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Geologie, Geomorphologie und Böden Nordostspaniens

Referat (Ausarbeitung) 2007 26 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Erdgeschichte Nordostspaniens

3. Grundlagen der geologisch-geomorphologischen Gliederung Spaniens
3.1 Überblick
3.2 Nordostspanien

4. Die geologisch-geomorphologischen Einheiten Nordostspaniens
4.1 Pyrenäenausläufer
4.2 Das Ebrobecken
4.3 Iberisches Randgebirge
4.4 Das Katalonische Küstengebirge
4.5 Ebro und Ebrodelta
4.6 Die mediterrane Ostküste

5. Böden Nordostspaniens

6. Zusammenführung: Nordostspaniens Geologie und Böden

7. Quellen

1. Einleitung

Die hier vorliegende Ausarbeitung hat den Zweck, thematisch auf die im Frühjahr 2007 stattfindende Exkursion nach Nordostspanien vorzubereiten. Ziel ist die Vermittlung der geologisch-geomorphologischen und bodenkundlichen Strukturen und Merkmale des nordostspanischen Raumes. Ergänzend zu den Grundlagen der klimatischen Gegebenheiten, welche in einem anderen Referat thematisiert werden, soll mit dieser Verschriftlichung eine Basis für das physischgeographische Verständnis Nordostspaniens und seiner naturräumlichen Ausgangsbedingungen gegeben werden. Das Wissen um die physisch-geographischen Faktoren ergänzt den Erklärungshorizont für schwerpunktmäßig kulturgeographische Fragestellungen des Mittelseminars, die sich auf sozioökonomische Problematiken und Entwicklungen Nordostspaniens beziehen, wie z.B. in den Bereichen Siedlungsgeschichte, Industrieentwicklung, Landwirtschaft und Tourismus. Bodenschätze, Bodenfruchtbarkeit oder -unfruchtbarkeit, die Verfügbarkeit von Wasser, das Landschaftsbild, die Steilheit und Erschließbarkeit des Raums und seine ökologische Sensibilität, all dies sind schließlich grundlegende Aspekte mit Wirkung auf die sozioökonomische Nutzung Kataloniens, Aragoniens und Valencias. Geologie, Geomorphologie und Böden folgen keinen politischen Abgrenzungen, was eine klare Abgrenzung der Region „Nordostspanien“ erschwert. Welche randlichen Gebirgszüge zählen noch zu den für das Exkursionsgebiet relevanten Strukturen? Wie bedeutend sind nur singulär auftretende Bodentypen für eine Übersichtsbeschreibung? Diese Fragen zeigen die Problematik der Eingrenzung auf. Dennoch wird in dieser Ausarbeitung versucht, vordergründig die im Exkursionsraum aufzufindenden Strukturen und Merkmale zu erläutern. Für ein Grundverständnis der Geologie bleibt es aber nicht aus, diesen Beschreibungen einen Überblick über die spanische Erdgeschichte und die Gliederung der iberischen Halbinsel voranzustellen. In Bezug auf die geplante Exkursion und ihrer Route Barcelona-Zaragoza-Tarragona-Valencia-Benidorm folgend, werden die Landschaftsräume entlang der Ostküste Spaniens von den östlichsten Pyrenäenausläufern bis zu den Küstenebenen von Alicante dargestellt und als „Nordostspanien“ bezeichnet. Politische Einheiten, die mit diesem Begriffsverständnis umfasst werden, sind vor allem die Provinzen von Katalonien, daneben Aragonien (insbesondere die Provinz Zaragoza) und Valencia.

2. Erdgeschichte Nordostspaniens

„The geology of Spain is remarkably diverse“ (Gibbons, Moreno 2002:1). Im nordostspanischen Gebiet zeigen sich sehr komplexe geologisch-geomorphologische Formierungen. Die Ursachen für die große Diversität der nordostspanischen Gesteins- und Oberflächenstrukturen liegen in der spezifischen Lage Spaniens und den damit verknüpften erdgeschichtlichen Prozessen. Spanien liegt in einer seit langen Zeiträumen aktiven geologischen Grenzzone zwischen Nordwestafrika und Westeuropa. Seit die afrikanische Platte gegen die eurasische Platte – und damit vor allem gegen Iberien – drückt, ist Spanien tektonischem Stress unterlegen. Die heutige Struktur ist damit eine direkte Folge der seit rund 65 bis 70 Millionen Jahren verstärkten tektonischen Aktivität der Kontinentalplatten (Gibbons, Moreno 2002:367). Spaniens geologische und geomorphologische Strukturen wurden von Fisher und Bowen-Jones treffend als „Patchwork“ beschrieben (1958:15). Ursache für dieses geomorphologische „Patchwork“ an verschiedenen Formen und Strukturen ist hauptsächlich die Kraft der alpidischen Gebirgsbildung, die im Tertiär begann und noch heute (Holozän) andauert. Spanien wird heute von zwei großen bis 3.000 Meter hohen Gebirgsketten umrahmt, den Pyrenäisch-Baskisch-Kantabrischen Gebirgen im Norden und den Betischen Kordilleren im Süden. Diese beiden Gebirgsketten zeigen in etwa die Ränder einer vormals isoliert existierenden iberischen Kontinentalplatte an, die bis zur alpidischen Orogenese bestand (siehe Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Lage Spaniens im Karbon als isolierte Platte, die langsam nach Norden geschoben wird. Quelle: http://www.sciencedirect.com

Die alpidische Orogenese erklärt auch die meisten nordostspanischen Verwerfungen. In der Region der östlichen Pyrenäen begann zum Ende der Kreidezeit, der zunehmende tektonische Stress seine Auswirkungen auf die Oberflächenstruktur zu zeigen. Die iberische Platte war gefangen zwischen der eurasischen und der afrikanischen Platte und wurde wegen ihrer geringeren Dichte unter die schwerere eurasische Platte subduziert – und aus dem ehemaligen pyrenäischen Becken wurde das pyrenäische Gebirge. Im Zuge des hohen Drucks, ausgehend vom iberischen Plattenrand, wurden normale Faltenstrukturen innerhalb der Platte verformt und erhöht, so dass unter anderem die Iberischen Berge entstanden und große Becken einbrachen, zum Beispiel das Ebro-Becken direkt südlich der Pyrenäen (das Ebrobecken ist so eine direkte Konsequenz von „intraplate-stress“, Gibbons, Moreno 2002: 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Nach den seit dem Tertiär wirkenden plattentektonischen Prozessen ist die iberische Halbinsel heute ein Teil Europas. Quelle: http://www.sciencedirect.com

Der plattentektonische Stress sorgte auch dafür, dass die gefalteten variskischen Strukturen des erdgeschichtlich alten Grundgebirges verformt, gehoben oder gesenkt und zum Teil zu Blöcken zerbrochen wurden. Im Quartär setzten sich die Faltungsprozesse im Zuge der anhaltenden alpidischen Orogenese fort und formen die heutige charakteristische nordost-spanische Oberflächenform aus Becken und Anhöhen. Unter anderem entstand so das Katalonische Küstengebirge. Die anhaltenden tektonischen Bewegungen schufen auch jungquartäre basisch-vulkanische Felder wie rund um das nordostspanische Gerona.

Erdgeschichtlich ausschlaggebende Ereignisse für die heutige Struktur der nordostspanischen Geologie finden sich also in der durch die plattentektonischen Bewegungen vor rund 70 Millionen Jahren ausgelösten alpidischen Orogenese. Doch die durch die dadurch ausgelösten Prozesse verschobenen und gefalteten Materialien mussten sich bereits vorher auf der iberischen Halbinsel akkumuliert haben. Woraus bestehen diese Materialien und woher stammen sie? Diese Frage beantwortet sich im Zusammenhang mit Bewegungen des Thetys-Meeres (Regressionen, Transgressionen). Bedeutenden Einfluss auf die heute dominanten Gesteinsformationen Nordostspaniens hatte primär das in der Zeit vor der alpidischen Orogenese wirkende Vordringen des Thetyschen Meeres im Mesozoikum seit der Trias-Zeit. Durch dieses Meer wurde die iberische Platte nach und nach von kontinentalem Einfluss isoliert und frühere kontinentale Buntsandsteinablagerungen durch marin-karbonatische Ablagerungen ersetzt. Auch in der sich anschließenden Jura- und Kreidezeit wurden marine Sedimente durch das sich ausweitende Meer abgelagert, was den hohen Anteil an Kalken und Mergeln im Nordosten Spaniens erklärt (Way 1962:89). Die marinen Ablagerungen wurden schließlich in der erdgeschichtlichen Umbruchszeit von Mesozoikum zur Erdneuzeit und der beginnenden alpidischen Orogenese aufgefaltet. Zu finden sind sie heute in großer Zahl in den Pyrenäen im Norden und den Katalonischen Küstengebirgen im Osten. (Gibbons, Moreno 2002:2,5). Die geologischen Gesteine Nordostspaniens lassen sich überwiegend den marinen Tonen, Kalken, Mergeln und Sandsteinen zuordnen, ihre Dominanz gründet sich auf die Ablagerungen des großen Thetys-Meeres im Mesozoikum. Durch Hebungen und Verwerfungen drangen allerdings auch ältere Gesteine aus dem Paläozoikum, z.B. Graniten an die Oberfläche. Ergänzt werden diese Ablagerungsfazies durch junge, also quartäre Akkumulationen durch Flussarbeit und andere geomorphologische Transportmittel sowie durch die oben bereits angesprochenen quartären Vulkanausbrüche um Gerona – das Gesamtbild wirkt als Patchwork. Die andauernde Deformation der iberischen Halbinsel, die durch den Druck der Afrikanischen Platte entsteht, zeigt, dass Spanien von der seit langem aktiven geologischen Grenzzone zwischen Nordwest-Afrika und Westeuropa entscheidend geprägt wird.

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Details

Seiten
26
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638033114
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87763
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Geographie
Note
1,0
Schlagworte
Geologie Geomorphologie Böden Nordostspaniens Vorbereitung Große Exkursion Nordostspanien

Autor

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Titel: Geologie, Geomorphologie und Böden Nordostspaniens