Lade Inhalt...

Die gestörte Mahrtenehe in Konfrontation mit der arthurischen Doppelwegstruktur am Beispiel des Erecs von Hartmann von Aue

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die „gestörte Mahrtenehe“ am Beispiel des „Iwein“

3. Die „gestörte Mahrtenehe“ am Beispiel der Sage von Peter von Staufenberg

4. Das Artusmodell am Beispiel des „Erec“

5. Vergleich des „Iwein“ mit dem „Erec“ unter Berücksichtigung der Strukturmodelle

6. Zusammenfassung durch Thesen und Intention der Romane

8. Literaturverzeichnis

Quellen

Forschung

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit den Romanen „Erec“ und „Iwein“ von Hartmann von Aue. Diese basieren auf den Vorlagen von Chrétien de Troyes. Hartmann von Aue lebte zwischen 1160 und 1210. Aufgewachsen ist er wohl im heutigen Baden-Württemberg. Genauere Angaben sind nicht überliefert. Er war ein höfischer Dichter und Ritter, wie er es in seinen Werken im Prolog, hier „Iwein“, immer wieder betont.

Ein rîter, der gelêret was

unde ez an den buochen las,

[...]

er was genant Hartmann

und was ein Ouwære[1]

Die Überlieferungen der Originaltexte weisen große Lücken auf. Die Forscher stützen sich auf die Wolfenbütteler Erec-Fragmente und die Ambraser Handschrift. Man muss von erheblichen Unterschieden in den Überlieferungen ausgehen, da einzelne Handlungs- sequenzen inhaltlich voneinander abweichen. Dafür ist auch die Fantasie und das dichterische Geschick der betreffenden Autoren maßgeblich.

Der „Erec“ gilt als der erste Artusroman und wird in der Forschung gerne als Beispiel für Untersuchungen herangezogen. Folglich gibt es eine große Ansammlung von wissenschaftlichen Abhandlungen im Allgemeinen zur Artusdichtung und im Speziellen zu Hartmanns „Erec“. Diese Flut von Literatur und ihre unterschiedlichen Forschungszugänge machen den Gegenstand Artusroman immer unüberschaubarer. Als innovativ muss allerdings die Forschung von Hugo Kuhn beurteilt werden, der das Artusschema entworfen hat. Er spricht von dem „Doppelten Kursus“, der den Hauptgegenstand dieser Arbeit darstellt. Als Grundlage wird hier die Literatur von Walter Haug angewandt. Besonders wird auf die Umsetzung des Schemas in die Realität der Protagonisten geachtet. Wie man am Beispiel des „Erecs“ erkennen kann, wird er parallel durch die Struktur in seiner Entwicklung im Roman begleitet. Dieser Weg zur Identitätsbildung steht auch im Kontrast zur idealen Artusgesellschaft und soll in dieser Arbeit behandelt werden.

Das Strukturmodell soll mit der „gestörten Mahrtenehe“ im „Iwein“ verglichen werden. Zur „gestörten Mahrtenehe“ lässt sich allerdings erheblich weniger Literatur finden.

Die Forschung zu Peter von Stauffenberg und die Literatur von Ralf Simon werden hier verwendet. Dementsprechend wird das Hauptaugenmerk auf die Untersuchung des Artusschemas gelegt.

Anhand des „Iwein“ mit Textbelegen und der Sage von Peter von Staufenberg wird die „gestörte Mahrtenehe“ kurz vorgestellt. Anschließend wird das Artusstrukturmodell skizziert und interpretiert. Strukturmodell und Inhalt werden hermeneutisch verglichen und auf Allegorien geprüft. Es gilt zu prüfen, ob die Struktur nicht nur einen sinnvollen Rahmen für die Handlung gibt, sonder ob ferner noch die Textebene in die Sinnebene explizit hineinreicht.

Zum Schluss soll die „gestörte Mahrtenehe“ auf ihre Kompatibilität mit der Artusstruktur hin untersucht werden. Es soll ein Fazit erarbeitet werden, welches die Ergebnisse der Untersuchungen kurz zusammenfasst.

2. Die „gestörte Mahrtenehe“ am Beispiel des „Iwein“

Das Schema von der „gestörten Mahrtenehe“ kommt in Mythen des Mittelalters vor. Sie behandeln die Angst des Menschen als ein Phänomen. Diese Angst entsteht durch einen Druckgeist.[2] Dieser wird verkörpert durch ein weibliches Geschlecht, welches unheimlich und dessen Herkunft nicht eindeutig ist. In Meerjungfrauensagen ist es ein göttliches Wesen und in anderen Sagen[3] ein Wesen mit diabolischem Charakter. In diesen Sagen von den Meerjungfrauen ist das unheimliche Wesen durch eine Frau dargestellt, die Angst auf den Mann als menschliches Wesen ausübt. Diese Angst wird bewältigt, indem die beiden Protagonisten heiraten und sich der Mann an ein Abkommen halten muss. Zum Beispiel darf der Mann nicht von der Existenz der Frau berichten.

Ralf Simon[4] hat dieses Schema der „gestörten Mahrtenehe“ weitergeführt. Im Folgenden wird seine Ausarbeitung am Beispiel des „Iwein“ erläutert. Das Schema besteht aus neun Punkten und stützt sich im Kern auf die Arbeit von Friedrich Panzer[5].

1. Kontakt mit dem Feenreich: „Iwein“ reitet durch den Wald und gelangt an die Quelle, die den Anfang der „anderen Welt“ darstellt. Nach Simon ist diese Begegnung von Held und Fee von ihr berechnet. Im „Iwein“ allerdings kann man dieses Verhalten der Fee nicht feststellen.
2. Initiationsprobe: Um sich für den Eintritt ins Feenreich zu qualifizieren, muss der Held sich einer Probe, hier einem Kampf mit dem Brunnenritter, stellen. Durch „Iweins“ Sieg und die Hilfe Lunetes ist der Vorstoß in die Welt der Fee vollbracht.

her Îwein, nemet diz vingerlîn.

[…]

swer in hât in blôzer hant,

den mac niemen

[…]

gesehen noch gevinden.[6]

3. Kommunikationskontrakt: „Iwein“ muss Laudine versprechen, von seiner Turnierfahrt innerhalb eines Jahres zurück zu kehren. Als Symbol für die Abmachung überreicht Laudine „Iwein“ einen Ring.

Sî sprach `iu ist daz wol erkant

daz unser êre und unser lant

vil gar ûf der wâge lît,

ir enkumt uns wider enzît,

daz es uns wol geschaden mac.

[…]

Sô kumt benamen ode ê,

ode ichn warte iuwer niht mê.[7]

4. Verstoß gegen die Abmachung: „Iwein“ kommt zu spät und bricht somit sein Versprechen.

5. Verstoßung des Helden: Durch Lunete, die im Auftrag ihrer Herrin Laudine spricht, wird „Iwein“ wie angekündigt aus dem Feenreich verbannt.

Und sendet ir wider ir vingerlîn:

Daz ensol niht langer sîn

An einer ungetriuwen hant[8]

6. Krise des Helden: „Iwein“ geht in den Wald, lebt im Wahnsinn und ist dem Tod nahe.

Sus twelte der unwîse

ze walde mit der spîse,

unz daz der edele tôre

wart gelîch einem môre

an allem sînem lîbe.[9]

7. Erholung des Helden: Durch eine Salbe der Dame von Narison wird „Iwein“ geheilt.

unz sî in allenthalben bestreich.[10]

8. Wiedergewinnung der Gunst der Fee: Simon sieht die âventuire als Unternehmung sich gegenüber der Fee zu rehabilitieren. Die Rettung der verschiedenen Frauen stehen symbolisch nach Simon für seine Frau Laudine.

9. Wiedervereinigung: Durch eine List Lunetes kommt es zur Versöhnung.

ezn hulfe nieimannes list,

unz im sin vrouwe ungnædec ist,

[…]

daz er wider hæte,

sîner vrouwen minne.`[11]

Simon lässt das Ende offen, ob es zu einer anhaltend glücklichen Vereinigung in der „einen“ oder „anderen Welt“ kommt. Unterschiedliche Texte dieser Gattung sind in ihrer Deutung speziell zu behandeln.

[...]


[1] Ernst Schwarz: Hartmann von Aue: Erec; Iwein. Text, Nacherzählungen, Worterklärungen, Darmstadt 1967, Vers 21 ff.

[2] Druckgeist ist ein Alp; hier: von Alptraum

[3] Peter von Staufenberg: Die gestörte Mahrtenehe. Dort wird dem überirdischen Wesen eher die Herkunft aus der Hölle nachgesagt. Siehe nächster Gliederungspunkt

[4] Ralf Simon: Einführung in die strukturalistische Poetik des mittelalterlichen Romans. Analysen zu deutschen Romanen der matière de Bretagne, Würzburg 1990

[5] Friedrich Panzer: Einleitung zu: Albrecht von Scharfenberg, Seifried de Ardemont, Tübingen 1902, S. LXII-CXXXIII; Simon legt den Schwerpunkt auf die Logik seiner Argumentation an prägnanten Narrationseinheiten als auf Erfassung von Motiven wie Panzer; Das anschließende Modell ist dem Buch von Ralf Simon, Würzburg 1990, S.37-39 entnommen

[6] Ernst Schwarz: Hartmann von Aue: Erec; Iwein. Text, Nacherzählungen, Worterklärungen, Darmstadt 1967, Vers 1202 ff.

[7] Ebd., Vers 2935 ff.

[8] Ebd., Vers 3193 ff.

[9] Ebd., Vers 3345 ff.

[10] Ebd., Vers 3473

[11] Ebd., Vers 7877 ff.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638040822
ISBN (Buch)
9783638937146
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89829
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
Mahrtenehe Konfrontation Doppelwegstruktur Beispiel Erecs Hartmann Melusinen Undinen Mittelalter

Autor

Zurück

Titel: Die gestörte Mahrtenehe in Konfrontation mit der arthurischen Doppelwegstruktur am Beispiel des Erecs von Hartmann von Aue