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Die Theorie vom 'Kampf der Kulturen' von Samuel P. Huntington - eine kritische Betrachtung

Hausarbeit 2008 20 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Vorstellung der Theorie des „Clash of Civilizations“
2.1 Definition der Begriffe „Kultur“ und „Kulturkreis“
2.2 Die Kulturkreise und Huntingtons Einteilung der Welt
2.3 Bruchlinienkriege

3. Kritische Betrachtung des “Clash of Civilizations”
3.1 Anzeichen, die für einen „Kampf der Kulturen“ in der Welt sprechen
3.2 Kritik an Huntingtons Theorie – Die Gegenstimmen

4. Abschließende Bewertung

Anlage 1:

Einteilung der Welt in Kulturkreise nach Huntington

Anlage 2:

Kulturkreise: Konfliktpotential zwischen den Kulturkreisen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Eine Kultur ist gleichzeitig ein Treibhaus, das es den menschlichen Fähigkeiten erlaubt sich zu entwickeln, aber auch das Gefängnis, das sie einengt“.

Aldous Leonard Huxley

Der „Kampf der Kulturen“ ist ein in allen Medien stetig wieder verwendeter Begriff. Vor allem nach dem 11. September 2001 erhielt diese Theorie einen deutlichen Aufschwung, zumal sich die Frage stellte, ob der Kampf der Kulturen oder in diesem Fall der Kampf des Islam gegen den Westen nun ausgebrochen sei. Keine Zeitschrift in Deutschland, die den Ausdruck „Kampf der Kulturen“ nicht wenigstens einmal in ihren Aufsätzen eingebunden hat.[1] Da ist von Konflikten und Unruhen die Rede, vom Miteinander der Kulturen oder vom Krieg zwischen ihnen. Doch was bedeutet „Kampf der Kulturen“ überhaupt, und was ist das für eine Theorie, die von den Medien herangezogen wird, die Welt zu erklären?

Im Sommer 1993 veröffentliche Samuel P. Huntington in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ einen längeren Artikel mit dem Thema „The Clash of Civilizations[2] “. In diesem Artikel prophezeite er, dass zukünftige Konflikte zwischen verschiedenen Kulturen[3] stattfinden würden und nicht mehr, so wie bis dahin angenommen, aus ideologischen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen (Huntington 1993: 22). Diese Theorie sorgte nach Ende des Ost-West-Konfliktes und der weggefallenen Bedrohung durch die Sowjetunion für ein neues Feindbild; Das der verschiedenen Kulturen. (Müller 1998: 1) Vor allem in der politikwissenschaftlichen Forschung ist die Theorie des „Kampf der Kulturen“ umstritten. Kaum eine Theorie hat je so polarisiert wie diese. (Caglar 2002: 9) Huntington beansprucht ein neues Paradigma entworfen zu haben, das zukünftige Konfliktlinien besser als alle anderen erklären und aufzeigen soll. (Huntington 1993: 25 – 29 / Caglar 2002: 17) Aus diesem Grund möchte ich in dieser Arbeit die Theorie des „Kampf der Kulturen“ näher beleuchten und vorstellen, um sie dann kritisch zu diskutieren.

Die Kernfrage der Hausarbeit lautet also: Wie ist Samuel P. Huntingtons Theorie vom „Kampf der Kulturen“ aufgebaut, und bietet sie eine mögliche Grundlage Konflikte in der Welt zu erklären?[4]

Um die Theorie des „Kampf der Kulturen“ genauer untersuchen zu können, werden zunächst im zweiten Abschnitt der Arbeit, notwendige zentrale Begriffe wie Kultur, Kulturkreise, Kernstaaten und Bruchlinienkriege, definiert[5]. Dem folgt im Dritten Abschnitt eine Diskussion über die Vor- und Nachteile der Huntigtonschen Theorie. Hier wird vor allem beleuchtet werden, ob ein Kampf der Kulturen überhaupt stattfindet und ob die Theorie in der modernen politikwissenschaftlichen Forschung Anwendung finden kann. Die durch die Diskussion getroffene Bewertung der Theorie von Samuel P. Huntington und die Einordnung ihrer wissenschaftlichen Relevanz für die politikwissenschaftliche Forschung schließen die Arbeit im vierten Abschnitt ab.

2. Vorstellung der Theorie des „Clash of Civilizations“

2.1 Definition der Begriffe „Kultur“ und „Kulturkreis“

Der Begriff „Kultur“ spielt in der Theorie des „Kampf der Kulturen“ eine entscheidende Rolle und wird nach Huntington als ein Gegenstand der umfassenden Identifikation einer Gesellschaft gesehen (Huntington 2006/2007: 51). Im allgemeinen Verständnis wird Kultur durch E.B. Tylor als das „komplexe Ganze, welches Wissen, Glaube, Kunst, Moral, Recht, Sitte und Brauch sowie alle anderen Tätigkeiten und Gewohnheiten einschließt, welche der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft erworben hat“ bezeichnet (zit. n. Kohl 2000: 131 aus Nohlen/Schultze 2005: 503). Bei Huntington umfasst Kultur die Lebensweise eines Volkes genauso wie Werte, Normen und Institutionen. Dies bedingt auch die Art und Weise, wie sich Menschen innerhalb einer Kultur definieren. Diese Identifikation mit einer bestimmten Kultur geschieht über ihre Herkunft, Sprache, Geschichte, über Werte und Sitten sowie über Gebräuche (Huntington 2006/2007: 23ff). Vor allem aber die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion stellt für Huntington das grundlegendste Kulturmerkmal dar (Huntington 2006/2007: 53f).

Aus diesem Grund fasst Huntington die unterschiedlichen kulturellen Merkmale zu verschiedenen Kulturkreisen zusammen. Die wichtigsten Gruppen in Huntingtons Theorie sind nicht mehr die drei Blöcke des Kalten Krieges, sondern vielmehr teilt er die Welt in sieben[6] große Kulturkreise (Huntington 2006/2007: 23). Bei der Definition dieser Kulturkreise ist es wichtig zu beachten, dass Grundwerte, philosophische Voraussetzungen, soziale Beziehungen, Sitten und deren allgemeine Weltanschauung von Kulturkreis zu Kulturkreis stark differieren können (Huntington 2006/2007: 27). Kulturkreise haben weiterhin die Eigenschaft in sich geschlossen zu sein. Das bedeutet, dass kein einzelner kultureller Aspekt eines Kulturkreises verstanden werden kann, wenn man ihn nicht im Gesamtzusammenhang, also in der Gesamtkultur betrachtet. Hinzu kommt, dass Kulturkreise in der Theorie des „Kampf der Kulturen“, die größte kulturelle Einheit bilden und einzelne Subkulturen innerhalb der angesprochenen Kulturkreise wenig Beachtung geschenkt wird. Zur Betrachtung der Kulturkreise ist es weiterhin wichtig zu verstehen, dass sie sich stetig weiterentwickeln und somit dynamisch sind, allerdings sind sie nicht mit dem Gebilde eines Staates zu verwechseln; Sie sind keine politischen, sondern nur kulturelle Größen. (Huntington 2006/2007: 55ff)

2.2 Die Kulturkreise und Huntingtons Einteilung der Welt

Huntington nimmt eine deutliche Einteilung der Welt vor. (Anlage 1) Hierbei orientiert er sich, bis auf den Buddhismus, an den bereits durch Max Weber definierten fünf „Weltreligionen“ – Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und Konfuzianismus (Huntington 2006/2007: 63)

1. Der sinische Kulturkreis. Dies bezeichnet den chinesischen in Verbindung mit dem konfuzianischen Kulturkreis (Huntington 2006/2007: 59). Dies beruht darauf, dass die Existenz einer einzelnen chinesischen Kultur umstritten ist und nicht nur den Konfuzianismus, sondern auch China als politische Größe umfasst wird. Die Bezeichnung „sinisch“ bezieht sich daher auf die Kultur Chinas, der chinesischen Gemeinschaften Südostasiens sowie auf die verwandten Kulturen Koreas und Vietnams (Huntington 2006/2007: 60).
2. Der japanische Kulturkreis. Huntington trennt den japanischen vom chinesischen Kulturkreis. Obwohl er sich zwischen 100 und 400 n. Chr. aus dem chinesischen Kulturkreis entwickelt hat, steht er in der Theorie des „Kampf der Kulturen“ als unabhängiger Kulturkreis (Huntington 2006/2007: 60).
3. Der hinduistische Kulturkreis. Seit ca. 2000 v. Chr. prägt die hinduistische Religion die Kultur des indischen Subkontinents. Diese Kernreligion[7] Indiens ist der Namensgeber dieses Kulturkreises und bezeichnet ihn über die Grenzen Indiens hinaus (Huntington 2006/2007: 60).
4. Der islamische Kulturkreis. Der islamische Kulturkreis erstreckt sich von der arabischen Halbinsel ausgehend, über Nordafrika und die Iberische Halbinsel sowie ostwärts nach Zentralasien und auf dem indischen Subkontinent und in Südostasien. Zu beachten ist, dass nicht nur die islamische Kultur an sich, sonder auch diverse Subkulturen wie die arabische, türkische, persische und malaiische Kultur zu diesem Kulturkreis zu zählen ist (Huntington 2006/2007: 60/61)

[...]


[1] Vgl. dazu z.B. Die Zeit, Nr.38, 13.09.2001 / Der Spiegel, 38/2001 (15.09.2001) / Süddeutsche Zeitung (Nr.213, 15./16. 09.2001) etc um nur ein paar, der frühen Aufsätze, in denen der Kampf der Kulturen Erwähnung findet, zu nennen.

[2] Zu besseren Verständlichkeit der Arbeit wird ab diesem Zeitpunkt nur noch vom „Kampf der Kulturen“ gesprochen

[3] Der Begriff „Kultur“, übersetzt aus dem Amerikanischen „civilization“ wird im weiteren Verlauf des Textes näher definiert

[4] Als Grundlage für diese Arbeit dient vor allem das Buch: „Kampf der Kulturen“ – Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, Hamburg, SPIEGEL-Verlag, 2006/2007 (veröffentliche deutsche Übersetzung). Die Originalausgabe von Samuel P. Huntington, The clash of civilizations and the remaking of world order, Sydney 1997, wird zur Prüfung der oben genannten Ausgabe herangezogen.

[5] Ich gehe in der Darstellung des Kampfs der Kulturen nur auf die Kernaspekte und Rahmenbedingungen die zum Verständnis der Theorie wichtig sind ein. Eine Anwendung der Theorie, wie sie Huntington z.B an dem westlichen und islamischen Kulturkreis vornimmt entfällt, da die Anwendung der Theorie in Teilen in der Diskussion zum Ausdruck kommt.

[6] Huntington legt sich nicht genau fest, die genaue Einteilung und Abgrenzung der Kulturkreise nach Huntington folgt im Verlauf der Arbeit.

[7] Ich spreche in diesem Zusammenhang von einer „Kernreligion“, da es weiterhin in Indien auch eine nicht unwesentliche muslimische Gemeinde, sowie kleinere kulturelle Minderheiten gibt. Huntington bezeichnet den Hinduismus als mehr als eine Religion, für ihn handelt es sich mehr um eine Art Gesellschaftssystem, welches auch umliegende Staaten beeinflusst (Huntington 1998, S.60).

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638026659
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89350
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
"-"
Schlagworte
Theorie Kampf Kulturen Samuel Huntington Betrachtung

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Titel: Die Theorie vom 'Kampf der Kulturen' von Samuel P. Huntington - eine kritische Betrachtung