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Agrarsubventionen. Ein Vergleich der deutschen und polnischen Systeme

Bachelorarbeit 2006 43 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Abkürzungen

1. Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Darstellung des Themas

2. Agrarpolitik in Europa
2.1 Die Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)
2.2 Cross Compliance, allgemeiner Überblick

3. Bodenschutz in Deutschland und Europa

4. Das Subventionsverfahren in Deutschland
4.1. Allgemeine Charakteristika zur Landwirtschaft in Deutschland
4.2. Agrarsubventionen: noch keine einheitliche Flächenprämie
4.3 Cross Compliance in Deutschland: Ziele und Auflagen Schwerpunkt Humusbilanz
4.4 Beantragung, Kontrollen und Sanktionen
4.5 Auswirkungen der GAP-Reform auf die Betriebe

5. Die polnische Landwirtschaft und ihr Subventionsmodell
5.1 Allgemeine Charakteristik der polnischen Landwirtschaft
5.2. Die polnische Landwirtschaft und das EU-Niveau
5.3 Agrarsubventionen in Polen, Beantragung, Kontrolle, Sanktionen
5.4. Cross Compliance und Humusbilanz in Polen
5.5. Auswirkung der Direktzahlungen auf die polnischen Betriebe

6. Unterschiede der Subventionssysteme, Auswirkungen auf Chancengleichheit und Wettbewerb

7. Resümee

8. Ausblick

9. Literaturverzeichniss

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Abbildung 1: Erosion durch Wasser und Wind;

Abbildung 2: Erosionsgefährdete Flächen in Deutschland

Abbildung 3: Landwirtschaftliche Einzelunternehmen und genutzte Flächen in Deutschland. im Jahr

Abbildung 4: Betriebsstruktur in Deutschland

Abbildung 5: Landwirtschaftlich genutzte Flächen nach Grössenklassen in Deutschland

Abbildung 6: Das Prinzip der Humusbilanz;

Abbildung 7: Anbauspezifische Veränderungen der Humusvorräte im Boden

Abbildung 8: Landwirtschaftliche Nutzfläche der EU -

Abbildung 9: Qualität der landwirtschaftlichen Nutzflächen

Abbildung10: Struktur der landwirtschaftlichen Einzelbetriebe nach Gruppen der landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Jahren

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

1.1 Einleitung

Am 01. Mai 2004 wurde die Europäische Union um 10 weitere Mitgliedsstaaten erweitert (Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern). Die Öffnung der Märkte birgt Chancen und Herausforderungen für beide Seiten, für die EU-15 (siehe Abkürzungen) wie auch für die mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer (MOEL). Da Landwirtschaft und ländlicher Raum mit rund 50 Milliarden Euro knapp 45 Prozent des EU-Haushaltes beanspruchen,[1] stehen sie häufig im Fokus von Diskussionen, hier treffen wirtschaftliche Themen zu Märkten und Arbeitsplätzen, politische Ziele wie die Selbstversorgung und Lebensmittelsicherheit, sozial-infrastrukturelle Motive wie die Entwicklung des ländlichen Raumes und nicht zuletzt ökologische Fragestellungen zusammen.

Die Gegenüberstellung der „alten“ und neuen EU-Mitgliedsstaaten (NMS) enthält neben der angedeuteten Komplexität auch die Schwierigkeit, dass wir uns im Moment in einer Übergangssituation befinden. Obwohl die MOEL als Voraussetzung für ihren Beitritt mächtige Aufgabenberge zu bearbeiten hatten, gelten auch nach dem 01.05.2004 noch Übergangsregelungen. Teilweise weisen die neuen Beitrittsländer elementare strukturelle und soziale Unterschiede auf, daher erfolgt die Anpassung einiger Richtlinien und Regelungen schrittweise. Beispielsweise können die NMS ein vereinfachtes Verfahren der EU-Subventionen anwenden, was zunächst sehr pragmatisch klingt, aber ggf. auch Furcht vor einer Verzerrung des Wettbewerbs hervorrufen kann.

1.2 Darstellung des Themas

In der vorliegenden Arbeit werden die Entwicklungen der Gemeinsamen Agrarpolitik vorgestellt (Kapitel 2), die Agrarsubventionssysteme bezüglich des Ackerbaus von dem „alten“ EU-Mitglied Deutschland und dem neuen Beitrittsland Polen dargestellt (Kapitel 4 und 5) und miteinander verglichen (Kapitel 6).

Da der Humusanteil im Boden in dieser Arbeit eine besondere Berücksichtigung findet, wird in Kapitel 3 kurz die Situation des Bodenschutzes in Deutschland und auf europäischer Ebene zusammengefasst. Am Ende der Arbeit werde ich die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen, die ich durch ein zweimonatiges Praktikum bei Lochow-Petkus Polska, einem landwirtschaftlichen Großunternehmen in Schlesien und meinem Studium in Wroclaw sowie durch das Begleiten der Saatzuchtberater zu verschiedenen Betrieben in ganz Polen gesammelt habe, einfließen lassen (Kapitel 7).

2. Agrarpolitik in Europa

Mit der Absicht, den Verbrauchern angemessene Preise und den Landwirten ein gerechtes Einkommen zu garantieren, wurde eine gemeinsame Marktorganisation geschaffen.[2] Etwa 40 Milliarden Euro werden jährlich für die gemeinsame europäische Agrarpolitik (GAP) bereitgestellt,[3] davon erreichen 6 Milliarden Euro die deutschen Betriebe[4] und 1,5 Milliarden die Polnischen[5]. Die Agrarausgaben machen rund 45 Prozent des Haushaltes aus, damit ist die GAP einer der wichtigsten Politikbereiche der Europäischen Union.[6]

2.1 Die Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)

Die Ziele und Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union haben sich seit ihren Anfängen in der Nachkriegszeit gewandelt. Nach dem zweiten Weltkrieg fehlte es an Grundnahrungsmitteln, viele Menschen hungerten. Daher stand in den 1950er und 1960er Jahren die garantierte Selbstversorgung im Blickfeld der europäischen Agrarpolitik. Bis in die 1990er Jahre wurde eine produktionsorientierte Subventionspolitik gefördert.[7] In der Folge wurde effizienter produziert, die Einkünfte der Landwirte stiegen.[8] Allerdings wuchsen auch die legendären Milchseen, Getreide- und Butterberge, denn die Produktion orientierte sich an der finanziellen Förderung und nicht am Markt. Die europäische Überproduktion führte zu Handelsverzerrungen auf dem Weltmarkt und schadete somit insbesondere den Entwicklungsländern.

Vor dem Hintergrund von BSE, Dioxin- und „Gammelfleisch“- Skandalen fordern die Verbraucher nun auch mehr Lebensmittelsicherheit und den Erhalt der Umwelt. Überdies gerieten die zunehmend komplexeren und undurchschaubar werdenden EU-Regelungen zunehmend in die Kritik der Landwirte und der Verbraucher.

In den 1990er Jahren setzte ein Umdenken in der Gemeinsamen Agrarpolitik ein, das mit dem Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro neue Impulse bekam. Die 1999 verabschiedete Agenda 2000 setzte auf nachhaltige Entwicklung, die neben wirtschaftlichen und sozialen Zielen den Erhalt der natürlichen Ressourcen für zukünftige Generationen beinhaltet. Die Europäische Union wandte sich „ weg von der Unterstützung der Überproduktion hin zu einer marktorientierten, umweltfreundlichen GAP, die eine effiziente und nachhaltige Landwirtschaft zum Ziel hat[9]. Nicht mehr der Landwirt, der am meisten produziert, soll die höchsten Subventionen erhalten. Die klassischen Marktinstrumente der direkten, produktionsgekoppelten Beihilfen und Einkommensbeihilfen wurden durch horizontale Maßnahmen der „zweite Säule“ ergänzt, die den ländlichen Raum stärker fördern sollen. Das geschieht z.B. durch die Bindung der Beihilfen an die Beschäftigtenzahl pro Betrieb, die Einrichtung von Umweltprogrammen sowie die fakultative größenabhängige Modulation, (Modulation steht für die Kürzung der Direktzahlung an Großbetriebe und Umschichtung der Mittel zur Förderung der ländlichen Entwicklung[10].Im Juni 2003 wurde die GAP erneut grundlegend reformiert. Zu den zentralen Punkten der letzten Neuordnung gehören:[11]

- Die Vereinfachung der Marktstützungsmaßnahmen und der Direktbeihilfen. Die Landwirte erhalten einheitliche Betriebsprämien (EBP) zur Einkommensstützung. Diese Beihilfen werden unabhängig von der Erzeugung verteilt. Sie ersetzen fast alle bisherigen Erzeugerbeihilfen. Die Mitgliedsländer müssen die Betriebsprämie bis 2007 eingeführt haben (in den neuen Mitgliedsländern bis 2009).
- Die Ausgaben für Marktstützung und Direktbeihilfen. Diese werden von 2007 bis 2013 „gedeckelt“, d.h. es wurden Ausgabenobergrenzen festgelegt („Modulation“).
- Die Verstärkung der Entwicklung des ländlichen Raumes. Hier soll mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, u.a. indem größere landwirtschaftliche Betriebe weniger Direktbeihilfen beziehen, ein Ergebnis der Modulation.
- Die volle Zahlung der Direktbeihilfen, gekoppelt an die Einhaltung verbindlicher Vorschriften zu Umweltschutz, Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und der Erhaltung der Flächen, so dass diese in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand bleiben. Die Mitgliedsstaaten haben nun ein objektives und abgestuftes System zu etablieren, das die Empfänger der Direktzahlungen bei Verstößen gegen die geltenden Bestimmungen durch Kürzungen oder Aussetzung der Hilfen sanktioniert.

Doch auch nach der GAP-Neuregelung 2003 gerät Brüssel in das Visier der Kritiker. Nicht etwa die kleineren Agrarbetriebe, sondern Lebensmittelunternehmen und Großbetriebe würden weiterhin von den EU-Agrarsubventionen profitieren, berichten die F.A.Z. und NGO-online im März 2006.[12] Als Gründe werden u. a. die Exportsubventionen und die Interventionspreise genannt. Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) fordern daher von Landwirtschaftsminister Seehofer mehr Transparenz. Dänemark und Großbritannien veröffentlichen bereits, wer in welcher Höhe von EU-Subventionen profitiert. Auch eine Studie, die das Umweltbundesamt in Auftrag gab, zweifelt die Wirksamkeit der genannten Maßnahmen stark an.[13] Der überwiegende Teil der Agrarausgaben fördere negative Umweltauswirkungen, kritisieren die Umweltstiftung Euronatur und die Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft (AbL), zudem seien die Umweltprogramme zu wenig konkret. Als grundlegendes Defizit benennt die Studie, dass der größte Teil der Agrarausgaben weiterhin nicht an Umweltauflagen gekoppelt ist.

Genau hier setzen die Regelungen der „anderweitigen Verpflichtungen“ (Cross Compliance) an. Cross Compliance ist ein Instrument, mit dem Verstöße gegen geltendes Recht sanktioniert werden können, indem die Direktzahlungen an die Einhaltung von Auflagen gekoppelt sind: Wer die Verpflichtungen nicht einhält, dem kürzt der Staat die Direktzahlungen.

Das erklärte Ziel der Europäischen Kommission ist es, die Subventionen noch weiter von der Produktion zu entkoppeln und Ausnahmeregelungen vollständig zu streichen, so dass die Landwirte nur noch einmal im Jahr einen Beihilfeantrag stellen müssen und eine Art von Beihilfe erhalten: die Einheitliche Betriebsprämie (EBP), auch Single Farm Payment (SPS) genannt.[14] Damit kann sich der Landwirt bei Pflanzenauswahl stärker am Markt orientieren. Dieses Verfahren soll die Beantragung und auch die Kontrollen vereinfachen.[15]

Den Ländern der EU-15 räumte die EU Übergangsfristen ein, in der neben der EBP auch die „historischen“ Beihilfen kombiniert werden (siehe auch Kapitel 4.1); das bedeutet, dass die Höhe der EBP je Erzeuger variiert. Für die neuen Mitgliedsländer gilt eine einfachere Form der Flächenprämie: beim Single Area Payment Scheme (SAPS) wird ein einheitlicher Durchschnittsbetrag je Hektar für eine Region oder ein Land berechnet. Damit kommt allen Antragstellern der gleiche Pauschalbeihilfe zu, Beantragung und Kontrollen reduzieren sich auf ein Minimum. In dieser Variante kann zwischen Grün- und Ackerland differenziert werden.[16] Langfristig steht die EU-weite Anwendung der vereinfachten einheitlichen Flächenzahlungsregelung als konsequente Fortführung des Vereinfachungsprozess in Aussicht.[17]

2.2 Cross Compliance, allgemeiner Überblick

Die Möglichkeit, die Höhe der Direktzahlungen an die Einhaltung von Umweltauflagen zu binden, wurde bereits mit der Agenda 2000 eingerichtet. Die Bestimmungen zur „Einhaltung anderweitiger Verpflichtungen“ wurden im Rahmen der GAP-Reform 2003 beschlossen und sind in der Verordnung (EG) Nr. 1782/2003 konkretisiert. In Deutschland werden diese Bestimmungen unter dem Schlagwort „Cross Compliance“ seit 2005 schrittweise auf Länderebene umgesetzt.[18] Die im Falle einer Sanktionierung einbehaltenen Gelder sollen zweckgebunden in die Entwicklung des ländlichen Raumes fließen.

Das Umweltrecht ist längst im EU-Recht verankert. So stammen Vogelschutzrichtlinie und Grundwasserschutzrichtlinie beispielsweise aus dem Jahr 1979. Verstöße gegen das EU-Recht wurden bisher auf zwei Ebenen sanktioniert: Brüssel verhängt Strafen gegen Mitgliedsstaaten, wenn sie die EU-Richtlinien nicht fristgerecht in nationales Recht umsetzten. Die Mitgliedsländer ihrerseits wenden zivil- und strafrechtliche Mittel an, um die staatlichen Umweltgesetze gegen Verstöße durchzusetzen. Die europäischen Beihilfen an die Cross Compliance mit dem geltenden nationalen Recht zu binden ist hingegen neu.

Die Umsetzung der Verordnung (EG) Nr. 1782/2003 ist Sache der Mitgliedsstaaten, d.h. sie haben einen gewissen Spielraum, wie sie die „Einhaltung der anderweitigen Verpflichtungen“ gestalten. Deutschland setzt die Verordnung in drei Stufen um, die in den Jahren 2005 bis 2007 wirksam werden.

Die Regelungen der Cross Compliance umfassen die Einhaltung von 19 bereits geltenden EU-Richtlinien und -Verordnungen zu Umweltrecht und Tierkennzeichnung (in Deutschland ab 2005), zu Pflanzenschutz, Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit (ab 2006) sowie Tiergesundheit (ab 2007).[19]

Darüber hinaus formuliert die Direktzahlungsverpflichtungsverordnung neue Bestimmungen zur Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand. Hierunter fallen Regelungen zur Erosionsvermeidung, zur Erhaltung der organischen Substanz im Boden und der Bodenstruktur, zur Instandhaltung von aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen Flächen und zur Erhaltung des Dauergrünlandes. Die Bestimmungen dazu beziehen sich auf alle Produktionsbereiche und Flächen eines Betriebs, der Direktzahlungen erhält („Gesamtbetrieblicher Ansatz“), nicht nur auf jene Fläche, für die Beihilfe beantragt wurde.

Stellenweise formuliert die Verordnung (EG) Nr. 1782/2003 keine konkreten Ge- und Verbote zu den Inhalten der Cross Compliance. Hier sind die Mitgliedstaaten beauftragt, bestimmte Ziele durch nationales Recht zu definieren. Da in Deutschland die Bundesländer in einigen Fragen Gestaltungsspielraum besitzen, werden die Regelungen der so genannten anderweitigen Verpflichtungen von den Landesstellen veröffentlicht.[20]

Für acht der zehn neuen EU-Mitgliedsstaaten sind die Regelungen der anderweitigen Verpflichtungen jedoch nicht bindend, sondern fakultativ, weil sie ein anderes, vereinfachtes Modell der flächenbezogenen Direktzahlungen etablieren (vgl. Kapitel 5.3).[21]

3. Bodenschutz in Deutschland und Europa

Boden bildet sich extrem langsam und gilt damit als eine nicht erneuerbare Ressource. Als Lebendgrundlage heute, aber auch für zukünftige Generationen kommt dem Schutz des Bodens daher eine herausragende Rolle zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Erosion durch Wasser (links) und durch Wind (rechts). Quelle: MLUV 2004.

Bodenerosion, Verlust von organischer Substanz, Versiegelung und Verdichtung sowie Kontaminationen mit Schadstoffen oder zu starke Nährstoffeinträge verändern die Zusammensetzung des Bodens.[22] Die Form der landwirtschaftlichen Nutzung wirkt sich unmittelbar auf die Bodenstruktur und -zusammensetzung aus; sie bestimmt, ob erosive Prozesse gefördert oder vermindert werden, wo sich Schadstoffe und Düngemittel anreichern, in welchem Ausmaß organisches Material eingebracht oder dem Boden entzogen wird. Die durch Überweidung und das Plaggen beschleunigte Podsolierung der heutigen Heidegebiete bei Lüneburg, (siehe Abb. 1) ist ein anschauliches Beispiel für mögliche Folgen einer agrarischen Übernutzung, die die Degradation des Bodens fördert.[23] Ein markantes Beispiel hierzu ist Iowa, hier reduzierte sich die Ackerkrume durch ungünstige Bewirtschaftung seit 1880 von 100 cm auf 20 cm.[24] Dagegen dauert es in unserem Klima 100 bis 300 Jahre, bis sich eine Humusschicht von 1 cm Dicke bildet.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2:Erosionsgefährdete Flächen in Deutschland

URL:: http://www.env-it.de/umweltdaten/public/theme.do?nodeIdent=2899 Abrufdatum 15.05.20055

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hauptursache von Boden- und Stoffabträgen dar[26] (z.B. Starkregenereignissen und Erosion durch Wind, siehe Abb. 1). Die Erosionsgefährdung in Deutschland ist jedoch relativ gering und nur an wenigen Stellen sehr hoch. (siehe Abb. 2.)

Im europäischen Vergleich ist Deutschland Vorreiter im gesetzlich geregelten Bodenschutz. Die ersten Bodenschutzkonzeptionen wurden Mitte der 1980er Jahre vorgelegt, 1999 wurde das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) verabschiedet und durch die Bundes-Bodenschutzverordnung (BBodSchV) ergänzt.[27] Damit war die Grundlage geschaffen, den Schutz der Ressource Boden auch in anderen Rechtsbereichen zu definieren. Das deutsche Bodenschutzrecht zielt darauf ab, die Funktion der Böden zu schützen und wiederherzustellen.[28] Im deutschen Bodenrecht ist somit die „gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft“ bereits gefordert.[29]

Der Erhalt der Böden soll auch auf europäischer Ebene als Bodenrahmenrichtlinie umgesetzt werden. Die Bodenschutzforderung der GAP-Reform 2003 ist ein Teil der europäischen Bemühungen.[30] In Deutschland wurden die Rahmenbedingungen der deutschen Bodenschutzgesetzgebung und der europäische Agrarreform miteinander verknüpft, konkretisiert und in den nationalen Regelungen zur Cross Compliance messbar gemacht. So sind beispielsweise bodenerhaltende Kulturen und Fruchtfolgen festgeschrieben, andernfalls müssen die Landwirte in einer Humusbilanz beziehungsweise durch Bodenuntersuchungen nachweisen, dass bestimmte Grenzwerte eingehalten werden.[31]

4. Das Subventionsverfahren in Deutschland

Am 26. Juni 2003 haben die EU-Agrarminister sich in Luxemburg auf eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) geeinigt. Mit der Verordnung (EG) Nr. 1782/2003 des Rates vom 29. September 2003 wurden die Richtlinien für den Zeitraum von 2007 bis 2013 festgelegt. Die EU-Mitgliedsstaaten setzen diese Richtlinien seid 2005 in nationale Regelungen um und passen sie den landwirtschaftlichen Gegebenheiten des Landes an.

4.1. Allgemeine Charakteristika zur Landwirtschaft in Deutschland

Deutschland liegt im Zentrum von Europa. Seine Fläche beträgt 357050 km². Im europäischem Vergleich liegt es mit rund 17,0 Mio. ha landwirtschaftlich genutzter Fläche auf Platz 4( siehe Punkt 5 Abbildung 8) .Ca 60 Prozent der Betriebe bewirtschaften über 10 ha. (siehe Abb.4) Die Jahresdurchschnittstemperaturen machen je nach Region seit 1988 ca. 6 bis 11°C aus. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge betrug 700 bis 800 mm im Jahr. Der Bodenertrag ist im Vergleich zu den anderen EU Ländern nicht nur auf Grund des günstigen Klimas, sondern auch durch den hohen Einsatz von industriellen Produktionsmitteln (Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel) sehr hoch. Deutschland ist ein bedeutender Ex- und Importeur von Nahrungsmitteln, die Bruttowertschöpfung lag im Jahr 2004 bei rund 19 Milliarden Euro.[32] Der Landwirtschaft kommt zudem eine hohe Bedeutung für die Sicherstellung einer guten Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung zu angemessenen Preisen zu. So können gut 80 Prozent des Nahrungsbedarfs aus heimischer Produktion gedeckt werden.[33]

Derzeit sind rund 1,2 Millionen Menschen haupt- oder nebenberuflich in ca. 400 000 landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt. In den letzten Jahren haben sich immer mehr Betriebe entschlossen in Kooperationen zu gehen, die Produktion einzustellen bzw. in den Nebenerwerb zu wechseln.[34] Bereits 55 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten im Nebenerwerb (siehe Abb.3).

[...]


[1] vgl. Europäische Kommission (2006): Gesamthaushaltsplan der Europäischen Union für das Haushaltsjahr 2006, S. 6.

[2] vgl. Europa (o. J.a): Glossar: Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). URL: http://europa.eu.int/ scadplus/printversion/glossary/agricultural_policy_de.htm. Abrufdatum: 01.04.2006

[3] vgl. Europäische Kommission (2005): GAP – Die gemeinsame Agrarpolitik erklärt, S. 29.

[4] vgl. ngo-online (2006): „Hochgradig ungerecht verteilt“ Seehofer soll Empfänger der Agrarsubventionen nennen. URL: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=13129. Abrufdatum: 31.03.2006.

[5] vgl. Die Welt.de Im Agrarstreit kann Polen zum großen Verlierer werden URL http://www.welt.de/data/2005/06/22/735119.html URL: Abrufdatum 26.05.06

[6] vgl. Europa (o. J.a)

[7] vgl. Europäische Kommission (2005), S 1ff.

[8] vgl. ebenda, S. 9

[9] Europäische Kommission (2005), S. 1.

[10] Umweltbundesamt URL: http://www.umweltbundesamt.at/umweltschutz/landwirtschaft/gap_reform/ Abrufdatum 31.03.06

[11] vgl. Europa o. J.a, Europäische Gemeinschaften (2006): Vereinfachung der gemeinsamen Agrarpolitik - Fact Sheet, Europäische Kommission 2005, Pfeiffer u. Gröner 2002, Verordnung (EG) 1782/2003.

[12] vgl. F.A.Z. (2006): Brüssel unterstützt selbst Nestlé und die Queen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.03.2006, Nr. 63, S. 11.; ngo-online (2006)

[13] vgl. UBA (2002): Europäische Agrarsubventionen gehen zu Lasten der Umwelt. Gemeinsame Presse-Information mit der Umweltstiftung EURONATUR und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). URL: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presse-informationen/ pd13502.htm. Abrufdatum: 31.03.2006.

[14] vgl. Europäische Gemeinschaften (2006), S. 9.

[15] vgl. ebenda, S. 11 ff; Europa (2004b), S. 12 ff.

[16] vgl. ebenda, S. 10; Europa (2004b), S. 16 f.

[17] vgl. Europäische Gemeinschaften (2006), S. 13.

[18] vgl. BMELV (2006), S. 53.

[19] vgl. BMELV (2006), S. 53.

[20] vgl. BMELV (2006), S. 53 f.; StMLF (2006): Cross Compliance 2006. Einhaltung der anderweitigen Verpflichtungen in Bayern.

[21] vgl. Europäische Gemeinschaften (2006), S. 12.

[22] vgl. UBA (2004): Hintergrundinformation: Bodenschutz in der Europäischen Union (EU) voranbringen. S 1ff.

[23] vgl. Klugmann (Red.) (1982): Lüneburger Heide. In: Natur unserer Heimat 20 (1982): 1-97.

[24] vgl. Webgeo (2003): Bodenerosion – ein Weltproblem. URL: http://www.webgeo.de/module/ rahmen.php?string=1;g_030;2 Abrufdatum: 03.04.2006

[25] vgl. MLUV (2004): Vorsorgender Bodenschutz in der Landwirtschaft. URL: http://www.zalf.de/dbg/bodenerosion/fr_index.htm. Abrufdatum: 03.04.2006.

[26] vgl. LUA NRW (2005) Bodenerosion. URL: http://www.lua.nrw.de/index.htm?boden/flaechenbewirt/bodenerosion.htm. Abrufdatum: 03.04.2006.

[27] vgl. UBA (2004)

[28] vgl. ebenda

[29] vgl. MLUV (2004)

[30] vgl. MUFRLP europäischer Bodenschutz, URL: http://www.europa.int; URL: http://www.muf.rlp.de/boden_europaeisches_bodenschutzrecht_bodenschutzstrategie/ Abrufdatum 22.04.2006

[31] vgl. BMELV (2006), S. 57 ff.

[32] vgl. BMELV: Agrarstandort Deutschland URL: http//www.bmelv.de/cln_044/nn_750578/DE/04-Landwirtschaft/Landwirtschaft,temp. Abrufdatum 25.05.06

[33] vgl. BMELV : Landwirtschaft in Deutschland und der Europäischen Union 2006, Statistisches Bundesamt S. 15ff

[34] vgl. BMELV : Landwirtschaft in Deutschland und der Europäischen Union 2006, Statistisches Bundesamt S 15

Details

Seiten
43
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783668076099
Dateigröße
989 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87497
Note
2,0
Schlagworte
Vergleich Agrarsubventionssysteme

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Titel: Agrarsubventionen. Ein Vergleich der deutschen und polnischen Systeme