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New Future. Ein künstlerisches Projekt zum Thema Landminen

Masterarbeit 2007 69 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Gliederung:

Einleitung

1. Idee- und Konzeptentwicklung
1.1 Landminen als tödliche Gefahr
1.1.1 Kinder unter Landminenbedrohung
1.1.2 Internationale Kampagne
1.1.2.1 Ottawa-Abkommen.
1.1.2.2 Die deutsche Kampagne gegen Landminen.

2. Politische sozio- ökonomische Folgen der Minen in Jordanien seit 1970
2.1 Über Zusammenarbeit mit Menschenrechtsorganisationen
2.1.1 The National Committee for Demining & Rehabilitation
2 .1.2 Roter Halbmond
2.2 Zahlen und Bilder von betroffenen Landminenopfern
2.2.1 Berichte aus dem Leben von Minenopfern in Jordanien

3. Künstlerische Projekte und die Thematisierung des Minenproblems
3.1 One Step Beyond ( Berichte von Minenopfer)
3.2 Schildkröten können fliegen (Kinder verkaufen die Minen)
3.3 Kunst gegen Landminen (600 Bewegungen)

4. Künstlerische und pädagogische Aspekte Im New Future Projekt
4.1 Malerei mit den Kindern
4.1.1 Blumen als Erinnerungsrelikt
4.1.1.1 Blumenfeld I (Workshop)
4.1.1.2 Blumenfeld II (Workshop) Aufklärung – Malen – Basteln – Schweigeminute
4.1.1.3 Minenräumung Kontext mit zeitgenössischer Kunst Im Kunstunterricht

5. Ausblick
5.1 Was könnte besser sein?
5.1.1 Möglichkeiten der Kulturarbeit

6. Anhang I
1. Glossar
2. Literaturverzeichnis
3. Ottawa-Barometer
4. Projekt Materialen

EINLEITUNG

„Es hat noch nichts Inhumanes auf der Welt gegeben, keine Gewissenlosigkeit, kein Blut und keinen Terror, das nicht durch kunstvolle Beweisführung als gut und richtig gerechtfertigt worden wäre“. [1]

„Es ist mein brennender Wunsch, dass diese Waffen einmal gänzlich verboten und geächtet werden Papst Johannes Paul II erklärte im Sommer 1995 unmissverständlich“.[2]

Der Nahe Osten ist eine der Regionen dieser Erde, wo es immer brennt. Nach den Kriegen bleibt eine stetige Gefahr durch die in Kriegszeiten verlegten Minen. Beträchtlich gestaltet sich ihr Schaden für Land und Bevölkerung auf Jahrzehnte hinaus. Soldaten wie Zivilisten sind dadurch nachhaltig bedroht, da es jeden treffen kann, der diese Gefahren nicht kennt. Die Landminen werden in solchen Regionen nicht einfach verschwinden, solange die betroffenen Länder sich nicht an einen Tisch setzen und dieses Problem lösen. Jordanien ist eines der ersten Länder, die ein Friedensabkommen mit Israel 1994 unterzeichnet haben, trotzdem ist das Landminenproblem in Jordanien allgegenwärtig.

Das „New Future“ Projekt wurde von mir zwischen dem 3.09 - 27.09.2006 in Jordanien realisiert. Es geht künstlerische Wege, um Lösungen für das Minenproblem zu bieten, da es versucht durch soziales Engagement auf die Probleme hinzuweisen und gleichzeitig Aufklärung zu betreiben. Das Projekt untersucht die Problematik der Landminen in Jordanien, indem es versucht über die Gefahren zu informieren und die Bevölkerung, insbesondere die Kinder, aufzuklären. Es analysiert dazu außerdem die Situation zu den Gefahren von Landminen weltweit sowie deren Auswirkung auf die Bevölkerung, besonders auf die Kinder.

Nach einigen Recherchen beschreibe ich vorweg, wie sich die internationale Lage hinsichtlich Bekämpfung und Verbot von Landminen in den letzten 15 Jahren entwickelt hat. Dabei wird insbesondere auf eine deutsche Kampagne gegen Landminen näher eingegangen. In Jordanien sind verschiedene Hilfsorganisationen im Bereich der Minenbekämpfung und Aufklärung tätig. Dazu gehören die internationale Kommission des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes und die Hilfsorganisation NCDR die unterschiedliche Vorgehensweisen haben. In der Studie wird auch erörtert, in wieweit die Pläne der verschiedenen Organisationen in die Tat umgesetzt werden. In diesem Projekt wird die Rolle der verschiedenen Hilfsorganisationen im Bereich der Landminen und der Aufklärung der Bevölkerung, ihre Arbeitsmethoden und das künstlerische Bewusstsein der Mitarbeiter der verschiedenen Organisationen beschrieben.

Weiterhin untersucht diese Studie das Minenproblem in Jordanien, indem sie die Ursachen der Landminen, ihre Folgen für die Zivilbevölkerung und die unternommenen Schritte der jordanischen Regierung zur Bekämpfung des Problems und zur Behandlung der Minenopfer beschreibt. Es wird auch auf die verschiedenen Verletzungsarten und die medizinische Behandlung der Opfer näher eingegangen.

Dazu interviewte ich einige Minenopfer, sie berichteten über ihre Verletzungen und deren medizinische Behandlung, ihre alltägliche Probleme mit den Behörden und die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen.

Es werden auch ähnliche Projekte aus verschiedenen Ländern beschrieben, die das Minenproblem ebenfalls behandeln, wie z.B. One Step Beyond, ein Projekt von Lukas Einsele, das in verschiedenen Ländern realisiert wurde, oder der Film “Schildkröten können fliegen“ vom kurdischen Regisseur Bahman Ghobadi, der zeigt, wie irakische Kinder solche Minen verkaufen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

New Futur ist auch ein künstlerisches Projekt, da es die Probleme der künstlerischen Erziehung in Jordanien näher beschreibt. Das Ziel war, durch dieses Projekt eine neue Strategie zu entwickeln, die Kunst als Mittel zur Aufklärung der Kinder benutzt. Dabei wird Rücksicht auf die verschiedenen Altersgruppen genommen. Dies basiert auf wissenschaftlichen Studien, die die pädagogische Vorgehensweise in dem Projekt untermauern sollen. Je nach Altersstufe entwickeln Kinder eine unterschiedliche Wahrnehmung. Sie interpretieren die Einflüsse ihrer Umgebung mit steigendem Alter anders. Der konkrete Bezug zur der getroffenen Auswahl dieser Studien wird an späterer Stelle erläutert.

Insgesamt hat die Idee des Konzepts die Minenproblematik mit künstlerischen und pädagogischen Mitteln zu bearbeiten die erwarteten Ziele erreicht, da sie motiviert wurden, ein gegenwärtiges Bild mitzumalen. Dies geschah durch ein geplantes und sich bei der Umsetzung entwickelndes künstlerisches und pädagogisches Konzept, wo die Kinder die Landminen symbolisch geräumt haben.

Kunst und Landminenopfer wurde von mir als Künstler Kunst als Forschungsfeld betrieben mit dem Bestreben dies als soziales bzw. gesellschaftliches Problem in die jordanische Gesellschaft zu integrieren bzw. einzubringen. Diese Arbeit ist nicht als wissenschaftliche Studie oder journalistischer Bericht gedacht, sondern als künstlerische Aktion, um im regionalen Kontext Aufmerksamkeit zu erregen für die Minenproblematik in Jordanien. Dies soll den Aufklärungsaspekt besonders unterstreichen.

1. IDEE- UND KONZEPTENTWICKLUNG

Im Winter Semester 2004/2005 habe ich im TPS „Interdisziplinäres Projekt-Forum“ das Projekt „Konzept zu Minenopfern und Möglichkeiten Kinder über die Gefahren aufzuklären“ erarbeitet. Mit diesem Projekt beschreibe ich einen Teil meines Alltags, weil ich aus einer Stadt an der syrisch-jordanischen Grenze komme, wo sich eine hohe Minenkonzentration vorfindet. Die Idee war entstanden, nachdem ich viel von Unfällen mit Minen gehört habe und auch Minenopfer in Jordanien kenne, von denen einige zu Tode kamen. Dadurch wurde mir bewusst, wie notwendig es ist, die Menschen in dieser Region über die Gefahren aufzuklären. Nach vielen Recherchen und Informationen kam ich zu der Erkenntnis, dass das Minenproblem in anderen Ländern noch viel weitreichendere Auswirkungen hat, als in meinem Land.

Der erste Schritt war eine Universität zu finden, die das Projekt zu meinem Konzept unterstützt und kooperiert, so habe ich mich an die Yarmouk Universität gewandt, wo ich studiert habe. Als nach einer Wartezeit von mehr als drei Semestern und zahlreichen Anfragen kein Bescheid kam und auch an anderen Universitäten das Ergebnis negativ war, wurden von mir die örtlichen Hilfsorganisationen mit der Bitte um ihre Mithilfe aufgesucht. Die Hilfsorganisation NCDR hat sich bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen, hatte aber als Voraussetzung, dass man sich persönlich bei ihnen melden sollte. Während dieser langen Wartezeit gab es immer wieder neue Resultate hinsichtlich der Informationen zu Minen und deren Gefahren. So gab es damals beispielsweise mehrere Konferenzen, Ausstellungen, Projekte und dergleichen. Diese Fülle an Informationen hat in der Realisierung dieses Projekts eine sehr positive Rolle gespielt. So hat mir das Spektrum meiner Beobachtungen bewusst gemacht, was ich in meinem Projekt zusätzlich noch machen kann.

Das Konzept des Projektes basiert auf zwei Säulen:

1. Bilder von betroffenen Landminenopfern. Dokumentation von Berichten und Erfahrungen aus dem Leben von Verletzten und Behinderten zur Aufklärung und Bewusstseinsbildung für Kinder und Erwachsenen gegenüber Landminen.
2. Aufklärungsarbeit anhand von kindgerechten Bildern, die vor der Gefahr durch Landminen warnen.
Dabei sollte man bei der Durchführung des Projektkonzepts immer flexibel sein, und sich den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass die vielen Behördengänge sehr hilfreich gewesen sind, da die gesellschaftliche Struktur des Landes so aufgebaut ist, dass der persönliche Kontakt wichtiger ist als der Briefweg. Die praktische Umsetzung des Konzepts gestaltete sich unterschiedlich: Manche Schulen waren sofort bereit offen mitzumachen, andere gaben religiöse oder Sicherheitsgründe an, die es nicht erlaubten, an dem oben genannten Projekt mitzuwirken. Dies zeigt ein unterschiedliches kulturelles Bewusstsein der verschiedenen Gesellschaftsgruppen; z.B. in Hilfsorganisationen oder in Schulen.

1.1 LANDMINEN ALS TÖDLICHE GEFAHR

Wie groß und verbreitet das Minenproblem ist, zeigt, dass Minen in vielen Ländern der Welt bereits so alltäglich und gewöhnlich für die Bevölkerung sind, dass ihre Gefahr an Schrecken verliert. Mehr als 2000 Menschen fallen monatlich in der ganzen Welt zum Opfer , jeder fünfte davon ist ein Kind, d. h. ein Opfer alle 20 Minuten. Dabei mussten zwei Drittel der befragten Opfer amputiert werden. Nur ungefähr ein Euro kostet eine chinesische oder russische Minenproduktion. Die Minenräumung kostet pro Stück 1000 Euro oder mehr. Millionen von Minen werden jedes Jahr gelegt. Durch Bürgerkrieg, wie in vielen afrikanischen Ländern oder durch Konflikte zwischen Nachbarstaaten, wie z. B. zur Zeit zwischen Somalia und Äthiopien oder Libanon und Israel.

Minen zerstören oder töten nicht nur Menschen, sondern schädigen auch die Infrastruktur und belasten die Landwirtschaft. Landminen verschwinden nicht mit Ende der Kriege, sondern bleiben als Bedrohung für Zivilisten über viele Jahre erhalten. Die Räumung der Minen, wie oben erwähnt, kostet meistens zu viel Geld. Wegen des großen Profits beim Geschäft mit dem Verkauf, haben viele große Industrienationen - darunter die USA, China und Russland - das Abkommen zum Verbot von Minen nicht unterschrieben.

1.2 KINDER UNTER LANDMINENBEDROHUNG

In vielen Ländern können die Kinder nicht zur Schule gehen, oder draußen Fußball spielen aufgrund der großen Gefahr und Unsicherheit, wo auf den Feldern und Wegen die Minen versteckt sind. Wie zuvor erwähnt, wurden die Landminen in vielen Kriegen vor allem Bürgerkriegen verlegt. Am stärksten verseucht sind Gebiete im Nordirak, Afghanistan, Angola und Kambodscha. Sicher ist man dort nur auf großen Straßen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Wie anfangs schon erwähnt, ist jedes fünfte Opfer ein Kind. Da Minen ganz unterschiedliche und interessante Formen haben, d. h. bunte, kleine oder auch flügelartige und runde Formen mit einer kleinen Blume in der Mitte und eine Mine nicht mehr als 200 Gramm wiegt, erregt sie die Neugier der Kinder und wird von ihnen oft für Spielzeug gehalten. Die AP-Mine[3] verletzt Erwachsene, kann aber für Kinder tödliche Folgen haben. So sterben laut UNICEF mehr als 85 Prozent der betroffenen Kinder sofort nach der Explosion dieser Mine. Die Überlebenden erleiden nicht nur schwere körperliche Behinderungen sondern meist auch psychische Schäden. Die medizinische Versorgung in diesem Falle ist schwierig, da viele unterschiedliche Organe von der Explosion betroffen sein können[4].

Die Hälfte der erwachsenen Opfer, die befragt wurden, mussten amputiert werden. Von den überlebenden Kindern mussten die meisten amputiert werden. Bei ihnen besteht jedoch die Schwierigkeit darin, dass sie immer wieder Prothesenwechsel brauchen, da sich ihre Knochen im Wachstum befinden.

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Abb. 3

Für viele Kinder ist die Gefahr auch nach dem Krieg nicht vorbei. Ihre Gesundheit und ihr Leben sind durch liegen gebliebene Munition und besonders die überall vergrabenen Landminen bedroht. Sie müssen immer Angst haben - bei der Nahrungssuche, beim Wasserholen, beim Spielen und auf dem Schulweg “.[5]

1.1.2 INTERNATIONALE KAMPAGNE

Trotz des 1999 im Vertrag von Ottawa beschlossenen Verbots zu Produktion, Lagerung und Einsatz von Anti-Personen-Minen (AP-Minen) sind heute in 68 Ländern der Erde noch immer rund 80 Millionen Landminen verlegt. Die Kampagne gegen Minen als Internationale Position begann am Anfang der neunziger Jahre. Im Jahr 1993 hat die UN ohne Abstimmung verlangt, dass der Export von AP-Minen aufgeschoben werden muss, um Zeit zu gewinnen, bis über das Verbot von Minen abgestimmt wird. 1994 kamen Beschlüsse von der UN-Generalversammlung, in denen sie viele soziale, humanitäre und ökonomische Hilfsprogramme für die Beseitigung der Landminen beschließt. Hierbei haben auch der UN-Generalsekretär und viele humanitäre Organisationen ein Verbot des Besitzes, des Gebrauchs und des Transfers von AP-Minen gefordert. Die Fortschritte in der Kampagne für das Exportverbot von Landminen waren bei der EU-Konferenz in Luxemburg im Jahr 1995 ein großes Thema, bei der sich die Partner-Länder dazu verpflichtet haben, keine AP-Minen mehr zu exportieren. (Minen wissen nicht, wann Frieden ist. Berichte und Dokumente zum Engagement des Bundesdeutschen Initiativekreises für das Verbot von Landminen. 1996- S 70-74. Hg. Peter Schulte- Holtey).

Diese Kampagne wurde von Militärs und Politikern zunächst nicht ernst genommen. Sie haben nur belächelt, welche Katastrophen diese Minen für viele Menschen auf der Welt bedeuten. Die Entwicklungsorganisationen der Menschenrechtsorganisationen, die Friedensbewegung und die Kirchen haben durch gezielte Kampagnen, in denen Bilder von verstümmelten Kindern und Minenopfern gezeigt wurden, die Öffentlichkeit wachgerüttelt, was zum Ottawa-Abkommen für ein generelles Verbot von Landminen geführt hatte.

1.1.3.1 DAS OTTAWA-ABKOMMEN

Die kanadische Regierung hat in Genf im Jahr 1996 den sogenannten „Ottawa-Prozess“ gestartet. Dieser ist eine diplomatische Initiative, um ein Verbot von Landminen zu erreichen. 1997 fanden große Verhandlungen statt, um ein Verbotsabkommen von AP-Minen umzusetzen. Schließlich wurde erstmals nach dem großen Leid vieler Menschen in der dritten Welt und nach großen Bemühungen der humanitären und zivilgesellschaftlichen Organisationen ein solches Abkommen verwirklicht.

Die internationale Kampagne erhielt 1997 den Friedensnobelpreis mit der Begründung, „aus einer Vision Realität“ gemacht zu haben “.[6]

Die Ottawa-Konvention[7] ist am 01. 03. 1999 in Kraft getreten, sie wurde von 40 Ländern unterschrieben. Bisher sind über 150 Länder diesem Minenabkommen beigetreten, unter denen sich China, Indien, Russland und die USA jedoch nicht befinden.

1.1.2.2 DIE DEUTSCHE KAMPAGNE GEGEN LANDMINEN

Der Protest gegen Landminen begann in Deutschland im Jahr 1995 nach der Gründung des „Deutschen Initiativkreis für das Verbot von Landminen“. Diese Organisation ist im Rahmen der Internationalen Kampagne entstanden. Es sollten 450.000 Unterschriften in Deutschland mit folgenden fünf Forderungen gesammelt werden:

- „ Weltweites VERBOT der Entwicklung, der Produktion, des Exports (einschließlich des Technologietransfers) und des Einsatzes aller Formen von Landminen, einschließlich derer mit einem Selbstzerstörungs- oder Neutralisationsmechanismus.
- OFFENLEGUNG aller Forschungsprojekte und Exporte, aller militärischen Einsatzplanungen und aller Minenbestände und -lager auf deutschem Boden.
- Nachweisbare VERNICHTUNG aller existierenden Minen in der Bundesrepublik Deutschland.
- UMWIDMUNG der von der Bundesrepublik Deutschland für die Entwicklung und Beschaffung von Minen und Minenabwurfsystemen bereitgestellten Gelder zugunsten der Rehabilitation und Entschädigung von Minenopfern.
- Umfassende UNTERSTÜTZUNG der weltweiten Minenräumung unter der Aufsicht der Hilfsorganisationen durch die Finanzierung eines Fonds zur Minenräumung
-(Minen wissen nicht, wann Frieden ist. Berichte und Dokumente zum Engagement des Bundesdeutschen Initiativekreises für das Verbot von Landminen. 1996- S 43. Hg. Peter Schulte- Holtey).

Die Kampagne gegen Landminen in Deutschland gewann von allen Seiten Unterstützung, wobei die fünf Forderungen von etwa 800.000 Bürgern unterstützt wurden. Sie wurde 1997 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Auch gab es in Deutschland Proteste gegen die Produktion der Landminen von Daimler. So organisierte der Initiativkreis der Kampagne „Daimler Minen Stoppen“ z B. in den 90er Jahren Proteste. Daraufhin stellte hat Daimler nach vielen Aktionen und Protesten die Minenproduktion 1998 ein.

2. POLITISCHE SOZIO-ÖKONOMISCHE FOLGEN DER MINEN IN JORDANIEN SEIT 1970

Die jordanische Regierung trat am 11. August 1998 zum Verbot-Politik bei, hierzu hat sie das Ottawa-Abkommen unterzeichnet. Die Zahl der Minen, die auf jordanischem Boden verlegt wurden, beträgt 304.653. Es gibt ungefähr 497 Minenfelder, 133 davon sind israelische Minenfelder. Beträchtlich gestaltet sich ihr Schaden für Land und Bevölkerung auf Jahrzehnte hinaus. In den letzten Jahren hat sich die innenpolitische Diskussion in Jordanien durch die Gefahr der Minenfelder sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene intensiviert. Die Minenfrage stellte sich als dreidimensionales Problem dar, nämlich politisch, sozial und humanitär.[8]

Die Kriege von 1948 bis 1967 zwischen den arabischen Ländern und Israel hinterließen mehr als 400 Minenfelder in Jordanien, zumeist im Norden an der Grenze zu Syrien und im Jordanland, das an Israel angrenzt. Minenfelder wurden insbesondere im Jahr 1970 gelegt, zuletzt 1978.

Erst der Friedensschluss mit Israel im Jahr 1994 führte dazu, dass große Teile des Jordanlandes von militärischem Sperrgebiet zu Landwirtschaftsflächen oder wie beispielsweise die Taufstätte Jesus zu Sehenswürdigkeiten umfunktioniert werden konnten. Dazu hat Jordanien auch mit der Minenräumung begonnen. Es werden aber noch bis zu 200. 000 Minen im Boden Jordaniens vermutet. Bis 2009 soll das Land landminenfrei sein..[9]

2.1 ÜBER ZUSAMMENARBEIT MIT MENSCHENRECHTSORGANISATIONEN.

In Jordanien sind viele Menschenrechtsorganisationen beheimatet, die sich mit den Minenproblem beschäftigen, die sich aber in ihrem Gründungs-Ursprung unterscheiden. Einerseits gibt es die unter der Flagge der UN. Andererseits Organisationen, wie die internationale Kommission des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes. Zusätzlich gibt es Organisationen, die von Minenopfern in den USA gegründet wurden und auch in Jordanien tätig sind, wie Survivors Network. Die hauptsächlich agierende Organisation ist die NCDR die vom König Abdullah II im Jahr 2000 gegründet wurde. Alle anderen Organisationen stehen in der Rangordnung unter der NCDR.

So unterschiedlich die Ursprünge der Organisationen sind, so unterschiedlich ist ihre tatsächliche Arbeit. Dies ist auf das kulturelle und menschliche Bewusstsein der Mitarbeiter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4

der jeweiligen Organisation zurückzuführen. In den Broschüren der Organisationen stehen viele Ziele und Pläne zur Minenbekämpfung und Rehabilitation, die aber von den wenigsten realisiert werden. Hier werden nur die Organisationen erwähnt, die tatsächlich mit Kritik und Analyse arbeiten.

2.1.1 THE NATIONAL COMMITTEE FOR DEMINING & REHABILITATION

Die NCDR wurde 2000 von König Abdullah gegründet, mit dem Ziel tatsächlich Minen zu räumen, Minenopfer zu betreuen und kulturelle sowie wissenschaftliche Programme zu entwickeln, die bei der Lösung dieses Problems helfen.

Nach einigem Briefverkehr mit dieser Institution, wurde ich gebeten, persönlich zu erscheinen und mein (New Future) Konzept zu erläutern. Als dies geschah, konnten die Verantwortlichen, wie mir schien, mein künstlerisches Vorhaben und meine Ziele nicht vollständig verstehen. Dann habe ich versucht, ihnen die Notwendigkeit der Kunst im normalen Leben, im Sinne von Kunst im Kontext nahezulegen, und anhand von Beispielen verschiedener künstlerischer Arbeiten meine Methodik zu erklären. Unter den Beispielen waren Arbeiten von Studenten des Faches Kunst im Kontext der UdK- Berlin. Ich habe versucht darauf hinzuweisen, dass das soziale und gesellschaftliche Bewusstsein zur Kunst in Jordanien fehlt.

Im Gegenzug habe ich gefragt, ob sie mir ihre Arbeitsmethoden ebenso erklären könnten. Das primäre Ziel der Organisation ist es, bis zum Jahr 2009 keine Minen mehr in Jordanien zu haben und die Hilfe all der Minenopfer und deren Reintegration in die Gesellschaft mit der Unterstützung und Finanzierung der UN zu leisten.

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Abb. 5

Mein Vorhaben wurde begrüßt, da sie auch daran interessiert sind, mehr für die Aufklärung über die Gefahren der Minen zu tun. Zu beobachten war, dass die Organisation sehr gute Arbeit im Bereich der Minenräumung leistet, dafür aber wenig für die Betreuung der Opfer tut. Dies könnte vielleicht an der fehlenden Organisation trotz guter Finanzierung liegen.

Um das Projekt erfolgreich zu realisieren, wurde die NCDR gebeten, für zwei Rahmenbedingungen zu sorgen:

1. Mir Zugang zu Schulen und Bildungsinstitutionen zu verschaffen und für Kooperation mit solchen Einrichtungen zu sorgen, die in der Nähe von Minenfeldern liegen.
2. Adressen von Minenopfern zur Verfügung zu stellen, um mit ihnen Interviews durchzuführen.

Die zweite Bedingung wurde abgelehnt, mit der Begründung, die Opfer würden durch die Interviews seelisch missbraucht. Dies war meiner Meinung nach nur ein Vorwand, um die Missstände bei der Betreuung der Minenopfer nicht aufzudecken.

Die erste Bedingung würden sie jedoch gerne erfüllen, da im nächsten Jahr die Konferenz zum Ottawa-Abkommen in Amman stattfindet und eine Ausstellung meines Projekts mit den Ergebnissen zu zeigen. Hier ist Kamel Alsaadi, der Leiter der Aufklärung in der NCDR, zu erwähnen, der mir die volle Unterstützung garantierte und mir eine Zusammenarbeit mit dem Roten Halbmond in Ajloon organisierte. Da die Formalitäten lange dauerten, sah ich mich gezwungen, selbst nach Minenopfern zu suchen und sie selbständig zu interviewen.

2.1.2 DER ROTE HALBMOND

Dies war meine zweite Anlaufstelle, da diese regionale Vertretung eine der aktivsten im Bereich der Minengefahrenaufklärung in ganz Jordanien ist. Besonders herausragend ist die Arbeit der Leiterin, Nabiha Alsamardali. Bei unserem Treffen wurde mir erklärt, wie der Rote Halbmond seine Aufklärung betreibt, ob an Schulen oder in Moscheen, Kirchen und öffentlichen Plätzen. Ajloon sei die Stadt mit den wenigsten Minenopfern, da ständig daran gearbeitet wird, die Menschen aufzuklären und den Minenopfern zu helfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6

Es werden immer theoretische und praktische Veranstaltungen durchgeführt, um die Menschen so gut wie möglich über die Gefahren aufzuklären. In Zusammenarbeit ist ein gemeinsamer Workshop entstanden, in dem, wie später unter künstlerischem und pädagogischem Aspekt beschrieben wird. Es soll gezeigt werden, wie die Kunst im Unterricht einen Anteil an der Aufklärung haben kann. So kann ein spielerischer Zugang zum Thema gegeben und Lernen mit Aufklärung verbundenen werden.

Die künstlerische Arbeit unterscheidet sich von der Arbeit der Organisationen in soweit, dass die Künstler das Problem durch ästhetische Praxis versuchen zu bearbeiten. Frau Alsamardali, hat mich mit viel Unterrichtsmaterial ausgestattet, das mich bei der Durchführung meiner Arbeit sehr unterstützt hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7

2.2 ZAHLEN UND BILDER VON BETROFFENEN LANDMINENOPFERN IN JORDANIEN

Es gibt offiziell in Jordanien ungefähr 526 Minenopfer; davon 327 Soldaten und 199 Zivilisten, von denen die meisten Kinder sind,[10] welche in der Regel mit dem Tod oder einer lebenslang anhaltenden Behinderung bezahlten. Aber dies ist die offizielle Statistik von 2003. Auch der Rote Halbmond weist darauf hin, dass in Jordanien die Fälle der Minenopfer nicht schriftlich vermerkt werden und dass die Zahlen nur auf Schätzungen beruhen. Die Zahlen der Minenopfer in Jordanien sind demnach wahrscheinlich höher als die angegebenen Werte. Ich ging davon aus, dass es keine Studie zur Anzahl der Opfer in Jordanien gab. Die Abbildung unten zeigt drei tote Kinder, welche im Jahr 2005 durch Landminen ums Leben kamen.

Menschenrechtsorganisationen in Jordanien haben mit Hilfe der internationalen Kommission des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes das Problem in Jordanien erörtert und versucht es zu beseitigen. Trotz dieser Bemühungen blieb die Gefahr der Minen groß. Dies stellte sich als eine dauerhafte Bedrohung für Menschen und Land dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8

BERICHTE AUS DEM LEBEN VON MINENOPFERN IN JORDANIEN

Das New Futur Projekt untersucht auch die Folgen und Lebensbedingungen von Landminenopfern. Hierfür wurden von mir mit Betroffenen Interviews durchgeführt. Dabei war es schwer für mich, mich mit betroffenen Minenopfern zu treffen, da die Hilfsorganisationen in Jordanien verweigerten, mir Informationen zu den Verletzten weiterzugeben. Durch eigene Initiative und Untersuchung habe ich Betroffene gefunden, die zu einer Befragung bereit waren. Wie ich im am Anfang der vorliegenden Arbeit bereits erwähnt habe, kenne ich Minenopfer persönlich, durch die ich an die Adressen weiterer betroffener Personen gekommen bin, die ich dann mit in meine Befragungen einbeziehen konnte.

In Jordanien, wie in den meisten anderen Ländern, welche von der Landminenproblematik betroffen sind, sind die Voraussetzungen für die medizinische Behandlung von Minenopfern schlecht, so dass es in den spärlich ausgestatteten Kliniken meistens nur unzureichende Hilfe gibt. Dabei werden die Soldaten in Jordanien, verglichen mit den Zivilisten, bevorzugt behandelt hinsichtlich der medizinischen Betreuung. Deshalb haben sie größere Chancen ihre Verletzungen zu überleben. Die zivilen Opfer werden hingegen oft gefunden, wenn es schon zu spät ist.

Es gibt in Jordanien die folgenden drei Verletzungsarten von Landminenopfern, welche von New Future Projekt im Gespräch mit den Verwundeten untersucht wurden:

1. Verursacht durch das direkte Treten auf eine AP-Mine, was dazu führt, dass dem Opfer der Fuß oder beide Füße zusammen amputiert werden, wenn er Glück hat. Das ist jedoch nur der Fall, wenn er schnelle medizinische Behandlung bekommt.
2. Verursacht durch eine starke Minenexplosion, bei der zahlreiche Menschen verletzt werden. Hervorgerufen wird diese Explosion durch AT-Minen, welche gegen Fahrzeuge gerichtet sind und unsystematisch einzelne Körperteile, den halben oder den ganzen Körper verletzen. Wer sich aber in unmittelbarer Nähe zur Mine befindet oder auf diese Mine getreten ist, hat keine Chance zu überleben.
3. Verursacht durch Anfassen der Mine mit Händen, wobei Hände, Augen und Gesicht der Opfer verwundet werden. Dies ist die häufigste Art bei Kindern, da diese sie die Minen zum Spielen nehmen. (Minen wissen nicht, wann Frieden ist, Berichte und Dokumente zum Engagement des Bundesdeutschen Initiativekreises für das Verbot von Landminen. 1996- Seite 30-31. Hg. Peter Schulte- Holtey).

Mit der Veröffentlichung von Namen und Fotos haben sich die betroffenen Minenopfer einverstanden erklärt.

Es folgen nun Interviews mit Minenopfern. Es wird vor allem auf die verschiedenen Verletzungsarten und die medizinische Behandlung der Opfer näher eingegangen. Dabei berichteten sie über die Umstände des Unglücks, ihre Verletzungen und deren medizinische Behandlung, ihre alltäglichen Probleme mit den Behörden und die Zusammenarbeit mit Menschenhilfsorganisationen. Die Interviews sollen die Missstände und Probleme der Betroffenen darstellen, die sie in ihrem alltäglichen Leben nach der Verletzung immer noch haben.

[...]


[1] Günter Eich, http://www.onlinekunst.de/februar/01_01_Eich.htm 03.02.07

[2] (Minen wissen nicht, wann Frieden ist, Berichte und Dokumente zum Engagement des Bundesdeutschen Initiativekreises für das Verbot von Landminen. 1996- Seite 7. Hg. Peter Schulte- Holtey)

[3] „AP-MINEN dienen zur Bekämpfung lebender Ziele, wobei zwischen Tötungs- und Verletzungsabsicht unterschieden werden muss“. (One Step Beyond. Ein Projekt von Lukas Einsele. Hg. David Cathrine David. 2005. S .70)

[4] Deutsches Komitee für UNICEF, http://www.unicef.de/1504.html 03.02.2007

[5] www.juniorbotschafter.de/2259.html 11.02.07

[6] http://www.unicef.at/fileadmin/medien/pdf/gipfelnairobi04.pdf. 10.02.07

[7]Die Ottawa–Konvention untersagt die Entwicklung, Produktion, Anwendung, Weitergabe und den Besitz von Anti-Personenminen. Damit sind alle Sprengsätze, die durch Anwesenheit, Nähe oder Kontakt zu Menschen explodieren, verboten. Verlegte Minen müssen nach zehn Jahren vernichtet sein, eingelagerte Minen innerhalb von vier“. http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Landminen/nairobi.html 04.02.07

[8] http://www.icbl.org/lm/2002/jordan 04.02.07

[9] LANDMINE MONITOR REPORT. http://www.icbl.org/lm/2006/jordan 04.02.0)

[10] The National Committee for Demining & Rehabilitation. JORDANIEN

Details

Seiten
69
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668328532
ISBN (Buch)
9783668328549
Dateigröße
4.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89422
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin – Kunst im Kontext
Note
Gut
Schlagworte
Future Kunstpädagogik Kunstvermitlung

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