehr, und der Zweck das Jagen oder Töten von Rehen oder Hasen.

Zeichen mit ad hoc Charakter die Gegenstand pragmatischer Schlüsse sind zählt Keller nicht zu den Symptomen, sondern zu Indizien mit Symptomqualität.

Keller definiert abschließend die Interpretationsmethoden der Symptome als Zeichen, als die des kausalen Schließens.[13]

2.2 Das Ikon

Ikone sind Zeichen die extra zum Kommunizieren geschaffen wurden. Sie existieren also nicht einfach und werden interpretiert, wie das bei den Symptomen der Fall ist, sondern sie werden absichtlich geschaffen. Darum sagt Keller auch von ihnen, dass sie echte Zeichen sind.[14]

Ikonische Zeichen werden verwendet, um einen anderen zu veranlassen etwas zu tun, um sich mitzuteilen. Da aber die Interpretationsmöglichkeiten eines Ikons nicht festgelegt sind, ist die Auslegung eines Ikons sehr stark vom dem Zusammenhang, dem Kontext, abhängig, in dem es steht. Dabei enthält das Zeichen selbst keine Nachricht, es ist nur der Schlüssel zur Auslegung. „Das Zeichen wirkt als Assoziationsimpuls.“[15] Eine besondere Rolle kommt daher dem Sender zu, der natürliche Dinge zum Ikon macht, um mit anderen zu kommunizieren.

[...]


[1] Keller 1995: 23

[2] Vgl. Keller 1995: 113

[3] Vgl. Keller 1995: 114

[4] Vgl. Keller 1995: 117

[5] Vgl. Keller 1995: 115f

[6] Keller 1995: 118

[7] Vgl. Keller 1995: 123

[8] Vgl. Keller 1995: 118ff.

[9] Keller 1995: 118

[10] Vgl. Keller 1995: 118

[11] Keller 1995: 120

[12] Keller 1995:120

[13] Vgl. Keller 1995: 119ff.

[14] Vgl. Keller 1995: 123

[15] Keller 1995: 125

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638041430
ISBN (Buch)
9783638938945
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89951
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Schlagworte
Zeichenarten Symptom Ikon Symbol Rudi Keller Charles Peirce Vergleich Zeichentheorie

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