Lade Inhalt...

Vorbildliche Minne im Eneasroman Heinrichs von Veldeke

Ein Vergleich der beiden Minneepisoden

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungen

Literatur

I. Einleitung

II. Das große Minnegespräch
1. Das Wesen der Minne
2. Rechte Minne

III. Vergleich von Lavinias Minne mit der Minne Didos
1. arbeit
2. mâze
3. êre

IV. Unterschiedliche Voraussetzungen
1. Herrschaft und Minne
2. Göttliche Vorsehung

V. Zusammenfassung

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literatur

Primärliteratur:

Heinrich von Veldeke, Eneasroman. Mittelhochdeutsch/ Neuhoch-

deutsch. Nach dem Text von Ludwig Etmüller ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Dieter Kartschoke, Stuttgart 1986 (Reclam Universal- Bibliothek 8303)

Sekundärliteratur:

Ingrid Bennewitz, Ein kurze rede von gueten minnen: Liebeswahr-

nehmungen und Liebeskonzeption in der deutschen Literatur des Mittelalters, in: Die Sprachen der Liebe, herausgegeben von Walter Lenschen, Berlin, Frankfurt am Main, Wien 2000, S. 155-179

Albrecht Giese, Heinrichs von Veldeke Auffassung der Leiden-

schaften ‚Minne‘ und ‚Zorn‘ in seinem „Eneasroman“, Diss. Freiburg i. Br. 1968

Renate von Gosen, Das Ethische in Heinrichs von Veldeke Eneide:

Formen, Inhalte und Funktionen, Frankfurt am Main, Bern, New York 1985 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur; Bd. 829)

Dieter Kartschoke, Didos Minne – Didos Schuld, in: Liebe als

Literatur. Aufsätze zur erotischen Dichtung in Deutschland, herausgegeben von Rüdiger Krohn und Helmut Brackert, München 1983, S. 99-115

Elisabeth Lienert, Deutsche Antikenromane des Mittelalters,

Berlin 2001 (Grundlagen der Germanistik 39)

Friedrich Maurer, `Rechte` Minne bei Heinrich von Veldeke,

Archiv 187 (1950) S. 1-9

Friedrich Maurer, Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problem-

geschichte, besonders in den großen Epen der staufischen Zeit, Bern, München 1961

Gerrit Johan Oonk, Eneas, Tristan, Parzival und die Minne, ZDPh.

95 (1976) S. 19-39

Gerrit Johan Oonk, Rechte Minne in Veldekes Eneide,

Neophilologus 57 (1973) S. 258-273

Bernd Rusinek, Veldekes Eneide: Die Einschreibung der Herrschaft

in das Liebesbegehren als Unterscheidungsmerkmal der beiden Minnehandlungen, MDU. 78 (1986) S. 11-25

Hugh Sacker, Heinrich von Veldeke’s Conception of the Aeneid,

GLL 10 (1956/57) S. 210-218

Werner Schröder, Dido und Lavine, ZfdA. 88 (1958) S. 161-195

I. Einleitung

Mit seinem Eneasroman, den er Ende des zwölften Jahrhunderts verfasst hat, gilt Heinrich von Veldeke gemeinhin als Begründer der deutschsprachigen höfischen Epik[1]. Seine Bearbeitung des antiken Stoffes hatte als hauptsächliche Vorlage, neben Vergils Fassung, den französischen Roman d’Eneas, und so fanden auf diesem Pfad Themen und Motive des höfischen Mittelalters ihren Weg in das Epos des römischen Nationaldichters[2]. Dennoch ist der Eneasroman keine bloße Übersetzung der französischen Vorlage. Der maasländische Dichter kürzte, änderte und arbeitete vor allem Themen der beiden Vorlagen aus[3].

Die mediävistische Literaturwissenschaft setzte sich erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts interpretierend mit dem Inhalt des Eneasromans auseinander[4]. Dabei wurde die Minne eines der Hauptthemen in der Rezeption[5]. Zu Anfang wurde noch versucht, die Laviniaminne als rechte Minne, und die Didominne als unrechte Minne darzustellen und zu analysieren[6], was allerdings schnell als falsche Herangehensweise und Fehlinterpretation betrachtet wurde[7]. Das Thema der Minne konnte die Forschung aber auf lange Zeit hin beschäftigen[8]. Dido scheint die Forscher im Allgemeinen aufgrund der noch größeren Dramatik ihres Handlungsstrangs etwas mehr zu interessieren als Lavinia[9]. Dies mag daran liegen, dass sich an Dido noch besser die faszinierenden Auswirkungen und die Spannung des Liebesleids beobachten lassen, das sie ein so tragisches Ende finden lässt.

Häufig wird die Ansicht vertreten, dass die Laviniaminne einen Vorbildcharakter in der Minnekonzeption Heinrichs von Veldeke besäße[10], Vorbildcharakter sowohl gegenüber der Didoepisode als auch für jegliche Minnesituation. Diese als vorbildlich betrachtete Minne wird in diesem Aufsatz untersucht. Dies soll durch einen Vergleich mit der Minne Didos geschehen. Es wird hier ein Augenmerk auf das Minnegespräch zwischen Lavinia und ihrer Mutter Amata gelegt, das von vielen als das Kernstück der Minnedoktrin Heinrichs von Veldeke im Eneasroman angesehen wird[11] ; dieses wird aber nicht der alleinige Untersuchungsgegenstand bleiben. Auch weitere im Epos auffindbare Gedanken der Minnelehre und der Ausgangsposition der beiden Frauen sollen nicht außer Acht gelassen werden.

Den Anfang bildet die Untersuchung des Minnegesprächs zwischen Amata und Lavinia, das somit als erste Grundlage zur Schaffung eines Ausgangspunkts dienen soll. Dann wird durch vergleichende Analyse mit der Didoepisode herausgearbeitet werden, ob die Laviniaminne so vorbildlich ist, und in welchen Bereichen. Zuletzt soll noch überprüft werden, wie die unterschiedlichen Voraussetzungen die beiden Minneepisoden determinieren.

II. Das große Minnegespräch

1. Das Wesen der Minne

Zu Beginn des Gesprächs mit ihrer Mutter, der Königin, ist der unschuldigen Lavinia noch nicht bekannt, was die Minne ist. So versucht Amata ihr unter Schwierigkeiten die richtigen Worte zu finden zu erklären, was das Wesen der Minne ist. Zuerst beschreibt sie die Minne negativ mit Krankheitssymptomen und als übergroße Macht, gegen die man sich nicht wehren kann[12]. Lavinia möchte so natürlich nichts mit ihr zu tun haben. Die Mutter versucht die Tochter zu beschwichtigen, indem sie ihr erklärt, dass die Minne nur zu Beginn schmerzvoll sei und sich bald alle schlechten Gefühle in schöne umwandeln würden. Auf diese Weise heile sie alle Wunden, die sie selbst geschlagen hat. Noch immer scheut sich Lavinia davor, sich jemals mit der Minne einzulassen. Amata versucht nun mit Hilfe des Armorbildes die Beschaffenheit des Minneleids und die Wirkung der Minne, die all dies vergessen macht, endgültig für ihre Tochter verständlich zu machen. Lavinia ist letztlich wegen der vielen Unannehmlichkeiten, die sie für die erfüllte Minne erleiden müsste, immer noch nicht davon überzeugt, jemals lieben zu wollen. Später wird auch sie von der Übermacht der Minne überwältigt werden, und ebenfalls die lindernde Wirkung gegen die Schmerzen, die diese selbst verursacht, kennenlernen.

[...]


[1] E. Lienert, Deutsche Antikenromane, S. 76.

[2] E. Lienert, Deutsche Antikenromane, S. 78.

[3] E. Lienert, Deutsche Antikenromane, S. 78.

[4] D. Kartschoke, Nachwort, in: Eneasroman, S. 875.

[5] D. Kartschoke, Nachwort, in: Eneasroman, S. 875.

[6] So besonders F. Maurer, Archiv 187 (1950).

[7] W. Schröder, ZfdA. 88 (1958) S. 169.

[8] D. Kartschoke, Nachwort, in: Eneasroman, S. 875.

[9] D. Kartschoke, in: Liebe als Literatur, S. 100.

[10] A. Giese, Heinrichs von Veldeke Auffassung, S. 129.

[11] u.a. bei F. Maurer, Leid, S. 98.

[12] F. Maurer, Leid, S. 98f.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638035200
ISBN (Buch)
9783638932455
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89488
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Germanistisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Vorbildliche Minne Eneasroman Heinrichs Veldeke Hauptseminar Mediävistik Höfische Epik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Vorbildliche Minne im Eneasroman Heinrichs von Veldeke