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Charles Lindblom „The science of muddling-through“ - Inkrementalismus: Ende der Fahnenstange?

Essay 2008 7 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Im Standardwerk des Inkrementalismus „The science of muddling through“ erhebt Lindblom eine fragwürdige praktische Handlungsweise zur wissenschaftlichen Theorie und verfestigt somit Machtansprüche und soziale Machtverhältnisse durch die Auswahl auf pareto-optimale Lösungen. Seine Fortschreibung der Theorie der „unbounded rationality“ auf die Verwaltungsebene kann als unzureichend bezeichnet werden, da die Theorie nicht geeignet ist Staatshandeln zu optimieren. Sie stellt nur Teile des gegenwärtigen Ist-Zustands dar.

Lindblom wurde 1917 geboren und ist emeritierter Professor der Yale Universität und er war Vorsitzender der amerikanischen Gesellschaft für Politikwissenschaften. Er ist einer der ersten Vertreter der Theorie des Inkrementalismus in Bezug auf policy- und discussion-making. Zu seinen Ergebnissen kam er durch langwierige Studien von sozialpolitischen Entscheidungen unter Berücksichtigung von Gewerkschaften.

„The science of muddling through“ frägt ganz konkret ob die Vorstellung eines Bürokraten, der – um die gestellte Aufgabe der Formulierung einer inflationspolitischen Maßnahme zu lösen – sich über alle Zusammenhänge Gedanken macht, diese gewichtet und rational zum Ergebnis kommt nicht unsinnig ist. Geradeweil der Bürokrat noch die gleichzeitige Aufgabe übernehmen muss alle gesellschaftlichen Entwicklungen abzuschätzen und so das tatsächliche „Leben“ der Maßnahme in der Gesellschaft zu formulieren. Lindblom ist der Meinung, dass für komplexe Probleme genau diese Möglichkeit der Entscheidungsfindung schlichtweg unmöglich ist. Aus diesem Grund postuliert er die Möglichkeit des „begrenzten Vergleichs“, da der Autor der Überzeugung ist, dass die intelektuelle Kapazität des Menschen und die vorhandenen Informationen, bei einem komplexen Problem nicht ausreichend sind um planerische Entscheidungen zu treffen. Er unterscheidet dabei zwischen der rational-vergleichenden (Root) und der iterativen Methode. Lindblom geht dabei davon aus das Entscheidungen innerhalb der Verwaltungen nur durch Kompromisse zustande kommen können, da sich stets unterschiedlichste Ansichten (und Wahrnehmungen) gegenüberstehen.

Bei der rationalen Methode kommt man schnell an die Grenzen der Diskussionsfähigkeit, da es nicht möglich ist, alle Elemente miteinander in Einklang zu bringen und tendenzielle Interdependenzen zu erkennen. Gerade weil der gesamtgesellschaftliche Kontext eigentlich nie überblickt werden kann, können sich – selbst wenn in der Diskussionsphase der Anspruch bestanden hat alle Informationen zu kennen – in der Implementierungsphase noch neue Umstände ergeben. Dabei bestreitet Lindblom nicht unbedingt, dass systematisches Handeln zu erkennen ist. Er sieht dieses Programm allerdings eher als Produkt von Erfahrungen des Einzelnen und den daraus vermeintlich gewonnenen Erkenntnissen. Deshalb zeigen sich diese Verwalter in ihrem Habitus gegenüber den Theoretikern als überlegen. Da gesamtgesellschaftliche Themen allerdings stets komplexer Natur sind, können diese nur durch Theorien greifbar gemacht werden.

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Details

Seiten
7
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638036771
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v89071
Institution / Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
2,0
Schlagworte
Charles Lindblom Inkrementalismus Ende Fahnenstange Verwaltung

Autor

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Titel: Charles Lindblom „The science of muddling-through“ - Inkrementalismus: Ende der Fahnenstange?