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Anmerkungen zu Richard Rortys liberaler Ironikerin

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 9 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Anmerkungen zu den Bewohnern von Rortys liberaler Utopie
2.1. Die vorteilhafte Stärke der liberalen IronikerInnen
2.2. und ein ethnozentristischer Ausrutscher
2.3. Solidarität und soziale Hoffnung

3. Schlussbemerkung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es ist nicht schwer zum Bewohner von Richard Rortys liberaler Utopie zu werden. Zwei einfache Bedingungen sollten erfüllt sein, um als liberale Ironikerin aufgenommen zu werden. Ein ironisches Verhalten gegenüber dem eigenem abgeschlossenem Vokabular und ein neugieriges Verhalten gegenüber dem abgeschlossenem Vokabular von Mitmenschen, entsprechen Rortys minimaler Anforderung.[1] Mit den Punkten Ironie und Neugier versucht Rorty in der Praxis zu kombinieren, was seiner Ansicht nach keine Theorie mehr verbinden kann: Die Forderungen nach privater Selbsterschaffung und Solidarität im öffentlichen Leben.[2]

Kleingedrucktes lässt sich hinter der Formulierung vom „abgeschlossenem Vokabular“ vermuten, sollte aber nicht davon abhalten in Rortys liberale Utopie zu übersiedeln. Die Formulierung steht für eine sprachphilosophische Neubestimmung dessen, was vor dem linguistic turn Selbst hieß. Das sprachphilosophische Selbst orientiert sich nicht mehr an einer Wesensmetaphysik, die nach einer erkennbaren immanenten Natur des Menschen sucht, sondern an der Auseinandersetzung mit den Kontingenzen der Sprache die wir benutzen.

In meiner Hausarbeit will ich zum einen dem Einwand des Relativismus entgegnen, dass sich in Rortys scheinbar schwacher Konzeption eine vorteilhafte Stärke befindet. Diese ist aber nicht stark genug gegen ethnozentristische Haltungen abgesichert ist und führt somit zu größeren Schwierigkeiten.

2. Anmerkungen zu den Bewohnern von Rortys liberaler Utopie

Richard Rortys Konzept der liberalen Ironikerin liegen einige unentbehrliche Bestimmungen zugrunde, die ich zunächst erläutern möchte. Die Gestalt der liberalen Ironikerin wird im Vorwort zu „Kontingenz, Ironie und Solidarität“ als eine Person vorgestellt, die einerseits insofern ironisch ist, wie sie ihre zentralen Ansichten und Bedürfnisse als kontingent betrachtet und nicht auf andere Instanzen rekurrieren muss, um ihre Hoffnungen zu rechtfertigen. Und auf die zum anderen Judith Shklars Definition des Liberalen zutrifft, als eines Menschen, der der Ansicht ist, dass Grausamkeit das schlimmste ist, was wir tun.[3]

Rortys Idee, die er mit der Gestalt der liberalen Ironikerin umsetzen möchte, entspricht einer pragmatischen Koexistenz philosophischer, politischer, literarischer und sozialer Konzepte, die in der Theorie unvereinbar nebeneinander stehen. Auf der einen Seite stehen Autoren wie Baudelaire, Nietzsche, Heidegger, Proust und Foucault die für private Autonomie und Selbsterschaffung plädieren. Und auf der anderen Seite stehen z.B. Autoren wie Marx, Dewey, Habermas, Nabokov und Orwell, deren gemeinsames Anliegen darin besteht die Gesellschaft solidarischer und sensibler gegenüber Grausamkeiten zu gestalten.[4]

2.1. Die vorteilhafte Stärke der liberalen IronikerInnen...

Rortys Ansatz basiert auf seiner sprachphilosophischen Annahme, dass man die Vokabulare von privater Autonomie und Gerechtigkeit nicht vereinen kann.[5] Eine liberale Ironikerin kann diese pragmatische Koexistenz allerdings durch ihr ironisches Verhältnis zum eigenen abschließenden Vokabulars erreichen. Die Bedeutung des abschließenden Vokabulars liegt für Rorty zum einen darin, dass uns nur unsere eigene Sprache bleibt, um uns Selbst zu beschreiben. Und zum anderen darin, dass dieses Vokabular insofern als abgeschlossen gelten muss, als wir nicht auf über die Sprache hinausgehende Realitäten verweisen können, um unsere Überzeugungen zu rechtfertigen.[6] Es ist aber ausdrücklich erwünscht, sprachliche Bilder und Metaphern von anderen zu übernehmen oder für andere als Neubeschreibungen der Welt zu produzieren. Daher führt Rorty nicht ausschließlich Philosophen an, sondern ganz explizit auch Literaten. Sie liefern mit ihren Büchern Neubeschreibungen der Welt, mit denen wir unsere Vokabulare auffüllen können.

Mit dieser Haltung gewinnen die liberalen IronikerInnen einen dreifachen Vorteil:

„Wenn wir ironisch genug gegenüber unseren eigenen abschließenden Vokabularen und neugierig genug auf die Vokabulare anderer sind, müssen wir uns keine Sorgen machen, ob wir unmittelbar in Berührung mit moralischer Realität stehen oder von Ideologie verblendet oder schwächliche „Relativisten“ sind.“[7]

[...]


[1] Vgl. Rorty 1992, S. 286.

[2] Vgl. Rorty 1992, S. 12ff.

[3] Vgl. Rorty 1992, S. 14. Rortys Verständnis von Ironie kommt vielleicht demjenigen von Friedrich Schlegel nahe der die romantische Ironie, als eben die Stimmung bezeichnet, „welche alles übersieht, sich über alles Bedingte unendlich erhebt, auch über eigene Kunst, Tugend oder Genialität.“ (Entnommen aus: Schischkoff 1991, S. 344) Wichtig ist anzumerken, dass Rortys Verständnis von liberal im politisch gemäßigtem Sinne als links oder sozialdemokratisch zu verstehen ist, nicht in der modernen Variante eines Ordoliberalismus.

[4] Vgl. Rorty 1992, S. 12.

[5] Vgl. Rorty 1992, S. 13.

[6] Vgl. Rorty 1992, S. 127f.

[7] Zitat, Rorty 1992, S. 286.

Details

Seiten
9
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638033190
ISBN (Buch)
9783656734871
Dateigröße
368 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87823
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Anmerkungen Richard Rortys Ironikerin Literatur Moral

Autor

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