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Entwicklung und Implementierung einer beleglosen Kommissionierung, analysiert anhand des Beispiels eines mittelständischen Unternehmens des Autoteile- und Werkzeuggroßhandels

Hausarbeit 2007 34 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

1 Einleitung und Ziel der Arbeit

1.1 Problemstellung

Die betrachtete Firma ist Großhändler im Bereich Autoersatzteile und beliefert mit ihren 15 Filialen flächendeckend Werkstätten in Norddeutschland. Die stetig steigende Anzahl von Fahrzeugtypen sowie die wachsenden Absatzmengen erfordern im Ersatzteilbereich immer größere Lagerflächen und Kommissioniermöglichkeiten. Daher werden die Beziehungen zu den Kunden im Hinblick auf die Logistik für das betrachtete Unternehmen zu einem Schlüsselelement, um ihren Wettbewerbsvorsprung weiter auszubauen.

Speziell der Logistikservice wird von den Kunden als Entscheidungshilfe bewusst wahrgenommen, so dass das Fehlen meist dringend benötigter Teile zu einem herben Image-Verlust für den Lieferanten führen kann. Nicht zu unterschätzen sind außerdem die durch unvollständige oder falsche Lieferungen entstehenden Zusatzkosten und -arbeiten, die sich unter anderem in der Bearbeitung der Rücksendung, der erneuten Kommissionierung und dem abermalige Versand widerspiegeln. Lieferfähigkeit heißt also nicht nur, über Produkte im Bestand zu verfügen, sondern auch Kundenaufträge schnell und präzise zu erfüllen (vgl. Piazza 2005, 12).

Diese komplexen Anforderungen an die Intralogistik lassen sich jedoch ohne den Einsatz von modernster EDV nicht weiter optimieren. Daher entschloss sich die Geschäftsführung des betrachteten Unternehmens zu der Einführung einer beleglosen Kommissionierung, die das bereits EDV-gestützte Warenwirtschaftssystem sinnvoll ergänzen soll, um eine effektive, schnelle und fehlerfreie Kommissionierung zu gewährleisten.

Die Implementierung in das bestehende System stellt eine große organisatorische Herausforderung dar und bedeutet für den reibungslosen Ablauf des sensiblen Logistikprozesses eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Daher soll in einem Pilotprojekt zunächst nur in einer der 15 Filialen des betrachteten Unternehmens diese neue Form der Kommissionierung eingeführt werden. Nach Beseitigung eventuell auftretender Probleme wird dieser Standard dann auf alle Filialen ausgeweitet.

1.2 Ziel und Gang der Untersuchung

Intention der vorliegenden Arbeit ist die Neukonzeption der Ablauforganisation der Kommissionierung am Standort der Pilotfiliale. Wesentliche Zielsetzungen der Untersuchung sind neben der Reduzierung der Kosten (Personal, Betriebsmittel und Transport) und Durchlaufzeiten vor allem die Erhöhung der Prozesssicherheit und -qualität.

Zunächst gibt der Autor einen allgemeinen theoretischen Überblick über die beleggebundene Kommissionierung sowie die verschiedenen Erscheinungsformen einer beleglosen Kommissionierung. Die Analyse des Ist-Zustandes bildet dann den nächsten Arbeitsschritt. Hier werden die internen Abläufe bzw. die Material- und Informationsflüsse bei der Auftragsbearbeitung von der Auftragsannahme bis zur Auslieferung zum Kunden aufgenommen und bestehende Schwachpunkte ausgewertet. Diese bilden dann die Grundlage für die Formulierung der Anforderungen an die neue beleglose Technik.

Anhand von KO-Kriterien wird anschließend eine geeignete Kommissioniertechnik ausgewählt. Basierend auf der Technikauswahl erfolgt dann die Entwicklung der schrittweisen Implementierung, wobei sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Kriterien Berücksichtigung finden. Eine abschließende Bewertung der Variante sowie ein Ausblick auf zukünftige Einsatzmöglichkeiten der neuen Technik runden die Arbeit ab.

2 Theoretische Grundlagen der Kommissionierung

2.1 Allgemeine Darstellung und Definition

Kommissionierung definiert Schulte folgendermaßen: ››Kommissionieren beinhaltet das Zusammenstellen bestimmter Teilmengen (Artikel) aus einer bereitgestellten Gesamtmenge (Sortiment) aufgrund von Bedarfsinformationen‹‹ (C. Schulte 1995, 111). Im Rahmen der Intralogistik stellt die Lagerhaltung und dabei insbesondere die Kommissionierung ein wichtiges Bindeglied zwischen Beschaffung und Distribution dar. Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, Artikel auftragsbezogen zusammenzustellen - konventionell beleggebunden oder beleglos. Bei der beleggebundenen Kommissionierung entnimmt der Kommissionierer die Waren anhand eines Kommissionierzettels. Im Gegensatz dazu werden die Informationen bei der beleglosen Kommissionierung mittels unterschiedlicher Datenträger an den Kommissionierer übertragen, wobei die EDV die Auftragsreihenfolge vorgibt (vgl. Wannenwetsch 2007, 281).

2.2 Die beleggebundene Kommissionierung

Der Arbeitsvorgang beginnt zunächst mit der Umwandlung der eingehenden Kundenaufträge in Kommissionieraufträge. Dazu werden alle erforderlichen Informationen für die Kommissionierung aufbereitet und dem Kommissionierer in Papierform bereitgestellt. Dann beginnt der Arbeitsablauf der eigentlichen Kommissionierung mit der Bewegung des Kommissionierers zum Bereitstellort und der Entnahme der einzelnen Entnahmeeinheiten. Die Entnahme lässt sich zur besseren Anschauung des Praxisproblems noch detaillierter aufsplitten (s. Anl. 1). Die Darstellung macht deutlich, dass der Mitarbeiter bei der beleggebundenen Kommissionierung eine Vielzahl zeitaufwändiger Tätigkeiten ausübt, die zudem ein hohes Fehlerpotenzial in sich bergen. Die meisten Fehler entstehen dabei durch den häufigen Blickwechsel zwischen Kommissionierbeleg und Regalfach, der schnell zu Verwechslungen führt (vgl. J. Schulte, 100).

2.3 Die verschiedenen Formen der beleglosen Kommissionierung

Der Begriff der beleglosen Kommissionierung ist nicht ganz unproblematisch, da der Eindruck entsteht, dass die Kommissionierung ganz ohne nachvollziehbare Belege auskommen würde. Auch bei der beleglosen Kommissionierung ist es jederzeit möglich, einen Lieferschein in Papierform zu erstellen. Beleglos bedeutet daher, dass der Kommissionierer die Aufträge nicht anhand eines Papiers zusammenstellt. Der Hauptunterschied zur beleggebundenen Form besteht vornehmlich darin, dass dem Anwender die Informationen zur Kommissionierung über eine Onlineverbindung angezeigt werden. Dies kann je nach Ausgestaltung stationär am Lagerfach sein oder aber mobil übermittelt werden (vgl. J. Schulte 1993, 99-100).

Die beleglose Kommissionierung verfolgt das Ziel, den Kommissionierer zu kontrollieren und zu führen, um dadurch Fehler direkt bei der Warenentnahme und somit möglichst zeitnah zu erkennen. Damit lassen sich kostenintensive Zusatzaufwendungen vermeiden, um den Kunden zufrieden zu stellen. Ein weiterer Wettbewerbsvorteil dieser Form der Kommissionierung ist auch der durch die gesteigerte Effizienz gewonnene zeitliche Vorsprung im Vergleich zur papiergebundenen Kommissionierung. Nicht zu unterschätzen ist auch die Transparenz im Warenfluss, denn alle Warenbewegungen werden dokumentiert und Vorgänge können auf dieser Grundlage analysiert werden. So ist der Warenfluss vom Warenein- bis zum Warenausgang lückenlos nachzuvollziehen.

Die beleglose Kommissionierung kann auf vier verschiedene Arten durchgeführt werden:

- Pick-to-Light
- Pick-by-Voice
- RFID
- Pick-by-Scan

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Details

Seiten
34
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638046794
ISBN (Buch)
9783638942348
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88739
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,7
Schlagworte
Entwicklung Implementierung Kommissionierung Beispiels Unternehmens Autoteile- Werkzeuggroßhandels

Autor

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Titel: Entwicklung und Implementierung einer beleglosen Kommissionierung, analysiert anhand des Beispiels eines mittelständischen Unternehmens des Autoteile- und Werkzeuggroßhandels