Lade Inhalt...

Die Satzgliedstellung im Deutschen

Zwischenprüfungsarbeit 2006 25 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Satz und die Satzglieder

2. Das Prädikat
2.1 Das Finitum
2.2 Mehrteilige Prädikate

3. Die Satzklammer
3.1 Lexikalklammer
3.2 Grammatikalklammer

4. Topologische Felder
4.1 Das Vor-Vorfeld und seine Besetzung
4.2 Das Vorfeld und seine Besetzung
4.3 Das Nachfeld und seine Besetzung
4.4 Das Mittelfeld und seine Besetzung

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Satzgliedstellung im Deutschen. Die Satzgliedstellung in der deutschen Sprache unterliegt nicht nur syntaktischen und morphologischen, sondern auch kommunikativen und stilistischen Kriterien. In welcher Reihenfolge die Satzglieder einen Satz bilden, hängt von mehreren Faktoren ab. Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, diesen Regeln und Faktoren nachzugehen und zu schildern, in welcher Reihenfolge die Satzglieder stehen können und wovon ihre Abfolge abhängt. Unser Ausgangspunkt sind das Verb, die Prädikatsteile, deren Stellung im Zusammenwirken mit anderen Faktoren wie dem Modus des finiten Verbs, dem Vorkommen bzw. der Besetzung von bestimmten syntaktischen Positionen und der Intonation (bei geschriebener Sprache der Interpunktion)1 die Satzart bestimmt und den Satz in Stellungsfelder teilt. Eingangs sollen jedoch die Begriffe Satz und Satzglied definiert werden.

1. Der Satz und die Satzglieder

Die Versuche, die sich mit der Definition des Satzes befassen, beruhen auf formalen und inhaltlichen Kriterien. Die inhaltliche Definition betont, der Satz habe das Ziel, die Vorstellungen des Sprechers auch beim Hörer hervorzurufen. Decken sich die Vorstellungen des Sprechers mit denen des Hörers, ist die Kommunikation erfolgreich. Der Satz dient so der erfolgreichen Kommunikation und wird von Duden folgendermaßen definiert: „Sätze sind sprachliche Einheiten, die relativ selbstständig und abgeschlossen sind. Sie bauen sich aus kleineren sprachlichen Einheiten auf, die ihrerseits auch schon einen gewissen Selbstständigkeitsgrad haben, aus Wörtern und gegliederten Wortgruppen; und sie erscheinen normalerweise in größeren selbstständigen und abgeschlossenen sprachlichen Einheiten, in Texten.“2 Wörter werden zu größeren Einheiten zusammengefügt, zwischen diesen Einheiten werden Relationen hergestellt, die den Satz zu einer sinnvollen Struktur zusammenfügen, um unser inhaltsbezogenes Kriterium, nämlich die Vorstellungen des Sprechers beim Hörer hervorzurufen, zu erfüllen.

Bevor wir uns der weiteren Analyse zuwenden, bedarf der Begriff Satzglied einer Erklärung. Was wird als Satzglied definiert? Duden definiert „Satzglied“ so: „Satzglieder sind die kleinsten in sich zusammengehörigen Elemente des Satzes (Wörter und Wortgruppen), die sich nur geschlossen verschieben lassen und die zugleich als ganze ersetzbar sind.“3

2. Das Prädikat

Von den Regeln am stärksten betroffen ist die Position des Prädikats. Der Begriff des Prädikats ist im Deutschen eng mit dem Verb verbunden. In vielen anderen Sprachen (z.B. slawische Sprachen) existieren nominale und nominal-verbale Prädikate (Kopula im Deutschen), die Eigenschaften und den Zustand des Subjekts beschreiben oder auf Besitzverhältnisse (habeo-Relation) hinweisen. Bußmann definiert Prädikat folgenderweise: „In der traditionellen Grammatik verbales Satzglied, das zusammen mit dem Subjekt die Grundform des Aussagesatzes bildet. Durch das Prädikat werden auf das Subjekt bezogene Handlungen, Vorgänge und Zustände bezeichnet.“4 Das finite Verb verfügt über eine zentrale Funktion im Satz, da es – unter kommunikativem Aspekt – das jeweils Neue bezeichnet und seine Stellung den Strukturtyp des Satzes festlegt /Verberst-, Verbzweit- und Verbletztstellung).

2.1 Das Finitum

Das Finitum (das Verb in konjugierter Form) kann im Satz die zweite, erste oder die letzte Stelle im Satz einnehmen. Steht das Verb an der zweiten Stelle, sprechen wir über einen Kernsatz5. Kernsätze können sein:

1. Aussagesatz: Ich gehe ins Kino.
2. Angeführter Satz ohne Konjunktion: Ich weiß, er kommt nicht.
3. Ergänzungsfrage: Wie heißen Sie?
4. Entscheidungsfrage: Sie sind doch wieder gesund?
5. Ausrufesatz: Sie hat aber lange Haare!
6. Wunschsatz (mit Konjunktiv I): Es lebe der König!

Das Finitum kann auch die Spitzenposition besitzen. Die Sätze mit einem Verb an der ersten Stelle heißen Stirnsätze6. Stirnsätze können folgende Satzarten sein:

1. Entscheidungsfrage: Kommst du morgen?
2. Ausrufesatz: Ist das eine Hitze!
3. Aufforderungssatz (Imperativ): Schreiben Sie einen Brief!
4. Irrealer Wunschsatz: Wäre er bloß da!
5. Uneingeleiteter Nebensatz: Ist das Wetter schön, gehen wir spazieren.
(Konditionalsatz)

Die dritte Möglichkeit für die Stellung des finiten Verbs ist die letzte Position im Satz. Diese Sätze werden Spannsätze7 genannt und umfassen

1. Ausrufesätze: Wie toll das Wetter ist!
2. Irreale Wunschsätze: Wenn das Wetter doch schöner wäre!
3. Eingeleitete Nebensätze: Ich weiß, dass es nicht leicht ist.
(Konjunktionalsätze, Pronominalsätze):

Die Begriffe und die Zuordnung der Satzarten wurden von der Duden Grammatik8 übernommen.

2.2 Mehrteilige Prädikate

Mehrteilige Prädikate bestehen immer aus einem finiten Verb und einem Verbzusatz (Verbpräfix) oder nichtdefiniten Prädikatsteilen (wie Infinitiv, Partizip II, seltener Partizip I).

Mehrteilige Prädikate werden mit folgenden Verbformen gebildet:

1. Hilfsverben: Du bist zu schnell gefahren.
2. Trennbare Verben: Sie kommen aus den Ferien zurück.
3. Modalverben: Ich will jetzt nach Hause gehen.
4. Funktionsverben: Wir stehen mit der Zentrale in Verbindung.
5. Infinitivkonstruktionen: Ich habe viel zu tun.

Die Kategorien Person, Numerus, Tempus und Modus werden vom Finitum getragen, die infinite Form hat keine grammatische Funktion.

Deutsche Sätze werden nach der Stellung des finiten Verbs in drei Grundtypen eingeteilt:

1. Hat sie das Gedicht gelernt? (Stirnsatz – Das finite Verb steht an 1. Stelle)
2. Sie hat das Gedicht gelernt. (Kernsatz – Das finite Verb steht an 2. Stelle)
3. Sie konnte nicht kommen, weil sie das Gedicht gelernt hat. (Spannsatz – Das finite Verb steht an letzter Stelle)

Ist das Prädikat mehrteilig (mehr als zweiteilig), steht der Verbzusatz links von der infiniten Form: Du hättest die Fenster zumachen können. Bei Spannsätzen (3) stehen alle Prädikatsteile am Satzende. „Der Verbzusatz steht links von den anderen verbalen Teilen. Das Finitum steht dabei in der Regel rechts von allen anderen Prädikatsstellen.“9

Zuletzt müssen wir die Ersatzinfinitive erwähnen, die sich bei bestimmten Verben mit einem Infinitiv verbinden oder den Partizip II ersetzen können. Solche Konstruktionen sind bei der Perfektform der AcI-Verben (5) (z.B. sehen, hören, etc.), der Modalverben (4) und des faktitiven lassen (6) zu beobachten10:

(4) Ich habe lernen müssen.
(5) Er hat mich kommen sehen.
(6) Wir haben das Auto reparieren lassen.

Der Ersatzinfinitiv steht immer am Ende des Satzes. „Die Prädikatsteile, die eigentlich rechts stehen müssten, nach der Regel rechts determiniert links, stehen dann links.“11

3. Die Satzklammer

In Kapitel 2 beschrieben wir das Verb als ein- bzw. mehrteiliges Prädikat. Weinrich12 vertritt die Ansicht, dass im Deutschen auch die lexikalisch einteiligen Verben virtuell zweiteilig seien. In den Kern- und Spannsätzen bilden das Finitum bzw. die nicht finiten Prädikatsstelle eine Klammer. In diese Klammer sind die Satzglieder eingeschlossen. Außerhalb der Klammer bleibt das Satzglied mit der Erststellung. Diese Klammer wird Satzklammer genannt.13 In Spannsätzen besteht die Klammer aus dem Einleitwort und dem Finitum. Die Klammerteile gliedern den Satz in Stellungsfelder: in Vor-, Mittel- und Nachfeld.

3.1 Lexikalklammer

Die Satzklammer wird bei mehrteiligen Prädikaten gebildet. Ein einteiliges Verb (Vollverb), das wir nach Weinrich im Weiteren Vorverb nennen, kann lexikalisch erweitert werden, indem es um ein sog. Nachverb (z.B. Präfixe, Lokalangaben, etc.) ergänzt wird.14 Diese beiden getrennten Teile des Verbs bilden die sogenannte Satzklammer. Sie umschließt das Mittelfeld, in dem weitere grammatikalische Angaben stehen und grenzt dieses gegen das Vor- und Nachfeld ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verbalklammer[1]

Das Vorverb und das Nachverb bilden eine Verbalklammer. Ist das Vorverb ein Lexem, sprechen wir über eine lexikalische Verbalklammer oder Lexikalklammer.

Das Nachverb kann durch mehrere Wortarten besetzt werden:16

[...]


[1] Weinrich 1993:34

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638022842
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87650
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – IDS
Note
2
Schlagworte
Satzgliedstellung Deutschen Sprachwissenschaft

Autor

Zurück

Titel: Die Satzgliedstellung im Deutschen