Lade Inhalt...

Leseprobe

Die völkische Bewegung

Die völkische Bewegung, deren Terminus „völkisch“ auf den verwirrenden, metaphysischen, mithin mystischen, deutschen Begriff „Volk“ zurückgeht, ist in jeder Hinsicht nur schwer zu fassen. Das ist vermutlich auch der Grund, wieso sich keiner der beiden Autoren auch nur im Ansatz an einer Definition der völkischen Bewegung versucht.

Uwe Puschner betont die Vielschichtigkeit, Komplexität und Differenziertheit der völkischen Bewegung, die ein breites weltanschauliches Spektrum innerhalb der Bewegung zur Folge hatten. Auch deshalb bereitet es große Schwierigkeiten, die Begriffe „völkisch“ und „völkische Bewegung“ zu definieren. Prinzipiell lässt sich nur sagen, dass die völkische Bewegung eine lebens- und kulturreformerisch orientierte Sammelbewegung unterschiedlichster (ideologischer) Strömungen war.

Auch die zeitliche Einordnung der völkischen Bewegung bereitet Probleme. Von einer völkischen Bewegung wurde erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen, ihre unmittelbaren Ursprünge liegen jedoch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, namentlich in der „deutschen Bewegung“. Sowohl Puschner als auch Mosse weisen darauf hin, dass die entscheidende Entwicklung der völkischen Bewegung und ihrer Ideologie nicht nach, sondern bereits vor dem 1. Weltkrieg stattfand. Ebenfalls beide Autoren datieren die Wurzeln und die Entstehung der völkischen Bewegung, beziehungsweise eines explizit völkischen Denkens, zurück an das Ende des 18. und den Beginn des 19. Jahrhunderts – die Zeit der antinapoleonisch-nationalen Bewegung, respektive die Zeit kurz nach dem Wiener Kongreß. Die eigentliche Genese der völkischen Bewegung erfolgte allerdings zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ersten Weltkrieg. Letzterer bildet wiederum eine Zäsur in der Entwicklung völkischer Ideen, da die völkische Bewegung aufgrund des Krieges zunächst an Triebkraft, Aufmerksamkeit und Bedeutung verlor. Dies alles sollte sie jedoch in der Zeit der Weimarer Republik zurückerlangen. Puschner legt aus den oben genannten Gründen den Schwerpunkt seiner Betrachtung auf die anderthalb Jahrzehnte zwischen Jahrhundertwende und Kriegsausbruch, da die völkische Bewegung und ihre Ideologie zu dieser Zeit voll zur Entfaltung kamen und ihren typischen Charakter annahmen.

Puschner strukturiert seine Betrachtung zur völkischen Bewegung mittels der drei Schlüsselbegriffe der völkischen Ideologie, Sprache, Rasse und Religion, die jeweils ein Hauptkapitel seiner Arbeit bilden. Er verfolgt mit seiner Studie das Ziel, die völkische Bewegung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg systematisch zu erfassen und ihre Entwicklung, Organisation, Institutionen und Ideologie näher zu beleuchten, wobei er sich im Schlussteil seiner Arbeit auf ein organisationsgeschichtliches Resümee bezüglich Aufbau, Umfang, Funktionsweise und Wirkung der völkischen Bewegung konzentriert. Des Weiteren betont er die enorme Bedeutung des Schrifttums der völkischen Denker, vor allem der Zeitschriften als Träger der Weltanschauung und Bewegung an sich, deren Analyse einen weiteren wichtigen Baustein seiner Arbeit bildet.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638036788
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89073
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
Bewegung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die völkische Bewegung