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Wer vermeidet warum welche Themen - Angst und Methode in den Sozialwissenschaften. Der Beitrag der Tiefenpsychologie

Seminararbeit 2000 18 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

INHALT

Das Unbewusste

1. Struktureller Aspekt: Das Freud´sche Instanzenmodell
Das Es
Das Ich
Das Über-Ich

2. Topographischer Aspekt: Das Bewusste, das Vorbewusste und das Unbewusste
Das Bewusste
Das Vorbewusste
Das Unbewusste

3. Gesetze und Inhalte des Unbewussten
Gesetze des Unbewussten
Inhalte des Unbewussten

4. Ausdrucksmöglichkeiten
Fehlleistungen

5. Der Traum als „via regia“
Zum Psychologischen Sinn
Zur Struktur
Zur Psychologischen Funktion
Der luzide Traum

6. Abwehrmechanismen
Verdrängung
Bibliographie

Das Unbewusste

Das Thema dieser Arbeit lautet: „Wer vermeidet warum welche Themen? Angst und Methode in den Sozialwissenschaften: Der Beitrag der Tiefenpsychologie“. Auf den tiefenpsychologischen Aspekt soll in diesem Teil näher eingegangen werden.

Es existiert eine Unterscheidung zwischen willentlicher (bewusster) und unwillentlicher (unbewusster) Vermeidung gewisser Themen in den Sozialwissenschaften. Bei der willentlichen Vermeidung hat der Sozialforscher z.B. Angst vor Reputations- und Imageverlust oder er hat die Befürchtung als unwissenschaftlich, irrational diffamiert zu werden, wenn er Tabuthemen problematisiert. Sein „freier Wille“ entscheidet. Er kann sich dafür oder dagegen entscheiden. Die unwillentliche Vermeidung bringt das Unbewusste „ins Spiel“. Die These lautet: Das Unbewusste verfälscht die wissenschaftliche Arbeit bzw. das Unbewusste läßt den Sozialforscher gewisse Themen von vorne herein ganz ausschließen. Aus diesem Grund soll das Unbewusste im folgenden etwas durchleuchtet werden.

„Entscheidende Bedeutung für die Psychiatrie hat das Unbewusste erst durch die Psychoanalyse Freuds gewonnen, in dessen erstem topographischen System das Unbewusste das Gesamt aller verdrängten Inhalte darstellt. Die Inhalte können nur bewußt werden, wenn die Unbewusstes und Bewusstes trennende Zensur überwunden oder umgangen wird. Ferner sind nach Freud die Inhalte des Unbewussten Repräsentanten der Triebe. (...) Die Inhalte (versuchen immer) dank der Triebenergie, mit der sie besetzt sind, ins Bewusstsein zu gelangen. Sie werden aber nur in einer durch das Einwirken des Zensors umgewandelten, harmlosen erscheinenden Form zugelassen.“ [...][1]

1. Struktureller Aspekt: Das Freud´sche Instanzenmodell

Dieses topische System wurde von Freud ab 1920 entwickelt. Es besagt, dass die Persönlichkeit aus drei vertikal angeordneten Instanzen aufbaut ist: Es, Ich und Über-Ich. In diesem mehr anthropologisch gedachten System besitzen die Instanzen den Charakter relativ selbständiger Personen, die zueinander in freundliche oder feindliche Beziehung treten können. Der Übergang vom Es zum Ich ist für Inhalte z.B. nur nach Überschreiten von Ich-Grenzen möglich, an denen die Zensur über Eintritt oder Nichteintritt entscheidet. Dieses System ist mit dem später noch zu behandelnden „Topographischen Aspekt“ verflochten. Es und Über-Ich haben ihren „Ort“ in einer Schicht des Unbewussten. Das Es, Ich und Über-Ich vereinigen sich im „Selbst“ des Menschen. Nun sollen die drei Instanzen einzeln erörtert werden.

Das Es

„Nach S. Freud (...) eine der drei Schichten des Seelischen. Stellt den unteren, triebhaften Pol der Psyche dar, dessen Inhalte jedoch unbewusst bleiben. Sie sind teils archaischer, teils individueller Natur und werden beherrscht von Triebregungen und Wunschtendenzen, die zunächst ohne Beachtung der Realisierungsmöglichkeiten auftreten, so dass Konflikte mit Ich und Über-Ich entstehen. (...) Die Bezeichnung wurde zuerst in Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ (1883/1892) verwendet.“[2]

Das gänzlich unbewusste Es ist nach Freud das Reservoir der primitiven Motive und Triebe, vor allem der sexuellen und aggressiven Kräfte. Es ist das eigentliche Kräftepotential und steht unter der Herrschaft des Lustprinzips, welches neben dem Realitätsprinzip eines der grundlegenden Richtlinien menschlichen Verhaltens darstellt. Sein Ziel ist es, Lust zu gewinnen und Unlust zu vermeiden. Die Methode ist in der Kindheit unmittelbar erkennbar, da die Befriedigung – wie später noch in Träumen und Phantasievorstellungen – auf dem kürzesten Wege direkt erstrebt wird. Das Ausbleiben der Befriedigung durch die Erfordernisse der Realität zwingt zu einer Modifikation des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip. Es wird jedoch nie vollständig von ihm ersetzt. Das Es will also sofortige Triebbefriedigung ohne Rücksicht auf Objekt, Realitätskontext und Folgen für die Eigenperson. Es kennt keine Vergangenheit und Zukunft, keine Logik und Kausalität, keine Beständigkeit und keine Moral. Es ist unbelehrbar und unausrottbar. Im Es leben die dynamischen Urkräfte, aus denen unser Leben energisch gespeist wird, aber auch alle die Inhalte, die bereits einmal vorbewusst[3] oder bewußt waren, aber verdrängt[4] wurden.

Das Ich

„In der psychoanalytischen Theorie die Schicht des psychischen Apparates, die als Mittler zwischen Individuum und Realität sowie zwischen Es und Über-Ich von Bedeutung ist. Im Gegensatz zum Es hat das Ich eine Organisation, ist also nicht chaotisch. Ihm obliegt die Wahrnehmung (Perzeption) der Außenwelt und die Anpassung daran. Auch Denken, Gedächtnis, Bewegungskontrolle und Affekte gehören zum Funktionssystem des Ich. Alle von außen und innen in das Ich eindringenden Elemente werden dort zur Synthese gebracht. Das Ich stellt somit einen intrapsychischen Regulator dar, der die Erfahrung organisiert und diese Organisation sowohl gegen den unzeitigen Einfluß der Triebe wie gegen zu starken Druck eines drückenden Gewissens schützt.“[5]

Das bewusste, teilweise unbewusste Ich ist diejenige höchst differenzierte Instanz, die den Kontakt zur Realität herstellt und garantiert. Das Ich arbeitet nach dem Realitätsprinzip, das sich aus dem Lustprinzip entwickelt. Das ursprünglich nur nach Lustgewinn und Vermeidung von Unlust strebende Individuum richtet sein Verhalten nach den Anforderungen der realen Welt ein. Das Realitätsprinzip reguliert das Lustprinzip, indem es eine Befriedigung von Triebwünschen nicht mehr direkt, sondern über Umwege einschlagen läßt, die durch Anpassung an die Anforderungen der Realwelt notwendig geworden sind. Demzufolge hat sich das Ziel – Triebbefriedigung – gegenüber dem Lustprinzip nicht verändert, nur die Strategie ist eine andere. Das Ich ist das eigentliche Anpassungsorgan des Menschen. Ihm stehen als Apparaturen die Wahrnehmung, das Erinnern, das Denken, die Steuerung der Triebe und ihre Auswirkungen zur Verfügung. Das Ich ist denkendes, planendes und vorausschauendes System. Es ist das eigentliche „Angstzentrum“. Das Ich besitzt also die Fähigkeit zur Angstentwicklung, so wird z.B. gegenüber dem ungestüm blinden Anspruch des Es, dazu aufgerufen, vor der Angst schützende Gegenmaßnahmen zu mobilisieren: die Entwicklung der sogenannten Abwehrmechanismen[6]. Das Ich hat eine synthetische Funktion, da es die Vermittlerrolle zwischen den Ansprüchen des Es, des Über-Ich und der umgebenden Realität übernimmt.

Das Über-Ich

„Höchste Instanz der Persönlichkeit in einem vertikalen Persönlichkeitsschema. Das Über-Ich hat gegenüber dem Ich die Rolle eines Zensors oder Richters und läßt Wünsche des Es in unveränderter oder abgewandelter Form zu oder verwirft sie gemäß den ihm gegebenen Maßstäben. Es ist die Vertretung aller moralischen Beschränkungen, der Anwalt des Strebens nach Vervollkommnung, kurz das, was uns von dem sogenannt Höheren im Menschenleben psychologisch greifbar geworden ist. Die Tätigkeit des Über-Ich bleibt unbewußt. Es ist somit Vertreter eines moralischen Gesetzes, das zugleich die Einhaltung des Gesetzes überwacht.“[7]

Das Über-Ich ist das System der von den frühen Bezugspersonen, von der Familie und der weiteren Sozietät übernommenen „einverseelten“ Motive. Es entwickelt sich im Laufe der ersten Lebensjahre. Es enthält die normativen und ethisch-moralischen Motive der Verbote und Gebote die teils aus Identifikation mit den Wertnormen der Eltern und der soziokulturellen Umwelt stammen. Freud setzte das Über-Ich mit dem Gewissen gleich. Wesentliche Teile können dem Unbewussten angehören, so z.B. unbewusste Ängste und Abwehrmechanismen, die dem Ich zuzuschreiben sind. Das Über-Ich kann unterschieden werden in das Ich-Ideal und das Über-Ich im strengeren Sinne. Letzteres enthält die einschränkenden, verbietenden, verfolgenden, strafenden Motive, genetisch gekoppelt an den gefürchteten Elternaspekt, in ihrer Strenge aber oft auch reaktiv determiniert vom Es und seiner Triebstärke und nicht nur von der faktischen Strenge der Eltern. Es unterscheidet nicht zwischen Wunsch, Gedanke und Tat und gehorcht dem primitiven Gesetz der Wiedervergeltung. Das Ich-Ideal beinhaltet die positiv getönten Leitbilder im Sinne eines Vorbildes, genetisch mehr gekoppelt an die bewunderten und geliebten Elternaspekte.

[...]


[1] siehe Peters, U.Henrik: Wörterbuch der Psychatrie und medizinische Psychologie. Augsburg: Bechtermünz Verlag, 1997, S.549.

[2] siehe Peters, U.Henrik: Wörterbuch der Psychatrie und medizinische Psychologie. Augsburg: Bechtermünz Verlag, 1997, S.174.

[3] wird in Abschnitt „4.2 Topographischer Aspekt: Das Bewusste, das Vorbewusste und das Unbewusste“ näher erläutert.

[4] wird in Abschnitt „4.6 Abwehrmechanismen“ näher erläutert.

5 siehe Peters, U.Henrik: Wörterbuch der Psychatrie und medizinische Psychologie. Augsburg: Bechtermünz Verlag, 1997, S.247.

[6] wird in Abschnitt „4.6 Abwehrmechanismen“ näher erläutert.

[7] siehe Peters, U.Henrik: Wörterbuch der Psychatrie und medizinische Psychologie. Augsburg: Bechtermünz Verlag, 1997, S.546.

Details

Seiten
18
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638157681
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8934
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Sozioökonomie
Note
1,0
Schlagworte
Sozioökonomie Angst Tiefenpsychologie Abwehrmechanismen

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