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Unterrichtseinheit zum Film "Das Leben der Anderen"

Fachdidaktische Arbeit zur Darstellung eines Unterrichtsvorhabens

Hausarbeit 2007 32 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Sachanalyse
1.1 Inhalt
1.2 Problemstellung
1.2.1 Kulturpolitik
1.2.2 Überwachungsapparat
1.2.3 Die wichtigsten Charaktere
1.3 Filmsprache
1.3.1 Erzählweise
1.3.2 Kamera
1.3.3 Musik und Ton
1.3.4 Ausstattung, Kostüme, Licht
1.4 Regisseur
1.5 Filmkritiken

2. Didaktische Analyse
2.1 Didaktische Reduktion
2.2 Bezug zum Lehrplan
2.3 Bezug zu den Bildungsstandards
2.4 Lernziele

3. Methodische Analyse
3.1 Lernvoraussetzungen / Gesamtzusammenhang des Unterrichts
3.2 Überblick über die geplante Reihe
3.3 Unterrichtsverlauf
3.3.1 Erläuterung der fachsprachlichen Stichwörter:
3.4 Erwartungshorizont

4. Reflexion und Kritik

Literaturverzeichnis

Einleitung

In „Das Leben der Anderen“ (2005) inszeniert Florian Henckel von Donnersmarck auf beeindruckende Weise den ausgeklügelten Überwachungsapparat der Staatssicherheit, der die Frage nach seiner realistischen Darstellung hervorruft. Außerdem gibt der Film eine Vorstellung von der brisanten kulturpolitischen Situation in der DDR. In erster Linie interessiert mich persönlich jedoch die Figurenzeichnung. In „Das Leben der Anderen“ werden das Gewissen und die Handlung der Charaktere auf schmerzlich realistische Weise gegeneinander ausgespielt und dieser Konflikt von Florian Henckel von Donnersmarck eindringlich inszeniert.

Da dieses Thema auch für SuS interessant und wichtig ist, setzen sich diese in meiner UE vor dem Hintergrund des Überwachungsapparats sowie der Kulturszene der DDR schwerpunktmäßig mit den Filmcharakteren auseinander. Eine Analyse der Filmsprache macht darüber hinaus deutlich, welche Ästhetik die Wirkung des Films unterstreicht, beziehungsweise Stimmungen sie erzeugt. In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig, dass die SuS nicht nur auf das Dargestellte reagieren. Mein Unterricht bietet ihnen daher die Möglichkeit, sich selbst in die Position eines Filmschaffenden einzufinden und kreativ zu werden.

Auf Grund der Komplexität des Themas und der erforderlichen Kenntnisse über die DDR ist die UE für die Oberstufe konzipiert.

1. Sachanalyse

1.1 Inhalt

Im Jahre 1984 unterrichtet Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) an der Juristischen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit in Ost-Berlin Verhörmethoden. Eines Abends begleitet er den Leiter der Hauptabteilung (HA) XX/7 (Kultur) Anton Grubitz (Ulrich Tukur) zur Premiere eines Theaterstücks von Georg Dreyman (Sebastian Koch). Dort treffen sie auf den Minister Bruno Hempf (Thomas Thieme) der seine Zweifel an der Linientreue Dreymans kundtut und die Überwachung des Dramatikers anordnet. Wiesler übernimmt den Auftrag. Im Rahmen des operativen Vorgangs mit dem Decknamen „Lazlo“ lässt er Dreymans Wohnung verwanzen und verwandelt den Dachboden des Hauses in eine Überwachungszentrale. Das Abhören der Abendgesellschaft anlässlich Dreymans 40. Geburtstags lässt ihn zwar einige regime-kritische Stimmen hören, bestätigt aber nicht den Verdacht der Linienuntreue Dreymans. Als er Grubitz Bericht erstattet, erfährt Wiesler, dass sein Überwachungsauftrag auf persönlichen Interessen des Ministers Hempf beruht. Seit einiger Zeit hat dieser eine Affäre mit der Schauspielerin und Lebensgefährtin Dreymans Christa Maria Sieland (Martina Gedeck), die sich aus Angst vor der Staatsgewalt auf Hempf eingelassen hat. Durch den Nachweis einer Staatskritischen Handlung Dreymans will der Minister seinen Rivalen ausschalten. Vor dem Hintergrund dieser Information und zunehmend fasziniert von der Welt der Künstler, beginnt Wiesler in das Leben der Überwachten einzugreifen. Er veranlasst, dass Dreyman Christa Maria Sieland aus Hempfs Auto aussteigen sieht. Zwar steht der Dramatiker daraufhin weiter zu seiner Partnerin, doch beginnt ein unaufhaltsames Misstrauen in Dreyman zu keimen. Nachdem sich sein Freund Albert Jerska (Volkmar Kleinert), ein seit Jahren unter Berufsverbot leidender Theaterregisseur, das Leben genommen hat, beschließt Dreyman, einen Artikel über Suizid in der DDR zu schreiben. Ein an der Veröffentlichung dieses Berichts interessierter Redakteur des westdeutschen Magazins „Der Spiegel“ stellt ihm dafür eine Schreibmaschine zur Verfügung, deren Schriftbild von der Staatssicherheit noch nicht erfasst ist. Als der Artikel publiziert wird, ruft er bei den Machthabern der DDR-Diktatur große Unruhe hervor. Zwar wird Georg Dreyman verdächtigt, doch da Wiesler seine Berichte über Dreyman und Sieland zugunsten des Paares gefälscht hat, gibt es keine den Dramatiker belastende Beweise. Zu dieser Zeit entschließt sich Christa Maria Sieland sich nicht mehr mit Hempf zu treffen. In seiner Ehre gekränkt lässt dieser sie daraufhin wegen illegalen Medikamentenerwerbs verhaften. Eingeschüchtert verrät Christa Maria Sieland das Versteck der Schreibmaschine, welches sie durch Zufall gesehen hat. Doch die Durchsuchung Dreymans Wohnung unter der Leitung Grubitz verläuft erfolglos, denn Wiesler hat die Schreibmaschine mittlerweile in Sicherheit gebracht. Dennoch geschieht ein tragischer Vorfall: Aufgebracht und verwirrt läuft die schuldbewusste Christa Maria Sieland während der Untersuchung auf die Straße hinaus und wird von einem Lastwagen angefahren. Der Unfall endet tödlich. Auch für Wiesler haben die Ereignisse Konsequenzen: Der operative Vorgang wird abgebrochen und er selbst strafversetzt.

Kurz nach der Wiedervereinigung begegnet Dreyman bei einem Theaterbesuch zufällig dem ehemaligen Minister Bruno Hempf und erfährt zum ersten Mal von der Bespitzelung seiner Wohnung. Dreyman beginnt zu recherchieren und erfährt durch Akten der Staatssicherheit von dem Mann der ihn überwachte und schütze. Er schreibt ein Buch über die Vorfälle und widmet es Wiesler.

1.2 Problemstellung

1.2.1 Kulturpolitik

Die kulturelle Szene der DDR unterlag staatlicher Regulierung und war mit Repressionen durch das Ministerium für Staatssicherheit konfrontiert. Ebenso wie Intellektuelle wurden auch Künstler als potentielle Gefahrenquelle angesehen und streng überwacht. Inhaftierungen oder das Verbot ihren Beruf auszuüben war die Folge, viele wurden ausgewiesen oder verließen selbstständig das Land. Am 01.08.1975 wurde bei der Ratifizierung der KSZE-Schlussakte, einem Abkommen zwischen 35 europäischen Staaten, an dem sich auch die DDR beteiligte, zwar das Recht auf freie Meinungsäußerung festgeschrieben, faktisch wurde sie jedoch unterbunden. Mit dem 3. Strafänderungsgesetz vom 01.08.1979 verschärfte sich die Situation vor allem für die Literaten der DDR maßgeblich: ab diesem Zeitpunkt konnte jedes Gespräch mit westlichen Journalisten und jede Veröffentlichung in der BRD mit Freiheitsstrafen geahndet werden. Von künstlerischer Freiheit konnte nicht die Rede sein, vielmehr wurde den Theatermachern, Malern, Regisseuren und Dichtern nahe gelegt, den politischen Kurs der SED in ihren Werken liniengetreu zu spiegeln. Einige Künstler arrangierten sich mit dem System, andere arbeiteten ihm bewusst entgegen. Doch selbst wer sich für eine regimekonforme Kunst entschied, war nicht vor der Willkür der SED gefeit. Diese handelte nach einem undurchsichtigen System aus Belohnung und Bestrafung und reagierte auf gleiche Handlungen mit unterschiedlichen Konsequenzen. 1984 wurde die Situation durch den Machtantritt Erich Honeckers erneut verschärft.[1]

Der Film „Das Leben der Anderen“ zeigt Möglichkeiten des individuellen Umgangs mit der Problematik. Die Figur der Schauspielerin Christa Maria Sieland verkörpert dabei die Situation (gefühlter) Abhängigkeit einer Künstlerin/eines Künstlers von der Gunst der Parteiführer. Der Dramatiker Georg Dreyman verhält sich zunächst linientreu, sieht sich aber durch die Entwicklungen in seinem unmittelbaren privaten Umfeld schließlich zum Dissidenten gezwungen. Der kritische Regisseur Albert Jerska begeht nach sieben Jahren faktischen Berufsverbots Selbstmord.

1.2.2 Überwachungsapparat

Bereits in der ersten Szene demonstriert der Film „Das Leben der Anderen“ den allumfassenden Überwachungsanspruch des Ministeriums für Staatssicherheit: Durch eine Demonstration von Verhörmethoden im Rahmen einer Vorlesung an der juristischen Hochschule in Ost-Berlin werden gleichzeitig auch die Zuschauer mit den gnadenlosen Techniken des Ministeriums für Staatssicherheit vertraut gemacht. Auch die Verwanzung der Wohnung sowie die Einrichtung einer Überwachungszentrale auf dem Dachboden verläuft ebenso lückenlos und gefühlskalt wie routiniert und reibungslos. In Bezug auf die Observation besticht der Film „Das Leben der Anderen“ durch die Darstellung der Wechselwirkung zwischen Überwachten und zu Überwachenden. Vor allem die Figur des Gerd Wiesler ist in diesem Zusammenhang interessant. Zunächst Vertreter der Willkür und Macht des Staates gerät er im Laufe der Handlung in einen ethischen Zwiespalt. Kreativität und Liebesfähigkeit der Beobachteten beginnt zunehmend ihn zu bewegen, bis er schließlich maßgeblich in den Verlauf der weiteren Ereignisse zugunsten von Dreyman und Christa Maria Sieland eingreift. Konkrete Gründe für seine veränderte Haltung werden im Film nicht genannt. Auch ob sein Handeln durchweg als ‚gut’ betrachtet werden kann bietet Diskussionsstoff.

Die Rekrutierung Inoffizieller Mitarbeiter zeigt der Film beispielhaft am Schicksal der Schausspielerin Christa Maria Sieland. Diese IMs wurden eingesetzt, um auf Basis komplizierter oft psychologischer Methoden systemkritische Gruppen von innen heraus zu zersplittern. Damit dies unauffällig funktionierte, hatten die Inoffiziellen Mitarbeiter aus dem unmittelbaren Umfeld der Staatsgegner zu stammen. Da nur wenige freiwillig bereit waren, ihre Freunde und Bekannten zu verraten, wurde oft politischer Druck oder Erpressung angewendet.

Die Darstellung des Überwachungsapparats in „Das Leben der Anderen“ bringt den psychischen und physischen Druck unter dem staatkritische Bürger der DDR zu leiden hatten zum Ausdruck. Dabei erhebt der Film jedoch keinen Anspruch auf eine durchweg realistische Darstellung. So wäre beispielsweise die spontane Einrichtung der Abhörzentrale auf dem Dachboden auf Grund der streng bürokratisierten Informationsgewinnung des MfS nicht so schnell möglich gewesen. Auch die im Film demonstrierte lückenlose Überwachung war in der realen DDR nicht durchführbar.[2]

1.2.3 Die wichtigsten Charaktere

Die Figuren in „Das Leben der Anderen“ sind zwar schablonenhafte Charaktere, werden aber von den Schauspieler mit großer Ernsthaftigkeit und Überzeugungskraft dargestellt.

Dreyman: Der Dramatiker Georg Dreyman ist Sympathieträger und Identifikationsfigur des Films. Er ist kreativ und erfolgreich ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Dass er trotz seiner Zweifel an ihrer Verbindung, seine Liebe zu Christa Maria Sieland aufrechterhält, zeugt zudem von Beständigkeit. Dreyman ist gesellig und sowohl in seinem Freundeskreis als auch beim Staat beliebt. Da er jedoch keine klare Meinung vertritt, wirkt sein Charakter am Anfang des Films schwammig. Erst als er persönlich von den Auswirkungen der Staatsgewalt betroffen ist, bezieht er Position.

Wiesler: Der MfS-Hauptmann Gerd Wiesler wird als kaltherzig, korrekt und angepasst eingeführt. Die Auseinandersetzung mit dem Leben der Künstler und ihrer Kunst kehrt jedoch im Laufe des Films seine sensible Seite hervor. Obwohl er sich durch seinen Einsatz für Georg Dreyman und Christa Maria Sieland selbst in große Gefahr bringt, bleibt er bis zum Schluss des Films bescheiden: Er behält seine Tat für sich.

Christa Maria Sieland: Ihr Charisma und ihr Erfolg geben der Figur Christa Maria Sieland den Anschein einer starken Persönlichkeit. Tatsächlich ist sie jedoch höchst labil. Zwischen Liebesgefühlen und Angst vor der Staatsgewalt hin und her gerissen versucht sie ihren inneren Sturm durch Tabletten zu kontrollieren. Als sie schließlich vor den Lastwagen läuft, bleibt unklar ob es sich um einen Unfall oder ihren Entschluss zum Freitod handelt.

1.3 Filmsprache

1.3.1 Erzählweise

Der Film „Das Leben der Anderen“ enthält Elemente der Genre Gesellschafts-, Polit- und Liebesdrama. Hauptakteure sind Gerd Wiesler, Georg Dreyman und Christa Maria Sieland auf deren Erlebnisse sich auch die Erzählperspektive richtet. Die Handlung läuft chronologisch ab und folgt der klassischen auktorialen Erzählweise.[3] Sie vollzieht sich während vier Zeitabschnitten, die sich insgesamt über knappe zehn Jahre erstrecken. Die erste beginnt mit der Einführung des Hauptmanns Gerd Wiesler als Dozent an der Juristischen Hochschule im Jahre 1984 und endet 1985 mit dem Tod von Christa Maria Sieland. Ein Insert zeigt die Headline einer Zeitung vom 11. März 1985, welche von der Wahl Michail S. Gorbatschows als neuem Generalsekretär der KpdSU berichtet und macht damit deutlich, dass auch politisch ein neuer Abschnitt beginnt (01:52:38). Die letzen drei Zeitabschnitte handeln von der Nachricht der Maueröffnung (01:52:42-01:53:52), Dreymans Kenntnisnahme seiner Überwachung (01:53:52-02:05:10) und der Veröffentlichung seines Buches (02:05:10-02:06:41). Sie werden durch Schrifteinblendungen, zum Beispiel „4 Jahre und 7 Monate später“, eingeleitet.

1.3.2 Kamera

Durch ruhige Kameraführung[4] und viele Nahaufnahmen der Protagonisten betont der Film das Innenleben der Figuren.[5] Dazu nutzt er in zwei Szenen zusätzlich Umfahrten, welche die Aufmerksamkeit der Zuschauenden auf die Charaktere Wiesler und Dreyman ziehen: Einmal als Wiesler zum ersten Mal die Sonate vom guten Menschen hört und das zweite Mal, als Dreyman sich seinen Artikel laut vorliest und dabei von Wiesler belauscht wird. Des Weiteren werden an einigen Stellen Untersichten[6] verwendet, welche die überlegene Position einzelner Akteure in bestimmten Situationen unterstreichen. Ein Beispiel ist die erste Szene, in welcher Hauptmann Wiesler einen Verdächtigen verhört. Nur einmal wird die subjektive Kamera[7] verwendet: Als die Nachbarin die Verwanzung der Wohnung Dreymans durch den Spion beobachtet, betrachten die Zuschauenden diesen Vorgang durch ihre Augen.

[...]


[1] Vgl.: Marianne Falck: Filmheft. Das Leben der Anderen, S. 6-8.

[2] Vgl.: Marianne Falck: Filmheft. Das Leben der Anderen, S. 8-9.

[3] Nach Werner Kamp und Manfred Rüsel wird die auktoriale Erzählweise „durch eine neutrale Kamera vermittelt, die die Funktion eines weder an räumliche noch an zeitliche Beschränkungen gebundenen Beobachters hat.“ Kamp, Werner und Manfred Rüsel: Vom Umgang mit Film, S. 100.

[4] Zur Kamerabewegung Vgl.: Kamp, Werner und Manfred Rüsel: Vom Umgang mit Film, S. 22-29.

[5]Nah Brustbild einer Person, Mimik steht im Vordergrund des schauspielerischen Ausdrucks.“ Kamp, Werner und Manfred Rüsel: Vom Umgang mit Film, S. 14.

[6] Zu Kameraperspektiven Vgl.: Kamp, Werner und Manfred Rüsel: Vom Umgang mit Film, S. 19-22.

[7] Die subjektive Kameraposition suggeriert, das Geschehen auf der Leinwand aus dem Blickwinkel eines Protagonisten zu sehen. Vgl. Kamp, Werner und Manfred Rüsel: Vom Umgang mit Film, S. 101.

Details

Seiten
32
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638024402
ISBN (Buch)
9783638925204
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88377
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Sprach- und Literaturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Unterrichtseinheit Film Leben Anderen Narrative Filme Kinohits DEFA-Klassiker Parallelwelt

Autor

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