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Forschung als Stakeholder in der Grünen Gentechnik

Grüne Biotechnologie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 26 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einführung in das Thema

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Forschung in der grünen Gentechnik – ein Definitionsversuch
2.2 Forschungsfelder und -aufgaben
2.3 Der Stakeholderansatz im Innovationsprozess

3 Forschung als Stakeholder
3.1 Forschung in der Unternehmensinteraktion
3.2 Identifizierung der Forschung als Stakeholder
3.3 Positionierung der Forschung als Stakeholder
3.3.1 Macht: die Rolle des Wissens
3.3.2 Legitimität: die Rolle der Wechselwirkungen
3.3.3 Dringlichkeit: die Rolle der Rahmenbedingungen

4 Kooperation als Handlungsstrategie

5 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Schwerpunktsaufgaben der Forschung in der Grünen Gentechnik

Abbildung 1: Forschung in Unternehmensinteraktion

1 Einführung in das Thema

Die Innovationsfähigkeit eines Biotechnologieunternehmens wird zunehmend durch seine Fähigkeit zur Nutzung moderner gentechnologischer Ansätze bestimmt. Hierfür ist Forschung unerlässlich. Innovationspotential und Wettbewerbsvorsprung im Bereich der „grünen“ Gentechnik[1] werden beträchtlich durch die enormen Fortschritte in Pflanzen-genomforschung, Wissenschaft und Technik, durch die Fähigkeit von Unternehmen, tech-nisches Wissen zu schaffen und anzuwenden, in Innovationen zu implementieren und weiterzugeben[2], beeinflusst. Allerdings werden die rasante Entwicklung der Genom-forschung und ihre fortschreitende Praxisanwendung in den verschiedensten Biotech-nologiebereichen von der Öffentlichkeit skeptisch und aufmerksam verfolgt. Insbesondere die Anwendungsmöglichkeiten gen- und biotechnologischer Erkenntnisse und Methoden der Forschung in Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie stehen im Zentrum der ambivalent geführten öffentlichen Diskussion über denkbare Chancen und Risiken der grünen Gentechnik. Hier will diese Arbeit ansetzen und untersuchen, inwieweit Forschung die Ausstattung von Unternehmen mit gentechnisch veränderten Produkten und ihre Markteinführung tatsächlich beeinflusst. Denn heute werden wissenschaftlich fundierte Aussagen in der gesellschaftlichen Debatte nur bedingt beachtet. Der öffentliche Konflikt rund um die grüne Biotechnologie beruht weniger auf wissenschaftlich basierten For-schungsergebnissen. Er konzentriert sich in erster Linie auf emotionsgeladene, grund-sätzliche Fragen der langfristigen ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Anwen-dungsfolgen der grünen Gentechnologie. In den Unternehmen wird die Frage des „Verlustes von Wettbewerbschancen durch Mangel an Akzeptanz“ von den Themen „Verbraucherschutz“ und „Nachhaltigkeit“ dominiert. Grüne Biotechnologie und Nachhal-tigkeit stehen in einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis zueinander, da noch immer die Gewissheit, ob gentechnologische Innovationen nachhaltig sind, in Frage steht.[3] Daraus folgen einerseits hohe Forderungen für eine intensivere Forschung und Entwicklung der grünen Biotechnologie, um Sicherheit der langfristigen Auswirkungen zu gewährleisten, andererseits steht aber, in Hinblick auf ihre noch wenig überprüfbaren Wirkungsverhältnisse, eine Einführung von dort bereits erfolgten Innovationen in einem bestimmten gesellschaftlichen Umfeld bzw. Markt aus. Diese Ambivalenz in der Debatte um die Grüne Gentechforschung bestimmt erheblich die Forschungsrolle in den Unternehmen der grünen Biotechnologiebranche. Diese Arbeit analysiert, wie Forschung als Stakeholder Unternehmen der grünen Biotechnologie bei der Ausrichtung des eigenen Innovationsprozesses an die geforderte Nachhaltigkeit beeinflusst. Aufgabe ist es zunächst, die komplexe Unternehmensbeziehung zur Forschung in der grünen Gentechnik vorzustellen. Die einführende Abgrenzung der Forschung im Bereich der grünen Gentechnik, ihrer Ziele und Aufgabenfelder soll eine Darstellung ihrer spezifischen Stake-holderinteressen ermöglichen. Die Forschung kann demnach als Anspruchsgruppe erkannt und positioniert werden. So kann das Unternehmen sie in seiner strategischen Ausrichtung berücksichtigen. Zudem stellen institutionelle Rahmenbedingungen für die Forschung einen limitierenden Faktor dar und beinhalten zahlreiche Implikationen für ihre Rolle als Stakeholder. Unter diesem Aspekt wird eine kritische Schlussbetrachtung vorgenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Theoretische Grundlagen

Stetig neue Forschungserkenntnisse und der rasante Zuwachs[4] an Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen[5] weltweit führen dazu, dass die grüne Gentechnik in der Forschung, der Agrar- und Lebensmittelindustrie zunehmend als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts bezeichnet wird.[6] Ihre Potentiale bilden eine hochinnovative Wachs-tumsbranche, die es verantwortungsvoll zu nutzen gilt.[7] Viele Unternehmen entdecken des-halb in der grünen Gentechnik Chancen zur Erschließung neuer Märkte sowie, durch Ein-satz der Forschung, die Möglichkeit, Innovationen hervorzubringen und sich so in dieser jungen Branche gut zu positionieren. Unternehmen, die heute die Innovationschancen der grünen Gentechnik antizipieren wollen, müssen jedoch eine komplexe Interaktion mit der Forschung aufbauen. Die ausführliche Darstellung der Forschung-Unternehmen-Beziehung setzt eine genaue Begriffsbestimmung von Forschung, grüner Biotechnologieforschung und dem Stakeholderansatz voraus. Für das Verständnis der nachfolgenden Ausführungen wird daher zunächst eine Abgrenzung wesentlicher Definitionen vorgenommen.

2.1 Forschung in der grünen Gentechnik – ein Definitionsversuch

Die Formaldefinition der Forschung beinhaltet die systematische, oft auch zufällige Suche nach Erkenntnissen und Lösungen zu wissenschaftlichen Problemstellungen. Allerdings wird Forschung heute in Volkswirtschaften und Unternehmen vermehrt eine entscheidende Bedeutung für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit beigemessen. Forschung wird als die wichtigste Basis und Motor des Innovationsprozesses und als Grundlage für techno-logische Entwicklungen, für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen gesehen.[8]

Die vielfältigen Definitionsmöglichkeiten der grünen Biotechnologieforschung ergeben sich aus der rasanten Entwicklung der biotechnologischen Forschungserkenntnisse in den letzten Jahrzehnten, die zahlreiche Anwendungsgebiete in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen erschlossen hat. Zwar wird die Biotechnologie in rote, weiße und grüne Biotechnologie abgegrenzt, diese unterscheiden sich jedoch mehr durch die Produkte und marktreifen Anwendungen als durch die zugrunde liegende Technologie und angewandten Forschungsmethoden.[9] Ausserdem wird die grüne Biotechnologie selbst weiter aufgespaltet in Pflanzen-, Nutztier- und Lebensmittelbiotechnologie, je nach Schwerpunkt des Technologieeinsatzes. Hier wird die Forschung in der grünen Gentechnik[10] als ein Teilbereich der biotechnologischen Genomforschung verstanden.[11] Sie umfasst Forschung zur Anwendung biotechnologischer Methoden und Verfahren durch gentechnische Veränderung des Erbgutes der Pflanze und die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen in Pflanzenzüchtung, Agrarsektor und Nahrungsmittelindustrie.[12] Damit wird erkennbar, dass sie ein breites interdisziplinäres Wissen und den Einsatz zahl-reicher Wissenschaften erfordert. Die verschiedenen Wissenschaftsrichtungen bedingen die Entwicklung der grünen Biotechnologieforschung zu einem international hoch kompe-titiven Forschungsgebiet, mit dem sich rascher wissenschaftlicher Fortschritt und viele wirtschaftliche Interessen verbinden. Je nach Forschungsschwerpunkt lässt sich eine Abgrenzung von Saat- und Pflanzenzucht-, Begleit-, Sicherheits-[13], Labor- und experimenteller Feldforschung vornehmen.

[...]


[1] Diese Arbeit muss oft eine Abgrenzung zwischen der „grünen“ Biotechnologie, Gentechnologie und Gentechnik vernachlässigen, weil Forschung dort interdisziplinär verschiedene Technologien umfasst und keine klare Abgrenzung der zugrunde liegenden Technologie-bereiche ermöglicht. Für Raubuch ist die Gleichsetzung von Bio- und Gentechnik auf Forschungs- und wirtschaftspolitischen Ebene le-gitim, obwohl Biotechnik eher Erfahrung suggeriert. Vgl. Raubuch, 1999, S. 15 Dennoch bestehen wesentliche Begriffsunterschiede der drei Termini. Grünen Biotechnologie setzt an gezielte Veränderung von Pflanzen an, um deren Eigenschaften an einen bestimmten Bedarf anzupassen. Somit umfasst sie den Pflanzensektor der Biotechnologie und wird oft mit Pflanzenbiotechnologie gleichgesetzt, welche die Entwicklung, Optimierung, Nutzung biotechnologischer Verfahren zur Innovation und Effizienzsteigerung pflanzlicher Produktion umfasst, obwohl grüne Biotechnologie sich weiter auch in Nutztier- und Lebensmittelbiotechnologie aufteilen lässt. Grüne Gentechnologie ist Teilbereich der modernen Biotechnologie und befasst sich u.a. mit der Erzeugung pflanzlicher Eigenschaften und Produkte durch gentechnische Veränderung des Erbgutes der Pflanze. Grüne Gentechnik bezeichnet die Anwendung gentechnischer Verfahren in der Pflanzenzüchtung und deren Nutzung in der Landwirtschaft, sowie die Umsetzung der aus der grünen Gentechnologie gewonnenen Ergebnisse in konkrete Produkte/Prozesse ähnlich URL: http://www.gruene-biotechnologie.de/index.html

[2] Vgl. Legler, H./ Beise, M., 2000, S. 13

[3] Vgl. Karger, C. R.; Fugger, W.-D.; Grutsch, M.; Wiedemann, P.M., 2002, S. 1

[4] Erstmals 2006 hat die weltweite Anbaufläche die 100-Mio. Hektargrenze überschritten. Die ISAAA (The International Service for the Acquisition of Agribiotech Applications) sagt für das nächste Jahrzehnt eine weitere Ausdehnung der Biotech-Anbaufläche voraus und schätzt, dass 2015 etwa 200 Mio Hektar mit Gentech-Pflanzen bestellt werden.; Vgl. DZ BANK-Studie: Grüne Biotechnologie, online: http://www.dzbank.de/unternehmen/index.jsp;jsessionid=00000pcPR3gQS_MnHdC1fT2f8Uj:10mv58ho5?path=/dz_presse_0436.html

[5] Der Begriff GVO, "gentechnisch veränderter Organismus" ist in verschiedenen EU Gesetzen und im deutschen Gentechnik-Gesetz definiert."Gentechnisch verändert" ist ein Organismus, dessen genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie sie unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht vorkommt , Vgl. Art. 2 Freisetzungs- RiLi 2001/18/EG

[6] Vgl. Kompendium Gentechnologie und Lebensmittel, Band 1: Die Grundlagen, 2003, S. 16

[7] Vgl. Teufel, E. Ministerpräsident von Baden-Württemberg , 2004, URL: http://www.bio-pro.de/de/life/magazin/00987/index.html

[8] Vgl. Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2007, S. 51

[9] Neben der unscharfen Trennung zw. den drei Bereichen sind für diese Überschneidung oft die Unsicherheiten bzgl. der Technologie-entwicklung, des jeweiligen Marktes und der Rahmenbedingungen, ursächlich. Vgl. Hunck- Meiswinkel, 2005, S. 100

[10] Obwohl hier Forschung in der grünen Biotechnologie und Grünen Gentechnik synonym verwendet werden, ist die Gleichsetzung der Begriffe Technik und Technologie irreführend. Technologie ist eine Kunstlehre von Gewinnung/Bearbeitung/Herstellung von Stoffen/ Erzeugnissen/Produkte mithilfe verfügbarer Techniken. Sie ist als Überbegriff prozessorientiert. Technik dagegen ist ein tatsächlich realisiertes, angewandtes Technologieelement, Vgl. Brockhoff, 1994, S. 22 Biotechnologie beinhaltet gleichzeitig mehrere Spitzentechniken, wie Gen-, Bioverfahrens-, Zellfusionstechnik, Vgl. Weisenfeld–Schenk, 1995, S.214

[11] Genomforschung wird definiert als Summe aller Methoden, die sich mit Isolierung, Charakterisierung, Vermehrung und Neukombi-nation von Genen auch über die Artgrenzen hinweg beschäftigen. Der Begriff Pflanzengenomforschung wird deshalb in dieser Arbeit, obwohl er enger gefasst ist als grüne Biotechnologieforschung, synonym verwendet.

[12] Vgl. u. a. Wesenfeld / Hunck- Meiswinkel, 2001, S. 2, auch http://www.bio-pro.de/de/presse/mitteilungen/00523/index.html

[13] Für Grüne Gentechnik, spielt v.a. Sicherheitsforschung eine große Rolle. Allgemein bezweckt die biologische Sicherheitsforschung eine Erweiterung des Wissens über das Verhalten gentechnisch veränderter Pflanzen unter Freilandbedingungen und die Beobachtung der Auswirkungen ihrer Anwendungen , um die Sicherheit gentechnisch veränderter Pflanzen zu prüfen, erhöhen und zu gewährleisten. Zur Begleitung von Freilandversuchen soll Sicherheitsforschung darüber hinaus die Voraussetzungen für eine wissenschaftlich fundier-te, sachgerechte Bewertung möglicher ökologischer Auswirkungen GVO schaffen URL http://www.bmbf.de/foerderungen/10496.php

Details

Seiten
26
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638023078
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87783
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,0
Schlagworte
Forschung Stakeholder Grünen Gentechnik

Autor

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Titel: Forschung als Stakeholder in der Grünen Gentechnik