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Körpersprache und Körpertechniken

Hausarbeit 2005 30 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der Körper als soziales Gebilde

3 Körpertechniken
3.1 Definition
3.2 Erläuterungen zum Verständnis
3.3 Der Einfluss der Erziehung
3.4 Beziehungen zwischen magischen Vorgängen und den Techniken des Körpers

4 Klassifikationsprinzipien der Techniken des Körpers (Mauss)

5 Biographische Aufzählung nach Mauss

6 Abschließende Bemerkungen zum Thema Körpertechniken

7 Körpersprache

8 Weltweite Ähnlichkeiten

9 Kanäle des körpersprachlichen Ausdrucksverhalten
9.1 Visueller Kanal
9.2 Proxemik
9.3 Kulturelle Unterschiede

10 Konsequenzen für den Unterricht

Literatur

1 Einleitung

Unumstritten ist die Tatsache, dass die Bewegung des Körpers in Bezug auf die menschliche Kommunikation eine zentrale Rolle spielt. Wir alle benutzen unseren Körper mal mehr und mal weniger bewusst, um unsere Worte, Meinungen und Haltungen zu unterstützen. An der Körpersprache unseres Gegenübers meinen wir nicht nur Gemütszustände, Sympathien und gegebenenfalls Antipathien zu erkennen, sondern schließen auch auf Absichten, Charaktereigenschaften und Ungereimtheiten. Letzteres insbesondere dann, wenn die verbale Kommunikation und die das gesprochene Wort begleitende Körpersprache nicht zusammenpassen und so für den Empfänger ein Bruch entsteht.

Jegliche Art des Sprechens wird also durchweg von komplizierten nonverbalen Signalen begleitet. Viele Mitteilungen oder Zeichen können mehr oder weniger zutreffend von den meisten Angehörigen einer Kultur decodiert werden. Dennoch können Missverständnisse auftreten, insbesondere dann wenn Menschen verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen oder unterschiedlicher Altersstufen aufeinander treffen. Argyle spricht von einem gemeinsamen Code, den Sender (Zeichengeber) und Empfänger (Zeichenversteher) verwenden müssen, um ohne Störungen kommunizieren zu können.

Die Beschäftigung mit dem Phänomen der Körpersprache birgt insbesondere für Menschen in sozialen Berufen, in denen es hauptsächlich um zwischenmenschliche Kommunikation geht, ein großes Potential. Da die Körpersprache oft unbewusster Bestandteil der eigenen Person ist, gleichzeitig aber wichtige Informationen vermittelt, die sogar den verbalen Informationsgehalt überdecken, verfälschen oder behindern können, sollten Lehrer und insbesondere Sportlehrer einen geschärften Blick für diese Form der Kommunikation in den Unterricht mitbringen. Ziel dieser Hausarbeit ist eine Sensibilisierung für die unterschiedlichsten Weisen sich seines eigenen Körpers zu bedienen und damit auch die Weisen der anderen verstehen zu können.

Um diesen Sensibilisierungsprozess in Gang zusetzen beginne ich mit dem Versuch unser aller Abhängigkeit in Bezug auf die uns umgebende Gesellschaft zu erläutern. Unter Zuhilfenahme der Autoren Heinemann und Mauss beginne ich mit der kulturspezifischen Vermittlung und Übernahme von Körpertechniken sowie mit deren Klassifizierung. In einem zweiten Teil wird es dann um die verschiedenen körper- sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten einschließlich ihrer unterschiedlichen Kanäle und deren Decodierung gehen.

Letztendlich versuche ich, ein Fazit zu treffen, welches besonders den späteren Beruf als Lehrer Berücksicht.

2 Der Körper als soziales Gebilde

Für Heinemann existieren vier Tatbestände, in denen der Körper als soziales Gebilde kategorisiert werden kann. Die Art und Weise in der Gesellschaften Bewegungsabläufe vollziehen, bezeichnet er als „Techniken des Körpers“ . Eine ausführlichere Darstellung folgt in Punkt 4 in Orientierung an Mauss. Des Weiteren beschreibt er die expressiven Körperbewegungen“, die als symbolische Ausdrucksformen der Selbstdarstellung und nonverbalen Kommunikation dienen und zu denen Körperhaltung, Gestik, Mimik usw. zählen. Diesen Bereich thematisiere ich, wie schon erwähnt, an späterer Stelle in einem gesonderten Teil ab Punkt 7. Die Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers und die damit verbundenen Vorstellungen über Schamgefühle, Schönheitsideale und Selbstpräsentation fasst Heinemann unter dem Begriff des „Körperethos“ zusammen, welcher sowohl der individuellen als auch der sozialen Identität gerecht wird. Als vierte und letzte Kategorie führt er die „Kontrolle der Trieb- und Bedürfnisstrukturen“ an.

Mit Beginn der Geburt erfolgt die von den speziellen gesellschaftlichen Normierungen abhängige, Prägung dieser vier Kategorien. Dem Individuum wird der ihm innewohnende gesellschaftliche Charakter meist nicht in all seinen Facetten bewusst.[1]

3 Körpertechniken

3.1 Definition

Jede Generation und Gesellschaft entwickelt also eine andere Weise, Dinge zu tun. Dieser Prozess beruht auf einer Reihe von bewusst und unbewusst ablaufenden Schritten- auf mehreren sozialen Phänomenen. Schon der Franzose Mauss äußerte sich hierzu wie folgt:

Ich verstehe darunter die Weisen in der sich Menschen in der einen wie der anderen Gesellschaft traditionsgemäß ihres Körpers bedienen“.[2]

3.2 Erläuterungen zum Verständnis

Mauss beschäftigte sich genauer mit dem Wechsel von Körpertechniken innerhalb einer Generation und verglich unterschiedliche Kulturen bzw. Gesellschaften miteinander, um der Antwort auf die verschiedenen Ausprägungen der Körperbenutzung näher zu kommen, indem er Gründe und Abhängigkeiten aufspürt.

Als ein Beispiel für den Wandel einer Technik führt er die Veränderung des Schwimmstils an. Hatte seine Generation noch das Brustschwimmen einschließlich des Kopf- über- Wasser- Haltens gelernt, so erlebte die nächste Generation eine vollkommene Technikveränderung durch die verschiedenen Arten des crawl.

Auch die Art und Weise Kindern, das Tauchen beizubringen erlebte einen Wandel. Nicht nur die Technik des Tauchens, sondern auch die Technik zur Erziehung wurde verändert. Früher war es verbreitet, das Tauchen zu lernen, nachdem man Schwimmen konnte; zunächst sollten die Augen geschlossen bleiben, um dann unter Wasser geöffnet zu werden.

Die moderne Version, die sich etablierte, um sowohl die alte Technik des Tauchens, als auch die Technik zur Erziehung zum Tauchen, ablöste, bevorzugt das Tauchenlernen bevor man Schwimmen kann. Die Augen sollten möglichst die ganze Zeit im Wasser geöffnet sein, um von vornherein die instinktiven Reflexe der Augen zu unterdrücken und eine langsame sukzessive Wassergewöhnung anzustreben.

Von den einmal erlernten und verinnerlichten Techniken kann man sich nur schwer lösen, selbst wenn sie einem bewusst sind hat man sie meist so habitualisiert, das ein Wechsel harte Arbeit für den Menschen bedeutet.

Diese „Technikgebundenheit“ bezieht sich nach Mauss nicht nur auf die spezifisch erlernten Techniken des Körpers wie sie perfektionierte Sportarten darstellen, sondern auch auf den alltäglichen Gebrauch des Körpers. Um dies zu verdeutlichen, berichtet Mauss von seinen Beobachtungen während des Krieges. Er konnte feststellen, dass die englischen Truppen nicht mit den französischen Spaten umgehen konnten und dies auch nicht innerhalb kürzester Zeit erlernen konnten. Als Resultat erfolgte die Umänderung von 8.000 Spaten pro Division.

Mauss sieht dies als Beweis dafür, dass Fertigkeiten sich nur langsam erlernen lassen und jede Technik eine ganz spezifische Form aufweist.

3.3 Der Einfluss der Erziehung

Jedes Verhalten des Körpers ist abhängig von dem Gelernten und Vermittelten Einfluss der jeweiligen Kultur, in der ein Individuum aufwächst. Jede Gesellschaft hat also seine eigenen Gewohnheiten. Mauss geht so weit, dass er behauptet, er könne Engländer und Franzosen an ihrem Gang unterscheiden. Das würde bedeuten, dass die Stellung der Arme und Hände während des Gehens eine soziale Eigenheit darstellt und nicht einfach das Produkt irgendwelcher individuellen, fast ausschließlich psychisch bedingter Handlungen und Mechanismen ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nicht nur für spezifische Körpertechniken wie Sportarten, sondern auch für alltägliche lebensnotwendige Bewegungen in unterschiedlichen Gesellschaften voneinander abweichende Erziehung stattfindet.

Mauss spricht von einem „sozialen Habitus“ den jedes Individuum entwickelt. Er variiert nicht nur durch individuelle Nachahmung, sondern vor allem mit den Gesellschaften und somit mit den unterschiedlichen Erziehungsweisen, Schicklichkeiten, Moden und dem jeweiligen Prestige .

„Man hat darin Techniken und das Werk der individuellen und kollektiven praktischen Vernunft zu sehen, da, wo man gemeinhin nur die Seele und ihre Fähigkeiten der Wiederholung sieht.“[3]

Erst das Beherrschen eines Repertoires von allgemein gültigen Körpertechniken befähigt das Individuum, sich in seiner Gesellschaft zurechtzufinden und ein wichtiges Mitglied zu sein. Auch individuelle Meinungsfindung bzw. Persönlichkeitsentwicklung ist nur dann möglich, wenn Konventionen und Anforderungen an den Lernenden herangetragen werden, die er dann wiederum hinterfragen und gegebenenfalls ablehnen oder annehmen kann.

Eine Unterstützung durch ein soziales Gefüge, das dem Individuum Sicherheit, Leitlinien und Techniken übermittelt, ist jedoch unentbehrlich. Der Kulturforscher Gehlen beschreibt den Menschen als instinktärmstes Wesen, das im Gegensatz zu den Tieren keine natürlichen angeborenen Fähigkeiten besitzt, um sich der Umwelt anzupassen und überleben zu können. Überlebenswichtige Techniken müssen also von Generation zu Generation weitergegeben werden, um den Fortbestand der menschlichen Spezies zu sichern. Nach Gehlen richten sich Menschen eine „zweite Natur“ ein, die es ihnen ermöglicht mit der ursprünglichen Umwelt zurechtzukommen. So entstanden unterschiedliche Kulturen, die sich ursprünglich an spezifische Umweltbedingungen anpassten, indem sie Kulturtechniken an ihre Kinder weitergaben.

In allen Elementen der Kunst, sich seines Körpers zu bedienen, dominieren also die Einflüsse der Erziehung. Das Individuum übernimmt den Bewegungsablauf aus dem Verhalten, das von andern vor ihm oder mit ihm praktiziert wird.

Unter Berücksichtigung des oben genannten forderte Mauss eine dreifache Betrachtungsweise von Körpertechniken, eine Betrachtungsweise des „totalen Menschens.“

Diese kann mechanisch physiologischer Natur sein, wie zum Beispiel eine anatomische Theorie des Gangs. Im Gegensatz dazu kann sie aber auch psychologische oder soziologische Aspekte in den Vordergrund heben.

„Genau in diesem Begriff des Prestiges der Person, die im Hinblick auf das Individuum befiehlt, herrscht, bestimmt, befindet sich das ganze soziale Element. In der folgenden Nachahmung liegen das psychologische und das biologische Element. Die Gesamtheit wird jedoch von den drei Elementen bestimmt, die unlösbar miteinander verbunden sind.“[4]

Wir verfügen über eine Reihe erlaubter und unerlaubter, natürlicher und unnatürlicher Haltungen. Wir geben aber auch ein und derselben Handlung unterschiedliche Bewertungen je nachdem in welchem gesellschaftlichen Kontext sie stattfindet. Auch Heinemann betont die Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Prägung in Bezug auf die Instrumentalisierung unseres Körpers. Die Gesellschaft, in der wir aufwachsen, bestimmt, wie wir die Physis unseres Körpers wahrnehmen und kontrollieren, wie wir unsere Bedürfnisbefriedigung gestalten, auf welche Art und Weise wir kommunizieren und in welchem Umfang wir unseren Körper pflegen und beherrschen.[5] Unsere gesamte Einstellung zum Körper lässt sich also als Resultat der Sozialisation beschreiben, bei der das Individuum nur geringe persönliche Einflussmöglichkeiten besitzt. Heinemann weist auf Beispiele für die Mannigfaltigkeit variabler Gesellschaftsprägung und damit auch Körperprägung folgendermaßen hin:

„Eß- und Kleidersitten, Schönheitsideale, Bewertungen intellektueller und körperlicher Stärke, Scham- und Peinlichkeitsschwellen, Einstufungen körperlicher und geistiger Zustände als gesund oder krank, Affektrollen, mit dem Körper verbundene Regeln und Rituale als Symbole und Absicherungen sozialer Beziehungen und der Einbindung des einzelnen in die soziale Ordnung- all dies sind nicht unveränderliche Merkmale des Menschen, sondern Beispiele für die hohe Variabilität gesellschaftlicher Gestaltung und Prägung des Körpers.“[6]

3.4 Beziehungen zwischen magischen Vorgängen und den Techniken des Körpers

Viele Gesellschaften glauben an eine magische rituelle Wirksamkeit bestimmter Handlungen. Ein Beispiel dafür sind bestimmte australische Jagdformeln oder unterstützende Gegenstände, wie ein Bergkristall, der während der Jagd im Mund getragen wird – die Schnelligkeit, das Gespür und die Ausdauer sollen dadurch positiv beeinflusst werden. Mit einer Handlung kann sich also ein starkes Vertrauen verbinden, insbesondere dann, wenn es einen starken biologischen Widerstand zu überwinden gilt. Hier sieht Mauss das psychologische Momentum.

Technische Handlungen, physische Handlungen, magisch-religiöse Handlungen sind für den Handelnden mit einander verschmolzen.

Mauss bezeichnet mit Technik eine traditionell wirksame Handlung, die sich nicht von der magisch religiösen symbolischen Handlung unterscheidet. Alle diese Handlungsweisen sind Techniken des Körpers. Technik ist also nicht nur in Verbindung mit einem Instrument anzusehen. Vielmehr wird der Körper zum Instrument, er ist das erste und natürlichste Instrument des Menschen, präziser das erste natürliche technische Objekt und gleichzeitig technische Mittel des Menschen.

Die Gesamtheit der Techniken des Körpers steht also vor den instrumentalen Techniken.

[...]


[1] Vgl. Heinemann, 1998, S.137

[2] Mauss,1989,S.199

[3] Mauss,1989, S. 203

[4] Mauss,1989, S.203

[5] Vgl. Heinemann, 1998, S. 137

[6] Ebd. S.137

Details

Seiten
30
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638018272
Dateigröße
920 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88117
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,5
Schlagworte
Körpersprache Körpertechniken

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Titel: Körpersprache und Körpertechniken