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Die Rolle von Innovationen am Forschungsstandort Deutschland in Bezug auf das Gesundheitswesen

Innovationen im Gesundheitswesen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 28 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung zum Thema

2 Innovationen
2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung
2.2 Innovationsarten
2.3 Der Innovationsprozess

3 Innovationen im Gesundheitswesen
3.1 Innovationen als Erfolgsvoraussetzung für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands
3.2 Bestimmungsfaktoren der technologischen Leistungsfähigkeit
3.2.1 Inventionsphase: Forschungsstandort Deutschland
3.2.2 Innovationsphase i.e.S.: Schlüsseltechnologie als Innovationsbasis
3.2.3 Adoptionsphase: Nachfrage nach Gesundheitsinnovationen
3.2.4 Diffusionsphase: Innovationsübernahme
3.2.4.1 National system of innovations (NSI)
3.2.4.2 Erfolgsfaktoren und Hemmnisse des Diffusionsprozesses

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung zum Thema

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wird ausnahmslos von der Hightech-Zeit und dem komplexen, stark dynamischen ökonomischen Wandel gesprochen, in der Unternehmen und Volkswirtschaften auf die Anforderungen der ständigen Wirtschaftsveränderungen durch Innovationen reagieren[1]. Aus dieser Perspektive wird die Innovation als das „systematische Vorwegnehmen, Erkennen und Ausnutzen des Wandels“[2] und als Voraussetzung für Wachstumsentwicklung und internationale Wettbewerbsfähigkeit gesehen. Ein Blick auf die "Kondratieff-Zyklen" verdeutlicht die Bedeutung der Innovationsmacht. Ausgelöst von der Anwendung einzigartiger Innovationen lassen sie Marktwirtschaften durch lang anhaltende Innovationsschübe eine tief greifende Wandlung durchlaufen[3]. Am Anfang des 21. Jhs. steht der Beginn eines neuen Innovationsschubes an, dessen Träger der Gesundheitsmarkt sein wird. Das Thema Gesundheit wird der wesentliche Treiber des nächsten "Kondratieff-Zyklus" sein.[4]

Bereits heute stellt das Gesundheitswesen die größte Branche der deutschen Wirtschaft dar. Seine Betrachtung als Innovationsmotor wurde allerdings in der öffentlichen Debatte „Gesundheitswesen“ oft vernachlässigt und überwiegend von Themen wie Finanzierungsmöglichkeiten und Vermeidung einer Kostenexplosion geleitet.

Diese Arbeit versucht, Innovationen als entscheidendes Thema in der Diskussion über das deutsche Gesundheitswesen in Hinblick auf die bevorstehende Gesundheitsepoche intensiver in den Vordergrund zu rücken. Ziel ist es, eine eventuelle Vorreiterstellung Deutschlands bei Gesundheitsinnovationen zu analysieren und die Rolle der Innovationen im deutschen Gesundheitssystem darzustellen. Nach einer Begriffsabgrenzung der Gesundheitsinnovation widmet sich die Betrachtung dem Innovationsprozess. Darauf aufbauend bildet die Darstellung der Innovation im deutschen Gesundheitswesen in den einzelnen Phasen des Innovationsprozesses der Schwerpunkt dieser Arbeit. Es wird versucht, in der jeweiligen Prozessphase einzelne Voraussetzungen und besondere Rahmenbedingungen für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands aufzuführen. Untersucht werden Erfolgskriterien des deutschen Innovationssystems, die die Chance bieten, das Zukunftspotential des Gesundheitsmarktes zu nutzen und sich zu einem "Kompetenzzentrum Gesundheit" zu entwickeln. Abschließend soll eine zusammenfassende Schlussbetrachtung die Bewertung der Innovationsfähigkeit Deutschlands ermöglichen.

2 Innovationen

2.1 Definition und begriffliche Abgrenzung

Das Verständnis der einzelnen Begriffe in dieser Arbeit ist essentiell für die Problemdarstellung des behandelten Themas. Deshalb werden zunächst einige wichtige Definitionen angegeben und die Abgrenzungen bei ihrer weiteren Verwendung gezeigt.

Der Innovationsbegriff ist bisher nicht allgemeingültig definiert worden. Dies liegt u.a. daran, dass Innovationen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet und zur Beschreibung verschiedener Zusammenhänge und Auswirkungen verwendet werden können, was die vielfältigen Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten der Innovation verdeutlicht. An dieser Stelle seien nur diejenigen Definitionsmöglichkeiten aufgeführt, die zum Innovationsverständnis in dieser Arbeit beitragen:

Die Innovation i.w.S. ist der Prozess der Ideengenerierung über Entwicklung bis Einführung einer Neuerung. [5] Im betriebswirtschaftlichen Sinne bedeutet sie die Erneuerung bzw. Neueinführung von Produkten, Prozessen oder Strukturen in einem bestimmten Umfeld. [6] Diese Neuigkeit ist der „Schlüsselfaktor zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit“ [7] und sichert somit die langfristige Existenz des Unternehmens. Aus der volkswirtschaftlichen Perspektive ermöglicht die Innovation eine Steigerung von Wohlfahrt, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

Aus diesen Definitionsausführungen wird deutlich, dass sowohl der konkrete Anlass für eine Innovation, als auch ihre Auslöser [8] vielfältiger Natur sein können. [9] Dies unterstreicht die Behauptung, dass Innovationen nicht durch Einzelne erbracht werden, sondern die Verflechtung von zahlreichen unternehmensinternen und -externen Stellen [10] und Innovationsrahmen benötigt. Insofern zeigt sich bereits die Bedeutung des Stakeholderprinzips [11] bei der Innovationsbetrachtung. Innovation wird unterschiedlich definiert, systematisiert und bewertet, je Interessensrichtung, Stellung und Aktivität der Akteure. So weisen auch die Definitionsversuche einer Innovation im Gesundheitswesen auf die Komplexität, die subjektive Betrachtungsweise und die Uneinheitlichkeit des Innovationsbegriffs. Folgt man der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bezieht sich die Innovation „auf die Schaffung von etwas Neuem, normalerweise durch Studien und Experimentieren. Im Kontext des Gesundheitswesens ist Innovation üblicherweise ein Ergebnis von Forschung und schließt neue Arzneimittel, Medizinprodukte, Diagnoseverfahren und klinische Verfahren sowie medizinische Versorgungsweisen ein.“[12]

Während die WHO den Beitrag einer Innovation ausschließlich in der medizinischen Neuerung sieht, wird bei staatlichen Institutionen die zunehmende Bedeutung der Kosten bei dem Innovationsbegriff deutlich. [13] Die Kostenbetrachtung der Innovation bei Gesundheitsleistungen weist auf ihre begriffliche Abgrenzung zu den oben ausgeführten allgemeinen Definitionen einer Innovation hin.

2.2 Innovationsarten

Die Heterogenität des Innovationsbegriffes führt zu einer ebenfalls differenzierten Bestimmung der verschiedenen Innovationsarten. So lassen sich Innovationen z. B. bzgl. ihrer Schrittlänge (radikale [14] vs. inkrementelle [15] Innovation), Neuigkeitsgrad (revolutionäre vs. evolutionäre Innovationen [16] ), Mittel [17] (Push- Innovationen) und Zweck [18] (Pull-Innovationen) unterscheiden. In Betracht der bereits ausgeführten Begriffsbildung der Innovation im Gesundheitswesen erscheint die Abgrenzung von Produkt-, Prozess- und organisatorische Innovation ausreichend. Für das hier verfolgte Ziel einer Darstellung der Bedeutung der Gesundheitsinnovationen in Deutschland bilden diese drei Innovationsarten sinnvoll die entsprechenden Gesundheitsneuheiten ab. Betrachtet wird dabei die technologische Innovation i.e.S., als die erstmalige Einführung einer Invention in ein bestimmtes Innovationsumfeld. [19]

- Prozessinnovationen helfen , bei einem in der Art gleich bleibenden Produkt, durch Veränderung der Inputkombination, Kostensenkungen, Produktivitätserhöhungen und/oder Qualitätsverbesserungen zu erreichen. [20] Ein Beispiel im Gesundheitswesen sind Analyseautomaten, die in der gleichen Zeit eine Blutprobe auf die doppelte Zahl von Parametern im Vergleich zu früher untersuchen. [21]
- Produktinnovationen ermöglichen es, ein Produkt mit neuen Eigenschaften oder zumindest neuen Kombinationen bisheriger Eigenschaften zu versehen, i. d. R. zu erhöhten Produktionskosten. Neue Arzneimittel, medizinische Geräte und Therapien für bisher nicht behandelbare Krankheiten sind Beispiele dafür.
- Die organisatorischen Innovationen stehen für die Möglichkeit, mit neuartigen Kombinationen von Produktionsprozessen, Neugestaltung bzw. Verbesserung der Ablauf- und Aufbauorganisation oder auch von ganzen Unternehmen, Kosten- und/oder Qualitätsvorteile zu erzielen. Beispiele im Gesundheitswesen sind Gruppenpraxen oder der Aufbau einer Health Maintenance Organization. [22]

Das abschließende Beispiel der Electronic-Health-Card [23] (EHC) als bahnbrechende Neuerung im Gesundheitswesen zeigt die Überschneidung der drei Innovationsarten und macht deutlich, dass eine strikte Unterscheidung in innovative Prozesse und Produkte nicht immer gegeben ist, sondern dass Produktinnovationen in innovativen Prozessen eingesetzt werden können und auch organisatorische Erneuerung hervorrufen können. [24]

2.3 Der Innovationsprozess

Die Entstehung einer Innovation in einem mehr oder weniger umfangreichen Prozess ist in der Literatur [25] weniger umstritten als die Untergliederung des Innovationsprozesses und seine einzelnen Schritte. Für die Analyse der Innovationen im Gesundheitswesen ist es daher notwendig, eine der vielen Abbildungsmöglichkeiten der einzelnen Phasen im Innovationsprozess zu wählen, um Kohärenz und Systematik der dargestellten Schritte zu gewährleisten. Die von Prof. Dr. K. Brockhoff vorgenommene Abgrenzung des Innovationsprozesses wird hier als geeignet angesehen, die Besonderheiten des Innovationsprozesses von Gesundheitsinnovationen zu erklären. Brockhoff teilt die Innovationsentstehung in Erfindungsphase (Invention), bei der Forschung und Entwicklung die treibenden Aktivitäten sind. Zweite Phase ist die Innovation i.e.S., gesehen in der Markteinführung einer Innovation. Weitere Phasen sind die Verbreitung und Marktdurchsetzung, die Diffusion (und die Adoption) der Neuerung. Da die Beobachtung der Diffusion Wettbewerber veranlassen kann, Neuerungen nachzuahmen, fügt Brockhoff noch eine vierte Phase, die Imitation [26] hinzu. Die Unterscheidung zwischen Innovationen i.e.S und dem Innovationsprozess ist von zahlreichen Rückkoppelungen und Interdependenzen gekennzeichnet. [27] Der Innovationsprozess zeichnet sich dadurch aus, dass Ablauf und Ergebnis nur bedingt steuerbar sind, also mit unterschiedlichen Risiken und Unsicherheiten [28] behaftet. Es kann daher gefragt werden, welche Rahmenbedingungen für einen optimalen Ablauf des Gesamtprozesses gegeben sein sollten. [29] Weil dieser nicht nur das Resultat eines technischen Prozesses ist, sondern auf wirtschaftlichen, sozialen und politischen Voraussetzungen basiert, bestimmen Ansprüche und Interessengruppen sowohl die Entwicklung einer Innovation, als auch ihre Verwertbarkeit.

[...]


[1] Vgl. Pleschak, F., Sabisch, H., 1996, S. 1

[2] Vgl. Robert/ Weiss, 1990, S. 13

[3] So leitete die Dampfmaschine die Industrialisierung ein und die Informationstechnologie das Informationszeitalter, Neuerungen, die alle 40 bis 60 Jahre einen neuen Innovationszyklus auslösten und einen signifikanten Aufschwung der Volkswirtschaft bewirkten.

[4] Eine Ausführliche Darstellung des VIten Kontradieffs und seine Besonderheiten findet sich im Anhang I

[5] Vgl. Hausschild, S. 18, 1993

[6] Vgl. Perlitz, Löbler, S. 2, 1989

[7] Vgl. Albach, S. 1339, 1989

[8] Organisationsinterne (z.B. Erweiterung des Leistungsangebots) vs. -externe(z.B. wettbewerbs-, nachfrage- ,umfeldbedingte) Auslöser

[9] Vgl. Hunck- Meiswinkel, A., 2005, S.21

[10] Individuen, Personen- und Interessengruppen, Institutionen

[11] Als Stakeholder wird hier die Definition von Freeman aufgegriffen. Danach ist ein Stakeholder „ any group or individual who can affekt or is affected by the achievement of the organisation´s objectives”, Vgl. Freeman, 1984, S. 46

[12] Vgl. WHO, online zu finden unter: http://www.who.int/topics/innovation/en/

[13] Die GKV beschreibt die Gesundheitsinnovation als „Evidenzbasierte und gewichtete Verbesserung im erzielten medizinischen Nutzen hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte, Sicherheit eines Verfahrens und ökonomischem Ressourcen-Einsatz im Vergleich zur gegenwärtigen Versorgung“ Vgl. CEPTON, 2007, S. 13. Auch der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) setzt neben dem Patientennutzen eine Kosteneffizienz der Innovation voraus: „ Produkte/Therapien, die jünger als 3 Jahre sind und die dem Patienten zugute kommen (Heilung, Rettung, Lebensqualität) und einen Beitrag zur Kostenstabilität leisten.“, Vgl. BVMed, online unter: http://www.bvmed.de/themen/Innovationen/text/Hintergrundinformationen_zum_BVMed-Innovationspool.html, Stand 13.07.2007

[14] Vgl. Pleschak, F, Sabisch, H., 1996, S. 3, hoher Neuigkeitsgrad, Komplexität der Veränderung

[15] veränderte, bessere Ziel- Mittel-Relation, ohne völlig neue Technologien (Schrittmachertechnologie)

[16] von völlig neuen Produkten/Verfahren, also Basisinnovationen, über Verbesserungs-, Anpassungsinnovationen, bis hin zu Imitation und Scheininnovation ( Pseudoverbesserung)

[17] gehen von Entwicklung neuer Technologien der Leistungserstellung, Organisationsformen etc. aus

[18] unmittelbar durch Nachfrage bzw. Kundenbedürfnisse hervorgerufen, Vgl. Pleschak, F, Sabisch, H., 1996, S. 2

[19] Vgl. Weisenfeld- Schenk, S. 101, 1995

[20] Vgl. Pleschak, F, Sabisch, H., 1996, S. 20

[21] Vgl. Breyer/ Zweifel/ Kifmann, 2005, S. 509

[22] Vgl. Breyer/ Zweifel/ Kifmann, 2005, S. 510

[23] Elektronische Gesundheitskarte. Sie trägt u.a. dazu bei, die Kommunikation aller an der Gesundheitsversorgung Beteiligten zu ver-bessern.. Mit der Einführung der EHC und dem Aufbau einer Informations- und Kommunikationsinfrastruktur werden medizinische Einrichtungen künftig schneller miteinander kommunizieren. Das ermöglicht eine bessere medizinische Versorgung, reduziert unnötige und gesundheitlich belastende Doppeluntersuchungen und verringert die Gefahr, dass ungeeignete Arzneimittel verschrieben werden.

[24] Vgl. Hunck- Meiswinkel, A., 2005, S. 24

[25] Vgl. z.B. Brockhoff 1994, S. 29, Pleschak/ Sabisch, 1996, S. 24, Dietz 1989, S.43

[26] Imitationen im Gesundheitswesen sind ein weit verbreitetes Problem und mit vielen komplexen makroökon. und wachstumstheore-tischen Faktoren verbunden. Deren Betrachtung muss daher separates Thema umfassen und wird in dieser Arbeit nicht weiter erläutert.

[27] Vgl. Brockhoff, 1994, S. 28

[28] z.B. bezüglich Zeit, Kosten, Verwertung, Spätfolgen etc. Vgl. auch Pearson, 1990, S. 185 ff., der sog. „uncertainty map“ als Hinweis für die unterschiedliche Steuerung des Innovationsprozesses je nach Art und Ausmaß der vorhandenen. Unsicherheiten

[29] Vgl. Pleschak, F. / Sabisch, H., 1996, S. 24

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638033800
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87784
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Marketing und Technologiemanagement
Note
1,3
Schlagworte
Rolle Innovationen Forschungsstandort Deutschland Gesundheitswesen

Autor

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