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Motivation und Lernen: Die pädagogische Interessentheorie

Seminararbeit 2000 13 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Gliederung

1 Zur Fragestellung dieser Arbeit

2 Die Interessentheorie als Teil der Motivationspsychologie
2.1 Der Interessenbegriff in seinem bedeutungsgeschichtlichen Verlauf
2.2 Die Bedeutung der Motivationspsychologie und der Interessentheorie im Besonderen für die Pädagogik
2.2.1 Forschungsfeld: Das Desinteresse von Schülern an den Naturwissenschaften
2.2.2 Forschungsfeld: Die betriebliche Weiterbildung

3 Grundzüge der pädagogischen Interessentheorie
3.1 Rahmenkonzeption der pädagogischen Interessentheorie
3.2 Das theoretische Modell der Wirkungsweise von Interesse

4 Zusammenfassung und Schlußwort

5 Literatur

1 Zur Fragestellung dieser Arbeit

In dieser Arbeit möchte ich im Rahmen des Seminars „Motivation und Lernen“ mit der Interessentheorie eine Theorie vorstellen, die die Motivation zu Lernen und Leistung aus einem spezifisch pädagogischen Blickwinkel heraus zu beleuchten versucht. Sie wurde in dieser Form entwickelt von einer Forschergruppe um SCHIEFELE, der sich seit Mitte der 70er Jahre mit dem Interessenbegriff und seit Ende der 70er Jahre mit der Entwicklung einer entsprechenden Theorie befaßt.

Auslösend für die Beschäftigung SCHIEFELES mit dem Interesse war die Allgemeingültigkeit des Erziehungsziels „Selbstbestimmung“. Um ein Ziel durchzusetzen und als Pädagoge handlungsfähig zu sein bedarf es einer Handhabung in Form einer theoretischen Basis, auf der das pädagogische Handeln gründet. Die Selbstbestimmung bzw. die Frage nach den Bedingungen für selbstbestimmtes Handeln und aus pädagogischer Sicht für selbstbestimmtes Lernen konnte aber durch keines der damals vorliegenden Motivationskonzepte erklärt werden. Des weiteren war die Frage nach der Bedeutung der Objektseite bzw. aus pädagogischer Sicht der Lerninhalte für die Motivation nicht völlig geklärt.

Da als Voraussetzung für selbstbestimmtes Handeln ein Interesse am im Zentrum der Handlung stehenden Objekt vorausgesetzt wurde, entwickelte die Forschergruppe, zu der auch KRAPP und PRENZEL gehören, eine Rahmenkonzeption und eine Theorie der Wirkungsweise von Interesse.

Ich möchte nun im Folgenden zuerst auf die Motivationspsychologie und ihre Relevanz für die Pädagogik eingehen und von da ausgehend den Blick auf die Interessentheorie richten. Diese soll im darauffolgenden Kapitel in ihrem Aufbau genauer erklärt werden. Abschließend möchte ich dann auf die Anwendungsmöglichkeiten und Einsichten, die sich daraus für Pädagogen ergeben, zu sprechen kommen.

2 Die Interessentheorie als Teil der Motivationspsychologie

2.1 Der Interessenbegriff in seinem bedeutungsgeschichtlichen Verlauf

Betrachtet man die bedeutungsgeschichtliche Entwicklung des Wortes „Interesse“, ist zwischen der ursprünglich alt-lateinischen Bedeutung „dazwischensein in Raum und Zeit“ (inter-est) und der heutigen Verwendung ein großer Unterschied festzustellen.

Bis ins Mittelalter wurde der Begriff „Interesse“ für die Kennzeichnung einer Wertdifferenz verwandt, z.B. für Zinsen als Entschädigung für einen Wertverlust. In den neueren Sprachen galt „Interesse“ allgemein für die Gesamtheit dessen, was einer Person nützt. Ab dem 18. Jahrhundert schloß die Bedeutung des Wortes alles ein, was die menschliche Aufmerksamkeit fesselt und beansprucht und entsprach damit in etwa der heutigen Verwendung.

Seit HERBARTS „Allgemeine Pädagogik“ von 1806, worin erstmals ein systematisiertes pädagogisches Interessenkonzept vorgestellt wurde, wurden verschiedene Erklärungsversuche angestellt, die maßgeblich von dieser Arbeit HERBARTS beeinflußt wurden.

So konzentrierte man sich bis ca. 1940, uns zwar besonders in der Zeit der Reformpädagogik, auf pädagogisch-psychologische Definitionsversuche eines umfassenden Interessenbegriffes, ab ca. 1920 etablierte sich dazu auch ein berufspsychologischer Zweig der Interessenforschung, der sich mit dem Zusammenhang von Berufswahl und persönlichem Interesse befaßt und eine eher pragmatische Ausrichtung hatte, so z.B. die Entwicklung diagnostischer Verfahren zur Interessenmessung und die Erstellung von Interessenprofilen.

GEBHARDT definiert 1977 den Begriff „Interesse“ als Ausdruck der Beziehung zwischen einer Person und einer Sache, durch die gleichzeitig eine Relation zu menschlichen Verhalten in seiner zeitlichen, kausalen und intentionalen Struktur hergestellt wird.

Die Definition versäumt allerdings die Erklärung der Entwicklung und Ausbildung dieser Struktur menschlichen Verhaltens. Dieses Defizit versucht die Interessentheorie auszumerzen.

2.2 Die Bedeutung der Motivationspsychologie und der Interessentheorie im Besonderen für die Pädagogik

Die Motivationspsychologie ist für die Pädagogik insofern von Bedeutung, als ihre Forschungsergebnisse Auswirkungen auf die pädagogische Theorie sowie auf die tägliche Praxis haben können.

Bei der Erstellung von bildungspolitischen und didaktischen Konzepten kann man die Forschungsergebnisse aus der Motivationspsychologie für die verschiedensten pädagogischen Felder heranziehen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Bei den Erklärungsversuchen zu den motivationalen Bedingungen von Lernen und Leistung werden immer öfter Konzepte von Interesse und intrinsischer Motivation herangezogen. Unter intrinsischer Lernmotivation versteht man das Gegenteil von extrinsischer Lernmotivation, also einen von inneren statt von äußeren Anreizen gesteuerter Lernantrieb. Die Motivationsforschung kann der Pädagogik auf verschiedene Weisen helfen, sich diese Anreize zu erschließen und zunutze zu machen.

Wie bereits erwähnt wurden schon in dem frühen Feld der berufsspezifischen Interessenforschung diagnostische Verfahren und Interessenprofile für verschiedene Berufszweige entwickelt, die man im pädagogische Bereich verwenden konnte.

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Details

Seiten
13
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638105569
ISBN (Buch)
9783638755986
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v875
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Pädagogik
Schlagworte
Motivationspsychologie

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Titel: Motivation und Lernen: Die pädagogische Interessentheorie