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Fußball im Fernsehen - Die Verwendung von Fußballfachsprache in Interviews nach Spielende

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Fußball und Sprache
2.1. Sportsprache
2.2. Drei wichtige semantische Prinzipien

3. Analysekriterien
3.1. Besondere Sprache der Fußballberichterstattung
3.2. Das Interview

4. Analyse
4.1. Beschreibung des Korpus
4.2. Analyse des Wörns-Interviews
4.3. Analyse des Nowotny-Interviews

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Der Fußball zählt zu einer der beliebtesten Sportarten der Welt. Deutschland ist, nicht erst seit der Fußball WM im letzten Jahr, eine Fußballnation und somit ist eine Sportsendung hier, ohne den Bericht über ein Fußballspiel kaum zu denken. Nicht nur deswegen mache ich den Fußball und im Besonderen die Fußballsprache im Medium Fernsehen zum Thema meiner Seminararbeit.

Seit fast 15 Jahren bin ich selbst Fußballfan und besuche regelmäßig die Heimspiele meines Lieblingsvereins, bei Auswärtsspielen bin ich meistens auf TV-Berichte angewiesen. Im letzten Jahr habe ich bei der Fußball-WM als Fanbetreuerin im Dortmunder WM-Stadion gearbeitet und habe das Medienspektakel um die Fußballspiele herum hautnah miterlebt. Deshalb war die grobe Themenausfall für meine Seminararbeit schon im Vorfeld klar. Hinzu kommt, dass ich mich im Rahmen der Referatsgruppe „Fußball im Fernsehen“ schon während der Seminarzeit mit Fußballsprache beschäftigt habe und Interesse daran gefunden habe mich weiterhin damit zu befassen.

In der folgenden Arbeit mit dem Titel „Fußball im Fernsehen – Die Verwendung von Fußballsprache in Interviews nach Spielende“ werde ich Spielerinterviews, die direkt nach einem Fußballspiel geführt wurden auf die Verwendung von Fußballsprache untersuchen.

Meine Leitfrage lautet: Inwiefern verwenden Fußballspieler in Interviews nach Spielende Fußballfachsprache?

Ziel der Arbeit ist dabei auch, die Sprache im Rahmen der Fußballbericht-erstattung im Fernsehen an einem praktischen Beispiel zu verdeutlichen.

Zum Forschungsstand ist zu sagen, dass ich zu diesem Thema nur eine Studie gefunden habe und selbst diese stellt nicht die Analyse von Sportsprache bei Spielerinterviews in den Vordergrund. Bei der Studie handelt es sich um ein von Michael Schaffrath durchgeführtes Forschungsprojekt, dass zwar sportjournalistische Interviews im deutschen Fernsehen untersucht, diese jedoch mehr auf deren Qualität hin prüft als auf die Verwendung von Sportsprache (Schaffrath, 2000, S.4). Schon Schaffrath stellt bei der Beschreibung des Forschungsstandes seiner Arbeit fest, dass „Untersuchungen zu Sportsprache in Sportinterviews im Speziellen wissenschaftliches Niemandsland“ (2000, S.14) seien und seine vorgelegte Arbeit eine Art Pilotstudie sei. Somit dürfte auch die Forschungslücke klar sein, an der meine Arbeit mit dem oben genannten Ziel einsteigt.

Um das Ziel meiner Arbeit zu erreichen werde ich zunächst mit dem Kapitel „Fußball und Sprache“ in das Thema einleiten. Grundlage dieses Kapitels ist zum größten Teil Armin Burkhardts Aufsatz „Sprache und Fußball“. In diesem Kapitel werden bereits einige Analysekriterien genannt. Im anschließenden Kapitel mit dem Namen „Analysekriterien“ folgt dann die Erarbeitung der restlichen Kriterien. Dabei wird in zwei Schritten vorgegangen. Zum einen beschäftige ich mich mit der besonderen Sprache der Sportberichterstattung und zum anderen mit der journalistischen Darstellungsform des Interviews. Grundlage um die Sprache der Sportberichterstattung zu analysieren ist hier wieder der schon erwähnte Aufsatz von Burkhardt. Um die Darstellungsform des Interviews näher vorzustellen ziehe ich das Buch „Das Interview-Ein Handbuch für Journalisten“ von Michael Haller heran.

Die eigentliche Analyse folgt anschließend im nächsten Kapitel. Zunächst wird der Korpus vorgestellt. Dabei handelt es sich um zwei Interviews, einmal von Christian Wörns und ein zweites von Jens Nowotny. Weitere Angaben über die Rahmenbedingungen dieser Interviews lassen sich im Analyse-Kapitel finden. Anschließend werden genau diese beiden Interviews im Hinblick auf die Verwendung von Sportsprache analysiert.

In das anschließende Fazit mit der Zusammenfassung der Ergebnisse, werde ich einen kleinen Vergleich der beiden Interviews mit einarbeiten.

Da nun ein Überblick über die gesamte Arbeit gegeben wurde, werde ich mit dem Kapitel „Fußball und Sprache“ in das Thema einsteigen.

2. Fußball und Sprache

2.1. Sportsprache

Schon der Sprachwissenschaftler Harald Dankert erwähnt, dass „die Sportsprache, die wichtigste und einflußreichste unter den heutigen Sondersprachen“ sei (1969, S.19). Das war im Jahre 1969 schon so und im Laufe der Zeit und u.a. der rasanten Medienentwicklung hat diese Wichtigkeit noch zugenommen.

In seinem Aufsatz über Sprache und Fußball unterteilt Armin Burkhardt Sportsprache in drei Bereiche: in die Sportfachsprache, den Sportjargon und die Reportsprache (2006, S.55).

Zur Sportfachsprache zählt er die „in den Regeln verwendete Terminologie und die konventionalisierten Bezeichnungen für typische Spielhandlungen, Bewegungstechniken und Übungsteile, die oft metonymisch nach ihren Erfindern benannt sind“ (Burkhardt, 2006, S.55). Als Beispiel führt er unter anderem den Kempa-Trick beim Handball und den doppelten Rittberger beim Eiskunstlauf an.

Der Sportjargon hingegen zeichne sich dadurch aus, dass ihn alle benutzten, die über das jeweilige Ereignis sprechen. So gehörten dazu die „eher alltäglichen sportsprachlichen Ausdrücke“ (Burkhardt, 2006, S.55). Auch hier führt er Beispiele an und zwar aus dem Fußballjargon. So würde der Ball unter Fans und anderen Fußballbegeisterten auch schon einmal als Pille oder Leder bezeichnet oder das Tor als Kasten.

Als dritten Bereich führt Burkhardt die so genannte Reportsprache an. Dazu gehörten „die typischen Wörter und Wendungen, die in den Sportreportagen und –berichten verwendet werden“ (Burkhardt, 2006, S.55). Als Beispiele sind hier Wörter wie Tabellenkeller oder Abstiegskandidat zu nennen.

Festzuhalten ist, dass die Unterteilung in diese drei Bereiche Theorie ist, doch in der Praxis lässt sich immer wieder feststellen, dass diese Bereiche kaum voneinander zu trennen sind.

Eine Gemeinsamkeit weisen diese drei Bereiche jedoch auf und auch Burkhardt hat festgestellt, dass „nur Eingeweihte diese Sprache verstehen“ (2006, S.55). Dies bedeutet, dass jemand, der sich nicht für Sport oder auch im Speziellen für Fußball interessiert mit, Begriffen wie Mittelfeldmotor oder Bogenlampe nicht viel anfangen kann.

Nachdem nun im Allgemeinen die drei Bereiche der Sportsprache erläutert wurden, wird es im nächsten Schritt um die so genannten „Drei wichtige[n] semantische[n] Prinzipien“ (Burkhardt, 2006, S.59) gehen.

2.2. Drei wichtige semantische Prinzipien

Der Fußball besteht aus einer Vielzahl von Situationen, die in der Regel sehr unnatürlich sind. Nach Burkhardt (2006, S.59) resultiere alleine schon daraus ein erhöhter Bezeichnungsbedarf, wenn man sich über diese Situationen auch unterhalten möchte. Dadurch lassen sich im Bereich Fußball drei semantische Prinzipien unterscheiden.

Zuallererst nennt Burkhardt die Metonymie (2006, S.60). Bei dieser verschiebe sich die Bedeutung eines Wortes, auf Fußball bezogen, innerhalb derselben Spielsituation auf weitere Komponenten. Es sei erforderlich die gesamte Spielsituation mitzudenken. Zur Verdeutlichung wird auch hier wieder ein Beispiel angebracht:

Oliver Kahn steht im Tor bedeutet „übersetzt“: „Oliver Kahn steht vor einem metaphorisch als Tor bezeichneten Gestände und versucht zu verhindern, dass der Ball im vollem Umfang hinter dessen Grundlinie gerät“ (Burkhardt, 2006, S.60).

Deutlich wird hier auch, dass die Übersetzung weitaus länger ist, als der einfache Ausdruck Oliver Kahn steht im Tor. Dieses Phänomen zeigt, die Verkürzungsfunktion der Metonymie.

Als zweites wichtiges Prinzip führt Burkhardt (2006, S.61) die Metapher an. Beim Fußball ließen sich besonders häufig Metaphern zum Thema Krieg und Kampf festhalten. So gewinnt z.B. der beste Stürmer am Ende der Saison die Torjägerkanone, ein Verteidiger kann den Gegner attackieren oder sogar niederkämpfen und er sollte den Großteil seiner Zweikämpfe gewinnen damit seine Mannschaft nicht abgeschossen wird. Burkhardt betont in seinem Aufsatz, dass die Gewalt auf diese Weise zwar semantisch präsent sei, doch sind die eben genannten Begriffe schon so gebräuchlich um über Fußball zu sprechen, dass über die militärische Herkunft kaum nachgedacht werde (Burkhardt, 2006, S.62).

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Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638028653
ISBN (Buch)
9783656247043
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88667
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut, Linguistik
Note
1,3
Schlagworte
Fußball Fernsehen Verwendung Fußballfachsprache Interviews Spielende Medienrhetorik

Autor

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Titel: Fußball im Fernsehen - Die Verwendung von Fußballfachsprache in Interviews nach Spielende