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Gruppenpädagogik - Wie hat sich die Gruppenpädagogik entwickelt und welche strukturellen Aufbau weist sie auf?

Hausarbeit 2006 27 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Hinführung zum Thema
Aufbau der Arbeit

2. Definition der Gruppenpädagogik
2.1. Abgrenzung

3. Geschichte der Gruppenpädagogik
3.1. Die geschichtliche Entwicklung bis 1945
3.2. Die geschichtliche Entwicklung nach 1945
3.3. Das „Haus Schwalbach“

4. Didaktische Prinzipien der Gruppenpädagogik (Haus Schwalbach)

5. Die Gruppe
5.1. Versuch einer Definition
5.2. Gruppenentwicklung
5.3. Konflikte in Gruppen
5.4. Bedeutung

6. Die pädagogische Grundsätze der Gruppenpädagogik

7. Handlungsfelder der Gruppenpädagogik

8. Kritik nach Jürgen Henningsen

9. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des Blockseminars „Gruppenpädagogik“ an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg erstellt und beschäftigt sich mit dem Thema der Gruppenpädagogik, ihrer Entwicklung und ihrem inhaltlichen Aufbau vor dem historischen Hintergrund.

Das Ziel der Arbeit ist es, darzustellen, worum es sich bei der Gruppenpädagogik handelt und welchen Status sie bis heute hat. Dabei soll folgende Frage in der Arbeit beantwortet werden: Wie hat sich die Gruppenpädagogik entwickelt und welchen strukturellen Aufbau weist sie auf?

Hinführung zum Thema

Für alle, die häufiger mit Gruppen arbeiten, ist es durchaus interessant und hilfreich, einmal genauer zu betrachten, nach welchen Strukturen Gruppen funktionieren, sich entwickeln und verändern. Seitdem die Gruppenpädagogik bewusst als Methode der sozialen Arbeit wahrgenommen und genutzt wird, wird auch nach einer klaren und allgemeingültigen Definition dafür gesucht, die auch einen wichtigen Aspekt dieser Arbeit darstellt.

Die soziale Gruppenarbeit findet unter anderem in der Gesundheits-, Sozial- und Jugendhilfe sowie in der Erziehung und Erholung statt und ist in diesen Bereichen eine helfende Methode. Sie wird aber auch in anderen Gruppen eingesetzt die verschiedene Ziele und Interessen haben.
In all diesen Gruppen können die unterschiedlichsten Menschen Mitglieder sein, z.B. Gesunde oder Kranke oder Menschen mit verschiedenen Interessen, die sich zu einer Gruppe zusammenschließen. Bedeutend ist dabei immer die Interaktion zwischen den Einzelnen in der Gruppe.

Aufbau der Arbeit

Die Arbeit unterteilt sich in 9 Kapitel und ist folgendermaßen aufgebaut.

Das zweite Kapitel behandelt die konzeptionelle Klärung und die Abgrenzung des Begriffs Gruppenpädagogik. Dieses Kapitel dient der Einführung und soll den Leser auf das Themengebiet einstimmen und ihm erste wichtige Informationen liefern.

Das dritte Kapitel liefert einen geschichtlichen Überblick zur Entwicklung der Gruppenpädagogik. Hier wird speziell auf die Wurzeln der pädagogischen Methode vor und nach 1945 eingegangen. Des Weiteren wird das Haus Schwalbach vorgestellt, welchem für die Gruppenpädagogik immer noch eine sehr große Bedeutung zugesprochen werden kann.

Im vierten Kapitel werden die didaktischen Prinzipien des Hauses Schwalbach für die Gruppenpädagogik beschrieben. Hierfür werden die Grundsätze der Diskussion, der Visualisierung und der kommunikativen Didaktik angesprochen und näher beleuchtet.

Der wichtigste Arbeitsgegenstand der Gruppenpädagogik ist die Gruppe. Das fünfte Kapitel stellt hier den Versuch einer Definition vor und erarbeitet auf diese Weise die Grundlagen der Gruppe. Einen besonderen Raum nimmt dabei die Gruppenentwicklung ein. Sie wird in ihrem Verlauf genau beschrieben, wobei auftretende Schwierigkeiten wie, die der Konfliktbewältigung nicht außer Acht gelassen werden. Zum Schluss wird die Bedeutung der Gruppe klar herausgearbeitet.

Das sechste Kapitel erläutert die fünf Grundsätze der Gruppenpädagogik, die sich aus den Grundprinzipien entwickelt haben. Die Leitsätze sollen jedoch nicht als rezeptartige Anwendung dienen, sondern vielmehr eine Grundlage für die erfolgreiche Leitung einer Gruppe.

Das siebte Kapitel bezieht sich auf die Handlungsfelder der Gruppenpädagogik. Hierbei wird die Arbeit mit Kindern besonders in den Vordergrund gestellt. Dazu wird erläutert welche Methoden für die Kompetenzentwicklung der Kinder geeignet sind und welche Bedeutung dies für sie haben kann.

Das achte Kapitel hat die Kritik an der Gruppenpädagogik zum Inhalt. Hier wird mit Hilfe der Ausführungen von Jürgen Henningsen klar gemacht, dass es sich nicht um eine vollendete pädagogische Methode handelt. Im Einzelnen werden die Vorteile und Nachteile der Gruppenpädagogik vorgestellt.

Im abschließenden neunten Kapitel wird der Inhalt der Arbeit zusammengefasst und auf die gestellte Frage aus der Einleitung eingegangen, sowie ein kurzer Ausblick der Gruppenpädagogik geliefert.

2. Definition der Gruppenpädagogik

Dem Begriff „Gruppenpädagogik“ werden zahlreiche Bedeutungen zugesprochen. Was genau darunter verstanden wird, ist in der Literatur nicht eindeutig bestimmt. Allerdings teilt die Gruppenpädagogik dieses Schicksal mit den meisten Grundwörtern des pädagogischen Lebens, wie es Jürgen Henningsen (1959; S. 141) in seinen Aufzeichnungen beschreibt.

Bevor der Begriff nun von weiteren wichtigen pädagogischen Begriffen abgegrenzt wird (siehe Unterpunkt 2.1. „Abgrenzung“), soll der Versuch, die Gruppenpädagogik näher zu definieren nicht ausbleiben. Eine gute Grundlage zu dieser Thematik bildet der Definitionsversuch von Walter Kamps, weil er den Begriff Gruppenpädagogik nicht nur oberflächlich behandelt, sondern auch die einzelnen Handlungsstrukturen der Beteiligten in einer Gruppe aufgreift. So versteht er unter der Gruppenpädagogik, Handlungen die sich darauf richten, Menschen zu befähigen, gemeinsam Interessen und Bedürfnisse zu identifizieren. Aus eben diesen Bedürfnissen werden nach Kamps (1996) Handlungsziele entwickelt und kooperativ in der Gruppe verwirklicht. Auf diese Weise wird die Selbstkompetenz, Sozialkompetenz und Sachkompetenz von jedem Gruppenmitglied gefördert (vgl. Kamps, W. 1996, S. 1).

2.1. Abgrenzung

Im wachsenden Maße werden heute im Bereich der Erwachsenenbildung und der Schule Fragen des Gruppenunterrichtes diskutiert. Dabei verwenden die Autoren der Fachliteratur Begriffe wie Gruppenarbeit, Gruppenunterricht, Gruppenerziehung und Gruppenpädagogik auf sehr unterschiedliche Weise. Deshalb ist es notwendig, diese Begriffe kurz zu erläutern und insbesondere vom Begriff der Gruppenpädagogik abzuheben.

Unter dem Ausdruck Gruppenarbeit versteht eine Form des Gruppenlernens im schulischen und außerschulischen Bildungs- und Weiterbildungsbereich als eine Methode der Unterrichtsgestaltung.

Der Gruppenunterricht bezeichnet in erster Linie den Zusammenschluss verschiedener Unterrichtsgegenstände, dem sich das Lernen in Gruppen (Klassenverband) anschließt (vgl. Rittelmeyer, Ch. 1980, S. 12).

Die Gruppenarbeit eignet sich hierbei als gelungene Alternative zum Frontalunterricht. Zur Gruppenarbeit und dem Gruppenunterricht fügt sich die Gruppenerziehung hinzu. Sie kann als sozialpädagogische Aufgabe des Pädagogen verstanden werden.

Letztendlich enthält die Gruppenpädagogik die Elemente der vorgestellten Gruppenarbeit. Genauer umfasst sie Erziehung, Bildung und die Lernprozesse von und in Gruppen. Die Gruppenpädagogik weist also auf eine besondere Ziel- und Zwecksetzung der Gruppenarbeit hin. Die erzieherische Absicht steht hier besonders im Vordergrund (vgl. Schmidt- Grunert, M. 1997, S. 58).

Kamps (1996; S. 1) beschreibt weiter, dass der Begriff Gruppenpädagogik bewusst erst in den 50er Jahren durch Magda Kelber in die pädagogische Diskussion eingeführt wurde. Jedoch gab es den Sachverhalt, den dieser Begriff beinhaltet, schon wesentlich früher.

Im Folgenden der Arbeit wird dazu die geschichtliche Entwicklung der Gruppenpädagogik in einigen Auszügen vorgestellt.

3. Geschichte der Gruppenpädagogik

3.1. Die geschichtliche Entwicklung bis 1945

Erste Wurzeln der Gruppenpädagogik sind bereits in der Sozialpädagogik von Johann Heinrich Pestalozzi (1746- 1827) zu finden (vgl. Kelber, M. 1971, S. 21). In seiner Funktion als Leiter der Armenanstalt in Stans (1799) versuchte er seine Erziehungsideale, in der von ihm aufgenommenen Kindergruppe, umzusetzen. Dabei folgte er seinem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“. In der Gemeinschaft und in der Familie sollten seine Schützlinge mit ihrer Umwelt konfrontiert werden. Pestalozzi betrachtet dabei die Familie vorwiegend als Erziehungsorgan und als Gruppe mit fördernden und hemmenden Erziehungselementen (vgl. Rapold, M. 2003, S. 3).

Auch das Gedankengut des Friedrich Willhelm August Fröbel (1782- 1852) berief sich auf die Arbeit mit Kindern in Gruppen (vgl. Kelber, M. 1971, S. 21). Inspiriert durch den Schweizer Pädagogen (Pestalozzi) gehen auf Fröbel zahlreiche Gründungen von Pflege-, Spiel- und Beschäftigungsanstalten, sowie Kindergärten zurück. „Kinder sollten hier durch planvoll gruppierte Bewegungs- und Geistesspiele, Sprüche, Lieder bei ständiger Berührung mit der Natur (und) ihrem Alter entsprechend allseitig angeregt und angeleitet werden“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_August_Fr%C3%B6bel; 23.06.2006).

Ende des 19. Jahrhunderts sollten die Grundzüge der Gruppenpädagogik auch Einzug in die damals aufkommende Reformpädagogik erhalten. Mit der Jugendbewegung, der modernen Kunsterziehung, den Heimvolkschulen und der Arbeiterschule, wurden neue wichtige Prinzipien aufgestellt. Dazu gehörte die Selbsttätigkeit der Schüler, das freie Gespräch, Erlebnispädagogik, Schulgemeindepädagogik und praktische Tätigkeiten. (vgl. Rapold, M. 2003, S. 1 ff.).

Zu den besonders namhaften Vertretern der Reformpädagogik gehört Berthold Otto (1859- 1933). Die wesentlichen Grundzüge seiner Pädagogik prägen das schulische Leben bis heute. So findet Unterricht nach seinen Vorstellungen in kleinen Lerngruppen mit zehn bis zwölf Schülern statt. Daraus ergibt sich nach Otto eine überschaubare Situation für alle Gruppenmitglieder (Schüler und Lehrkräfte). Die Folge ist ein angstfreies Lernen in einer vertrauten Atmosphäre

(vgl .http://www.berthold-otto-schule.de/ueberuns/_ueberuns.htm; 26.06.2006).

Der Reformpädagoge Peter Petersen (1884- 1952) wandte sich ebenso wie viele seiner Mitstreiter (auch Fröbel) von den vorherrschenden geistigen Leitideen der Pädagogik ab. Seine Grundfrage befasste sich mit der Beschaffenheit der Erziehungsgemeinschaft, in der ein Mensch seine Individualität und ein Kind die beste Bildung erwerben kann. In diesem, seinem Konzept verschmolzen Theorie und Praxis, Lehre und Forschung zu einer bis dahin noch nie da gewesenen Einheit. In seinem Jena- Plan setzte er diese Einheit erfolgreich um. Dabei stand für Petersen das gemeinschaftliche Lernen in Form eines Gruppenunterrichtes im Mittelpunkt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Petersen_%28P%C3%A4dagoge%29; 23.06.2006).

Die Wurzeln der Gruppenpädagogik sind allerdings nicht nur bei bedeutenden Pädagogen zu finden. Wissenschaften wie die Gruppenpsychologie, die Anthropologie und die Soziologie steuerten ebenfalls wesentliche Erkenntnisse bei und erhielten als Grundlagenwissenschaften eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Gruppenpädagogik (vgl. Kelber, M. 1971, S. 21).

Kelber (1971; S. 21 ff) bezieht sich in ihren Aufzeichnungen ebenso auf den Ländervergleich zwischen Deutschland und den USA. Sie vermerkt, dass die Entwicklung der Gruppenpädagogik in Deutschland ab 1933 jäh unterbrochen wurde. Hingegen konnte die Gruppenpädagogik in den USA mit viel größeren Kräften und Mitteln vorangetrieben werden. Hier hatte die Kleingruppenforschung bedeutsame Erkenntnisse über das Verhalten von Menschen in Gruppen gewonnen (vgl. Kamps, W. 1996, S. 3). Amerikanische Erziehungsphilosophen wie Dewey erarbeiteten wesentliche Grundlagen einer demokratischen Gemeinschaftserziehung. So entwickelte sich dort neben der schulischen Gruppenpädagogik die soziale Gruppenarbeit, eine Methode der Sozialarbeit als Alternative zur klassischen Einzelfallhilfe (vgl. Rittelmeyer, Ch. 1980, S. 19).

In Deutschland geriet die Gruppenpädagogik erst nach 1945 näher in den Mittelpunkt der pädagogischen Diskussionen.

Im folgenden Kapitel wird speziell auf die gruppenpädagogische Entwicklung in Deutschland nach 1945 eingegangen. Dabei steht besonders die Gründung des Hauses Schwalbach im Fokus der Ausarbeitung.

3.2 Die geschichtliche Entwicklung nach 1945

Nach Hans- Joachim Puch (2005) wurde die zukünftige Entwicklung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg zunächst durch die Umstrukturierung der westlichen Siegermächte bestimmt. Die Alliierten sahen ihre Aufgabe darin, den bis dahin typisch deutschen „Nationalcharakter“ und die antidemokratische Tradition in Deutschland langsam aufzulösen. Der erste Schritt war, den Deutschen demokratische Grund- und Werthaltungen beizubringen. „Zu diesem Zwecke sollten so genannte Multiplikatoren (Lehrer, Journalisten, Poli­tiker, Gewerkschafter, Sozialarbeiter usw.) an einem internationalen Kontakt- und Be­suchsprogramm in den USA teilnehmen und ihre Erfahrungen später in Deutschland wei­tergeben“ (Puch, H.- J. , 2005; S. 21). Dieses Besuchsprogramm bestand hauptsächlich aus Rundreisen und Hospitationen.

Ziel war es, den deutschen Teilnehmern demokratische Verhaltensweisen durch vorbildhaftes und demokratisches Zusammenleben zu vermitteln. Ergänzt wurde das Programm durch den Besuch amerikanischer Expertinnen und Experten, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen an die Multiplikatoren weiter gaben.

An der Gründung des Hauses Schwalbach lässt sich der Einfluss dieser Erziehungs- Programme sehr gut verdeutlichen.

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638043588
ISBN (Buch)
9783640859191
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87272
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,5
Schlagworte
Gruppenpädagogik Aufbau

Autor

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