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Zur Rolle der Frauen in Wolframs von Eschenbach "Parzival"

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das hochmittelalterliche Frauenbild
2.1 Die Frau als unvollkommener Mensch
2.2 Die rechtliche Stellung der höfischen Frau
2.3 Gesellschaftliche Aufgaben und Ausbildung
2.4 Mutterrolle

3. Die Rolle der Frau in der früh- und hochmittelalterlichen Dichtung und in Wolframs Parzival
3.1 Die Rolle der Frau in der früh- und hochmittelalterlichen Dichtung
3.2 Die Rolle der Frau in Wolframs Parzival
3.2.1 Allgemeine Aussagen über das Frauenbild
3.2.2 Kämpfe für Frauen
3.2.3 Ehe
3.2.4 Handlungsspielraum der Frauenfiguren
3.2.5 Gewalt gegen Frauen im Parzival

4. Parzivals Mutter Herzeloyde und ihr Weg in die Gegenwelt
4.1 Herzeloydes Herkunft
4.2 Herzeloyde beim Turnier von Kanvoleis
4.3 Ehe mit Gahmuret und Schicksalswende
4.4 Parzivals Geburt und der Weg in die Gegenwelt
4.5 Parzival wächst heran
4.6 Parzivals Rittereigenschaften lassen sich nicht mehr unterdrücken
4.7 Herzeloydes Tod

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll der Frage nach den Frauenrollen in Wolframs Parzival nachgegangen werden. Dazu erfolgt zunächst ein kurzer Überblick über das hochmittelalterliche Frauenbild. Anschließend wird ebenfalls in kurzer, allgemeiner Form die Rolle der Frau in der früh- und hochmittelalterlichen Dichtung betrachtet, bevor sie am Beispiel des Parzival spezifiziert wird. Ebenso werden Unterschiede zwischen gängigen Frauenbeschreibungen und denen im Parzival beleuchtet.

Herzeloyde steht unter den Frauenfiguren im Mittelpunkt der ersten Parzival -Bücher und ihr soll besondere Aufmerksamkeit zukommen. Ihre Rolle weicht nicht nur von den gängigen Frauenfiguren in früh- und hochmittelalterlicher Dichtung ab, sondern durchaus auch von den anderen Frauenrollen im Parzival.

2. Das hochmittelalterliche Frauenbild

2.1 Die Frau als unvollkommener Mensch

Die Frau wurde im Hochmittelalter als unvollkommener Mensch angesehen. „Wissen­schaftlich“ wurde dies mit der scholastischen Theorie des 13. Jahrhunderts begrün­det. „Historische Belege“ fand man in der Bibel: die Seele der Frau galt als beschä­digt, weil Eva die Erbsünde begangen hatte. Außerdem verwendete Gott zur Er­schaf­fung der Frau Adams wenig wertvolle und entbehrbare Rippe. Die Frau sei nur „dem Mann zur Hilfe“[1] geschaffen worden.

2.2 Die rechtliche Stellung der höfischen Frau

Die rechtliche Stellung der höfischen Frau unterschied sich deutlich von ihrem gesellschaftlichen Ansehen. Karl Bosel spricht gar von der „ersten Fraueneman­zi­pa­tion der europäischen Geschichte“[2]. Die Kirche schaffte die Zwangsehe ab, und „ent­wandte dem Mann die sexuelle Souveränität; sie stellte ihn damit der Frau gleich [...].“[3]. Frauen wurden zur Individualbeichte zugelassen und als mündig betrachtet. Die Kirche versprach sich dadurch einen größeren Einfluss auf die Frauen, welche die Güter ihrer zu Kreuzzügen ausgezogenen Männer verwalteten.

Dennoch blieb die physische Integrität der Frauen bedroht. Nach wie vor wurden sie als Ketzerinnen verbrannt, vergewaltigt und geschlagen.

2.3 Gesellschaftliche Aufgaben und Ausbildung

Die Anwesenheit der höfischen Frau war z.B. bei Ritterturnieren und Hoffesten erwünscht. Auch im Parzival gibt es Beispiele hierfür (357,28ff). Während der Turniere hielten sich die Frauen in sicherem Abstand auf und erfüllten repräsentative Aufgaben. So sollten sie für die Unterhaltung und Friedfertigkeit der stets Kampf- und streitbereiten Ritter sorgen oder sie „zum Minnedienst animieren“[4], indem sie sich immer zwischen die Ritter platzierten (siehe auch Parzival 310,5ff.).

Ausgebildet war die höfische Frau zum Einen in hausfraulichen Tätigkeiten wie Stricken und Weben, zum Anderen verfügte sie meist über literarische, theologische und künstlerische Bildung (siehe auch Parzival 438,1, 644,24). Auch bestimmte Anstands­regeln musste sie beherrschen. „[...] Auf dem Weg zur Kirche sollte eine Dame ,gemessenen Schritts’ [Robert de Blois: Chastoiement des dames, Mitte 13. Jh.] gehen, nicht zu langsam und nicht zu schnell“[5]

Die Tugendlehre war zentral in der Ausbildung der höfischen Frau. Sie sollte ihr ganzes Leben den Normen des sittlichen Handelns unterwerfen (siehe auch Kap. 3.2.1 und 3.2.5).

2.4 Mutterrolle

Auch die Mutterrolle prägte das Bild der Frau im Hochmittelalter stark. Vorbild war die stillende Mutter Gottes. Mütter höheren Standes nahmen allerdings Ammen in den Dienst. Parzivals Mutter Herzeloyde stellt hier eine Ausnahme dar (siehe Kap. 4.4).

3. Die Rolle der Frau in der früh- und hochmittelalterlichen Dichtung und in Wolframs Parzival

3.1 Die Rolle der Frau in der früh- und hochmittelalterlichen Dichtung

Die Frau sei laut Bernd Thum von den Männern als „selbstbewusste Persönlichkeit voller Leidenschaft, die sie nur knapp zu zügeln vermochte“[6], angesehen worden.

In der Literatur sei „Überprägnanz“[7] charakteristisch für das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit. Nach Joachim Bumke werde, den Regeln der Rhetorik folgend, ein Ideal geschaffen und „von Kopf bis Fuß“[8] beschrieben (siehe die Beschreibung Jeschutes, Parzival Kap. 130, 4-25). „Die Harmonie von Schönheit und moralischer Vollkommenheit war ein wesentlicher Aspekt des höfischen Frauenbildes“[9]. Manifes­tiere sich Schönheit jedoch an inneren Werten, gerate sie „gegenüber der Tugend­haft­ig­keit in eine nachgeordnete Position.“[10]

Dieses „höfische Frauenbild war eine Erfindung der Dichter: Die Vorstellung, dass die adeligen Herren zu den Frauen verehrungsvoll aufblickten, weil sie ihnen ihre ritterlichen Fähigkeiten und damit ihr gesellschaftliches Ansehen verdankten, verkehrte das Verhältnis der Geschlechter, wie es in Wirklichkeit bestand, ins Gegenteil.“[11]

3.2 Die Rolle der Frau in Wolframs Parzival

Im Parzival entwirft Wolfram ein „unkonventionelles Frauen- und Heldenbild, [...] [eine] neue, auf Partnerschaft hin angelegte Minnekonzeption, [...] [und eine] Um­akzen­tuierung der traditionellen arthurischen Ritterethik“[12]. Bumke stellt z.B. fest, dass das im Parzival beschriebene jahrelange Warten der Ehefrauen auf ihre Männer, die zu Abenteuern ausgezogen waren, noch harmlos sei. Ehefrauen seien in der höfi­schen Epik auch eingeschlossen, bewacht, erniedrigt und mit der Todes­strafe be­droht worden.[13]

[...]


[1] Ei adjutorium, Genesis 2, 18. Zit. nach Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im

hohen Mittelalter. München 1986, 11. Auflage 2005. S. 455.

[2] Zit. nach: Bernd Thum: Aufbruch und Verweigerung. Literatur und Geschichte am Oberrhein im

hohen Mittelalter. Karlsruhe 1980. S. 293.

[3] Ebd. S. 327.

[4] Bumke: Höfische Kultur. S. 469.

[5] Bumke: Höfische Kultur. S. 478.

[6] Thum: Aufbruch und Verweigerung. S. 330.

[7] Ebd.

[8] Bumke: Höfische Kultur. S. 452.

[9] Ebd.

[10] Bumke: Höfische Kultur. S. 452.

[11] Ebd.

[12] Sonja Emmerling: Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des „Parzival“. Wolframs

Arbeit an einem literarischen Modell. Hg. von Joachim Heinzle und Klaus-Detlef Müller. Tübingen

2003 (Germanistische Forschungen. Neue Folge. Band 100). S. 157.

[13] Bumke: Höfische Kultur. S. 465.

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638037631
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87900
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Literaturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Rolle Frauen Wolframs Eschenbach Parzival Proseminar Einführung Germanistische Midiävistik Wolfram

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