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Saudi-Arabien - Instabilitäten einer Reserveregion für Erdöl und daraus resultierende Risiken

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Untersuchungsgegenstand
1.2. Forschungsstand
1.3. Aufbau

2. Saudi-Arabiens Rolle auf dem weltweiten Rohölmarkt
2.1. Die Erdölreserven im weltweiten Maßstab
2.2. Voraussichtliche Entwicklungen

3. Erdöl als Zugpferd der Wirtschaft
3.1. Wirtschaftliche Eckdaten und soziale Missstände
3.2. Saudi Aramco
3.3. Ghawar, der Riese unter den Ölfeldern

4. Instabilitäten
4.1. Geschichtlicher Abriss
4.2. Die Rolle des Islam
4.3. Spiel mit den Zahlen

5. Schlusswort

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Untersuchungsgegenstand

Das Land Saudi – Arabien spielt im Nahen und Mittleren Osten eine Schlüsselrolle in dreierlei Hinsicht. Zum Ersten ist es das religiöse Zentrum der islamischen Religion, als Wächter der beiden Pilgerstädte Mekka und Medina. Zum zweiten bildet es die geographische Brücke zwischen dem asiatischen und dem afrikanischen Kontinent. Als dritte politische als auch weltwirtschaftlich wichtigste Rolle ist Saudi – Arabien das Land mit den größten Reserven an Öl, und besitzt die weltweit drittgrößte Reserve an Gas. Das macht Saudi – Arabien neben Russland zum wichtigsten Lieferanten von Gas und Rohöl, insbesondere für Asien, die USA und Europa.

„Wer die Entwicklung im Nahen Osten beeinflussen will, kommt an Saudi-Arabien nicht mehr vorbei“[1], ist in einem Zeitungsartikel des Handelsblattes zu lesen. Nicht zu Unrecht. Demnach hat sich Saudi-Arabien zur arabischen Führungsmacht im Nahen Osten entwickelt.

Der hohe Ölpreis von derzeit über 70 US- Dollar pro Barrel und eine liberalere Wirtschaftpolitik, die auch ausländischen Investoren zunehmend Zutritt zum lukrativen Öl- und petrochemischen Sektor des Landes verschaffen, haben einen positiven Einfluss auf den Wüstenstaat und veranlasst die deutsche Bundesagentur für Außenwirtschaft zu der Annahme, dass Saudi Arabien weiter auf der „Überholspur“ bleibt.[2] Hingegen aller Erwartungen scheint Saudi-Arabien langsam aber sicher nicht nur wirtschaftlich in den letzten Jahren eine Veränderung zu durchleben. In einem Artikel der Fachzeitschrift Internationale Politik von 2004, wird noch von „gravierenden Problemen“ gesprochen.[3] Diese beziehen sich nicht nur auf das Problem der Konflikte mit Anrainerstaaten, sondern auch besonders auf innenpolitische Defizite. Bereits Mitte der 1990er Jahre wurde vom damaligen Kronprinzen Abdallah der Schwerpunkt in der Sicherheitspolitik von den äußeren auf innere Angelegenheiten verlagert.[4] Das war der Beginn einer zweifelhaften Entwicklung, ein Spagat zwischen der Liberalisierung und der konservativen Auslegung des Islam, der bis heute nicht so recht zu gelingen scheint. Die Anschläge und Übergriffe islamischer Extremisten im Inland häufen sich in den letzten Jahren.[5] Konflikte der Nachbarstaaten werden mit diplomatischem Geschick beeinflusst ohne in allen Punkten dem langjährigen Verbündeten, den USA, zu entsprechen und im eigenen Land praktiziert die saudische Regierung seit 2004 eine offensive und scheinbar erfolgreiche Antiterrorpolitik.[6]

Während religiöse, politische und soziale Konfliktlinien das Land durchziehen versucht die saudische Königsfamilie seit einigen Jahren Reformen auf den Weg zu bringen, um langfristig als größtes Öl exportierendes Land der Welt eine Position als zuverlässiger Akteur zu erringen und innenpolitisch endlich zur Ruhe zu finden.

1.2. Forschungsstand

Die Literatur, die sich mit dem Schwerpunkt Saudi-Arabien beschäftigt ist, sehr weitreichend. Allerdings unterliegt dieser Themenbereich gerade in den letzten Jahren einer rasanten Entwicklung und Veränderung. Guido Steinberg bietet mit seiner ersten Länderanalyse „Saudi-Arabien – Politik, Geschichte, Religion“ ein umfassendes Bild zu den Hintergründen des Landes. Matthew R. Simmons „Twilight in the Desert“ hingegen beschäftigt sich explizit mit Saudi-Arabien als weltweit größtes Reservegebiet für Erdöl und gewährt durch eine ganze Reihe von detaillierten Fakten zur Ölwirtschaft einen weiten Einblick in die Probleme, die sich in Verbindung mit der Erdölförderung ergeben. Der Artikel von André Salem „Wundersame Ölvermehrung“ weist auf den allgemeinen Umstand hin, dass man nur der eigenen Statistik Glauben schenken sollte.[7] Er rollt die Verschleierungstaktik zu veröffentlichten Zahlen der saudischen Regierung auf. Frank Umbachs Monographie „Globale Energiesicherheit“ von 2003 greift das Dreieck Erdöl, Religion und Politik in Saudi-Arabien auf und stellt heraus, welche Risiken damit in Verbindung stehen. Der Problematik der Aktualität wurde weitest gehend genüge getan, indem hauptsächlich Daten aus dem Zeitraum 2005 bis 2007 verwendet wurden. Einen Großteil dieser Daten konnte der „BP Statistical Review of World Energy 2007“ liefern, aber auch der International Energy Outlook 2007 der US- Regierung und weitere Internetpublikationen haben sich als umfassende und aktuelle Datenquellen herausgestellt.

1.3. Aufbau

Die vorliegende Arbeit wird die o.g. Schlüsselrollen, den kulturellen und politischen Hintergrund des Landes, sowie den daraus entstehenden Konflikt beleuchten. Dabei soll der Frage auf den Grund gegangen werden, ob Saudi-Arabien im Hinblick auf religiöse, politische und wirtschaftliche Spannungsverhältnisse im eigenen Land, als zuverlässiger Erdöllieferant eine Zukunft hat. Der folgende Abschnitt soll einen exemplarischen Überblick über die aktuelle Reservesituation anhand der weltweit größten Erdöllieferanten liefern und Saudi-Arabiens Position auf dem Weltmarkt herausstellen. Der dritte Abschnitt dieser Arbeit befasst sich schließlich mit den landespezifischen Daten des Landes und zeigt die Bedeutung und die Probleme der Erdölwirtschaft beispielhaft an dem Ölfeld Ghawar auf. Schließlich beschäftigt sich Abschnitt vier mit den Problemen des Landes, die abseits der Ölwirtschaft liegen, um dann im Anschluss im fünften Abschnitt ein Fazit zu ziehen.

2. Saudi-Arabiens Rolle auf dem weltweiten Rohölmarkt

2.1. Die Erdölreserven im weltweiten Maßstab

„ Unter Ressourcen verstehen wir den Inhalt einer Lagerstätte, unter Reserven den Teil, den man mit dem Stand der Technik und unter vernünftigem Einsatz wirtschaftlicher Mittel daraus gewinnen kann.“[8] Zunächst ist es wichtig, zwischen diesen beiden Begriffen zu unterscheiden. Angaben zu Ressourcen haben demnach für einen langfristigen Betrachtungszeitraum eine stärkere Aussagekraft und sind einigermaßen sicher feststellbar. Im Gegensatz dazu sind Angaben zu Reserven von technischen Faktoren, wie der Explorations- und Fördertechnologie, aber auch von wirtschaftlichen Aspekten abhängig. Die Aussagekraft über Reserven ist zwar auf einen Beurteilungszeitpunkt begrenzt, allerdings inhaltlich werden hier mehr Einflussfaktoren berücksichtigt, die sich auf die aktuelle Verfügbarkeit des Rohstoffes beziehen. Nicht zu verkennen ist die Tatsache, dass es sich um Schätzungen handelt, deren Realitätsnähe erst bei der endgültigen Einstellung der Fördertätigkeit eines Feldes rückwirkend überprüft werden kann.

Als Mitglied der OPEC nimmt Saudi-Arabien in der Gemeinschaft der 12 Erdölstaaten eine führende Rolle ein. Die OPEC – Staaten vereinen 79,8% der weltweiten Erdölreserven. Saudi-Arabiens Anteil an diesen Reserven beläuft sich auf ca. 264,3 Mil. Barrel: das heißt, fast ein Viertel der weltweiten Bestände, von ca. 1.208,2 Mil. Barrel sind in saudischem Besitz. Damit belegt der saudische Staat nicht nur Platz eins unter den OPEC – Staaten, sondern positioniert sich auch an der Weltspitze. Weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt der Iran mit 137,5 Mil. Barrel. Der Irak hat 115 Mil. Barrel vorzuweisen und auf Platz vier liegt Kuwait mit 101,5 Mil. Barrel. Russland als größter Lieferant der EU hat gerade einmal 79,5 Mil. Barrel in der Rückhand.[9]

Auch wenn Saudi-Arabiens Reserven beeindruckend erscheinen, so ist es doch noch viel interessanter, welche Fördermenge die aufgezählten Länder und Saudi-Arabien leisten und welche Förderpolitik Saudi-Arabien im Vergleich zu seinen Konkurrenten verfolgt.

In Bezug auf die Fördermengen nehmen die Staaten Kuwait und vor allem der Irak, gemessen an den vorhandenen Erdölvorräten, eine untergeordnete Position ein. Der Irak, der über die weltweit drittgrößten Erdölreserven verfügt, ist nach wie vor wirtschaftlich vom Krieg gezeichnet. Während im Irak die Fördermengen hinter den eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben, weil finanzielle Mittel fehlen[10], hapert es in Kuwait an modernen Fördertechniken.[11]

Ganz im Gegensatz dazu, steht die Russland seit mehreren Jahren in ihrer wirtschaftlichen Blüte.[12] Allerdings scheinen die im vergangenen Jahr zu Tage geförderten 480,5 Mil. Tonnen Rohöl, in Anbetracht der vorhandenen Ressourcen von sechs Prozent an den globalen Ölreserven, eine ungewöhnlich hohe Fördermenge darzustellen.[13]

Diese Menge bedeutet sogar für Saudi-Arabien Konkurrenz. Hinsichtlich der vorhandenen Reserven ist kaum verwunderlich, dass Saudi-Arabien 2006 mit 514,6 Mil. Tonnen gefördertem Rohöl, auch in diesem Bereich an der Weltspitze steht. Verglichen mit der russischen Politik, die offenbar eine Maximierung der Fördermengen verfolgt, scheint die saudische Strategie zurückhaltender zu sein. Die Erdölexporte Saudi-Arabiens liegen bei 8307000 Tonnen pro Tag. Also ganze 2792000 Tonnen pro Tag mehr Rohöl als die Russland 2006 ausgeführt hat. Von den saudischen Exporten geht der größte Anteil von ca. 57% nach Asien. Die USA war im vergangenen Jahr zweitgrößter Abnehmer mit 18%. Europa platzierte sich mit 14% an dritter Stelle. Das heißt, auf der einen Seite fungiert Europa als ein Großabnehmer, aber auf der anderen Seite scheint der saudische Staat Asien und besonders China aufgrund der hohen Nachfrage als Abnehmer eine höhere Priorität einzuräumen. Im Gegenzug ist Europa der größte Erdölabnehmer Russlands und beansprucht ca. 87% der gesamten russischen Erdölexporte.[14] Das erscheint als eine sehr einseitige Beziehung für beide Regionen, Russland als auch Europa, zu sein und lässt langfristig eine Neuorientierung beider Regionen hin zu alternativen Lieferanten oder Abnehmern vermuten.

[...]


[1] Perthes, Volker: Die neue arabische Führungsmacht, in: Handelsblatt Nr. 97, 2007. S. 10.

[2] Vgl.: Bundesagentur für Außenwirtschaft: Saudi Arabien bleibt auf der Überholspur. http://www.bfai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT20070319111453, vom 20.03.2007.

[3] Vgl.: Al-Ahmed, Ali; Shirreff, Jamie: Saudi-Arabiens politische Zukunft, in: Internationale Politik. 08/2004. S. 53.

[4] Vgl.: Umbach, Frank: Globale Energiesicherheit. Strategische Herausforderungen für die europäische und deutsche Außenpolitik. München, 2003. S. 208.

[5] Vgl.: Cordesman, Anthony H.: Saudi Energy Security: A Global Security Perspective. http://www.csis.org/media/csis/pubs/061020_burke_saudi.pdf,vom 26.08.2007. S. 31.

[6] Vgl.: Cordesman, Anthony H.: Saudi Energy Security: A Global Security Perspective. http://www.csis.org/media/csis/pubs/061020_burke_saudi.pdf,vom 26.08.2007. S. 33 f.

[7] Vgl.: Salem, André: Wundersame Ölvermehrung, in: Internationale Politik 02/2006. S. 44 ff.

[8] Rühle, Walter: Energiefaktor Erdöl. In 250 Millionen Jahren entstanden – nach 250 Jahren verbraucht? Osnabrück, 1989. S. 64 f.

[9] BP Statistical Review of World Energy 2007. http://www.bp.com/liveassets/bp_internet/globalbp/globalbp_uk_english/reports_and_publications/statistical_energy_review_2007/STAGING/local_assets/downloads/pdf/oil_section_2007.pdf, vom 28.08.2007. S. 6.

[10] Bundesagentur für Außenwirtschaft. Wirtschaftstrends kompakt. Irak Jahresmitte 2007. http://www.bfai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT20070710135912, vom 18.08.2007.

[11] Bundesagentur für Außenwirtschaft. Kuwait - Wirtschaftstrends kompakt 2006/07. http://www.bfai.de/ext/Einzelsicht-ExporTonnen pro TagE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument,templateId=renderPrint/MKT20070119150720.html, vom 18.08.2007.

[12] Bundesagentur für Außenwirtschaft. Russland - Wirtschaftstrends 2006. Gesamtwirtschaftlicher Ausblick. http://www.bfai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT20051216111051, vom 18.08.2007.

[13] BP Statistical Review of World Energy 2007. S.9.

[14] BP Statistical Review of World Energy 2007. S.21.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638017664
ISBN (Buch)
9783638919715
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v88051
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Saudi-Arabien Instabilitäten Reserveregion Erdöl Risiken Proseminar Ressourcensicherheit Herausforderungen Politik

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Titel: Saudi-Arabien - Instabilitäten einer Reserveregion für Erdöl und daraus resultierende Risiken