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Zwischen Amt und Markt - Dritter Sektor und NPOs

Seminararbeit 2007 17 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Dritten Sektors

3. Definition des Dritten Sektors
3.1 Forschungsergebnisse in den USA
3.2 Eingrenzung
3.3 Handlungslogiken
3.4 Funktionen

4. Der Dritte Sektor in Deutschland
4.1 Struktur
4.2 Zahlen zur Übersicht

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieser Ausarbeitung liegt ein Referat zugrunde, welches am 10. Mai 2007 im Rahmen der Lehrveranstaltung „Europäische Zivilgesellschaften im Wandel“ am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück gehalten wurde. Aufgabe und Ziel des Vortrages war es, eine Einführung in den Bereich des Dritten Sektors und der Nonprofit-Organisationen insbesondere in Deutschland zu geben.

Zu diesem Zweck werden zunächst in Kapitel 2 die Geschichte des Dritten Sektors und die Anfänge seiner Erforschung kurz skizziert.

Im darauf folgenden Kapitel wird eine Definition des Dritten Sektors vorgenommen. Dies bildet gleichzeitig den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. Ausgehend von US-amerikanischen Untersuchungen erfolgt eine Annäherung an den Begriff Dritter Sektor. Die – aus zu erklärenden Motiven - idealtypische Annäherung an den Begriff erfolgt durch die Gegenüberstellung des Dritten Sektors mit den anderen gesellschaftlichen Teilbereichen Markt, Staat und Familie. Hier sollen Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten dargestellt werden. Durch seine immanenten Handlungslogiken und Funktionen soll eine präzise Definition erarbeitet und als ein Ergebnis dessen auch die bereits im Titel dieser Arbeit vorgenommene notwendige Trennung von Dritter Sektor und Nonprofit-Organisationen herausgestellt werden.

Genauer untersucht wird das Verhältnis von Drittem Sektor und seinen Organisationen gegenüber dem Staat. Es soll herausgestellt werden, inwieweit die Demokratie und ihre Akteure stabilisiert oder destabilisiert werden könnten.

In Kapitel 4 wird schließlich näher auf den Dritten Sektor in Deutschland eingegangen. Es werden konkrete Forschungsergebnisse vorgestellt, anhand dessen sich eine Struktur des Dritten Sektors in Deutschland zeichnen lässt. Abschließend werden zur genaueren Charakterisierung einige Zahlen und Kennziffern aufgeführt und mit den erarbeiteten Erkenntnissen in Verbindung gebracht.

Eine abschließende Bewertung der Ergebnisse in der Schlussbetrachtung rundet die Arbeit ab.

2. Die Geschichte des Dritten Sektors

Die Anfänge der Erforschung des später so bezeichneten Dritten Sektors lassen sich in den amerikanischen Sozialwissenschaften finden. Hier wurde in den 1960er und 1970er Jahren entdeckt, dass es ein drittes Prinzip der Vergesellschaftung und Ressourcenbereitstellung neben dem Staat und dem Markt gibt. Der bereits erwähnte Begriff des Dritten Sektors wurde schließlich 1972 von Amitai Etzioni in die Forschung eingebracht.[1]

„Dieser Sektor stellte für ihn neben Markt und Staat einen eigenen unabhängigen gesellschaftlichen Bereich dar, der die Vorteile von Wirtschaftsunternehmen und staatlicher Koordination miteinander vereinigte.“[2]

Darauf aufbauend etablierte sich in den USA langsam die Forschung zum Dritten oder auch Nonprofit-Sektor. „Es dauerte jedoch einige Jahre, bis sich ein kohärentes und einigermaßen unverzerrtes Bild des amerikanischen Nonprofit-Sektors herausschälte.“[3]

In dieser Konsolidierungsphase des neuen Forschungssektors ergaben sich anfänglich zwei nicht unrelevante Fehleinschätzungen. Zunächst wurde angenommen, dass es sich bei dem Nonprofit-Sektor um ein rein amerikanisches Phänomen handele, das sich auf die zivilgesellschaftliche Tradition in den Vereinigten Staaten mit ihrer betonten Selbstverwaltung und Staatsferne insbesondere auf unteren Regierungsebenen zurückführen lasse.

Die zweite Fehleinschätzung bestand darin zu glauben, der Dritte Sektor entwickle sich am besten in Unabhängigkeit zum Staat und zu wohlfahrtsstaatlichen Programmen.[4] Adloff stellt fest: „Man stellte sich das Ganze als ein Nullsummenspiel vor: je weniger Staat, umso mehr Nonprofit-Organisationen und umgekehrt. Das Gegenteil ist jedoch richtig: der Nonprofit-Sektor hat seine zunehmende Bedeutung innerhalb des amerikanischen Wohlfahrtsstaats gewonnen, weil der Staat Nonprofit-Organisationen damit beauftragte, öffentlich finanzierte Dienstleistungen anzubieten.“[5]

Ende der 1980er Jahre wurde die sozialwissenschaftliche Forschung inbesondere durch das Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project unter der Leitung von Helmut K. Anheier und Lester M. Salamon maßgeblich vorangetrieben. Durch die Entdeckung, dass sich in allen modernen Gesellschaften ein ähnlich strukturierter Sektor finden lässt, konnte auch die oben beschriebene erste Fehleinschätzung korrigiert werden. Gleichzeitig bedeutete dies auch den Start der Forschung über Nonprofit-Organisationen in Deutschland.[6]

3. Definition des Dritten Sektors

3.1 Forschungsergebnisse in den USA

Der Dritte Sektor in den Vereinigten Staaten hat eine beeindruckende Entwicklung im 20. Jahrhundert zu verzeichnen. Die Wurzeln des Dritten Sektors erstrecken sich bis in das 19. Jahrhundert hinein, jedoch nahm die Expansion des Sektors erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Fahrt auf. So lag der Anteil der im Nonprofit-Sektor Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung bis 1960 bei etwa 3,7 Prozent. Im Jahr 2000 hatte sich dieser Anteil schon auf nahezu zehn Prozent gesteigert.[7]

Adloff macht unter Bezugnahme auf den Historiker David C. Hammack vor allem den gestiegenen Wohlstand der Amerikaner und die auch damit in Verbindung stehenden neuen staatlichen Sozialprogramme für diese Expansion verantwortlich. Adloff belegt: „Während das Spendenvolumen seit 1960 nur unwesentlich schwankte (zwischen 1,75 und 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), vervierfachte sich die Nachfrage nach Dienstleistungen in den Jahren 1945 bis 1990.“[8] Die Finanzierung der Differenz aus Spendenbeiträgen und ausgeweiteten Dienstleistungen sei durch bundesstaatliche Mittel erfolgt.[9]

Die Ausweitung der Sozialprogramme führte dazu, dass sich die Organisationen des Dritten Sektors immer stärker durch staatliche Beihilfen finanzierten. Seit den 1980er Jahren beträgt dieser öffentliche Anteil an allen Organisationen des Dritten Sektors etwa ein Drittel, unter den sozialen Dienstleistern sogar 50 Prozent.[10]

Gleichzeitig ist im selben Zeitraum auch eine Vermarktlichung des Sektors zu erkennen. Durch Kürzungen der staatlichen Mittel für die Sozialprogramme sind die verschiedenen Organisationen einem verschärften Konkurrenzdruck um die Zuteilung der knappen Gelder ausgesetzt. Mit dieser teilstaatlichen Finanzierung lässt sich der Sektor nicht mehr klar von den anderen teilgesellschaftlichen Sektoren Staat und Markt trennen. Durch die (finanzielle) Einflussnahme des Staates wird der Dritte Sektor zugleich Regeln des Marktes unterworfen. Adloff merkt dazu an: „Auf der einen Seite gibt der Staat Handlungsvollmachten durch die Delegation von Aufgaben an Privatorganisationen ab, auf der anderen Seite führt die öffentliche Finanzierung der Organisationen zu einer verstärkten staatlichen Einmischung in deren innere Strukturen. Auch die Übergänge zwischen Profit- und not-for-profit-Aktivitäten können fließend sein.“[11]

Dieser Feststellung geschuldet ist es dann auch, dass die im nächsten Kapitel versuchte Eingrenzung des Dritten Sektors im Gegensatz zu den genannten Bereichen Staat und Markt nur idealtypisch erfolgen kann.

[...]


[1] Vgl. Adloff 2005: S. 108

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Vgl. ebd.: S. 108f.

[5] Ebd.: S. 109

[6] Vgl. ebd.: S. 109ff

[7] Vgl. ebd.: S. 109f.

[8] Ebd.: S. 110

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. ebd.

[11] Ebd.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638032810
ISBN (Buch)
9783638930451
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87377
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Fachbereich Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Zwischen Markt Dritter Sektor NPOs Europäische Zivilgesellschaften Wandel

Autor

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