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Vom Widerhall der Maschinen - Arbeit und soziale Verheißung bei Theodor Herzl, Arthur Holitscher, Max Weber und Franz Kafka

von Magistra Artium Naomi Becker

Magisterarbeit 2006 80 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Verschollene und die Referenztexte

3. Kapitel – Chiffrenfeld „Arbeit“
3.1 Vorbemerkungen zu den Arbeitsdarstellungen
3.2 Arbeit und Energie im industriellen Zeitalter
3.3 „Er lehnte schwer am Geländer neben seinem Aufzug“ – Energiekurven
3.4 „ Ja war denn Karl zu einem Ringkampf eingeladen worden“ – Arbeit als sportlich organisierte Leidenschaft
3.5 „Karl erfuhr, daß die zwei Maschinenschlosser waren“ – Arbeit und Charaktere
3.6 „das Läuten war sinnverwirrend“ – Technik und Kommunikation
3.7 „und der Liftjunge war ein Gymnasiast“ – Soziale Kurven
3.8 „ältere als zwanzigjährige Liftjungen wurden nicht geduldet“ –Arbeitsbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen
3.9 „Es ist unmöglich sich zu verteidigen, wenn nicht guter Wille da ist“ – Arbeitsrecht
3.10 „Auch die Akustik des Zimmers war ausgezeichnet“ – Das bewohnbare stahlharte Gehäuse

4. Chiffrenfeld „Soziale Verheißung“
4.1 Kafkas Oklahama
4.2 Vorbemerkungen zur Darstellung von sozialer Verheißung in den Referenztexten
4.3 Von biblischer Verheißung zu nationaler Fortschrittsrechtfertigung
4.4 „Auf dem Rennplatz in Clayton“ – Die Örtlichkeit der Naturtheater-Institution
4.5 „Jeder ist willkommen“ – Das Bewerberprofil
4.6 „Sie haben natürlich alle ihre Legitimationspapiere bei sich“ – Empfang und bürokratische Aufnahme
4.7 „Alle waren fröhlich und aufgeregt“ – Zeichen des Neubeginns
4.8 „Was für Erinnerungen an vergangene Zeiten!“ – Ablauf und Organisation
4.9 „er legte seine Rede groß an“ – Betreuung
4.10 „Diese Brüstung war ganz aus Gold in allen ihren Teilen“ – Normen
4. 11 „Er glaube, man dürfe getrost sein.“ – Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis
1.Quellenliteratur
2. Sekundärliteratur

„Schon aber war die Maschine in Gang.“ Theodor Herzl, Altneuland

1. Einleitung

Alles fügte sich ihm zum Bau. Fremde Arbeiter brachten die Marmorsteine, zubehauen und zueinandergehörig. Nach den abmessenden Bewegungen seiner Finger hoben sich die Steine und verschoben sich. Kein Bau entstand jemals so leicht wie dieser Tempel oder vielmehr dieser Tempel entstand nach wahrer Tempelart. Nur daß auf jedem Stein – aus welchem Bruche stammten sie? – unbeholfenes Gekritzel sinnloser Kinderhände oder vielmehr Eintragungen barbarischer Gebirgsbewohner zum Ärger oder zur Schändung oder zu völliger Zerstörung mit offenbar großartig scharfen Instrumenten für eine den Tempel überdauernde Ewigkeit eingeritzt waren.[1]

Dieses Textfragment aus einem Oktavheft Kafkas soll dieser Arbeit als Ausgangspunkt für Kafkas Schreibverfahren dienen, da es in der Metapher des Baus und seinen zu verortenden Bruchsteinen ein erstes Modell liefert für die verschiedenen Referenzbereiche innerhalb einer schriftstellerischen Konzeption.

Rückverweise auf schon einmal Gelesenes prägen die Kultur des Abendlandes von Beginn an. Daher findet mit dem Lesen eines Textes eine fortwährende Re-Lektüre anderer Schriften statt, wie Gerhard Neumann in seiner Einleitung zu dem Band Canetti als Leser ausführt.[2] Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfährt dieser ,,Gestus des Zitierens“[3] eine Zuspitzung in Richtung des

besonderen Lesens […] das jene Buchstaben zu entziffern sucht, die nicht in der manifesten Spur des Textes sich verketten, sondern unter der Oberfläche des wahrnehmbaren und unmittelbaren Gewebes der Zeichen sich befinden; Buchstaben, die, als gelesene Zeichen, zugleich als Indizien für ein Anderes, Eigentliches und Unartikuliertes, unter der Oberfläche Verstecktes gelten.“[4]

Diese Veränderung in der Wahrnehmung im Laufe des 19. Jahrhunderts geht laut Neumann auf drei Begründer zurück, die die verborgenen Spuren und doppelten Böden jeweils auf ihre Weise aufdeckten. Da wäre der Philologe Carl Lachmann, er las „aus den Tiefenschichten der Autorschrift“[5] den wirklichen literarischen Text heraus; der Archäologe Heinrich Schliemann, der die unerforschten Schichten des Bodens zugänglich machte und schließlich Sigmund Freud, der die geheime Sprache der Seele mittels der Analyse von Träumen entschlüsselte.[6]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat die sich auf Welt und Subjekt ausweitende Lektüre ihren Höhepunkt erreicht, die Autoren sind sich der „erdrückende[n] Last des Zitierten und Exzerpierten [bewusst], die auf Gedächtnis und Ereignis, auf Lebenswelt und Geschichte lastet, […] [sie wissen um die] Fülle jener Bildungsmassen, die Texte über Texte häufen.“[7]

Die mit dem „Gekritzel sinnloser Kinderhände“ und den „Eintragungen barbarischer Gebirgsbewohner“ (Kafka) ver(un)zierten Steine sind zu einem mächtigen, unübersichtlichen Tempel geworden. Möchte man die einzelnen Bauelemente des Werkes von Franz Kafka nach ihrer Herkunft befragen, sollten drei zu unterscheidende – nicht nur rein literarische – Referenzdimensionen beachtet werden. Der ersten sind real vorhandene Objekte zugeordnet, die zweite umfasst die Zusammenstellung von Texten, deren literarische Bilder mit Kafkas Texten in Verhältnis zu setzen wären. Diese Beziehung kann sowohl anspielend als auch verarbeitend-kommentierend sein. Die letzte Dimension widmet sich den unterschiedlichen Wissensfeldern, die für die Konzeption von Kafkas Texten relevant waren.[8]

Diese Arbeit konzentriert sich auf den zweiten Referenzbereich, auf die „metaphorischen Maschinen […] die Kafkas Texte umlagern“[9], – um zu zeigen, dass Kafka mittels literarischer Chiffren auf spezifische Stellen in den ausgewählten Schriften von Arthur Holitscher, Theodor Herzl und Max Weber anspielt.

Chiffre stammt ursprünglich aus dem Arabischen und wird übersetzt mit „Ziffer, Zahlzeichen“, der Begriff Chiffrierung bezeichnet eine Geheimschrift, die jeden Buchstaben, also jedes Zeichen mittels eines bestimmten Systems oder Codes durch einen anderen Buchstaben ersetzt (Substitutionsverfahren).

In dieser Arbeit werden Chiffren verstanden als literarische Zeichen, die Nachbarschaften von Medien und speziellen Problemfeldern, hier ist also der Bereich der Sozialutopie und die innewohnenden Konfliktstellen gemeint, herstellen. Chiffren wären dabei zu verstehen als „Merknetzpunkte“, die andere Stimmen und Bilder konkreter Textstellen mitlesbar machen.

Dieses spezielle Verständnis der literarischen Chiffre wäre noch von der Metapher, der Allegorie und dem Symbol abzugrenzen. Metapher bedeutet wörtlich „Übertragung“ und bezeichnet einen uneigentlichen Wortgebrauch. Eine Allegorie übersetzt Gedachtes in ein Bild, das durch Reflexion wieder erschlossen werden muss. Ein Symbol ist ein Erkennungszeichen, indem äußere Form und Bedeutung unmittelbar „zusammengeworfen“ werden.

Auch wenn in Form von Chiffren Anspielungen auf andere Textstellen gesucht werden, geht es nicht darum herauszufinden, welche Motive Kafka übernommen hat, da diese Herangehensweise den Schriftsteller als bloßen Kopist degradieren würde, der kein einmaliges Werk verfasst, sondern einen ,,Flickenteppich“ gewebt hat.[10] Wäre das Verhältnis der Texte eines von Vorlage und Kopie, würden die Anspielungsfelder gleichsam eine statische und erstarrte Qualität erhalten. Vielmehr ist es ihnen jedoch möglich, weiter zu „wachsen“, sich fortzuentwickeln und sich an Diskursbewegungen anzuheften. Dann könnte ihr Funktionsprinzip so lauten, wie es Gilles Deleuze und Felix Guattari in Kafka. Für eine kleine Literatur formulieren: „Der Ausdruck muß den Inhalt mit sich fortreißen“, damit wäre ein „Erfassen der möglichen Bewegung, die bereits wirklich ist, ohne schon gegenwärtig zu sein“[11] realisierbar. Nur dann ist die „Literaturmaschine“[12] fähig, „die Zuspitzung vorwegzunehmen, die „bösen Mächte“ zu überholen, ehe sie vollends hereingebrochen sind – Amerikanismus, Faschismus, Bürokratie. Wie Kafka sagte: Es gilt weniger ein Spiegel zu sein als eine Uhr, die vorgeht.“[13]

Oder noch einmal anders gesagt: Kafka erfindet mit seiner vagabundierenden Schreibweise eine vielstimmige „Erzählmaschine“[14], mit einem „offenen Raum ihres Anspielungsfeldes“[15].

Dabei ist, um es nochmals zu betonen, zu beachten, dass Kafka sich nicht dem „mechanischen Konzept der Montage“[16] bedient, sondern dem „energetische[n] Konzept der Auslösung“[17]. Innerhalb der zahlreichen Referenzbereiche „läßt sich keine feste Hierarchie, kein archimedischer Punkt, kein „Zentralnerv“ ausmachen“[18]. Denn Kafka arbeitet mit ,,vorgefertigten Bildbeständen“[19], die er von vielen möglichen Quellen bezieht, diese arrangiert er zu einer selbstständigen literarischen Form.[20]

Die in den folgenden Kapiteln gewählte Zusammenstellung von „metaphorischen Maschinen“[21] lässt sich in ihrer Bildlichkeit zu Kafkas Amerika-Roman in Verbindung setzen. So entspinnt sich ein allusiver[22] Dialog zwischen Der Verschollene, Der Judenstaat und Altneuland, Amerika heute und morgen und Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus. Den in Kafkas Amerika-Roman lokalisierten Chiffren werden Textstellen zugeordnet, so dass intertextuelle[23] Verknüpfungen – unter dem Aspekt der allusiven Archivierung oder der Kommentierung – offensichtlich werden. Aus der Vielzahl von Anspielungen in Der Verschollene werden hier zwei Themenkomplexe, „Arbeit“ und „soziale Verheißung“, verhandelt.

Sicherlich wären weitere Chiffrenfelder innerhalb von Der Verschollene zu untersuchen, etwa die Institutionen und Programme, Kommunikation und Medien, Familienverhältnisse oder die Jurisdiktionen.

Das Kapitel über das Chiffrenfeld „Arbeit“ beginnt mit der Betrachtung von Energiekurven, fährt mit Arbeits-Organisation, unterschiedlichen Berufen und dazugehörigen Charaktertypen, Technik/Kommunikation und sozialen Kurven fort und widmet sich schließlich den Sicherheitsvorkehrungen und dem Arbeitsrecht, bevor zusammenfassend die Stellung des Menschen in der arbeitenden Gesellschaft betrachtet wird.

Der zweite thematische Schwerpunkt „soziale Verheißung“ stellt Institutionen, Selektionskriterien (Bewerberprofil), Organisation und Normen der sozialutopischen Entwürfe gegenüber, bevor zum Ende hin Der Verschollene im Ganzen in Beziehung zu den Referenztexten gesetzt wird. Anfangs wird eingrenzend Kafkas „Teater von Oklahama“-Kapitel untersucht. Dies schließt andere Stellen des Romans, die Vorstellungen und Kunde von einem besseren Leben, z.B. im Westen Amerikas, geben, aus.

„Er wählte also eine beliebige Richtung und machte sich auf den Weg.“

Franz Kafka, Der Verschollene

2. Der Verschollene und die Referenztexte

Die Niederschrift der Erzählung Das Urteil in nur einer Nacht läutet eine intensive Schaffensperiode Kafkas ein, in der auch der größte Teil von Der Verschollene entsteht. Mit der Konzeption des ersten Kapitels „Der Heizer“[24] beginnt Kafka im September 1911.[25]

Als wohl bekanntester literarischer Anreiz zu Kafkas Amerika-Projekt gehören Arthur Holitschers Amerika-Schilderungen. Arthur Holitscher (1869-1941), Budapester Jude und Bankangestellter, der seine Nächte dem Schreiben widmete, wird 1911 vom S. Fischer Verlag auf eine achtmonatige Amerikareise geschickt. Die von ihm verfassten Berichte erscheinen zunächst in der – von Kafka abonnierten – Neuen Rundschau[26] und werden 1912 in Buchform publiziert. Kafka – selbst nie in Amerika gewesen – studiert Holitschers Reiseliteratur derart sorgfältig und mit einer solchen Intensität, dass er Teile davon sogar nachträumt.[27]

Im Frühjahr 1912, zur Zeit der Veröffentlichung von Holitschers Reportagen, beginnt Kafka mit der Niederschrift des Romans. Die erste Fassung vernichtet er allerdings und erst im September, nachdem Das Urteil verfasst ist, nimmt er sich erneut der Amerika-Thematik an. In seinen Briefen an Felice Bauer berichtet er fast jeden Tag über das nach seinem Empfinden holprige und langsame Fortschreiten des Schreibprojektes.[28] Zu Beginn des Jahres 1913 allerdings stockt die Weiterschrift vollkommen und erst 1914 kommt es zur Konzeption weiterer Kapitel; es entsteht die Erzählpartie „Ausreise Bruneldas“ und das „Das Teater von Oklahama“[29]. Nach einigen Wochen Arbeit bleibt das Manuskript dennoch ein Fragment.[30]

Max Brod veröffentlicht den Roman 1927 unter dem vom ihm gewählten Titel Amerika als letzte der großen Nachlassarbeiten.[31]

Der jüdische Journalist und Schriftsteller Theodor Herzl (1860-1904) verfasst mit Der Judenstaat, veröffentlicht 1896, ,,die Programmschrift der zionistischen Bewegung“[32]. Er sieht in der Konzentration des größtmöglichen Teils der Juden in einem eigenen Lande (die „Staatsidee“[33]) die Lösung der „Judenfrage“[34]. Sie sollten ihre innere und äußere Freiheit mit der Besinnung auf ihre Nationalität wiedergewinnen: „Wir sind ein Volk, Ein Volk“[35].

Sein berühmter Roman Altneuland, 1902 veröffentlicht, sollte zeigen, dass der zionistische Gedanke ausführbar und die „Judenfrage“ zu lösen sei.

Seine soziale Utopie ist eine fiktive Schilderung Palästinas, welches nun das West- und Ostjordanland umfasst und im Norden bis ins heutige Syrien reicht. Die Rückwanderung der Juden hat stattgefunden, das Land ist aufgeblüht und das Modernste, was die Technik der Zeit zu bieten hat, ist verwirklicht worden. Das Land ist durchzogen von Eisenbahnlinien und Kanälen. Eine neue Sozial- und Wirtschaftsordnung ist errichtet worden, die weder kapitalistischen noch sozialistischen Charakter hat. Hier handelt es sich um den so genannten Mutualismus, eine Wortkreation Herzls, welcher eine Verbindung von Privat- und Gemeinwirtschaft und ein Mittelweg zwischen Kapitalismus und Kollektivismus darstellt.[36] Altneuland veranschaulicht Herzls theoretische Vorstellungen über das Leben im Judenstaat in Form eines Romans. Die Rahmenhandlung erzählt die Geschichte des vom Leben enttäuschten Friedrich Löwenberg, der mittels einer Zeitungsannonce einen Gleichgesinnten trifft und sich mit ihm für lange Zeit auf eine einsame Insel zurückzieht. Vorher besuchen beide noch das heruntergekommene, trostlose Palästina. Nach Jahren der Einsamkeit kommen sie schließlich wieder dorthin und finden alles gänzlich verändert vor. Es ist nun, wie beschrieben, ein blühendes, reiches Land mit modernsten Verkehrsnetzen, neuester Technik und weitestgehend harmonischer gesellschaftlicher Ordnung.

Bereits in der Schulzeit erfährt Kafka über seinen Mitschüler Hugo Bergmann von der Idee des Zionismus und den Schriften Herzls.[37]

Seit 1910 besucht Kafka – von Hugo Bergmann eingeführt – die Veranstaltungen des jüdischen Vereins „Bar-Kochba“, ohne diesem jedoch offiziell beizutreten.[38]

Ein Jahr später sieht er eine Vorstellung des jiddischen Theaters und liest daraufhin unermüdlich Schriften zum traditionellen Judentum und zur aktuellen politischen Situation der Juden.[39] Auch die Teilnahme am Kongress der Zionistischen Weltorganisation (von Theodor Herzl 1897 gegründet) im Jahr 1913[40] zeigt Kafkas Auseinandersetzung mit Herzls Gedankengut, auch wenn man ihn trotzdem schwerlich als Zionisten bezeichnen kann. Denn sein Verhältnis zum Zionismus, dem neuen Orientierungspunkt für viele seiner Generation, wie für seine Freunde Max Brod oder Hugo Bergmann, der schon kurz vor dem Ersten Weltkrieg nach Palästina auswanderte, bleibt eher zwiespältig. Nur in einer Hinsicht nimmt er lebhaft an den Auswirkungen des Zionismus teil: Interessiert beobachtet er die Kolonisierungsbemühungen und die Gestaltung der neuen Ansiedelungen in Palästina und viele ähnliche jüdische Aktivitäten.[41]

Als einer der einflussreichsten soziologischen Denker des 20. Jahrhunderts gilt der Deutsche Max Weber (1864-1920). Seine Entwürfe zur Herrschafts- und Religionssoziologie, seine Methodenlehre oder seine Deutung des Verhältnisses von Wirtschaft und Gesellschaft haben weit über die Soziologie hinaus die modernen Geistes- und Sozialwissenschaften geprägt.[42]

In seiner 1904/05 veröffentlichten sozialphilosophischen Studie Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus zeigt Weber, wie die puritanische Lebensführung der ökonomisch-rationalen Lebensführung zugute kam und schließlich zur Wiege des modernen ,,Wirtschaftsmenschen“ wurde.[43] Die protestantisch-asketische Ethik stellt für ihn zwar nicht den einzigen, aber den wichtigsten Grund für die Entwicklung des Kapitalismus dar.[44]

Über Kafkas Kenntnis von Alfred Webers Aufsatz Der Beamte ist berichtet worden[45], nicht eindeutig gesichert ist, ob Kafka auch Max Webers Protestantische Ethik kannte – der allusive Dialog der beiden Texte legt es allerdings nahe. Der textuelle Befund soll als Unterstützung dieser Hypothese für die vorliegende Arbeit ausreichen.

Natürlich gibt es zahlreiche andere Bildquellen[46] und Referenzbereiche, es sei kurz auf Charles Dickens hingewiesen, den Kafka selbst – vielleicht zu sehr – in den Vordergrund rückte.[47] So notiert Kafka in seinem Tagebuch:

Dickens Copperfield (,,Der Heizer“ glatte Dickensnachahmung, noch mehr der geplante Roman. Koffergeschichte, der Beglückende und Bezaubernde, die niedrigen Arbeiten, die Geliebte auf dem Landgut die schmutzigen Häuser u.a. vor allem aber die Methode. Meine Absicht war wie ich jetzt sehe einen Dickensroman zu schreiben, nur bereichert um die schärferen Lichter, die ich der Zeit entnommen und die matteren, die ich aus mir selbst aufgesteckt hätte.[48]

Neben literarischen Quellen wird auch die Tatsache, dass drei Vetter Kafkas nach Amerika ausgewandert waren und die Heimat mit Berichten versorgen konnten, Inspiration zur Romangestaltung gegeben haben.[49]

Darüber hinaus führt Kafka Gespräche mit Arbeitern, die Erfahrungen aus den USA zu berichten hatten. Während eines Parisaufenthaltes spricht er mit einem Goldarbeiter, über den er im Tagebuch aber lediglich festhält, dass er zwei Jahre in Amerika gearbeitet hat.[50]

Im Dezember 1914 unterhält er sich mit seinem Cousin Emil Kafka, der 1904 nach Amerika auswanderte, über dessen Arbeit in einem Chicagoer Warenhaus. Genauestens hält Kafka fest, wie viele Stunden Emil täglich arbeitet, was er verdient und wie viel Urlaub ihm zusteht. Auch die Verkaufszahlen des Warenhauses, seine Vertriebsmethoden und die Zahl der Angestellten finden Eingang ins Tagebuch.[51] Es ist anzunehmen, dass Kafka, obwohl er seinen Cousin erst 1914 persönlich kennen lernt, zuvor durch die Familie über dessen Werdegang und Lebensgewohnheiten in Amerika informiert war.[52]

Beruflich ist Kafka seit 1908 in der „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt (=AUVA) für das Königreich Böhmen“ tätig und arbeitet dort bis zu seiner Pensionierung 1922. Ab 1910 ist er als Konzeptsbeamter in erster Linie für die juristische Beäußerung von Rekursen (Einsprüchen) der versicherten Unternehmer gegen die Einteilung ihrer Betriebe in die statistischen Gefahrenklassen zuständig. Die juristische Bearbeitung von Unfallentschädigungen und die Werbung für Unfallverhütung, die ebenfalls in seinem Aufgabenbereich liegen, führen ihm die Schicksale der Arbeiter unmittelbar vor Augen. Kafka hat immer wieder Unfälle von verletzten oder verstümmelten Arbeitern zu untersuchen, die durch unzureichende Sicherungsvorkehrungen der Maschinen in den Betrieben verursacht wurden.

In den Anfangsjahren seiner Tätigkeit bei der AUVA unternimmt Kafka zahlreiche Dienstreisen in ihm zugeteilte nordböhmische Bezirke um Reichenberg, einem industriell gefärbten Gebiet, welches damals eines der weitestentwickelten in Europa war. Dort gab es eine große Anzahl von Tuchfabriken, Glasschleifereien und Maschinenbaufirmen, überwiegend sehr moderne Fabriken mit bis zu 200 Arbeitern, die täglich 12 Stunden arbeiteten und einen Hungerlohn bekamen.

Diese Betriebe ordnet Kafka in Gefahrenklassen ein und prüft, ob die Angaben der Unternehmer gegenüber der Versicherungsanstalt korrekt sind. Natürlich waren die Unternehmen an einer möglichst günstigen Einstufung interessiert, so dass sich oft Konflikte ergaben. Hier gewinnt er umfassende Einblicke in das oftmals unmenschliche, auf Gewinn ausgelegte industrielle System der damaligen Zeit.[53]

Abschließend sei zur leichteren Einordnung der im Folgenden exzerpierten Stellen aus Kafkas Roman der Inhalt kurz referiert:

Der Verschollene ist die Geschichte von Karl Roßmann, einem europäischen Jugendlichen, der in der Heimat von einem Dienstmädchen verführt – wobei seine eigene Schilderung eher eine Vergewaltigung durch das Mädchen nahe legt – und daraufhin von seinen Eltern nach Amerika geschickt wurde.

Noch bevor er im Hafen von New York das Schiff verlässt, trifft er auf seinen Onkel Jakob, der von dem Dienstmädchen darüber informiert wurde, dass sein Neffe auf dem Weg nach Amerika ist. Zunächst scheint Karls Zukunft gesichert, denn sein Onkel ist reich und hat ein gut gehendes Unternehmen. Doch nachdem Karl aus Höflichkeit und gegen die Einwände des Onkels die Einladung von dessen Geschäftspartner annimmt und mit auf ein Landhaus fährt, wird er von seinem Onkel verstoßen und schlägt sich nun alleine durch Amerika.

Er lernt zwei zwielichtige Gestalten namens Robinson und Delamarche kennen mit denen er weiter zieht, diese nach einem Streit aber wieder verlässt. Karl findet Anstellung in einem großen Hotel, wo er einige Zeit als Liftjunge arbeitet. Nachdem sein alter Bekannter Robinson ihn dort besucht und für einiges Durcheinander sorgt, wird Karl entlassen. Nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei sucht Karl Unterschlupf bei Delamarche und Robinson, die bei einer Sängerin namens Brunelda wohnen und arbeiten.

Karl wird zu einer Art Gefangenem und arbeitet anfangs unfreiwillig für Brunelda, scheint jedoch im weiteren Verlauf mit seiner Stellung nicht mehr unzufrieden. Der Schluss des Romans bleibt fragmentarisch. Karl bewirbt sich schließlich beim Naturtheater von Oklahama, wo er nach einer bürokratischen Aufnahmezeremonie als technischer Arbeiter aufgenommen ist. Mit der Zugfahrt der neu gewonnenen Mitarbeiter ins Innere des Landes bricht der Roman ab.

„Von der Gesellschaft verspreche ich mir alles was mir fehlt, die Organisierung meiner Kräfte vor allem […]“ Franz Kafka, Tagebücher 1909-1912

„Alles kommt auf die treibende Kraft an.“ Theodor Herzl, Der Judenstaat

3. Kapitel – Chiffrenfeld „Arbeit“

3.1 Vorbemerkungen zu den Arbeitsdarstellungen

Die Arbeitsschilderungen in Kafkas Amerika-Roman sind vor allem geprägt durch seinen Protagonisten Karl, der während des gesamten Geschehens auf der Suche nach einer passenden Stellung ist. Seine ganze gesellschaftliche Position definiert sich über die aktuelle Arbeitsstelle. So erfährt man neben den variierenden Arbeitsbedingungen in den unterschiedlichen Positionen auch soziale Komponenten, wie Aufstieg, Abstieg und die wirtschaftlichen Folgen. Natürlich fließen auch die Werdegänge von Karls Bekannten ein, die ein recht vielfältiges Bild vom Leben und Arbeiten nach der industriellen Revolution liefern.

Holitscher sieht während seiner Amerikareise die unterschiedlichsten Arbeitsbereiche. Er ist erschüttert von den negativen Folgen des modernen Arbeitslebens, das neben konsequenter Ertragssteigerung die menschlichen Bedürfnisse vollkommen außer Acht lässt. Die sozialen Folgen, wie frühzeitige Alterung und Krankheit bis hin zum physischen und psychischen Zusammenbruch stellt er ausführlich dar.

Für Herzl ist die Arbeit ein Mittel zum Zweck, nämlich zum Aufbau eines neuen Staates in Palästina. Er weiß die modernen Techniken und Kommunikationsmittel geschickt zu nutzen, um ein fortschrittliches, wirtschaftlich blühendes und sozial gerechtes Land aufzubauen. Darüber hinaus ist die Arbeit für ihn ein Läuterungsmittel zur Erziehung gewissenhafter, nationalitätsbewusster und zielstrebiger Gesellschaftsmitglieder.

Weber schließlich zeigt die Veränderung der Bedeutung von Arbeit durch ihre religiöse Aufladung und die damit geänderte Einstellung des Einzelnen und der Gesellschaft zu ihr.

3.2 Arbeit und Energie im industriellen Zeitalter

„Wie jeder vernünftige und empfindsame Mensch verabscheue ich Arbeit“, soll Aldous Huxley einmal gesagt haben. Doch trotz seiner humorvollen Unmutsäußerung ist es unbestreitbar, dass Arbeit fest zum menschlichen Dasein gehört – eine strukturierte und zielgerichtete Tätigkeit, die unter Verbrauch von Energie Widerstände überwindet und die im Laufe der Jahrhunderte ihren Wandel erfahren hat.

Wenngleich Arbeit mit Mühsal verbunden ist, kann sie dennoch zur Selbstverwirklichung des Menschen beitragen.

Dieses erste Kapitel konzentriert sich auf den Zeitraum ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Erfindung der Dampfmaschine eine neue Ära einläutete. Die Veränderungen in der Gesellschaft und Arbeitslandschaft sowie für den arbeitenden Menschen persönlich treten bis heute deutlich hervor. Die problematische Situation der Arbeiter im industriellen Zeitalter ist vor allem mit einem Namen verbunden: Karl Marx machte auf die ökonomische Grundlage der Gesellschaft aufmerksam, fasste das erwirtschaftete Kapital als Herrschaftsinstrument weniger Privilegierter auf und kritisierte die wirtschaftliche Ausbeutung der Arbeitenden. Im Produktionsprozess erneuert sich das Privateigentum und wächst zugleich an. Infolgedessen werden die Kapitalisten beständig reicher und die Proletarier immer ärmer. Dieses Verständnis von Erwerbsarbeit, an deren einem Ende der ausgebeutete Proletarier und am anderen der sich das Produkt aneignende Kapitalist steht, führt zur Verelendung des Lohnarbeiters. Er fällt bei gleichzeitigem Reichtum der Klasse der Kapitalisten auf die Ebene des Tieres zurück. Marx sah die Lösung des Problems im Kommunismus, der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Mit Hilfe einer Arbeiterrevolution sollte eine klassenlose Gesellschaft entstehen und das Proletariat die politische Herrschaft erringen.[54]

Zusammenfassen könnte man den ,Werdegang’ der Arbeit innerhalb der menschlichen Entwicklung vielleicht mit diesen Worten aus einem Forschungsband über Arbeit und Utopie:

Arbeit, das verhieß durch alle vormodernen Zeiten und in sämtlichen Kulturen nichts Gutes. Arbeit (griech. ponos) das ist Pein, Mühsal und Plage. Arbeit (lat. labor) das ist Mühe und das „Wanken unter einer schweren Last“, woraus auch das Laborieren entlehnt wurde: sich mit einem Leiden herumplagen. Die negativen Konnotationen der Arbeit blieben bis zu Luthers Zeiten maßgeblich; erst der Protestantismus machte aus der Arbeit eine religiöse, der Kapitalismus dann schließlich eine säkulare Tugend.[55]

Nach diesen einleitenden Ausführungen nun zu einer der markantesten „Umbruchstellen“ im modernen Arbeitsleben: der industriellen Revolution. Mit der Erfindung der Maschine[56] bekam der Arbeitsvorgang einen anderen Problemhorizont. Der Arbeiter hatte sich nun dem maschinellen Takt unterzuordnen und der kalkulierende Unternehmer intensivierte die Fabrikarbeit aus Gewinngründen zunehmend.[57] Die Kräfte des Menschen konnten ganz anders eingesetzt werden und die Forschung hatte ein neues Thema entdeckt.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Fragen des richtigen Haushaltens mit der menschlichen Kraft führte zunächst in die Physik. So arbeitete der deutscher Physiker und Physiologe Hermann von Helmholtz 1847 das universale Gesetz von der Krafterhaltung aus. Mechanische, elektrische, chemische und andere Naturkräfte sind demnach Formen einer einzigen universalen Kraft, der nichts hinzugefügt und die nicht zerstört werden kann.

Der Kosmos wurde als eine Art Produktionssystem angesehen, dessen Endprodukt die universale Kraft darstellt. Diese hielt man für notwendig, Natur und Gesellschaft in Gang zu halten. Weiterhin nahm man einen weitläufigen und veränderbaren, auf Umwandlung in Arbeit harrenden Vorrat an Kraft an.[58]

Das zweite thermodynamische Gesetz[59] allerdings stellt die vorausgesetzte Großzügigkeit der Natur wieder in Frage, da es die Unumkehrbarkeit von Kraft und ihr Dahinschwinden (Entropie) erläutert:

Der Optimismus der Krafterhaltung in den fünfziger und sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde also von der Entdeckung eingeholt, daß es, praktisch gesehen, einen unvermeidlichen Kräfteverlust gibt, daß nur ein Bruchteil der insgesamt existierenden Kraft für die Umwandlung verfügbar ist und daß die Entropie des Universums auf ein Maximum zustrebt.[60]

Arbeit wurde in diesem Zusammenhang zur Arbeitskraft ,,zu einem Begriff, der den Aufwand und die Entfaltung im Gegensatz zum menschlichen Willen, moralischen Zweck oder sogar technischen Geschick betonte.“[61]

Diese Arbeitskraft wurde zu einem ,,totalisierenden Rahmen“, in dem alle gesellschaftliche Aktivität der Produktion untergeordnet war und welcher das menschliche Arbeitsprojekt zu einem universellen Naturattribut erhob.[62] Der Begriff der Arbeitskraft umfasste in seinem Wirkungsfeld demnach sowohl Natur als auch Industrie und menschliche Tätigkeit.[63]

Die thermodynamische Physik begünstigte darüber hinaus die Wahrnehmung des Universums als eine Art Dynamo oder Motor[64], so dass schließlich auch die Betrachtungsweise des Menschen eine Änderung erfuhr: Der menschliche Körper wurde nun ebenfalls als eine Art Motor begriffen.

Anson Rabinbach sieht in dem Begriff des „Motor Mensch“ eine Metapher der Arbeit und Kraft, welche den Denkern des 19. Jahrhunderts ein neues wissenschaftliches und kulturelles System lieferte:

[...]


[1] Franz Kafka: Beim Bau der chinesischen Mauer und andere Schriften aus dem Nachlass. In: ders.: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Nach der kritischen Ausgabe hg. von Hans-Gerd Koch. Bd. 6. 3. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2004. S. 223.

[2] Gerhard Neumann: Lektüre und Lebenswelt. In: Canetti als Leser. Hg. von Gerhard Neumann. Freiburg: Rombach 1996 (=Rombach Wissenschaft –Reihe Litterae). S. 7-31. Hier: S. 7.

[3] Ebd. S. 7.

[4] Neumann, Gerhard: Lektüre und Lebenswelt, S. 10.

[5] Ebd.

[6] Ebd. S. 11.

[7] Ebd. S. 12.

[8] Benno Wagner: „Die Majuskel-Schrift unsres Erden-Daseins“. Kafkas Kulturversicherung. In: Hofmannsthal-Jahrbuch. Nr. 12. 2004. S. 327-363. Hier: S. 331f.

[9] Wagner, B.: „Die Majuskel-Schrift unsres Erden-Daseins“. S. 332.

[10] Schwierig wird es ebenfalls, wenn versucht wird, einen einzigen Sinn des literarischen Textes auszumachen, nach dem Schema ,,Dies-bedeutet-Das“ vorzugehen, den alles erklärenden Zugang zu finden – es bleiben immer Lücken offen. Das Werk Franz Kafkas ist seit Jahrzehnten immer wieder Anlaufpunkt für neue Deutungen und interpretatorische Experimente – wenn nicht gar Feldzüge – geworden (wie Michael Müller in seinem Aufsatz „So viele Meinungen! Ausdruck der Verzweiflung? Zur Kafka-Forschung.“ (In: Franz Kafka. Text+Kritik Sonderband. Hg. von Heinz Ludwig Arnold. München: ed. Text+Kritik 1994.) anschaulich darlegt) – bedeutet Das Schloß nun das ,göttliche Gericht’ oder ist es vielmehr Ausdruck des ,unzugänglichen, unbewussten Selbst’? Generell ließe sich diskutieren, ob solche Fragestellungen an Literatur überhaupt sinnvoll sind.

[11] Gilles Deleuze, Félix Guattari: Kafka. Für eine kleine Literatur. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976. S. 81.

[12] Ebd. S. 82.

[13] Ebd.

[14] Wagner, B.: „Die Majuskel-Schrift unsres Erden-Daseins“. S. 350.

[15] Ebd. S. 350.

[16] Benno Wagner: Kafkas phantastisches Büro. In: Kontinent Kafka. Hg. von K. Scherpe und E. Wagner. Berlin: Vorwerk 8 (in Vorbereitung).

[17] Ebd.

[18] Benno Wagner: Ende oder Anfang. Kafka und der Judenstaat. In: „Ich bin Ende oder Anfang.“ Kafka, Zionism and Beyond. (Kafka, Zionism and Beyond Jerusalem 10/99). Hg. von Mark Gelber. Tübingen : Niemeyer 2004. S. 30-50. Hier: S. 32f.

[19] Ebd. S. 33.

[20] Vgl. ebd. S. 35.

[21] Wagner, B.: „Die Majuskel-Schrift unsres Erden-Daseins“. S. 332.

[22] Der Begriff der Allusion wird hier im Sinne von „Anspielung auf Worte“ benutzt.

[23] Der Begriff der Intertextualität geht auf die Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva zurück. Sie vertritt die Ansicht, dass poetische Sprache sich durch unzählige Kombinationen, Verbindungen, Überschneidungen und Sinnvervielfältigungen auszeichnet, ein Zeichenmodell, das einem Wort eine Bedeutung gibt und in einem Text ein Sinnzentrum sucht, kann nun keine Gültigkeit mehr haben. Vgl.: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart. Hg. und kommentiert von Dorothee Kimmich, Rolf Günter Renner, Bernd Stiegler. Stuttgart: Reclam 1996. S. 330.

[24] Erscheint als Fragment 1913 im Kurt Wolff Verlag in der Buchreihe ,,Der jüngste Tag“. Siehe: Franz Kafka: Tagebücher 1912-1914. In der Fassung der Handschrift. Bd. 2. Hg. von Hans-Gerd Koch. 3. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer 2001. S. 329.

[25] Vgl. Nachbemerkung von Hans-Gerd Koch, In: Franz Kafka: Tagebücher 1912-1914. In der Fassung der Handschrift. Bd. 2. Hg. von Hans-Gerd Koch. 3. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer 2001. S. 324f.

[26] Vgl. Karlheinz Fingerhut: Erlebtes und Erlesenes – Arthur Holitschers und Franz Kafkas Amerika-Darstellungen. Zum Funktionsübergang von Reisebericht und Roman. In: Diskussion Deutsch 20 (1989). S. 337-355. Hier: S. 337. Kafka besaß die 7. Auflage aus dem Jahr 1913. (Siehe: Jürgen Born, Kafkas Bibliothek. Ein beschreibendes Verzeichnis. Mit einem Index aller in Kafkas Schriften erwähnten Bücher, Zeitschriften und Zeitschriftenbeiträge. Frankfurt am Main: Fischer 1990. S. 145).

[27] Vgl. ebd. S. 339 und Tagebucheintrag vom 11.9.1912 (Es handelt sich um den Bericht Holitschers von der Einfahrt in den New Yorker Hafen).

[28] Vgl. ebd. S. 339.

[29] Zur abweichenden Schreibweise des amerikanischen Oklahoma siehe Punkt 4.1 des letzten Kapitels.

[30] Vgl. Peter-André Alt: Franz Kafka. Der ewige Sohn. München: Beck 2005. S. 346.

[31] Vgl. ebd. S. 344.

[32] Julius H. Schoeps: Einleitung. In: Theodor Herzl: „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen“. Altneuland/Der Judenstaat. Hg. von Julius H. Schoeps. 2. Auflage. Königstein: Jüdischer Verlag bei Athenäum 1985. S. 1.

[33] Theodor Herzl: Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage. Neudruck der Erstausgabe 1896. Osnabrück: Zeller 1968. (=Milliara. Faksimiledrucke zu Dokumentation der Geistesentwicklung. Hg. von Hellmut Rosenfeld und Otto Zeller). S. 15. Das vollständige Zitat lautet: „Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach einem anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt.“

[34] „Judenfrage“ meint hier organisierte Hetze gegen und gesellschaftliche Ausgrenzung der Juden. Und mehr, so Herzl: „Ich werde nun die Judenfrage in ihrer knappsten Form ausdrücken: Müssen wir schon „raus“? und wohin? Oder können wir noch bleiben? und wie lange?“ Herzl, T.: Der Judenstaat. S. 22.

[35] Herzl, T.: Der Judenstaat. S. 11.

[36] Schoeps, J. :Einleitung. S. 7.

[37] Vgl. Alt, P. Franz Kafka. S. 85f.

[38] Vgl. ebd. S. 221.

[39] Vgl. ebd. S. 231f.

[40] Vgl. ebd. S. 294.

[41] Vgl. ebd. S. 220-227.

[42] Vgl. Gregor Schöllgen: Max Weber. München: Beck 1998, S. 2.

[43] Ebd. S. 182.

[44] Vgl. Max Weber: Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus. Textausgabe auf der Grundlage der ersten Fassung von 1904/05 mit einem Verzeichnis der wichtigsten Zusätze und Veränderungen aus der zweiten Fassung von 1920. Hg. von Klaus Lichtblau und Johannes Weiß. 3. Auflage. Weinheim: Beltz Athenäum 2000. S. 155.

[45] Der Essay Der Beamte von Alfred Weber erschien in der Neuen Rundschau 21 (1910) S.1321-1339.

[46] Zum Beispiel ein Vortrag von Dr. Frantisek Soukup über die Vereinigten Staaten vom 1. Juni 1912, über den Kafka anschließend im Tagebuch berichtet. Vgl. Alfred Wirkner: Kafka und die Außenwelt. Quellenstudien zum ,Amerika’-Fragment. Stuttgart: Klett 1976. S. 46f.

[47] Vgl. Klaus Hermsdorf: Kafka. Weltbild und Roman. 3. Auflage. Berlin: Rütten & Loening 1978 (=Germanistische Studien). S. 18. Hermsdorf sieht den Roman eher als einen Gegenentwurf zu Copperfield und weißt darauf hin, dass nur einige Handlungs-Motive (so zum Beispiel der jugendliche Held) übernommen werden.

[48] Kafka, F.: Tagebücher 1914-1923. In der Fassung der Handschrift. In: ders.: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Nach der kritischen Ausgabe hg. von Hans-Gerd Koch. 3. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2001. Bd. 3. S. 168.

[49] Vgl. Fingerhut, K.: Erlebtes und Erlesenes. S. 338.

[50] Vgl. Wirkner, A.: Kafka und die Außenwelt. S. 25.

[51] Vgl. Kafka, F.: Tagebücher 1914-1923. S. 62 und 253.

[52] Vgl. Alt, P.: Kafka. S. 355.

[53] Klaus Wagenbach: Franz Kafka. Ein Lesebuch mit Bildern. Reinbek: Rohwolt 2003. S. 74f.

[54] Vgl. Hans-Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie.3. überarb. Auflg. Frankfurt am Main: Fischer 2002. S. 565f.

[55] Tatjana Freytag und Marcus Hawel: Einleitung: Arbeit und Utopie. In: Arbeit und Utopie. Oskar Negt zum 70. Geburtstag. Hg von Tatjana Freytag und Marcus Hawel. Frankfurt am Main: Humanities Online 2004. S. 9-29. Hier: S. 21.

[56] Vgl. ebd. S. 13. Erfunden wurden u.a. die Dampfmaschine (von James Watt) und der mechanische Webstuhl.

[57] Ebd. S. 13.

[58] Vgl. Anson Rabinbach: Motor Mensch. Kraft, Ermüdung und die Ursprünge der Moderne. Übers. aus dem Amerikan. von Erik Michael Vogt. Wien: Turia + Kant 2001 (=Wiener Schriften zur historischen Kulturwissenschaft Bd. I). S. 13.

[59] Rudolf Clausius formulierte das zweite Gesetz der Thermodynamik, welches besagt, „daß in jedem isolierten System die Übertragung von Kraft von einem wärmeren auf einen kälteren Körper mit einer Verringerung in der gesamt verfügbaren Kraft einhergeht“. Rabinbach, A.: Motor Mensch. S. 13.

[60] Rabinbach, A.: Motor Mensch. S. 13.

[61] Ebd. S. 14.

[62] Vgl. ebd.

[63] Ebd. S. 11.

[64] Vgl. Rabinbach, A.: Motor Mensch. S. 36.

Details

Seiten
80
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638036368
ISBN (Buch)
9783640182596
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89340
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Schlagworte
Widerhall Maschinen Arbeit Verheißung Theodor Herzl Arthur Holitscher Weber Franz Kafka

Autor

  • Magistra Artium Naomi Becker

    1 Titel veröffentlicht

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Titel: Vom Widerhall der Maschinen - Arbeit und soziale Verheißung bei Theodor Herzl, Arthur Holitscher, Max Weber und Franz Kafka