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Martin Luther King und die Anti-Atomkraftbewegung - Vergleichende Analyse des Konzepts des gewaltlosen Widerstands

Bachelorarbeit 2006 41 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Widerstands- / Gewaltbegriff

3. Widerstandskonzepte
3.1 Martin Luther King
3.2 Antiatomkraftbewegung
3.3 Vergleich des Widerstandskonzepts/Widerstandsbegriffs von Martin Luther King mit dem der Anti-AKW-Bewegung

4. 25.-28. Februar 1981 - Widerstand in Brokdorf- Analyse eines Augenzeugenberichts
4.1 Einordnung der Demonstration in den Kontext der Anti-AKW-Bewegung
4.2 Widerstandsform/-en
4.3 Bild der AKW- Gegner in der Öffentlichkeit

5. Resumée

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Thema der Bachelorarbeit sollen im Wesentlichen die Anti-AKW-Bewegung und die Bürgerrechtsbewegung sein. Schwerpunkt hierbei bilden die konzeptionellen Vorstellungen von Widerstand. Der Begriff des gewaltfreien Widerstand stellt einen zentralen Aspekt der Arbeit dar. Im Kontext der Arbeit wird versucht zu belegen oder auch zu widerlegen, inwiefern das Konzept des gewaltfreien Widerstands, repräsentiert durch Martin Luther King, sich auch in der Anti-AKW-Bewegung widerspiegelt. Ein Vergleich des Begriffs des gewaltlosen Widerstands von Martin Luther King mit Konzepten des Widerstands der Antiatomkraftbewegung ist Grundlage der Arbeit.

Einleitend um in die Thematik einzusteigen, erfolgt eine Definition des Gewalt -und des Widerstandsbegriffs.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht wie bereits dargestellt der Vergleich der Konzeptionen der Antiatomkraftbewegung mit der Bürgerrechtsbewegung.

An Hand eines konkreten Fallbeispieles soll/en im letzten Kapitel der Analyse die Widerstandsform/en und das Bild der AKW-Gegner in der Öffentlichkeit betrachtet werden. Für diese Auswertung wird der Augenzeugenbericht des Pastors Ulfrid Kleinert hinzugezogen. In dem Augenzeugenbericht schildert Ulfrid Kleinert die Tage der Demonstration vom 25. bis zum 28. Februar 1981 in Brokdorf.

Das Fallbeispiel erlaubt eine Betrachtung der praktischen Anwendung der konzeptionellen Vorstellungen. Vergleich und Einblick in die Widerstandskonzepte nicht nur auf theoretischer Basis, sondern auch auf praktischer wird so ermöglicht.

Abschließend werden in einem Resumée alle wichtigen Aspekte der Arbeit zusammenfassend erläutert. Weiterhin wird auf die Leitfrage der Thematik eingegangen.

Als Quellengrundlage dienen hauptsächlich Primärquellen von Akteuren der Antiatomkraftbewegung und von Martin Luther King. Aus diesem Grund ist das ganze Quellenmaterial differenziert zu betrachten. Persönliche Meinungen und Einschätzungen fließen in die Schilderungen von kirchlichen Mitgliedern in den Bürgerinitiativen, wie beispielsweise dem Pastor Kleinert und Martin Luther King mit ein. Somit gilt es die persönliche Intention und Empfindung der Autoren herauszufiltern um nur das für die Analyse relevante Material zu erhalten.

Es bleibt festzuhalten, dass dieses Forschungsgebiet noch viel Raum für weitere Untersuchungen und Forschung bietet. Längst ist nicht alles Material was im Kontext mit der Antiatomkraftbewegung vorliegt ausgewertet worden. Letzte wissenschaftliche Forschungen diesbezüglich sind in den letzten Jahren nicht betrieben worden. Innerhalb der Bachelorarbeit können bei weitem nicht alle Aspekte analysiert werden. Es kann lediglich ein Fokus auf einen Teilbereich gelegt werden.

2. Widerstands- / Gewaltbegriff

Widerstand stellt sich meist als Reaktion eines Menschen oder einer Gruppe auf Machtmissbrauch, Verfassungsbruch und Menschenrechtsverletzungen dar. Hierbei spielt vor allem die Verteidigung der demokratischen, freiheitlichen rechtsstaatlichen Ordnung gegen Übergriffe eine besondere Rolle. In diesem Kontext richtet sich Widerstand nach den Grenzen und Zielen des Staates.

Der Begriff Widerstand umfasst ein weites Verhaltensspektrum, dessen Voraussetzungen, Distanzierung, Vorbehalte gegen das Regime bzw. die Machtinhaber sind. Distanzierung meint eine Abwendung von politischen Konventionen der Zeit um traditionell vermittelte Wertvorstellungen zu bewahren. Die Formen des Widerstands erstrecken sich vom passiven Widerstand und der Verweigerung beispielsweise den rechtlichen und gesetzlichen Vorgaben des Staates Folge zu leisten, über innere Emigration, den Protest gegen das bestehende Regime, bis hin zum aktiven Umsturz von diesem.[1]

In den folgenden Kapiteln wird noch zu analysieren sein um welche Widerstandsformen es sich zum Einen bei der von Martin Luther King ins Leben gerufenen Bürgerrechtsbewegung und zum Anderen bei der Anti-AKW-Bewegung handelt. Zusätzlich werden die Gründe und Motivation der angesprochenen Gruppierungen für Widerstand zu betrachten sein.

Markantes Beispiel für den Widerstand in Deutschland, ist der Widerstand gegen die Nazidiktatur. Dieser kann Formen von der Kontaktaufnahme zu den alliierten Truppenverbänden, der Entwaffnung von Jugendlichen und Greisen des Volksturms und des Versuches der Übergabe von Städten an die Alliierten zum Ende des zweiten Weltkrieges annehmen.[2]

Auch in den Konzentrationslagern entsteht ein Zusammenschluss der Häftlinge um sich besser gegen die SS-Funktionäre wehren zu können. Widerstand erfolgt in diesem Fall als Kampf um überleben zu können. Der Zusammenschluss zu Gruppen dient als Verbesserung der Überlebenschance[3].

Im engen Zusammenhang zu dem Widerstandsbegriff steht auch der Gewaltbegriff. Widerstand äußert sich oft auch in gewalttätiger Form. Historische Ereignisse, z.B. das Attentat auf Hitler durch Graf von Stauffenberg und der Widerstand gegen Wirtschaftsstrukturen in der BRD der siebziger Jahre unter der Verwendung von kollektiver Gewalt, zeigen dies. Die Gewalt dient in diesem Zusammenhang als politisches Mittel zur Unterdrückung von gewaltsamen Protesten und gewaltsamem Widerstand, sowie allgemein zur Unterdrückung dieser Komponenten in gewalttätiger und nicht gewalttätiger Form.[4]

Gewalt wird meist als körperliche und sinnliche Erfahrung wahrgenommen. Derjenige, dem physische Gewalt widerfährt, erlebt Schmerz, muss reagieren, sich wehren oder zumindest sein Schmerzempfinden in irgendeiner Form kompensieren können.[5] Oft bedeutet Gewalt eine Grenzüberschreitung zum außeralltäglichen Verhalten. Bei Personen, die zum ersten Mal zum Mittel der Gewalt greifen, ist dieses eine Überschreitung einer Verhaltensgrenze. Am Beispiel des Krieges wird eine solche Grenzüberschreitung im Kontext des alltäglichen Lebens besonders deutlich. Der Kriegszustand ermöglicht sich neben seiner eigenen körperlichen Kraft auch der Waffen als Tötungspotential zu bedienen.

Mit Hilfe der Gewalt sollen bestimmte Ziele durchgesetzt und Forderungen Ausdruck verliehen werden.[6] Der Ausbau eines staatlichen Gewaltmonopols zielt beispielsweise auf die Festigung der allgemeinen Sicherheit. Weiterhin nimmt das Repressionspotential des Staates zu. Dieses kann sich zum Teil gegen die Unterschichten richten um eine Trennlinie der neuen Klassengesellschaft zu vollziehen.[7]

Der Zusammenschluss von Jugendlichen zu Jugendbanden vollzieht sich um ein bestimmtes territoriales Gebiet zu verteidigen. Die Anwendung von Gewalt dient in diesem Fall der Verteidigung eines Gebietes.[8] Im Zuge der städtischen Jugendgesellung findet Gewalt Verwendung um einen gesellschaftlichen Status zu symbolisieren und Prestige zu erreichen. Junge Studenten organisieren sich in Orden und bezeichnen bestimmte territoriale Bezirke, die zumeist Kneipen umfassen als ihr eigen. Studenten aus anderen Orden, Personen, die keinem Orden angehören, sowie den so genannten Spießbürgern, wird körperliche Gewalt zugefügt. Dies geschieht zum einen um seine Position gegenüber den anderen Orden zu festigen und zum anderen um seine zukünftige „Machtstellung“ in der Gesellschaft, in gehobenen Positionen als Resultat des Studiums, zu verdeutlichen. Die Ablehnung der Spießbürger lässt auf eine Rebellion gegen bestehende Wertvorstellungen, welche durch diese Personengruppe verkörpert werden, hindeuten.[9]

Die „Beatkrawalle“ bei Rockkonzerten von unter anderem den Rolling Stones im September 1965, zeugen von der angesprochenen Symbolik der Gewalt. Gewalt wird in diesem Kontext um Prestige zu erreichen benutzt und um Protest gegen bestehende Werte und Normen auszudrücken[10] Organisiert in Gruppen üben Jugendlichen in diesem Kontext Gewalt hauptsächlich gegen Polizeibeamte aus.

In Form eines Gewöhnungsprozess kann Gewalt auch im Alltagsleben erlebt werden. Gewöhnungsprozess insofern, dass durch die regelmäßige Konfrontation mit Gewalt in Familie und im Freundeskreis sich eine Akzeptanz der Gewalt als alltägliches Phänomen vollzieht. Die zuvor angesprochene Grenzüberschreitung stellt in Bezug auf den eben thematisierten Gewöhnungsprozess einen Übergang zum gewalttätigen Handeln dar. Eine klare Grenze, die überschritten wird, ist nicht auszumachen. Somit lassen sich die Grenzen für gewalttätiges Agieren nicht als Konstanten definieren.[11]

Um den Gewaltbegriff darstellen zu können, eignet sich die Betrachtung des Begriffes der physischen Gewalt besser als die strukturelle Gewalt. Bei der strukturellen Gewalt werden die Unterschiede zwischen legitimierten und nicht legitimierten gesellschaftlichen Zwängen vermischt. Es wird eine Zwangsläufigkeit der Gegengewalt als Reaktion auf Gewalt vorausgesetzt, der Gewaltakt selber aber ausgeblendet.

Physische Gewalt hingegen ist leichter zu identifizieren. Wichtig hierbei ist jedoch die Wahrnehmung von Gewalt. Von einem Staat ausgeübte Gewalt empfinden Unterstützer des Staates nicht als eine solche. Gegner des Staates sehen in ihr aber eine Form von Gewalt.[12] Politische, ökonomische, soziale und andere Strukturen, die auf Individuen Druck ausüben, führen nicht zwangsläufig zu einem Gewaltempfinden. Ein solches Empfinden stellt sich nur ein, wenn solche Strukturen als nicht natürlich und nicht legitim aufgefasst werden. Das Auftreten eines einzelnen SA-Funktionärs beispielsweise führt eher nicht zu einer Einstufung als gefährlich. Im Gegensatz dazu ruft das Auftreten mehrerer SA- Funktionäre ein Gewaltempfinden hervor.[13]

Die Untersuchung des Aspektes der sozialen Funktion der Gewalt ermöglicht es, den Begriff der Gewalt noch besser fassen zu können. Die soziale Funktion geht über den Gewaltbegriff selbst hinaus. Sie umfasst auch Gewalt als eine Form der Abschreckung, Androhung von Gewalt oder Strafe. Bereits die Gewaltandrohung oder der symbolische Verweis durch z.B. das Vorzeigen der Folterinstrumente kann als Gewalt empfunden werden. Somit wird mit der sozialen Funktion, neben dem physischen auch der psychische Charakter der Gewalt erfasst.[14]

Abschließend lässt sich Gewalt als etwas Bedrohliches, Unkontrollierbares und teilweise Willkürliches festhalten. Gewalt stellt sich meist als Ausnahme im alltäglichen Leben dar, ist aber dennoch nicht als feste Konstante zu bezeichnen. Abhängig ist ihre Empfindung als eine solche zudem von demjenigen, der sie wahrnimmt und erlebt und demjenigen, der sie ausübt. Die oben dargestellten Ansätze zur Definition von Gewalt sind nur ein kleiner Einschnitt in das weite Thema der Gewalt. Sie können jedoch als Leitfäden für die in den folgenden Kapiteln dargelegten Analysen dienen. Beide Begriffe Gewalt und Widerstand und ihre Erscheinungsformen sind in folgenden genauer zu betrachten.

3. Widerstandskonzepte

3.1 Martin Luther King

Im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den USA in den 60er Jahren für die Gleichberechtigung des farbigen Bevölkerungsteils predigt Martin Luther King immer wieder die Gewaltlosigkeit und prägt dadurch das Konzept des gewaltlosen Widerstands. Er nimmt an verschiedenen Demonstrationen teil und versucht zwischen den Gegnern der Bürgerrechtsbewegung und den Befürwortern zu vermitteln. Dabei arbeitet er eng mit der National Association for Advancement of Colored People (NAACP) zusammen. Deutlich wird diese Zusammenarbeit auch in Bezug auf die Wahl der Widerstandsform gegen die Diskriminierung der „Schwarzen“ in Amerika. In seinem Buch „Why we can´t wait“, bezieht sich King auf eine Doktrin, die von der NAACP verfasst wurde. Diese Doktrin proklamiert unter anderem die für King wichtige Gewaltlosigkeit. Blinde Selbstjustiz sowie physische Gewalt stellen keine Lösung bzw. Ansatzpunkt für den Gewinn von Freiheit dar.

[...]


[1] Steinbach, Peter, Johannes, Tuchel (Hrsg.), Lexikon des Widerstands 1933-1945, München 1998, S. 240.

[2] Ebd. , S. 218.

[3] Ebd. , S. 222.

[4] Mommsen, Wolfgang, Sozialprotest, Gewalt, Terror. Gewaltanwendung durch politische und gesellschaftliche Randgruppen im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1982, S. 442.

[5] Schumann, Dirk, Gewalt als Grenzüberschreitung. Überlegungen zur Sozialgeschichte der Gewalt im 19. und 20. Jahrhundert, in: Archiv für Sozialgeschichte 37 (1997),S. 372.

[6] Ebd. , S. 373.

[7] Ebd. , S. 372.

[8] Rusinek, Bernd A. , Das Glück der Provokation. Gewalt in historischen Jugendkulturen, in: Breyvogel, Wilfried (Hg.), Lust auf Randale. Jugendliche Gewalt gegen Fremde, Bonn 1993, S. 91.

[9] Ebd. , S. 84-86.

[10] Weinhauer, Klaus, Schutzpolizei in der Bundesrepublik. Zwischen Bürgerkrieg und Innere Sicherheit: Die turbulenten sechziger Jahre, Paderborn 2003, S. 286-290.

[11] Schumann, Dirk, Gewalt als Grenzüberschreitung, S. 373.

[12] Ebd. , S. 374.

[13] Ebd. , S. 375.

[14] Lindenberger, Thomas, Lüdtke, Einleitung: Physische Gewalt – eine Kontinuität der Moderne, in: dies. , Gewalt, S. 3.

Details

Seiten
41
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638023214
ISBN (Buch)
9783638921237
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87874
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Abteilung Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Martin Luther King Anti-Atomkraftbewegung Vergleichende Analyse Konzepts Widerstands

Autor

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