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Über den Dualis - Der Einfluss Wilhelm von Humboldts auf die Ich-Du Philosophie des Martin Buber sowie die Charaktertheorie von Erich Fromm

Hausarbeit 2005 23 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wilhelm von Humboldt: „Über den Dualis“
2.1. Wilhelm von Humboldt – Eine kurze biographische Notiz
2.2. „Über den Dualis“ (1827)

3. Martin Buber und die Ich-Du Philosophie
3.1. Martin Buber – Eine kurze biographische Notiz
3.2. Das Dialogische Prinzip des Martin Buber und sein Bezug zu Wilhelm von Humboldt
3.3. Martin Buber im historischen Kontext

4. Erich Fromm – Anthropologische Dichotomien und die Humanistisch-Sozialistische Charaktertheorie
4.1. Erich Fromm – Eine kurze biographische Notiz
4.2. Die Bedingungen der menschlichen Existenz nach Erich Fromm und sein Bezug zu Wilhelm von Humboldt
4.3. Grundzüge aus Erich Fromms Humanistisch-Sozialistischer Charaktertheorie

5. Schlussreflexion

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1. Das Dialogische Prinzip im Überblick

1. Einleitung

Inhaltlich soll es in dieser Arbeit vorrangig darum gehen, die Erkenntnisse Wilhelm von Humboldts aus seiner sprachwissenschaftlichen Untersuchung „Über den Dualis“ (1827) zunächst einmal in den Kontext ihrer Zeit einzubinden – folglich in die Epoche des Neuhumanismus – um dann in einem nächsten Schritt zu zeigen, in welchem Zusammenhang bzw. Verhältnis Humboldts Auffassung mit der Ich-Du Philosophie eines Martin Buber sowie der humanistisch-sozialistischen Charaktertheorie eines Erich Fromm steht. Letztlich soll somit gezeigt werden, ob – und wenn ja in welchem Umfang – Humboldts Ideen von Bedeutung für spätere Theoretiker und damit für die heutige Pädagogik waren bzw. sind.

Im Folgenden möchte ich nun kurz den groben Ablauf meiner Arbeit skizzieren. Ausgehend von einer nur kurz angerissenen Biographie geht es im ersten Kapitel zunächst einmal vordergründig um eine genaue Analyse des Textes „Über den Dualis“; die zentralen Thesen sollen herausgearbeitet, erläutert und in Verbindung mit den Leitmotiven des Neuhumanismus gebracht werden. Diese Analyse soll letztlich die beiden zentralen Faktoren herausstellen, mit denen sich dann die beiden folgenden Kapitel näher beschäftigen: die Ich-Du Philosophie sowie die anthropologischen Dichotomien, stets vor dem Hintergrund des Humanismus.

Somit beschäftigt sich das folgende Kapitel mit einem der zentralen Vertreter der Ich-Du Philosophie des 20. Jahrhunderts: Martin Buber. Auch hier möchte ich zunächst mit einer schemenhaft umrissenen Biographie Bubers beginnen, um vor allem den religiösen Hintergrund von Bubers Philosophie etwas transparenter zu machen, da diese ohne ein solches Verständnis im Grunde nicht nachzuvollziehen ist. Davon ausgehend wird dann anschließend die Theorie Bubers im Einzelnen vorgestellt und erläutert, um schließlich zu zeigen, wo denn nun genau der Einfluss Humboldts auf eben diese auszumachen ist. Beziehen werde ich mich hier im Wesentlichen auf das Werk „Dialogisches Prinzip nach Martin Buber und Konzepte zur Förderung von behinderten Kindern und Jugendlichen“ (1998) von Reinhard Pirschel, da dieses – obwohl es sich dem Titel nach eigentlich mit einem anderen Hauptthema befasst – einen sehr guten, komprimierten Überblick sowohl über die Philosophie als auch über den Menschen Martin Buber gibt.

Im nächsten Kapitel geht es um einen weiteren Theoretiker des 20. Jahrhunderts, in dessen humanistisch-sozialistischer Charaktertheorie wichtige Ideen und Begriffe Humboldts wieder auftauchen, nämlich Erich Fromm. In diesem Abschnitt soll gezeigt werden, welche Folgen bzw. welch umfassende Theorie man auf der Grundlage von anthropologischen Dichotomien – wovon schon Humboldt spricht, wie ich zeigen werde – aufbauen kann. Indem ich diese Theorie Fromms in aller Kürze vorstelle wird somit letztlich auch ein Bogen zu unserer heutigen Zeit geschlagen, wodurch nicht zuletzt auch Humboldts enormes Wirken verdeutlicht werden dürfte. Beziehen werde ich mich dabei vorrangig auf Erich Fromms „Die Revolution der Hoffnung“ (1971) sowie einen Artikel von K. Schneewind aus der Sekundärliteratur.

Abschließend folgt dann im vierten und letzten Kapitel noch eine kurze zusammenfassende Reflexion meiner vorherigen Analysen und Vergleiche.

2. Wilhelm von Humboldt: „Über den Dualis“

2.1. Wilhelm von Humboldt – Eine kurze biographische Notiz

Wilhelm Freiherr von Humboldt wurde am 22.06.1767 in Potsdam geboren. Er entstammte dem preußischen Beamtenadel, weswegen er von einem Privatlehrer eine Adels- und Gelehrtenbildung erhielt und folglich niemals eine öffentliche Schule besuchte. Später studierte er Rechtswissenschaften, Philologie und Naturwissenschaften. Nach seinem Studium besuchte er während einer Bildungsreise Paris zur Zeit der Französischen Revolution, was ihn sehr prägte und wodurch letztlich sein berühmtes Werk „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ (1792) entstand, in welchem Humboldt die Grundlinien eines neuen Bildungsverständnisses entwarf. 1790 wurde er zum Direktor der Sektion für Kultur und öffentlichen Unterricht ernannt, wodurch er sich mit einer Reorganisation des Schulwesens sowie der Vorbereitung der Gründung der Berliner Universität beschäftigte. Diese konnte 1810 verwirklicht werden, wobei die Berliner Universität schnell zur führenden Universität Deutschlands aufstieg. Humboldt starb am 08.04.1835 in Tegel.[1]

Humboldts Zeit war maßgeblich von Preußens Kriegsniederlage gegen Napoleon bestimmt, weshalb die Situation in Preußen wirtschaftlich wie bildungspolitisch recht ungünstig aussah; diese sollte durch innere Reformen unter Freiherr von Stein sowie Bildungsreformen von Humboldt verbessert werden. Diese Reformen Humboldts lassen sich mit drei Stichwörtern benennen: zentrale Organisation (Abschaffung aller Privilegien in staatlichen Einrichtungen), Allgemeinbildung (welche strikt von der Berufsausbildung zu trennen ist) sowie ein dreigliedriges Schulsystem (Elementarunterricht, Schulunterricht und Universitätsunterricht).

Humboldts Neuhumanismus war spürbar vom Erleben der Französischen Revolution 1789 geprägt: er verband dabei die philosophischen Grundgedanken des Humanismus mit den eher demokratischen Gedanken Rousseaus.[2]

2.2. „Über den Dualis“ (1827)

In seiner 1827 entstandenen Schrift „Üben den Dualis“ beschäftigt sich Wilhelm von Humboldt mit einem ganz speziellen grammatischen Phänomen – sprich dem Dualis – um dadurch letztlich Aussagen über die Nähe bzw. Verwandtschaft mehrerer Sprachen treffen zu können. Neben diesen primär sprachwissenschaftlichen Interessen beschreibt Humboldt aber auch noch andere, eher philosophische Phänomene, die hier nun im Folgenden näher untersucht und erläutert werden sollen.

Humboldt, dessen sprachwissenschaftliche Arbeit in bester humanistischer Tradition von einem generellen „Streben nach Vollständigkeit“[3] geprägt ist, beginnt seinen Text damit zu belegen, weshalb er gerade den Dualis als grammatisches Phänomen für seine Untersuchungen ausgewählt hat und in welchen Teilen der Welt er anzutreffen ist; von Bedeutung für meine späteren Analysen ist hier, dass der Dualis eben auch im antiken Griechenland zu finden war, welches bekanntlich als kulturelles Idealbild des Neuhumanismus gilt:

„Die Griechen sind uns nicht bloss ein nützlich historisch zu kennendes Volk, sondern ein Ideal.“[4]

Der Dualis ist grammatisch gesehen ein Numerus, welcher in bestimmten Sprachen zusätzlich zum Singular (Einzahl) und zum Plural (Mehrzahl) gebildet wird, und zwar stets um Beziehungen auszudrücken, die genau zwei betragen. Humboldt benennt drei verschiedene Arten, auf die der Dualis in Sprachen vorkommen kann: entweder durch Haftung an bestimmten Pronomen, oder durch reale Erscheinungen aus der Welt, welche paarweise vorkommen. Bei der dritten Variante ist der Dualis sozusagen in der gesamten Sprache eines Volkes zu finden.[5]

Doch was macht den Dualis nun über sprachwissenschaftliches Erkenntnisinteresse hinaus interessant? Humboldt gibt darauf selbst eine Antwort:

„Die Sprache ist aber durchaus kein blosses Verständigungsmittel, sondern der Abdruck des Geistes und der Weltansicht der Redenden, die Geselligkeit ist das unentbehrliche Hülfsmittel zu ihrer Entfaltung (…)“[6]

[...]


[1] Vgl. Humboldt, W. (Artikel). In: Killy, W. u.a. (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 10 Bde. Bd. 5. München 1999. S. 222-224.

[2] Vgl. Borsche, T. (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt. Originalausgabe. München 1990. S. 57-65.

[3] Humboldt, W.: Über den Dualis. In: Humboldt, W.: Werke in fünf Bänden. Bd. III: Schriften zur Sprachphilosophie. Hrsg. V. A. Flitner u. K. Giel. 8., unveränderte Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996. S. 113.

[4] Humboldt, W.: Über den Charakter der Griechen, die idealische und historische Ansicht desselben. In: Humboldt, W.: Werke in fünf Bänden. Bd. II: Schriften zur Altertumskunde und Ästhetik. Die Vasken. Hrsg. v. A. Flitner u. K. Giel. 4. Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1986. S. 65.

[5] Vgl. ebd., S. 128.

[6] Ebd., S. 135.

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638032285
Dateigröße
769 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88825
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Pädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Dualis Charaktertheorie Neuhumanismus Wilhelm von Humboldt Martin Buber Ich-Du Philosophie Erich Fromm Dialog

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