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Krebs im Kindesalter. Psychosozialer Ansatz von Bewegungstherapie

Hausarbeit 2007 21 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Medizinische Grundlagen der Krebserkrankungen im Kindesalter
2.1. Epidemiologie
2.2. Ätiologie
2.3. Häufigste Krankheitsbilder bei Kindern
2.3.1. Leukämie
2.3.2 ZNS-Tumore
2.3.3 Maligne Lymphome
2.4. Behandlungsformen und ihre Nebenwirkungen
2.4.1. Lokale Behandlungsformen
2.4.2. Systemische Behandlungsformen

3. Psychosoziale Auswirkung der Krankheit auf die Lebenssituation von Kindern und des familiären Umfeldes
3.1. Belastung des erkrankten Kindes
3.2. Belastung der Eltern
3.3. Belastung der Geschwister

4. Bewegungstherapie
4.1. Einflüsse von körperlicher Aktivität
4.2. Einflüsse von körperlicher Aktivität auf die Befindlichkeit krebskranker Kinder

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

„Ihr Kind hat Krebs“ – ein Satz, der Erschütterung, Hilflosigkeit und Todesängste bei den Eltern auslöst.

Unter der Bezeichnung `Krebs` wird eine ganze Reihe von Erkrankungen zusammengefasst, die sehr verschiedene Symptome und Verläufe haben können. Eins verbindet sie: Der Oberbegriff Krebs ist auch heute noch wie kein anderer mit Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung verknüpft.

Jährlich erkranken ca. 1800 Kinder, bei einer Bevölkerungszahl von 13 Millionen unter 15-Jährigen, an Krebs. Es ergibt sich eine Anzahl der Neuerkrankungen von 14 pro 100.000 Kinder.

Die häufigsten Krankheitsbilder bei Kindern sind Leukämie, das Blutkrebs, die Zentrale Nervensystem-Tumore, somit Gehirn und Rückenmark, und Lymphome, Lymphknotenkrebs (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

Durch Fortschritte der Medizintechnik, der Forschung und Therapiemaßnahmen haben sich die Überlebensraten deutlich verbessert. Die Heilungschancen liegen heute 5 Jahre nach Diagnosestellung bei 80% und nach 10 Jahren bei 77% (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

Auch wenn die Heilungsraten für sich sprechen und die Behandlungsmethoden sich in den letzten Jahren verbessert haben, ist die Bewältigung der Krankheit und Therapie mit ihren Nebenwirkungen eine große Hürde für das erkrankte Kind und sein familiäres Umfeld. Die psychische und körperliche Belastung kann einschlagende Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes, sowie auf die Lebensqualität haben (vgl. Calaminus, 2003, S.6). Folgendermaßen richtet sich das Hauptmerkmal bei Krebs erkrankten Kindern nicht mehr nur auf den medizinischen Eingriff, sondern zusätzlich auch auf seine psycho-soziale Situation. In diesem Zusammenhang bietet sich das Medium Bewegung an. „Durch das Medium Bewegung wird das Kind in seiner Entwicklung und Krankheitsbewältigung unterstützt und gefördert und die kindeigenen Gesundheitsressourcen gestärkt“ (Kopf, 2005, S.166) Der Augenschein dieser Arbeit soll auf die psycho-sozialen Aspekte von Therapiemaßnahmen, insbesondere auf die der Bewegungstherapie, und ihre Folgen für die Entwicklung und Lebensqualität der Kinder während einer Krebserkrankung fallen.

2. Medizinische Grundlagen der Krebserkrankungen im Kindesalter

Allgemein bezeichnet der Begriff „Krebs“ ein multifaktorielles pathologisches Geschehen, bei dem sich Zellen übermäßig oder unkontrolliert vermehren - mit einer zuvor gegangenen möglichen Entdifferenzierung der Zelle. Mit Entdifferenzierung ist gemeint, dass die Zelle ihre ursprüngliche Gestalt und Funktion teilweise oder ganz verliert. Je nach Stärke der Entdifferenzierung besitzen diese Zellen die Fähigkeit, in anderes Gewebe einzudringen, dieses zu zerstören und sich als Metastasen, abgestreute Tochtergeschwülste, zu vermehren. Diese Zellen werden als maligne, bösartige, Zellen bezeichnet. Gutartige, benigne, Zellen wachsen langsam und verdrängen umgebendes Gewebe lediglich. Man unterscheidet eine große Gruppe von Erkrankungen, die nach dem Ort oder Zelltyp benannt werden, von dem sie ausgehen (vgl. Dimeo, S.11-12).

Es werden drei Hauptgruppen unterschieden, die sich wiederum in hundert von Krebsarten unterteilen lassen.

Die Hauptgruppen sind:

- Sarkome entstehen im Binde-, Stütz- und Nervengewebe wie Knochen, Knorpel, Nerven, Blutgefäßen, Muskeln und Fett.
- Karzinome sind die häufigste Krebserkrankung beim Menschen; sie entstehen im sog. Epithelgewebe wie Haut, Auskleidung von Körperhöhlen, Organen und im Drüsengewebe der Brust und Prostata.
- Leukämie und Lymphome befallen blutbildende Organe wie die Milz und das Knochenmark. (O.A., 2006)

2.1. Epidemiologie

Wie schon in der Einleitung erwähnt liegt die Häufigkeit bösartiger diagnostizierter Fälle in Deutschland jährlich bei etwa 1.800 Neuerkrankungen pro 13 Millionen unter 15-Jährigen. Es ergibt sich eine Inzidenz von 14 pro 100.000 Kinder der Altersgruppe unter 15-Jähriger. Die Wahrscheinlichkeit der bösartigen Erkrankung beträgt bei Kindern etwa 0,2%; somit wird bei jedem 500. Kind eine bösartige Krebserkrankung diagnostiziert (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

Die Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter nehmen eine Sonderstellung ein, da sie sich von den Krebsformen im Erwachsenalter unterschieden. Im Kindesalter treten eher embryonale Tumore auf, die während der Organentwicklung durch Gewebefehldifferenzierung entstehen, während es sich im Erwachsenenalter eher um Karzinome handelt (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

Die größten Diagnosegruppen werden in der folgenden Abbildung deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Relative Häufigkeit der gemeldeten Patienten nach den häufigsten Diagnosegruppen (Deutschland: 1990-1999) - Datenquelle: Deutsches Kinderkrebsregister Mainz, Jahresbericht 1999-2000

2.2. Ätiologie

„Eine gemeinsame Ursache für alle Krebserkrankungen ist nicht gefunden worden, ist auch nicht anzunehmen. Viele Faktoren spielen eine Rolle, zahlreiche exogene Einflüsse kommen in Betracht“ (Gutjahr, 1987, S.24).

Univ.-Doz. Dr. A. Zoubek und Uni.-Prof. Dr. H. Gadner erklären in ihrem Beitrag zu Krebs bei Kindern, dass Ursachen der Krebsentstehung im Kindesalter noch weitgehend unbekannt sind. Man kann aber davon ausgehen, „dass die Ursache dieser Erkrankungen wohl eher auf eine konstitutionelle, genetische Prädisposition zurückzuführen ist, als auf den Einfluss von Umweltnoxen“ (1997, S.28).

"Kinder, deren Immunsystem zu wenig stimuliert wird, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko an Leukämie zu erkranken", so Dr. Peter Kaatsch, Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz (vgl. O.A., 2006). Dr. Peter Kaatsch zieht somit mögliche Ursachen in Betracht, die aus einem schwachen bzw. angeschlagenen Immunsystem, hervorgehen könnten.

Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlichte 2005 ein Resümee über eine Fallkontrollstudie zu den Ursachen von Leukämien im Kindesalter, durchgeführt durch das Deutsche Kinderkrebsregister zwischen 1992 und 2000. Es konnte festgestellt werden, dass Lebensgewohnheiten wie Zigarettenrauchen oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft keinen Einfluss auf ein erhöhtes Krebsrisiko des ungeborenen Kindes haben. Auch eine vorherige Fehlgeburt oder ein erhöhtes Alter der Mütter ergab keinen Zusammenhang mit der Risikorate. Die Studie zeigte jedoch, dass positive Assoziationen bei Kindern mit erhöhten (> 4 kg) als auch niedrigeren (< 2,5 kg) Geburtsgewicht, sowie bei Kinder mit Trisomie 21 – dem sogenannten Down-Syndrom gefunden wurden (vgl. Schülz et al., 2005, S.2558). Dies würde die These der genetischen Ursache von Univ.-Doz. Dr. A.Zoubek und Uni.-Prof. Dr. H. Gadner unterstützen.

Was Umweltfaktoren, wie Strahlung oder Pestizide, angeht, die in früheren Jahren als großer Risikofaktor angesehen worden sind, kann heute jedoch verstärkt vermutet werden, dass „ein schwacher Zusammenhang mit dem Auftreten von Leukämie im Kindesalter nicht ausgeschlossen werden kann, der Anteil dadurch verursachter Fälle doch eher gering ist“ (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

2.3. Häufigste Krankheitsbilder bei Kindern

2.3.1. Leukämie

„Die Leukämie (griechisch λευχαιμία, von λευκό, leukó - das weiße und αίμα, äma - das Blut), mitunter auch als Blutkrebs bezeichnet, ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems [] Leukämien zeichnen sich durch stark vermehrte Bildung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und vor allem ihrer funktionsuntüchtigen Vorstufen aus. Diese Leukämiezellen breiten sich im Knochenmark aus, verdrängen dort die übliche Blutbildung und treten in der Regel auch stark vermehrt im peripheren Blut auf. Sie können Leber, Milz, Lymphknoten und weitere Organe infiltrieren und dadurch ihre Funktion beeinträchtigen. Durch die Störung der Blutbildung kommt es zur Verminderung der normalen Blutbestandteile. Es entsteht eine Anämie durch Mangel an Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen (Erythrozyten), ein Mangel an blutungsstillenden Blutplättchen (Thrombozyten) und ein Mangel an funktionstüchtigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Folgen sind Symptome wie Blässe, Schwäche, Blutungsneigung mit spontanen blauen Flecken und Petechien, Anfälligkeit für Infektionen mit Fieber sowie geschwollene Lymphknoten, Milz- und Lebervergrößerung und manchmal Knochenschmerzen“ (Wikipedia, 2007) Grundsätzlich wird unter akuter und chronischer Leukämie unterschieden.

Bei Kindern überwiegt die akute Form, bei der unter akute lymphpatische Leukämie (ALL) und akute nicht-lymphatische Leukämie (ANLL) differenziert wird, wobei die Überlebensrate bei ANLL um einiges niedriger liegt als bei ALL (vgl. Bertz et al., 2006, S.100). Hauptunterschied zwischen den beiden Formen besteht darin, aus welcher Art der weißen Blutkörperchen die Leukämiezellen hervorgehen. ANLL geht von Vorläuferzellen der sogenannten Granulozyten, und ALL von Vorläuferzellen der sogenannten Lymphozyten aus.

2.3.2 ZNS-Tumore

Hierbei handelt es sich um maligne Tumore, medizinischer Ausdruck für Krebs, die im Zentralennervensystem des Körpers gebildet werden – im Gehirn und Rückenmark. Die häufigsten Unterformen sind Astrozytome, mit einer auftretenden Häufigkeit von 9,6%, neuroektodermale Tumore mit 4,9% und Ependymome mit 2,1% (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

2.3.3 Maligne Lymphome

„Als maligne Lymphome fasst man die bösartigen Systemerkrankungen der Lymphknoten, die malignen Non-Hodgkin-Lymphome und den Morbus Hodgkin zusammen und grenzt sie gegen Lymphknotenvergrößerungen anderer Ursachen (meist reaktiv-entzündlich) ab“ (Oehme et al., 1981, S.115).

Die Inzidenz ist für beide Formen gleich groß, wobei Morbus Hodgkin die höchsten Überlebenschancen in der pädiatrischen Onkologie hat (vgl. Bertz et al., 2006, S.100).

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Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656955085
ISBN (Buch)
9783656955092
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89934
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
1,0
Schlagworte
Krebs Kindesalter

Autor

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