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Ein unruhiger Geist: Bischof Waldemar von Schleswig

Seminararbeit 2007 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Biografie des Bischofs Waldemar von Schleswig

3. Die Lage in Holstein und Nordelbingen

4. Der Vetternstreit
4.1 Die Datierungsproblematik
4.2 Die Gründe für die Auseinandersetzung
4.3 Die Wahl Bischof Waldemars zum Erzbischof von Bremen 1192/93
4.4 Eskalation: Angriff des Bischofs auf Dänemark

5. Zeit der Gefangenschaft und Flucht des Bischofs aus Rom
5.1 Die Gefangenschaft zwischen 1193 und 1206
5.2 Das Verhalten der Kurie zur Zeit der Gefangenschaft
5.3 Der Prozess und die Flucht
5.4 Das Leben des Bischofs nach seiner Flucht bis hin zu seinem Tod

6. Bischof Waldemars Bedeutung für das mittelalterliche dänische Ostseeimperium

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit Bischof Waldemar von Schleswig, der von 1157/58 bis 1235/36 lebte. In diesem Zeitraum war Dänemark die vorherrschende Macht im Ostseeraum. Mit der Reichseinheit 1157 unter Waldemar I. begann eine Expansionspolitik Dänemarks, von der dessen Anrainer stark betroffen waren und die erst mit der Schlacht von Bornhöved 1227 endete.

Eingebunden in diese Umstände zielt die vorliegende Arbeit darauf ab, das Leben des Bischofs Waldemar von Schleswig zu beschreiben und ihn in Verbindung mit dem dänischen Ostseeimperium zu bringen. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Streit des Bischofs mit seinen Vettern gelegt, da der Grundstein für das Verhalten des Bischofs war. Zudem werden die Auswirkungen des Vetternstreits auf das Ostseeimperium betrachtet und es soll geklärt werden, inwieweit Bischof Waldemar eine Gefahr für das dänische Reich dargestellt hat.

Die Hauptquelle zur Geschichte des Bischofs Waldemar von Schleswig ist die Chronik „Arnoldi Chronica Slavorum“ des Arnolds von Lübeck. Für die Glaubwürdigkeit dieser Quelle spricht die Tatsache, dass Arnold zu jener Zeit Abt in Lübeck war. Es ist davon auszugehen, dass er seine Informationen von Bischof Dietrich von Lübeck bezogen hat, der Bremer war und vermutlich „viele Freunde und Bekannte in Bremen besaß, die ihn über die Vorgänge unterrichten konnten“[1]. Es somit sehr wahrscheinlich, dass Arnold gute Kenntnisse über die Ereignisse in Bremen hatte, wo Bischof Waldemar 1192/93 zum Erzbischof ernannt wurde.

Ein weiterer Chronist dieser Zeit ist Saxo Grammaticus, der in der Gesta Danorum die Geschichte Dänemarks von den Anfängen des Reiches bis 1185 erzählt. Riis verweist allerdings darauf, dass „seine gezielte Glorifizierung des dänischen Königtums und dessen christianisierende Expansion im Ostseeraum ihn mehrmals die historischen Tatsachen der zu vermittelnden Ideologie unterordnen lässt“[2].

Andere Quellen sind päpstliche Urkunden sowie Briefe, die während der Gefangenschaft des Bischofs verfasst worden sind.

Diese Arbeit verbindet Ansätze verschiedener Autoren, die unterschiedliche Facetten der Geschichte des Bischofs beschrieben haben. Als Beispiel für diese Autoren können Godt und Freytag genannt werden, die jeweils einen Aufsatz über den Bischof verfasst haben. Godt geht auf dessen besondere Bedeutung für die Zisterzienser ein sowie deren Festsetzung im Norden, Freytag hingegen verbindet die Geschehnisse nach dem Sturz Heinrich des Löwen mit denen des Bischofs Waldemar und versucht darüber hinaus seine Bedeutung für Dänemark und Deutschland zu klären.

Der Aufbau der Arbeit gliedert sich wie folgt: Zuerst wird ein kurzer biografischer Abriss seines Lebens gegeben, um in die Thematik einsteigen zu können. Hierbei werden hauptsächlich Fakten wiedergegeben, da die dazugehörigen Hintergründe in den folgenden Kapiteln detailliert behandelt werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte des Bischofs in enger Verbindung zur politischen Lage in Holstein und Nordelbingen steht, wird diese im nächsten Abschnitt beschrieben, wobei hier nur auf die wesentlichen Ereignisse eingegangen werden kann.

Der 4. Abschnitt stellt den Hauptteil dieser Arbeit dar und schildert den Vetternstreit. Der Streitbeginn ist schwer zu ermitteln, woraus sich eine Datierungsproblematik in der Wissenschaft ergibt, die in dem ersten Unterpunkt dieses Kapitels exemplarisch an zwei Autoren dargestellt wird. Der zweite Unterpunkt dieses Kapitels widmet sich den Gründen, die zu der Auseinandersetzung führten. Hierbei werden die Erbsituation sowie persönliche Gründe für die Streitigkeiten erklärt. Ein weiterer Kernpunkt in diesem Kontext stellt die Wahl des Bischofs zum Erzbischof von Bremen da. Wie es zu dieser kam und welche Auswirkungen sie auf die politischen Verhältnisse im Norden hatte, ist Inhalt des nächsten Punktes. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit der Eskalation der Lage im Norden und dem militärischen Handeln Waldemars.

Im 5. Kapitel wird die Situation des Bischofs in der Gefangenschaft geschildert und ein Einblick in das Verhalten der Kirche gegeben. Wichtige Aspekte stellen hierbei der Prozess und die Flucht des Bischofs dar.

Zum Schluss wird das Wirken und Handeln des Bischofs in den historischen Kontext des Dänischen Ostseeimperiums gestellt.

2. Die Biografie des Bischofs Waldemar von Schleswig

Waldemar wurde 1157 oder 1158[3] als Sohn des dänischen Königs Knud III. Magnussen geboren[4]. Noch vor der Geburt Waldemars ließ Svend Grathe Knud ermorden[5].

Da Waldemar einem königlichen Geschlecht entstammte, konnte er beim Erreichen der Mündigkeit die Königswürde erhalten. Es stellt sich hierbei jedoch die Frage nach der Legitimität dieser Würde, da es zweifelhaft ist, ob Waldemar ehelich gezeugt wurde[6]. Waldemar I., seit 1157 Alleinherrscher von Dänemark, entschied sich, die Echtheit seines Neffen Waldemar „aus alter Freundschaft für den erschlagenen Knud“[7] anzuerkennen. Während der Unmündigkeit seines Vetters Waldemar[8] erhielt der spätere Bischof Waldemar das Herzogtum über Dänemark. Riis datiert dieses Ereignis auf das Jahr 1172 oder 1173 und begründet dies mit der Tatsache, dass Waldemar in diesen Jahren mündig wurde[9].

Nach dem Tod des Bischofs Friedrich von Schleswig 1179 setzte Waldemar seinen Neffen, jetzt Bischof Waldemar, als dessen Nachfolger ein[10]. Ausgehend von dem kanonischen Recht konnte Waldemar die Nachfolge jedoch erst 1182[11] antreten und erhielt erst 1187/88 die Bischofsweihe. Hinter der Investitur des Verwandten vermutet Freytag das Ziel, ihn von einer möglichen Thronfolge auszuschließen, welche ihm als Sohn Knuds III. zugestanden hätte[12]. Auf diese Vermutung geht auch Riis ein und bezeichnet die Ausstattung Waldemars als eine „politische Neutralisierung“[13].

Gleichzeitig zum Amtsantritt des Bischofs übertrug Knud VI (seit 1182 König Dänemarks) diesem die Prokuration des Herzogtum Schleswigs für die Zeit der Minderjährigkeit seines jüngeren Bruders Waldemar. Laut Freytag wurde Waldemar am 26. Dezember 1187 mündig und erhielt den Ritterschlag. Ab diesem Zeitpunkt übernahm er die Herzogtümer Dänemark[14] und Schleswig. Kurz zuvor hatte Knud das Schleswiger Bistum in seinen Schutz genommen und dem Bischof Immunitätsrechte für seine jetzigen wie zukünftigen Besitztümer gewährt[15]. Mit diesen Privilegien, dem Erbgut des verstorbenen Waldemar I. sowie dem reichen Bistum Schleswig, lassen sich auch die von Riis konstatierten Reichtümer des Bischofs erklären, welche ihm „ mehr Ressourcen als nur Einkünfte des Bistums zur Verfügung stellten“[16].

Nachdem die Dithmarscher 1188 von dem Bremer Erzbischof abgefallen waren und sich dem Schleswiger Bischof unterstellten, unternahm der geistliche Fürst Waldemar zusammen mit seinem Namensbruder Herzog Waldemar von Schleswig einen Feldzug nach Holstein[17].

Zwischen Sommer 1189 und dem Frühjahr 1192 brach der Streit unter den Vettern aus. Da der Vetternstreit einen zentralen Bestandteil der Biografie des Bischofs darstellt, ist ihm ein eigenes Kapitel gewidmet. Im Jahr 1192/93 wurde Waldemar zum Bremer Erzbischof ernannt, worauf im Punkt 4.3 näher eingegangen wird.

Am 26. Dezember 1193[18] wurde Waldemar von seinem Vetter Waldemar gefangen genommen und blieb 13 oder 14 Jahre im Gefängnis auf der Burg Søborg in Nordseeland[19].

Der Fall des Bischofs Waldemar von Schleswig ruhte bis 1203. Papst Innocenz III. forderte den Dänenkönig Waldemar II. auf den Bischof freizulassen und ihn nach Rom zu schicken. Die näheren Umstände des Prozesses, seine Flucht aus Rom und seine zweite Ernennung zum Bremer Erzbischof im Jahr 1208 werden im 5. Kapitel genauer beleuchtet.

In den folgenden Jahren versuchte er immer wieder seine Stellung in Bremen zu festigen und unternahm zu diesem Zwecke mehrere Heerzüge gegen den dänischen König. Nach einer Aussöhnung mit der Kirche im Jahr 1210 wurde er mit Hilfe von Otto IV. 1216 zum dritten Mal zum Erzbischof von Bremen ausgerufen, jedoch ersetzte ihn 1218 Gerhard als Bischof in Bremen. Er wurde abermals vom Papst gebannt und begab sich nach diesen Vorfällen in das Kloster Lokkum, wo er 1236 oder 1237 verstarb.

3. Die Lage in Holstein und Nordelbingen

In folgendem Abschnitt wird ein kurzer Überblick über die Geschehnisse in Holstein und Nordelbingen ab 1181 gegeben. Das erscheint notwendig, da die politische Situation im Norden in enger Verbindung zu Bischof Waldemars Biografie steht.

Nordelbingen geriet im Jahre 1181 durch den Sturz Heinrich des Löwen in ein Machtvakuum[20]. Neuer Herr von Sachsen wurde Bernhard von Anhalt, der es jedoch nicht vermochte die Politik Heinrich des Löwen fortzuführen[21]. Die von Friedrich I. ausgesprochene Oberacht und der damit verbundene Gang des Welfen ins Exil bedeuteten auch, dass nun die Möglichkeit bestand, dass die Schauenburger die Herrschaft in Holstein übernehmen konnten[22]. Der schauenburgische Graf Adolf III. bemächtigte sich der Grafschaft Dithmarschen, obwohl diese zuvor von Friedrich I. der Bremer Kirche zuerkannt wurde[23]. Allerdings trat Adolf später Dithmarschen an den Erzbischof Hartwich II. von Bremen ab[24]. Im Jahr 1188 unternahm der Bremer Erzbischof mit Hilfe des Grafen Adolf einen Heerzug nach Dithmarschen, um seine Herrschaft zu festigen[25]. Die besiegten Dithmarscher unterstellten sich kurzerhand dem Bischof Waldemar von Schleswig. Dieser Umstand wird im nächsten Abschnitt näher erläutert.

Im Jahr 1189 beteiligten sich Friedrich Barbarossa und der Graf von Holstein am dritten Kreuzzug. Die Zeit der Abwesenheit der beiden Fürsten nutzte Heinrich der Löwe, um seine alte Machtstellung wiederzugewinnen[26]. Dieses Vorgehen des Löwen war jedoch ein Eidbruch gegen die Zugeständnisse von 1189, was zur Folge hatte, dass Heinrich VI.[27] dem Welfen entgegen zog[28]. Auch die Parteigänger des Schauenburger Grafen Adolf nahmen im Februar 1190 den Kampf gegen den Welfen auf[29]. All dies führte dazu, dass sich Heinrich nun verstärkt um eine Verständigung mit Heinrich VI. bemühte und es in Folge dessen im Juni 1190 zum Frieden von Fulda kam.

Im selben Jahr wurde Hartwich in der Erzdiözese Bremen für abgesetzt erklärt, zwei Jahre später ernannte der Bremer Klerus den Bischof Waldemar zum neuen Erzbischof. Dieser befand sich im Streit mit seinen Vettern, sodass sich nun ein Konflikt zwischen dem dänischen und dem deutschen Königshaus anbahnte. Auch die Schauenburger wurden in diese Auseinandersetzung miteingebunden, was zwangsläufig dazu führte, dass sich nun Widerstand gegen die Expansionspläne des dänischen Königs formierte. Das Scheitern des Bischofs und seine Gefangennahme im Jahr 1193 bewirkten, dass Graf Adolf III. in den Blick des dänischen Königs geriet, da sich Adolf am Feldzug des Bischofs beteiligt hatte. Erst 1194 fiel Knud in Holstein ein und besiegte den Grafen.

[...]


[1] Vgl. FREYTAG, Hans-Joachim, ’Der Nordosten des Reiches nach dem Sturz Heinrichs des Löwen. Bischof Waldemar von Schleswig und das Erzbistum Bremen 1192/93’. Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters XXV, 1969. S.475.

[2] RIIS, Thomas, ’Studien zur Geschichte des Ostseeraums IV: Das mittelalterliche Dänische Ostseeimperium’. Odense 2003, S.9.

[3] Das Jahr seiner Geburt kann auf Grund der Quellenlage nicht eindeutig geklärt werden.

[4] Vgl. GODT, Christian, ’Bischof Waldemar von Schleswig und die Cistercienser von Guldholm. Ein Beitrag zur Geschichte Schleswigs im 12. und 13. Jahrhundert’. Altona 1891 S.143.

[5] Vgl. Lexikon des Mittelalters, W., Bf. v. Schleswig, Band 5, S.1951, Verfasser: T.Nyberg.

[6] Vgl. USINGER, Rudolf, ’Deutsch-dänische Geschichte’. Berlin 1863 S. 63.

[7] Ebd.

[8] Waldemar, später Waldemar II; Sohn von Waldemar I. und Bruder Knuds VI., somit Vetter von Bischof Waldemar.

[9] Vgl. RIIS, (a. a. O.) S.52.

[10] Die Einsetzung erfolgte vor Erreichen des kanonischen Alters. Am 20. November 1187 wurde Waldemar als Elekt (HASSE 1 Nr. 151), am 9.Mai 1188 als Bischof von Clemens III. bezeichnet (HASSE 1, Nr.154.155).

[11] Bei dem Datum seiner Wahl nennen GODT und USINGER das Jahr 1184, jedoch nennt RIIS das Jahr 1182.

[12] Vgl. FREYTAG, (a. a. o.) S.504.

[13] Vgl. RIIS, (a .a. O.), S.52.

[14] Bei USINGER ist es das Herzogtum Südjütland S.63.

[15] Vgl. FREYTAG, (a. a. O.) S. 504ff.

[16] RIIS, Thomas, (a. a. O.) S. 52.

[17] Vgl. FREYTAG, (a. a. O.) S. 504

[18] Auf die Datierungsproblematik der Gefangennahme wie auch auf den Beginn des Streits der Vettern wird später ausführlich eingegangen

[19] Vgl. RIIS, ( a .a. O.), S.52.

[20] Vgl. FREYTAG, (a. a. O.) S.477.

[21] Seine Schwäche wird insbesondere am Beispiel von Lauenburg deutlich. Er ließ die Feste zu seinem Schutz errichten. Nachdem die Grafen von Holstein sich nicht seiner Herrschaft unterstellten, wurde Lauenburg von dem Grafen von Ratzeburg, dem Grafen von Schwerin und dem Grafen von Holstein eingenommen und zerstört. (Vgl. RIIS, (a. a. O.) S.55).

[22] Vgl. RIIS, (a. a. O.), S. 55.

[23] Vgl. GAETHKE, Hans-Otto, ’ Knud VI. und Waldemar II. von Dänemark und Nordalbingien 1182-1227’. Kiel 1988, S.50.

[24] GATHKE vermutet, dass Adolf angeblich eingesehen hatte, dass seine Ansprüche auf Dithmarschen nicht gerechtfertigt waren.

[25] Vgl. GAETHKE, (a. a. O.). S. 50.

[26] Ebd. S.58.

[27] Heinrich wurde mit der Regentschaft während der Abwesenheit des Kaisers beauftragt. ( Vgl. KNEFELKAMP, Ulrich, ’Das Mittelalter. Geschichte im Überblick. Paderborn 2002, S. 220).

[28] Vgl. FREYTAG, (a. a. O.) S.494. FREYTAG weist daraufhin, dass die Heerfahrt wegen des kalten Winters auf den 1. Mai des nächsten Jahres verschoben worden ist. Gleichzeitig berichtet er, dass sich Heinrich viele Herren Ostsachsens anschlossen, unter ihnen war auch Herzog Bernard von Sachsen.

[29] Ebd. S. 495.

Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638039482
ISBN (Buch)
9783638936347
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87939
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Geist Bischof Waldemar Schleswig Ostseeimperium

Autor

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