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Techno - eine neue Kommunikationsform

Magisterarbeit 2001 105 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Methodik

2 Jugendsprache
2.1 Der Jugendbegriff
2.2 Begriffsklärung Jugendsprache
2.3 Jugendsprache und Standardsprache
2.4 Rückblick auf die deutsche Jugendsprachforschung
2.5 Merkmale von Jugendsprache

3 Technokultur
3.1 Musikalische Bestimmung
3.2 Geschichte
3.2.1 Geräusche und elektronische Klänge
3.2.2 Namensgebung House und Techno
3.2.3 Die Entwicklung in Europa
3.3 Zentrale Begrifflichkeiten
3.3.1 Der Warm-Up
3.3.2 Die Location
3.3.3 Der Rave
3.3.4 Der Chillout
3.3.5 Die Afterhour
3.3.6 Der Track
3.4 Discjockey-Musik
3.5 Autorbegriff und Kunstwerk
3.6 Lebensstil Techno
3.6.1 Tanz
3.6.2 Selbstverständnis
3.6.3 Musikstile
3.6.4 Mode
3.6.5 Körperlichkeit
3.6.6 Die Droge Ecstasy
3.6.7 Magazine und Fanzines
3.6.8 Flyer
3.7 Mentalitätsmuster der Technokultur
3.7.1 Technophilie
3.7.2 Mißbrauch der Geräte
3.7.3 Zukunftsorientierung
3.7.4 Kommunikation durch Konsum
3.7.5 Kollektivität vs. Egozentrizität
3.7.6 Spaß
3.7.7 Globalität, Lokalität - Glokalisierung
3.8 Das Prinzip Sampling

4 Kommunikationsform Techno
4.1 Der kommunikative Rahmen
4.2 Analyse von Musik-Charts
4.2.1 Vorgehensweise
4.2.2 Sprache und Mentalitätsmuster
4.3 Kommunikation in Medien
4.3.1 Tonträger
4.3.2 Musikrezensionen
4.3.3 Die Sprache in Fanzines
4.3.4 Externe Medien über Techno
4.3.5 Techno in Literatur und Dichtung
4.4 Merkmale von Technokommunikation
4.4.1 Sprachspiel
4.4.2 Sprachsampling
4.4.3 Kommunikation in Netzwerken
4.4.4 Zentrierung um wenige Themen
4.4.5 Anonymität des Autors
4.4.6 Slogans
4.4.7 Inhaltslosigkeit
4.5 Techno - eine sprachlose Kultur

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
A Korpus Technocharts
B Bootlegging
C Flyer
D Anonymität der Künstler
E Raveline
F Visualisierung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einführung in das Thema

„Die goldenen Techno-Zeiten sind vorbei“1, ist im Discoführer für Deutschland zu lesen. Doch im Jahr 2001 ist „Techno“2 noch immer einer der innovativsten Bereiche der deutschen Jugend- und Popkultur. In den letzten zehn Jahren hat sich Techno in Deutschland in vielfältiger Form präsentiert, wobei deutlich wurde, daß er mehr als ein kurzlebiger Trend ist. Inzwischen begegnet Techno vielen Men- schen in ihrem Alltag, ohne daß es ihnen sonderlich auffällt. Im Radio und im Supermarkt läuft Technomusik. Die Fernsehsender unterlegen Vorschauen und Trailer des Abendprogramms mit Technomusik; Marketing-Konzepte von Inter- netfirmen und seriösen Banken bedienen sich ästhetischer Elemente der Techno- kultur. Das augenfälligste Phänomen des Techno ist sicherlich die Berliner Love- parade, zu der sich jedes Jahr über eine Million Protagonisten dieser jugendlichen Praxis friedlich versammeln, um sich selbst und ihren Lebensstil zu feiern. Das Ausmaß dieser Veranstaltung beschreibt ein Augenzeuge:

„Es war die größte Party der Welt. Doppelt so viele Leute wie bei Woodstock, zehn mal mehr als beim Besuch des Papstes, mehr als bei der Wiedervereini- gungsfeier, dreimal soviel los wie beim Gewinn der Europameisterschaft.“3

Kaum eine kulturelle Strömung der letzten Jahre konnte derart polarisieren wie Techno. Die Wirtschaft schwärmt von der hohen Kaufkraft des auf Konsum fi- xierten Technoklientels, Soziologen sehen in Techno ein Ende der klassenspezifi- schen Vergemeinschaftungen und die Medizin erforscht die Auswirkungen von Designerdrogen und lautstarker Musik auf die Körper jugendlicher Raver4. Kul- turkritiker hingegen warnen vor Massenkultur, Kritiklosigkeit und Werteverfall. Politiker und Kirchen benutzen Techno, um ihr konservatives Image zu verbes- sern. So hieß die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai 1998 in Schwerin analog zur Loveparade Job-Parade und die evangelische Kirche versuchte zeitweise, mit Techno-Gottesdiensten Jugendliche an sich zu binden.

Techno ist nach anfänglicher Zurückhaltung der Wissenschaft inzwischen aus nahezu allen Perspektiven analysiert und erklärt worden. Lediglich im sprachwis- senschaftlichen Bereich finden sich bisher keine ausführlichen Untersuchungen, die sich ausschließlich mit Techno befassen. Das mag daran liegen, daß zu Technomusik für gewöhnlich nicht gesungen wird und es folglich auch keine interpretierbaren Texte gibt. Diese Erscheinung wird von den Feuilletons auch als Inhaltslosigkeit und „Sprachverweigerung“5 ausgelegt.

Dennoch widmet sich diese Arbeit der Technokultur und ihrem Umgang mit Sprache, denn ganz ohne Sprache kommt Techno nicht aus. Wichtige Begriffe und Redewendungen der Technoszene werden aufgeführt, ihre Bedeutung erklärt und ihre Verwendungsweise erläutert. Es wird gezeigt, wie Sprache im Kontext von Techno mit technospezifischen Mitteln verwendet wird und welche Folgen sich daraus ergeben.

Genau wie frühere Kulturphänomene läßt sich Techno als Spiegel, vielleicht sogar als Katalysator gesellschaftlicher Umwälzungen begreifen. Die Bruchstelle zu früheren Erscheinungen liegt darin, daß sich diese Erscheinung in erster Linie nicht als alternativer Protest gegen bestehende Verhältnisse versteht, sondern als Bestätigung der bestehenden Verhältnisse unter Betonung des individuellen Ver- gnügens.

1.2 Ziele der Arbeit

Diese Arbeit ist eine Systematisierung der übereinstimmenden Elemente von kultureller und sprachlicher Praxis. Die Prämisse ist, daß diese Praktiken in einem Wechselverhältnis zueinander stehen.

Da die Technokultur noch keine langen Traditionen aufweist, soll eine synchrone Bestandsaufnahme eines lebendigen, sich wandelnden Organismus erstellt wer- den. Ausgangspunkt dafür soll der Diskurs der Jugendsprachforschung sein, an den diese Arbeit anknüpfen will. Jugendsprachlich produktive Strukturen der Technokultur sollen als ein überregionales Phänomen beschrieben und erklärt werden. In Hinblick auf Techno als Lebensstil und Kommunikationsform sollen die Begrifflichkeiten, Werte und Verhaltensweisen der Technokultur eingehend erläutert werden. Das Prinzip des Samplings soll als ein durchgängig angewand- tes, die Kommunikationsform Techno charakterisierendes Verfahren in Musik, Mode, Graphik und Kommunikation herausgestellt werden. Es soll gezeigt werden, daß Techno nicht inhaltslos ist, sondern mit Inhalten anders umgeht, als andere kulturelle Phänomene.

1.3 Methodik

Um die genannten Ziele erreichen zu können, ist es notwendig, Quellen einzube- ziehen, die Einblicke in die kulturellen und sprachwissenschaftlich relevanten Zusammenhänge von Techno geben. Es gibt primäre Quellen, hauptsächlich sind diese Selbstdarstellungen der Szene, die in Form von Tonträgern, Büchern, Maga- zinen und Artikeln vorliegen. Kulturexterne, sekundäre Quellen wollen Techno aus einer Außenperspektive heraus systematisieren und verstehen. Diese finden sich in Tageszeitungen, Wochenmagazinen und wissenschaftlichen Untersuchun- gen über Techno.

Diese traditionelle Unterscheidung wird im Literaturverzeichnis jedoch nicht fort- geführt, da einige Werke, die einen Überblick über Techno geben wollen und da- mit eigentlich zur Sekundärliteratur zu rechnen sind, z.B. Localizer6, aufgrund ihrer technospezifischen Gestaltungsweisen wiederum als Quelle angesehen wer- den können. Eine Teilung in Quellen und Sekundärliteratur würde der Übersicht- lichkeit schaden. Aus diesem Grund ist das Literaturverzeichnis vereinfachend rein alphabetisch angeordnet.

Darüber hinaus ist es notwendig, die Mechanismen der kulturellen Praxis Techno zu berücksichtigen, zu erleben und zu verstehen. Deshalb habe ich zur Vorberei- tung auf diese Arbeit Orte technokultureller Praxis besucht und dort teilnehmend beobachtet. Weiterhin habe ich von Freunden und Bekannten, die aufgrund ihres Alters an Techno partizipiert haben oder noch immer Teil der Szene sind, Infor- mationen erhalten.

Ich habe versucht, die Technokultur zu verstehen, um ihre Kommunikationen erklären zu können. Dabei gehe ich von der These aus, daß sich eine Jugendkultur durch Anwendung und Durchsetzung bestimmter Prinzipien, Interessen und Präferenzen entwickelt, die unter anderem auch in sprachlichen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen. Diese fallen in das Gebiet der Jugendsprachforschung, in deren Rahmen diese Arbeit einzuordnen ist.

In Anlehnung an die Subkulturanalysen im Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS)7 durch CLARKE ET. AL.8 und an die soziologischen TechnoForschungen HITZLERS9 werden ethnographische Methoden zur Beschreibung der jugendlichen Teilkultur Techno verwendet. Die Cultural Studies sind vornehmlich im angelsächsischen Akademiebetrieb etabliert. Sie sind nicht als eine abgeschlossene Disziplin, sondern eher ein als in verschiedenen Disziplinen und über deren Grenzen hinaus praktizierter Forschungsstil zu begreifen.

Weiterhin werden Methoden der Soziolinguistik10 verwendet, da eine rein sprachliche Untersuchung nur deskriptiv wäre und keine ausreichende Erklärung der Phänomene bieten würde.

Einige der verwendeten Texte sind ausschließlich oder ergänzend im Internet on- line abrufbar.11 Da die Gültigkeit von Hyperlinks wegen des dynamischen Cha- rakters des World Wide Web nicht immer gewährleistet ist, wurden die Textdatei- en zur besseren Verfügbarkeit der Quellen für diese Arbeit zum Zeitpunkt ihrer Drucklegung zentral auf der Seite http://www.fortunecity.de/tatooine/kubrick /121/artikel.htm zusammengestellt.

2 Jugendsprache

Es wird davon ausgegangen, daß Techno hauptsächlich von Jugendlichen konsu- miert und praktiziert wird und deshalb die Kategorien der Jugendsprachforschung zur Untersuchung der Kommunikationsform Techno heranzuziehen sind. Die Ju- gendsprachforschung wird als Ausgangspunkt für die Darstellung und Untersu- chung von Techno verstanden. Hierzu ist zunächst der Begriff Jugend zu klären, denn dieser wird in der Forschung uneinheitlich behandelt.12 Daran anschließend wird der Begriff Jugendsprache erläutert und von der Standardsprache abgegrenzt. Es folgt ein kurzer historischer Überblick über die deutsche Jugendsprachfor- schung und eine Darstellung einiger wichtiger Merkmale von Jugendsprache.

2.1 Der Jugendbegriff

Jugend als eigenständige Lebensphase neben Kindheit, Berufsleben und Alter entstand mit der Einführung von Universitäten und Schulen. Wurde der Begriff um die Jahrhundertwende vorwiegend unter biologischen und anthropologischen Gesichtspunkten gesehen, betrachtet man Jugend heute auch als soziales, juristi- sches, psychologisches und kulturelles Phänomen. Dieses beginnt mit dem Ein- setzen der Pubertät, mit ca. 13 Jahren und endet mit ca. 21 Jahren, wobei das Ende oftmals nicht genau zu bestimmen ist. Jugend ist also die Zeit, die zwischen El- ternhaus und dem selbständigen Erwachsensein liegt und den Jugendlichen sozu- sagen gesellschaftliches Handeln auf Probe gestattet. Bedingt durch zunehmend früher einsetzende Reifeprozesse, die Verlängerung der allgemeinen Lebenser- wartung und durch die Verlängerung der durchschnittlichen Ausbildungsdauer beginnt Jugend immer eher und dauert immer länger. Die immer deutlicher in Erscheinung tretende Phase der verlängerten Jugend nach der Schulausbildung bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts heißt Post-Adoleszenz13. Oftmals befreit vom Zwang zu wirtschaftlicher Selbständigkeit, haben die Jugendlichen in dieser Phase die Möglichkeit, ihre Identität auf sozialer, moralischer, intellektueller, po- litischer und sexueller Ebene herauszubilden. Mit Jugendlichen sind im folgenden junge Menschen zwischen 13 und 30 Jahren gemeint, die einen generationsspezi- fischen Lebensstil pflegen, „der sich vor allem durch ‚eigene’ Verhaltensweisen und Ausdrucksformen sowie besondere Werte und Normen auszeichnet.“14 Die sich so äußernde Kulturform wird im Sinne von BAACKE „Jugendkultur“15 genannt, der den Begriff vom Verständnis GUSTAV WYNEKENS16 ableitet. Mit diesem weitgefaßten Verständnis von Jugend kann man die Technoszene aufgrund ihrer Altersstruktur als Jugendszene auffassen.

2.2 Begriffsklärung Jugendsprache

Der Terminus Jugendsprache wird in der Forschung nicht einheitlich verwendet. Man spricht von einem „definitorischem Dilemma“17, das darin begründet ist, daß man sich über eine Bestimmung der untersuchten Sprechergruppe sowie der Grenzen zwischen Reichweite und Sachspezifik nicht einig ist. Je nach Gewich- tung wird „die Sprache der Teenager und Twens“18 als „Soziolekt“19, „Scene- Deutsch“20, „transitorischer Soziolekt“21, „Sondersprache“22 oder „altersspezifi- sche Varietät“23 bezeichnet. EICHINGER zählt Jugendsprache einerseits zu den Sonder- und Fachsprachen, da bestimmte Sachbereiche sprachlich professionell behandelt werden. Andererseits verbirgt Jugendsprache spezielle Sachverhalte vor Außenstehenden, so daß er zudem die Zuordnung zu den Geheimsprachen ver- tretbar hält. Darüber hinaus rechnet er sie zu den Gruppensprachen24, da sie vor- wiegend von einer gesellschaftlichen Gruppe benutzt wird. Dem widerspricht hin- gegen BAUSINGER25, der den Begriff Kontrasprache bevorzugt, weil ein Jugendli- cher nicht nur einer, sondern mehreren gesellschaftlichen Gruppen zugehörig ist.

In allen Fällen sind mit Jugendsprache jedoch altersspezifische Phänomene gemeint, die sich in "sprachlicher, grammatikalischer lautlicher und wortbildungsspezifischer Hinsicht deutlich von der Standardsprache abheben."26 Eine ausführlichere Definition in Anlehnung an PÖRKSEN, HENNE und JAKOB findet sich bei BUSCHMANN. Demnach bezeichnet Jugendsprache „die Gesamtheit hochgradig inhomogener Stile einer Generationspopulation mit spezifischen/typischen sprachlichen Abweichungen vom vorausgesetzten Stan- dard, denen bestimmte Motivationen (besonders: Selbstprofilierung) zugrunde liegen und deren Merkmale beschreibbar sind. Zur Sprechergruppe gehören Men- schen, die die biologische Reife erreicht haben, aber nicht die soziale.“27

2.3 Jugendsprache und Standardsprache

Die Standardsprache stellt „innerhalb einer Gesamtsprache das räumlich nicht begrenzte Sprachsystem der öffentlichen und privaten Kommunikation mehrerer sozialer Gruppen“28 dar. Sie ist die Einheitssprache des Deutschen, auf die sich viele regionale, soziale und fachliche Varietäten beziehen. Eine Gruppierung von Sprechern, die sich einer von der Standardsprache abweichenden Varietät bedient, ist durch außersprachliche Merkmale wie soziale, sachlich-begriffliche, geschlechts- und altersspezifische Sonderungen gekennzeichnet. Diese Varietäten bezeichnet man auch als Sondersprachen.29

Die Merkmale, die eine Abgrenzung der Gruppierung Techno von anderen ju- gendlichen Sprechern ermöglichen, sollen in dieser Arbeit systematisch erarbeitet werden. Zu beachten ist jedoch, daß auch eine Varietät wie die Jugendsprache mit der Untergruppierung Technokultur immer nur ein Teil der deutschen Standard- sprache ist und sich insofern in einem stetigen Wechselverhältnis zu ihr befindet. Jugendsprache „setzt die Standardsprache voraus, wandelt sie schöpferisch ab, stereotypisiert sie zugleich und pflegt spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels.“30 So etwas wie eine reine Jugendsprache kann es deshalb nicht geben. Auch die Möglichkeit einer reinen Technosprache ist damit ausgeschlossen. Ein Jugendlicher ist zudem immer auch in andere Sprachsysteme eingebunden, z.B. als Schüler, Sportler, Kind der Eltern, etc. „Ein und derselbe Jugendliche kann alle Szenen durchlaufen, sozusagen der Reihe nach, er kann aber auch, zumindest teilweise, an mehreren Szenen gleichzeitig partizipieren.“31

2.4 Rückblick auf die deutsche Jugendsprachforschung

Der heutigen Jugendsprachforschung geht die Untersuchung der Gauner-, Solda- ten-, Studenten- und Pennälersprache im 19. Jahrhundert voraus, bei der man da- von ausging, daß Jugendsprache allein unter dem Aspekt des immer schon vor- handenen Generationenkonflikts zu verstehen sei.32 Schon damals werden auf sprachlichem Gebiet gruppeninterner, institutioneller und hyperbolischer Sprach- gebrauch als konstitutive Merkmale jugendlichen Sprechens festgestellt.33

Die traditionelle Jugendsprachforschung, wie sie auch heute noch betrieben wird, beginnt nach 1945. Nach dem 2.Weltkrieg haben die britische und die amerikanische Popkultur einen großen Einfluß auf deutsche Jugendliche. Dieser Einfluß wird Amerikanisierung34 genannt. Er ist einerseits durch den Kontakt zu der alliierten Besatzungsmacht begründet, als auch durch die Abneigung, die die Jugendlichen der Nachkriegszeit dem von nationalsozialistischer Ideologie geprägten Bild von Jugend entgegenbringen. Für dieses distanzierte Verhalten prägt SCHELSKY den Begriff der „skeptischen Generation“35.

Im wesentlichen beschränken sich die darauffolgenden Untersuchungen zum Sprachverhalten junger Leute auf das Sammeln und moralische Werten jugend- sprachlicher Ausdrücke, da Jugendsprache nach Ansicht der zeitgenössischen Ex- perten „vor allem auf der lexikalisch-semantischen Ebene ausgeprägt“36 ist. Vor allem in den 1960er Jahren werden umfangreiche Lexika erstellt, die allerdings funktionale und soziale Aspekte jugendlichen Sprechens weitgehend außer Acht lassen. Bedeutende Sammlungen werden von KÜPPER37 und im populärwissen- schaftlichen Bereich von EHMANN38 erstellt. Die zur Zeit aktuellste Sammlung stellt das in der Duden-Reihe erschienene „Wörterbuch der Szenesprachen“39 dar, das Begriffe und Redewendungen nach jugendspezifischen Themen wie Funsport, Partykultur und Computer ordnet und erklärt. Interessant ist das den Band ergänzende Internetprojekt40, bei dem versucht wird, dem raschen Wandel jugendsprachlicher Ausdrücke gerecht zu werden, indem Besucher die Möglichkeit erhalten, neue Wörter und Wendungen zu ergänzen. Dieses Vorhaben zeigt aber zugleich, daß hier „lexikalischer Voyeurismus“41 betrieben wird, ohne die Hintergründe einer Jugendszene zu berücksichtigen.

Der Paradigmenwechsel in der Sprachwissenschaft seit den 1970er Jahren führt dazu, daß jugendliche Sprechweisen auch in ihrem kommunikativen und sozialen Zusammenhang untersucht werden. Hier bilden sich zwei Forschungspositionen heraus. Die traditionell veranlagte Position, vertreten von den Forschern BAUSIN- GER, BENEKE, HENNE, POLENZ und SORNIG, fokussiert eine strukturlinguistische Varietätenbeschreibung. ANDROUTSOPOULOS unterscheidet zwei Schwerpunkte der traditionellen Jugendsprachforschung: die „soziolinguistischen Aspekte der Uneinheitlichkeit und Motivation einerseits, die linguistischen Aspekte der alters- präferentiellen und -spezifischen Ausdrucksweisen andererseits.“42 Jugendsprache wird in ihrem Verhältnis zur Sprache als Ganzem gesehen, denn „sie setzt die Standardsprache voraus, wandelt sie schöpferisch ab, stereotypisiert sie zugleich und pflegt spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels.“43

Die andere Forschungsposition wird vor allem von SCHLOBINSKI44, NEULAND45 und SCHWITALLA46 vertreten. Sie vertreten die gegenteilige Auffassung, daß ju- gendliche Sprechweisen in erster Linie umgangssprachliche Sprechstile47 sind und arbeiten deshalb mit ethnographischen Methoden. Die Pluralisierung der Gesell- schaft solle durch soziolinguistische Forschungsmethoden mit einbezogen wer- den, fordert EICHINGER.48 Die lexikalischen Besonderheiten jugendsprachlicher Ausdrücke werden jetzt nur noch als eine augenfällige Erscheinung von Jugend- kulturen gesehen, die mit soziolinguistischen und ethnographischen Methoden zu untersuchen sind. Damit wird die Vorstellung von einer Gesamthaften, die Gesell- schaft unterwandernden Jugendsprache hinfällig. An ihre Stelle treten so viele jugendliche Sprechweisen, wie es auch jugendliche Gruppierungen gibt.49 Alle übrigen Ansichten von der „einen“ Jugendsprache halten SCHLOBINSKI ET. AL. für einen Mythos.50 Dieser Aspekt der fragmentarisierten Jugend ist jedoch nicht neu, denn er wurde bereits vor 30 Jahren von dem Soziologen HORNSTEIN51 vorgetra- gen. Hieran zeigt sich, daß die sprachwissenschaftliche Beschäftigung mit dem Phänomen Jugend mit leichter Verzögerung den Forschungsaktivitäten der Soziologie folgt.52

ANDROUTSOPOULOS53 und NEULAND54 glauben, daß Jugendsprache sowohl altersspezifisch als auch soziokulturell bedingt sei. Aus diesem Grund betrachten sie den strukturalen und ethnographischen Forschungsansatz als Ergänzung des jeweils anderen. Von diesem Standpunkt ausgehend, wird in dieser Arbeit die Technokultur betrachtet. Dabei wird der Fokus auf das Prinzip der Bricolage, das vor allem von SCHLOBINSKI55 und NEULAND56 als wichtiger Strukturierungsmechanismus im Sprechen Jugendlicher betrachtet wird, gerichtet.

2.5 Merkmale von Jugendsprache

Jugendliche sprechen ihre eigene Sprache57, setzen diese jedoch nur innerhalb ihrer Gruppe oder Szene ein.58 Eines der Merkmale von Jugendsprache ist die Distinktion im Sinne BOURDIEUS59. Einerseits soll mit jugendlicher Sprache die Gruppenzusammengehörigkeit nach innen bestätigt und andererseits gegenüber anderen Gruppen abgegrenzt werden.60 HEINEMANN nennt dies die „Signalfunkti- on“61 von Jugendsprache. Die hierzu angewandten Mittel faßt BAUSINGER unter vier Leittendenzen zusammen: Konfrontation, Abweichung, Feeling und Spiel.62 Diese Mittel haben nach SCHLOBINSKI63 die Funktion, eine ironisierende Distan- zierung und gleichzeitige Reproduktion der ironisierten dominanten kulturellen Werte und Normen zu bewirken. Die Anwendung jugendsprachlicher Mittel ist damit Ursache und Ausdruck von Identität zugleich.

Der Distinktionsprozeß wird vom gesellschaftlichen Individualisierungsdruck bestimmt. Die Jugendlichen versuchen, sich nach außen, aber auch untereinander durch den Gebrauch sprachlicher Stilelemente zu profilieren. Diese werden jedoch durch soziale und mediale Verbreitung in ihrer Bedeutung als Differenzierungs- möglichkeit entwertet, denn wenn eine Redewendung von jedermann benutzt wird, kann man sich nicht mehr individuell damit schmücken. Jugendsprache be- wegt sich daher in einem ständigen dialektischen Prozeß von Neubesetzung und Entwertung sprachlicher Zeichen. Die gemeinsam von einer jugendlichen Gruppe benutzten sprachlichen Präferenzen bilden einen Sprechstil.64

Die Themen der Jugendsprache zeigen die Bedürfnisse, Interessen, Intentionen und Konflikte von Jugendlichen besonders in Bereichen, die von der Standard- sprache nur unzureichend abgedeckt werden.65 Lebensweltliche Muster drücken sich in Sprache aus. In diesem Sinne bilden jugendsprachliche Ausdrücke thematische Muster, die die für Jugendlichen relevanten Themenbereiche abdecken. Die Themenbereiche der Jugendsprache sind nach BARBARA DAVID:

- Verhältnis zu Erwachsenen (Personen nach Beruf, Schulpersonal)
- Verhältnis zu Gleichaltrigen (Studenten, Schüler, Mädchen, Jungen)
- Schule und Ausbildung (Zensuren, Schulräume)
- Freizeitgestaltung (Geld, Musik, Tanzen)
- Empfinden (Gefühle, emotionale Handlungen)
- Eigene Selbstdarstellung (Bekleidung)
- Grundbedürfnisse (Bewegungen, Essen)
- Verbotene Bereiche (Drogen, Gewalt)
- Gesellschaftliche Tabuzonen (Sexualität, Tod)66

Ebenso, wie sich die Sprache aus den Bedürfnissen einer Kultur entwickelt, läßt sich anhand der Sprache auf die Bedürfnisse und Werte einer Kultur rückschließen.67 So stellt HUGO STEGER fest, daß sich der gesellschaftliche Wechsel von der Gesellschaftskritik in den 1960er Jahren zur Sinnlichkeit und Selbstbespiegelung in den 1970er Jahren an der Sprache ablesen läßt.68 Die 1960er Jahre wurden demnach durch sozialwissenschaftliche Begriffe wie Autorität, Entfremdung und Demonstration geprägt, die 1970er Jahre hingegen durch psychologische Begriffe wie Bewußtsein, Emotion, Aggression und Verdrängung.

Ein weiteres Merkmal von Jugendsprache ist die Verwendung von Anglizismen. Gerade auch Techno entlehnt, wie noch zu zeigen sein wird, für fast alle Institu- tionen der Szene Begriffe der englischen Sprache. Das deutet darauf hin, „daß der Stellenwert des Englischen im Rahmen von Jugendkulturen durch eine zuneh- mende Loslösung von spezifischen Nationalitäten gekennzeichnet ist.“69

3 Technokultur

In diesem Kapitel sollen Charakteristika von Techno behandelt werden. Seine geographische und historische Entwicklung sowie seine Phänomene sollen beschrieben und erklärt werden, um diese dann auf signifikante Strukturen und implizierte Werte abzufragen.

Hierzu ist es notwendig, mit den soziologischen Begriffen Jugendkultur und Sze- ne zu arbeiten. Sie ermöglichen, Techno in einer ausdifferenzierten Gesellschaft zu lokalisieren und sich einen Überblick über das Phänomen zu verschaffen. Kul- tur meint im allgemeinen Sinne den „ganzen Bereich zwischenmenschlicher Ver- haltensformen und Gesittungen, die ‚soziales’ und ‚kultiviertes’ Leben überhaupt ermöglichen“70.

Da es sich bei Techno um eine „jugendzentrierte Populärmusik“71 handelt, kann man die sich um die Musik gruppierenden Formen und Inhalte auch als Jugend- kultur oder Technokultur bezeichnen. Unter Jugendkulturen verstehe ich mit AN- DROUTSOPOULOS „prototypische Konstellationen von Ausdrucksformen, Verhal- tensweisen, Wissensbeständen und Einstellungen, die in konkreten sozialen Zu- sammenhängen (Szenen, Sozialwelten) erlebt und ausgestaltet werden.“72

Genauer gesehen, handelt es sich bei den unter dem Begriff Technokultur zusam- mengefaßten Phänomenen jedoch weniger um eine Kultur als um eine Szene, zu der eine Vielzahl verschiedener Akteure gehört: DJs, Veranstalter, Gäste, Perso- nal, Dealer, Groupies, Zeitungsmacher und Designer. Eine Szene ist für den So- ziologen RONALD HITZLER73 ein loser, unverbindlicher Zusammenschluß von Leuten, der durch ein gemeinsames zentrales Thema oder durch gemeinsame Hal- tungen begründet ist. Im Gegensatz zu herkömmlichen klassenspezifischen Ver- gemeinschaftungen teilen sie spezielle Formen der Selbststilisierung in einem Netzwerk freiwilliger und freizeitlicher Beziehungen. Im Unterschied zum Begriff Jugendkultur sind die Randbereiche einer Szene nicht klar abgegrenzt, sondern verlaufen diffus.

Einerseits soll hier von einer Technokultur gesprochen werden, wenn die Formen und Inhalte gemeint sind, andererseits von einer Technoszene, wenn damit die Akteure und ihr Verhältnis zueinander gemeint sind.

3.1 Musikalische Bestimmung

Techno bezeichnet zunächst einmal eine spezifische Form von Popmusik, die sich durch ihre spezielle Form der Produktion und Rezeption von herkömmlicher Popmusik unterscheidet. Techno ist insofern der Oberbegriff für ein Genre populärer Musik, analog zu anderen musikalischen Genres wie Rock oder Blues. Techno ist aber auch zugleich der Begriff für eine seiner musikalisch minimalistischeren, klanglich harter Unterarten.

Musikalisch gesprochen, ist Techno eine „Tanzmusik mit regelmäßig schlagender Bassdrum, vorherrschend geringem Vokalanteil und keiner direkt festzulegenden Struktur von Refrain, Strophe o.ä.“74 Tatsächlich entsteht das Technospezifische durch die Konzentration auf den repetitiven Gebrauch der Schlaginstrument- Geräusche, die ineinander verschachtelt werden. Dadurch entsteht ein sich stetig auf- und abbauender Spannungsbogen, der die traditionellen Liedstrukturen wie Strophe oder Refrain ersetzt. Musikalisch absorbiert Techno die unterschiedlich- sten Einflüsse: Jazz, Disco, Funk, Soul, Hip-Hop, Punk, Rock, Reggae, etc.

Auf der Seite der Produktion von Technomusik muß man zwischen den eigentlichen, musikschaffenden Produzenten und den musikverarbeitenden, ausführenden Künstlern, den Discjockeys, unterscheiden.

Die Produzenten spielen zur Produktion von Technomusik keine Instrumente im traditionellen Sinn, sondern sie programmieren Computer oder bedienen compu- terähnliche elektronische Hilfsmittel, die Töne erzeugen. Diese werden onomato- poetisch benannt, z.B. Bleeps oder Clonks. Klänge und Geräusche, gespeichert in Klangdateien, werden am Monitor verfremdet, verschoben und in eine Reihenfol- ge gesetzt. Die so hergestellte Musik wird auf Tonträgern, meistens Schallplatten oder Compact Discs (CD) gespeichert und veröffentlicht. Der Discjockey benutzt diese Tonträger dann, um die Musik aufzuführen, indem er sie in einem Mix vor- spielt. Die Arbeit des Discjockeys kann, wie noch in dem Kapitel 3.4 über Disc- jockeys zu zeigen ist, auch als „ein Musizieren zweiter Ordnung“75 bezeichnet werden.

3.2 Geschichte

3.2.1 Geräusche und elektronische Klänge

Die Grundlage jeglicher elektronischer Musik ist die Möglichkeit der Speicherung der bis dahin flüchtigen Töne, die mit Erfindung der Elektronenröhre und des Grammophons Ende des 19. Jahrhunderts durch Thomas Edison ermöglicht wur- de. Seitdem sind Klangereignisse technisch reproduzierbar.76 Mit Elektronenröh- ren konnte man Töne erzeugen, verstärken und modulieren. Durch die Erfindung von magnetischen Tonbändern in den 1920er Jahren konnte man Schwingungs- vorgänge aufzeichnen, wiedergeben, verändern und montieren. Die neuen techni- schen Möglichkeiten führten dazu, auch „fremde“ Geräusche bei der Produktion von Musik zu verwenden. Bereits 1913 stellte der italienische Futurist LUIGI RUS- SOLO fest:

„Wir finden viel mehr Befriedigung in der Geräuschkombination von Straßenbahnen, Auspufflärm und lauten Menschenmassen als, beispielsweise, im Einüben der ‚Eroica‘ oder ‚Pastoralen‘“77

Die Geräusche des Alltags und überhaupt alle Klänge als Musik zu betrachten war eine revolutionäre Vorstellung, der sich ab 1948 moderne Komponisten wie AR- NOLD SCHÖNBERG, PIERRE SCHAEFFER oder KARLHEINZ STOCKHAUSEN zuwen- den. Ihre „Musique Concrète“ beschäftigt sich mit der industrialisierten, moder- nen Welt und ihren Gesetzen. Ihre Klangforschung bezieht sich auf das Verzerren, Filtern, Überlagern und das Montieren von Geräuschen mit einfachen Mitteln. Mit ihrer Arbeit kommen sie dem Prinzip von Techno und dem Sampling sehr nahe. Seit Ende der 1960er Jahre experimentieren kommerziell erfolgreiche Bands wie Pink Floyd, Can, Tangerine Dream, et. al. mit elektronischen Klangcollagen. Die deutsche Gruppe Kraftwerk liefert in den 1970er Jahren geradezu prophetisch die Philosophie für die kommenden Jahrzehnte: „Songs wie ‚Die Roboter’ oder ‚Die Mensch-Maschine’ besingen affirmativ den futuristischen Traum von einer Fusion aus Mensch und Maschine.“78 Die Lieder handeln vom positiven Umgang des Menschen mit der Technologie und fordern eine ganzheitliche Betrachtung von Mensch, Natur und Technologie - bis hin zu einer Verschmelzung von Mensch und (Computer-) Technologie.

Die Anfänge kultureller Prozesse lassen sich nur mehr oder weniger willkürlich setzen. Es sprechen jedoch einige Gründe dafür, den Beginn von Techno in der Mitte der 1980er Jahre zu verorten. Zu dieser Zeit ermöglicht die relativ preisgün- stige Verfügbarkeit moderner elektronischer Instrumente wie Keyboards, Sampler und Rhythmusmaschinen sowie die Entwicklung von Heimcomputern wie Com- modore 64, Atari 1024 und Amiga 500 die Klangbearbeitung im Heimstudio. Die einfache Bedienbarkeit der Geräte löst das Musizieren von seiner traditionellen Form als hochspezialisierte und trainingsintensive Handarbeit. Die neuen Instru- mente bieten viele Möglichkeiten, die spielerisch, oft auch wider die eigentliche Bestimmung eines Gerätes, ausprobiert werden. Die bis dahin gültigen Grenzen der Klangerzeugung werden aufgelöst, die schnell wachsende Szene geht „über die bisher in der Popmusik verwendeten Klangmuster hinaus und popularisiert die Verwendung von Geräuschen als musikalisches Stilmittel.“79 Neue Klänge wer- den um des neuartigen Klanges wegen verwendet.

3.2.2 Namensgebung House und Techno

In diesem Kapitel soll der Ursprung und der Zeitpunkt der Benennung von Technomusik untersucht werden.

In der szeneeigenen Geschichtsschreibung werden zwei verschiedene Ansichten über den Ursprung von Techno vertreten. Die eine besagt, daß der Stil, der heute in Deutschland gemeinhin als Techno bezeichnet wird, ausschließlich als Folge europäischer Entwicklung entstanden ist. Die Ursprünge der Technomusik wird in Bands wie Kraftwerk oder Musikstilen wie der Electronic Body Music (EBM) gesehen. Die andere Meinung, der auch diese Arbeit folgt, sieht die Ursprünge der heutigen elektronischen Tanzmusik vor allem in den amerikanischen Städten Chicago und Detroit, wo schwarz-amerikanische Stile wie Disco und Soul mit europäischen Stilen wie EBM und Elektro vermischt wurden.

In Chicago wird von Musikern und DJs in den frühen 1980er Jahren die Discomu- sik der 70er Jahre in Verbindung mit Rhythmuscomputern zu einem neuartigen Sound weiterentwickelt, der vor allem in dem Gay-Club Warehouse gespielt wird. Warehouse ist der amerikanische Begriff für Lagerhalle. Von seinen Besuchern liebevoll abkürzend „The House“ genannt, heißt die im Warehouse beliebte Mu- sik bald House Music.

Ab 1985 wurde in Chicago auch der Rhythmuscomputer TB303 der japanischen Firma ROLAND verwendet, um House-Musikstücke zu produzieren. Dieses Gerät erzeugt ein neuartiges Klangspektrum mit einem merkwürdig fiependen und quietschenden Geräusch, das in Verbindung mit blubbernden Viervierteltakten in den Clubs die Tänzer elektrisiert. Sie sind davon fasziniert und tanzen und krei- schen wie verrückt. Man spricht davon, daß dem Wasser in den Clubs die Droge Acid (LSD) zugegeben sein muß, daß die Leute so ausgelassen zu diesen merk- würdigen Acid Tracks tanzen80. Schließlich veröffentlicht die Gruppe Phuture den House-Titel Acid Trax. Von da an steht der Name für diese besondere Form der House-Musik fest: Acidhouse.

In der Nachbarstadt Chicagos, Detroit, der Stadt der amerikanischen Automobil- industrie, entsteht unter Vermischung von durch Kraftwerk inspirierter Musik und dem europäischen Musikstil Elektro sowie der amerikanischen Stile Soul und Funk eine neue Musik, die dem Alltag in Detroit sehr ähnlich ist: technisch, hart, dumpf, düster, stampfend wie die Arbeit am Fließband. Hauptvertreter sind die drei Afro-Amerikaner ATKINS, SAUNDERSON und MAY. Das Lied „Techno City“, das die schwarze Detroiter Band Cybotron 1984 veröffentlicht, ist nicht nur eine Anspielung auf den Detroiter Beinamen „Motor City“81, sondern auch auf den Zukunftsentwurf des Schriftstellers und Soziologen ALVIN TOFFLER. In seinem Buch „The Third Wave“82 beschreibt dieser eine zukünftige Zivilisation, die aus Raumfahrern, Gentechnikern, Computern und sogenannten Techno-Rebellen be- steht.

Einen Namen bekommt diese Musik jedoch erst vier Jahre später durch die Mana- ger der Plattenfirma VIRGIN, die in Großbritannien eine Schallplatte mit House- musik aus Detroit veröffentlicht, die technischer, härter und treibender klingt als die bisherige Popmusik. Sie trägt den Namen „Techno! The New Dance Sound Of Detroit“, und soll auf eine authentische Szene verweisen, die jedoch zu dieser Zeit in Detroit noch nicht existiert. Vielmehr ist diese Platte „vor allem Anfang einer beeindruckenden Karriere, die Techno ohne Hilfe von Medien und Plattenfirmen kaum gemacht hätte.“83 Den Prozeß der Benennung beschreibt THORNTON:

„They decided on the name ‚techno‘ because it gave the music a distinct musical identity and made it appear as something substantively new. [..] The term had at least two advantages: it was free from the overt drug references of acid house and it sounded like what it described - a high-tech predominantly instrumental mu- sic.“84

Wegen der engen klanglichen und räumlichen Nähe zwischen Chicagoer House und Detroiter Techno spricht man anfangs noch von Technohouse, doch der prägnantere Begriff, Techno, setzt sich spätestens 1990 durch.85

Nicht nur in Amerika und England, auch in Deutschland finden sich Spuren für die Namensgebung dieser Musik: Bereits seit 1982 findet in Frankfurt der Club- abend „Technoclub“86 statt, der zunächst auf die Musikrichtung EBM spezialisiert war, sich aber im Laufe der Jahre zu einem der progressivsten Orte der Techno- kultur entwickelte. Dessen Betreiber ANDREAS TOMALLA veröffentlicht 1985 eine Schallplatte mit dem Titel „Tekno Talk“87, in dem die später gebräuchliche Be- zeichnung „Tekkno“ schon vorweggenommen wird. Auch die Zeitschrift Front- page geht aus dem Technoclub hervor. In den Jahren zwischen 1990 und 1992 wird in Editorials, Leserbriefen und Interviews versucht, die stilistisch- musikalisch auseinanderdriftenden Musikrichtungen Electronic Body Music (EBM) und Techno begrifflich zu trennen. Als Alternativen für den Terminus Techno werden unter anderem „Tekni“ und „Comp“ als Abkürzung für computer- generierte Musik vorgeschlagen.88 Diese konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Der heute zur Bezeichnung elektronisch erzeugter Musik verwendete Begriff ist Techno.

3.2.3 Die Entwicklung in Europa

Während in Amerika elektronische Musik eher mit den Wurzeln schwarzer Musik verbunden wird, fusionieren in Europa die aggressiven Klangmuster der aus Bel- gien stammenden sogenannten Electric Body Music der Gruppen Front 242, The Klinik, Minister of Noise, et. al. mit der amerikanischen Housemusik. In England wird Acidhouse begeistert aufgenommen. Mit der neuen Musik entsteht das neue Partykonzept der Raves, auf das an anderer Stelle, in Kapitel 3.3.3, eingegangen wird.

Seit 1989 steigt der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der elektronischen Tanz- musik auch in Deutschland rasch an. Erste Disconächte und Parties mit Techno- musik finden zuerst in Frankfurt, Köln und Berlin statt. Das Konzept großer, meist illegaler Raves wird aus England übernommen und erste Raves nach engli- schem Vorbild werden in Deutschland organisiert. Besonders im Osten Berlins nach der politischen Wende 1989 sind die Bedingungen für Techno- Veranstaltungen aufgrund der vielfach ungeklärten Besitzverhältnisse geradezu ideal. Leerstehende Gebäude wie der Tresor eines ehemaligen Kaufhauses im Be- reich des Todesstreifens am Potsdamer Platz oder alte Bunkeranlagen in Berlin Mitte werden von der Szene als eine Herausforderung verstanden, bisher verbote- ne und plötzlich öffentliche und private Räume für sich in Anspruch zu nehmen und sie neuen, zivilen Bestimmungen zuzuführen. Bevorzugte Veranstaltungsorte der jungen Szene sind im folgenden alle ungewöhnlichen Orte, vor allem alte Fa- brikhallen, Keller und Abrißhäuser, aber auch Tiefgaragen, U-Bahntunnel und Züge. Diese Entwicklung findet ihren bisherigen Höhepunkt in der von der Ziga- rettenmarke Camel gesponserten Veranstaltung Airrave, bei der ausgewählte Sze- nemitglieder im Charterflugzeug zu einem Rave nach Las Vegas geflogen wer- den. In der ersten Phase der Technokultur werden mehrere Szenezeitschriften ge- gründet, Vertriebsnetze für Schallplatten und Flyer werden installiert und Raves und Clubs setzen sich als szenetypische Veranstaltungen durch.

Zur besseren Orientierung wird an dieser Stelle die Entwicklung der Technoszene in Deutschland zeitlich unterteilt. Ich schlage drei Phasen vor, die sich durch be- stimmte Merkmale und bedeutende Entwicklungen innerhalb der Szene voneinan- der unterscheiden lassen. Die Anfangs- und Endpunkte einer Phase wurden will- kürlich von mir gesetzt und sind eher als ungefähre Markierung zu verstehen. Sie orientieren sich aber weitgehend an der Entwicklung der Szene-Zeitschrift Front- page. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Phasen der Entwicklung der Technokultur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Phasen der Entwicklung von Techno. Eigene Darstellung

Die einzelnen Phasen werden im folgenden erläutert:

Die erste Phase umfaßt die Zeit von 1990 bis zum Sommer 1993. Spätestens ab Mitte 1990 ist abzusehen, daß sich im jugendkulturellen Untergrund in Deutsch- land eine für die Öffentlichkeit, Medien und Musikszene zunehmend relevante, neue Subkultur entwickelt. In den Medien wird erstmals über Techno berichtet. Eine Szene und ihre Struktur entsteht und wächst, und mit ihr entwickeln sich wesentliche Merkmale und Verhaltensweisen, die teilweise noch heute bestim- mend sind. Beispielsweise werden Szenezeitschriften gegründet, technospezifi- sche Kleidung wird produziert, Vertriebsnetze für Schallplatten und Flyer werden installiert, und Raves und Clubs setzen sich als szenetypische Veranstaltungen durch. Seitdem finden große und bekannte Veranstaltungen wie die Berliner Stra-ßenparty Loveparade und der Dortmunder Großrave Mayday in der Nacht zum ersten Mai alljährlich statt. Das äußere Erscheinungsbild einer hedonistischen, zugleich jedoch hoch innovativen, gewaltfreien, nicht rassistisch oder sexistisch orientierten Jugendbewegung wird in dieser Zeit geprägt. Der Leitspruch der Sze- ne ist „Peace, Love & Unity“, teilweise ergänzt durch „Respect“89. Diese Schlüs- selwörter stehen für Friedfertigkeit, Harmoniestreben und das Gefühl der Gemein- samkeit beim Konsum der Musik. Diese erste Phase ist durch das Ausprobieren neuer musikalischer und jugendkultureller Konzepte geprägt. Techno befindet sich auf der Schwelle zwischen Nischendasein und Massenkultur.

In der Septemberausgabe 1993 des Szenemagazins Frontpage stellt der Herausge- ber JÜRGEN LAARMANN, einer der Wortführer der Szene, fest, „daß die 1. Phase der Revolution vorbei ist und die 2. begonnen hat.“90 Hiermit ist gemeint, daß Techno inzwischen gefestigte Strukturen aufweist, die aus der Phase der Etablierung in die der Anwendung eintreten. Techno ist in allen Medien zunehmend präsent und gewinnt schnell an Beliebtheit. Die kulturindustrielle Nutzung von Technokultur setzt mit der Einführung von wiedererkennbaren Künstlern und Musikstücken ein. Techno ist auf dem Weg zur Massenkultur.

Zugleich beginnt in dieser Zeit auch ein Differenzierungsprozeß im musikalischen Bereich. Anstelle einer einheitlichen Musikform, spezialisieren sich Musiker und Publikum zunehmend auf unterschiedliche Stile. Es gibt nun neben dem vorher vorherrschenden Techno auch schnelleren Hardcore-Techno, melodischere Trancemusik und Rückbesinnungen auf die Anfänge der House-Musik.

Spätestens mit dem Konkurs von Frontpage im April 1997, begründet durch spe- kulative Verlagsgeschäfte und den Rückzug der Zigarettenmarke Camel als Hauptsponsor, beginnt die dritte Phase, die Diversifizierung der Technoszene, die bis heute, im Jahr 2001, anhält. Das scheinbar unbegrenzte Expansionspotential einer Jugendkultur ist offenbar beendet. Die Besucherzahlen der Loveparade, die sich in fast jedem Jahr seit 1989 verdoppelt hatte, stagniert 1999 erstmals und ist im Jahr danach sogar rückläufig, obwohl es 2000 immerhin noch über 1 Million Besucher waren. Musikalisch existiert eine zunehmende Vielfalt, im Kapitel 3.6.3 behandelter und deshalb hier nicht zu nennender, neuer Substile, die zwar immer noch mit elektronischen Instrumenten und Klängen arbeiten, jedoch völlig unter- schiedliche Geschmacksrichtungen bedienen. Die konzentrierte kreative Energie der Aufbruchphase ist in vielen Bereichen verpufft oder hat sich auf andere ge- sellschaftliche Bereiche wie Kunst oder Arbeitsleben verlagert. Frühere Raver sind ins Arbeitsleben eingetreten und haben inzwischen lukrative Jobs bei Werbe- agenturen, Verlagen oder Internetfirmen, da diese Branchen sehr am kreativen Potential der Technoszene interessiert sind. Die Szene recycelt dort ihre eigenen Symbole auf neuen Gebieten, anstelle neue Symbole zu produzieren.

Für den Frankfurter Plattenverleger und Techno-Theoretiker ACHIM SZEPANSKI ist diese Entwicklung ein Zeichen dafür, daß Techno vollständig in die Freizeitindu- strie und in die Gesellschaft integriert ist. Er vergleicht diesen Prozeß mit dem von GILLES DELEUZE und FELIX GUATTARI entwickelten Konzept von De- und Reterritorialisierung.91 Die Deterritorialisierung ist ein Aufbruch in neue ästhetische, soziale und kognitive Bereiche, so wie in der ersten Phase beschrieben. Reterritorialisierung meint die Neuordnung des vorherigen Chaos durch Vereinnahmung der subkulturellen Energie seitens der Freizeitindustrie.

3.3 Zentrale Begrifflichkeiten

In diesem Abschnitt werden „Realia der Jugendkultur“92, die für die Technoszene eine Schlüsselfunktion haben, vorgestellt. Vor allem werden hier konstitutive Elemente von Techno erklärt, für die aufgrund ihrer Neu- oder Andersartigkeit in der deutschen Sprache keine denotative Entsprechung vorliegt.

3.3.1 Der Warm-Up

Die in der Woche über unzusammenhängende Szene verdichtet sich zum Wo- chenende hin. Sie trifft sich zum Warm-Up (zu engl. to warm up: aufwärmen) in Privatwohnungen, Cafés oder mit Autos auf dem Parkplatz vor dem Club. Diese Phase dient der Vorfreude und Vorbereitung auf das eigentliche Geschehen. Auf einer Warm-Up-Party werden vergangene Erlebnisse erzählt, Informationen über Leute aus der Szene, Musik und Drogen ausgetauscht und Musik gespielt. Man bringt sich gegenseitig in Stimmung, macht sich locker, gegebenenfalls auch mit Hilfe von Drogen. Auch die gemeinsame Auswahl der entsprechenden Kleidung und Accessoires, die Körperpflege und das Schminken kann zur Warm-Up-Phase hinzugerechnet werden.

3.3.2 Die Location

Die Orte, an denen Technoveranstaltungen stattfinden, heißen Locations (zu engl. location: Lage, Standort, Gelände, Ort). Eine Location bezeichnet einen spezifi- schen Ort, an dem Raves, Clubs, Parties oder Open-Airs stattfinden. Eine alte La- gerhalle, die zum ersten Mal für einen Rave benutzt wird, hat in der Regel noch keinen griffigen Namen; sie ist nur ein Provisorium. Deshalb werden solche Orte unverbindlich Locations genannt.

[...]


1 Janke, K.; Niehues, S.: saturday night fever. Discoführer Deutschland. München. 1999. S. 66.

2 Im folgenden ohne Anführungszeichen.

3 Jürgen Laarmann. In: Frontpage. Nr.8. 1996. S.3.

4 Technospezifische Fachausdrücke werden wegen der besseren Lesbarkeit nur bei der ersten Erwähnung kursiv gekennzeichnet.

5 Bruckmaier, K.: Gibt es Mäuse auf dem Mars? In: Süddeutsche Zeitung. München. 11.04.1997. S.11.

6 Klanten, Robert (Hrsg.): Localizer 1.0 - the techno house book. Berlin. 1995.

7 Selbstdarstellung des CCCS In: Willis, P.: Spaß am Widerstand. Gegenkultur in der Arbeiterschule. Frank- furt/Main. 1979.

8 Vgl. Clarke, J. et. al. (Hrsg.): Jugendkultur als Widerstand. Milieus, Rituale, Provokationen. Frank- furt/Main. 1979.

9 Hitzler, R.: Der Pillen-Kick. Ekstasetechniken bei Techno-Events. In: Hirschauer, P. et. al. (Hrsg.): Neue Praxis. Zeitschrift für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialpolitik. Nr.4. Neuwied. 1997. S.357-363.

10 Vgl. Löffler, H.: Germanistische Soziolinguistik. Berlin. 1994.

11 Die Zitation von Internet-Quellen richtet sich nach Bleuel, Jens: Zitation von Internet-Quellen. Online im Internet abgerufen unter http://www.bleuel.com/ip-zit.pdf am 15.01.2001.

12 Zur Jugendforschung vgl. Schäfers, B.: Soziologie des Jugendalters. Opladen. 1998. S.21ff.

13 Vgl. Schäfers, B.: Soziologie des Jugendalters. Opladen. 1998. S.23.

14 Lindner, R.: Editorial. S.7. In: Honneth, A. (Hrsg.): Jugendkultur als Widerstand: Milieus, Rituale, Provo- kationen. Frankfurt/Main. 1979. S.7-14.

15 Baacke, D.: Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung. München. 1987. S.86ff.

16 Vgl. Wyneken, G.: Die neue Jugend. Ihr Kampf um Freiheit u. Wahrheit in Schule u. Elternhaus. in Religi- on u. Erotik. München. 1914.

17 Radtke, E.: Substandardsprachliche Entwicklungstendenzen im Sprachverhalten von Jugendlichen im heutigen Italien. S.131. In: Holtus, G.; Radtke, E. (Hrsg.): Sprachlicher Substandard III. Tübingen. 1990. S.128-171.

18 Welter, G.: Die Sprache der Teenager und Twens. In: Schriftenreihe zur Jugendnot. Bd.5. Frankfurt/Main. 1961.

19 Beneke, J.: Zur sozialen Differenziertheit der Sprache am Beispiel jugendtypischer Sprechweise. S. 253. In: Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung (ZPSK). Nr.38. 1985. S.251- 267.

20 Rittendorf, Michael: Angesagt: Scene-Deutsch: ein Wörterbuch. Frankfurt/Main. 1984.

21 Löffler, H.: Germanistische Soziolinguistik. Berlin. 1994. S.123ff.

22 Brenner, G.: Eigene Wörter. Sondersprachliche Tendenzen Jugendlicher als Unterrichtsgegenstand. 1983. In: Der Deutschunterricht 35. S.37-54.

23 Nabrings, K.: Sprachliche Varietäten. Tübingen. 1981. S.122ff.

24 Vgl. Eichinger, L. M.: Deutsch von heute. Zum Wandel des Sprachgebrauchs am Beispiel der Jugendspra- che. In: Triangulum. Germanistisches Jahrbuch für Estland, Lettland und Litauen. Tartu. 1996. S.172-194.

25 Vgl. Bausinger, H.: Deutsch für Deutsche. Dialekte, Sprachbarrieren, Sondersprachen. Frankfurt/Main. 1972. S.118.

26 Ehmann, H.: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache. München. 1996. S.23.

27 Buschmann, M.: Zur ‚Jugendsprache’ in der Werbung. S.219f. In: Muttersprache Nr. 104. 1994. S. 219- 231.

28 Henne, H.: Semantik und Lexikographie. Untersuchungen zur lexikalischen Kodifikation der deutschen Standardsprache. Berlin. 1972. S.47.

29 Vgl. Möhn, D.: Sondersprachen. S.384. In: Lexikon der germanistischen Linguistik. Tübingen. 1980.

30 Henne, H.: Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik. Berlin. 1986. S.208.

31 Baacke, D.: Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung. Weinheim. München. 1987. S.30. Her- vorhebung im Original.

32 Vgl. Eichinger, L. M.: Deutsch von heute. Zum Wandel des Sprachgebrauchs am Beispiel der Jugendspra- che. S.184. In: Triangulum. Germanistisches Jahrbuch für Estland, Lettland und Litauen. Tartu. 1996. S.172-194.

33 Vgl. Henne, H.: Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik. Berlin. 1986. S.10.

34 Zur Amerikanisierung vgl. Maase, K.: Bravo Amerika. Erkundungen zur Jugendkultur der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren. Hamburg. 1992.

35 Vgl. Schelsky, H.: Die skeptische Generation. Düsseldorf. 1957.

36 Beneke, J.: Zur sozialen Differenziertheit der Sprache am Beispiel jugendtypischer Sprechweise. S.252. In: Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung (ZPSK). Nr.38. 1985.

37 Vgl. Küpper, H.: Jugenddeutsch von A bis Z. Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Hamburg. 1970.

38 Vgl. Ehmann, H.: Affengeil. Ein Lexikon der Jugendsprache. München. 1992.

39 Duden. Wörterbuch der Szenesprachen. Mannheim. 2000.

40 http://www.szenesprachen.de abgerufen am 15.01.2001.

41 Schlobinski, P.; Kohl, G.; Ludewigt, I.: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Opladen. 1993. S.38.

42 Androutsopoulos, J. K.: Deutsche Jugendsprache. Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen. Frankfurt/Main. 1998. S.34.

43 Henne, H.: Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik. Berlin. 1986. S.208.

44 Vgl. Schlobinski, P.: „Frau Meier hat Aids, Herr Tropfmann hat Herpes, was wollen Sie einsetzen?“ Ex- emplarische Analyse eines Sprechstils. In: Januschek, F.; Schlobinski, P. (Hrsg.): Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST). Heft 41. 1989. S.1-34.

45 Vgl. Neuland, E.: Spiegelungen und Gegenspiegelungen. Anregungen für eine zukünftige Jugendsprachfor- schung. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 15. 1987. S. 58-82.

46 Vgl. Schwitalla, J.: Die vielen Sprachen der Jugendlichen. In: Gutenberg, N. (Hrsg.): Kann man Kommu- nikation lehren? Konzepte mündlicher Kommunikationund ihrer Vermittlung. Frankfurt/M. 1988. S.167- 176.

47 Vgl. Schlobinski, P.; Kohl, G.; Ludewigt, I.: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Opladen. 1993. S.211.

48 Vgl. Eichinger, L. M.: Deutsch von heute. Zum Wandel des Sprachgebrauchs am Beispiel der Jugendspra- che. S.193. In: Triangulum. Germanistisches Jahrbuch für Estland, Lettland und Litauen. Tartu. 1996. S.172-194.

49 Vgl. Schlobinski, P.; Kohl, G.; Ludewigt, I.: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Opladen. 1993. S.37.

50 Vgl. Schlobinski, P.; Kohl, G.; Ludewigt, I.: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Opladen. 1993. S.9.

51 Vgl. Hornstein, W.: Jugend in ihrer Zeit. Hamburg. 1966. S.322.

52 Vgl. Jakob, K.: Jugendkultur und Jugendsprache. S.320. In: Deutsche Sprache. Zeitschrift für Theorie, Praxis, Dokumentation. 16. Jahrgang. 1988. S.320-351.

53 Vgl. Androutsopoulos, J. K.: Deutsche Jugendsprache: Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktio- nen. Frankfurt/Main. 1998. S.2.

54 Vgl. Neuland, E.: Jugendsprache und Standardsprache. Zum Wechselverhältnis von Stilwandel und Sprachwandel. In: Zeitschrift für Germanistik. 1994. Heft 1. S.78-98.

55 Vgl. Schlobinski, P.: „Frau Meier hat Aids, Herr Tropfmann hat Herpes, was wollen Sie einsetzen?“ Ex- emplarische Analyse eines Sprechstils. S.9. In: Januschek, F.; Schlobinski, P. (Hrsg.): Osnabrücker Bei- träge zur Sprachtheorie (OBST). Heft 41. 1989. S.1-34.

56 Vgl. Neuland, E.: Spiegelungen und Gegenspiegelungen. Anregungen für eine zukünftige Jugendsprachfor- schung. S.70f. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik. Nr.15. 1987. S.58-82.

57 Vgl. Pörksen, U.; Weber, H.: Spricht die Jugend eine andere Sprache? Heidelberg. 1984.

58 Vgl. Last, A.: 'Heiße Dosen' und 'Schlammziegen': Ist das Jugendsprache? S.51. In: Januschek, F.; Schlo- binski, P. (Hrsg.): OBST. Thema 'Jugendsprache'. Nr. 41. Osnabrück. 1989. S.1-34.

59 Vgl. Bourdieu, P.: Die feinen Unterschiede. Frankfurt/Main. 1982.

60 Schlobinski, P.: „Frau Meier hat Aids, Herr Tropfmann hat Herpes, was wollen Sie einsetzen?“ Exemplari- sche Analyse eines Sprechstils. S.2. In: Januschek, Franz; Schlobinski, Peter (Hrsg.): OBST. Thema ‘Ju- gendsprache’. Nr. 41. Osnabrück. 1989. S.1-34.

61 Heinemann, M.: Zur Signalfunktion der Jugendsprache. In: Fleischer, W. (Hrsg.). Entwicklungen in Wort- bildung und Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache. Berlin. 1983. S.122-138.

62 Bausinger, H.: Jugendsprache. In: Hirschauer, P. et. al. (Hrsg.): Neue Praxis. Zeitschrift für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialpolitik. Nr.2. Neuwied. 1987. S.170-176.

63 Schlobinski, P.: "Frau Meier hat Aids, Herr Tropfmann hat Herpes, was wollen Sie einsetzen?" Exemplari- sche Analyse eines Sprechstils". S.2. In: Januschek, F; Schlobinski, P. (Hrsg.): OBST. Thema ‘Jugend- sprache’. Nr. 41. Osnabrück. 1989. S.1-34.

64 Schlobinski, P.: "Frau Meier hat Aids, Herr Tropfmann hat Herpes, was wollen Sie einsetzen?" Exemplari- sche Analyse eines Sprechstils". S.10. In: Januschek, F; Schlobinski, P. (Hrsg.): OBST. Thema ‘Jugend- sprache’. Nr. 41. Osnabrück. 1989. S.1-34.

65 Vgl. David, B.: Jugendsprache zwischen Tradition und Fortschritt. Ein aktuelles Phänomen im historischen Vergleich. Alsbach. 1987. S.83.

66 Vgl. David, B.: Jugendsprache zwischen Tradition und Fortschritt. Ein aktuelles Phänomen im historischen Vergleich. Alsbach. 1987. S.32.

67 Schlobinski, P.: "Frau Meier hat Aids, Herr Tropfmann hat Herpes, was wollen Sie einsetzen?" Exemplari- sche Analyse eines Sprechstils". S.10. In: Januschek, F; Schlobinski, P. (Hrsg.): OBST. Thema ‘Jugend- sprache’. Nr.41. Osnabrück. 1989. S.1-34.

68 Vgl. Steger, H.: Sprache im Wandel. S.38. In: Benz, W.: Die Bundesrepublik Deutschland. Bd.3. Kultur. Frankfurt/Main. 1983. S.15-46.

69 Androutsopoulos, J.K.: Deutsche Jugendsprache: Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen. Frankfurt/Main. 1998.

70 Schäfers, B.: Soziologie des Jugendalters. Heidelberg. 1998. S.177.

71 Spatscheck, C.; Nachtigall, M.; Lehenherr, R.; Grüßinger, W.: Happy Nation?!?. Jugendmusikkulturen und Jugendarbeit in den 90er Jahren. Münster. 1997. S.7.

72 Androutsopoulos, J. K.; Kallmeyer, W.: Was geht´n? Newz von der Szene. Online-Text. Online abgerufen unter http://www.ids-mannheim.de/pub/sprachreport/ am 15.01.2001. S.1.

73 Vgl. Hitzler, R.; Pfadenhauer, M.: Raver Sex. Erotische Impressionen aus der Techno-Szene. Dresden. 1996.

74 Wildermann, G.: Freiraum Techno. S.37. In: Deese, U. (Hrsg.): Jugendmarketing. Das wahre Leben in den Szenen der Neunziger. München. 1995. S.36-40.

75 Wicke, P.: “Move Your Body”. Über Sinn, Klang und Körper. Online abgerufen unter http://www2.hu- berlin.de/fpm/texte/wicke6.htm am 17.01.2001.

76 Siehe hierzu: Benjamin, W.: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Frank- furt/Main. 1990.

77 Russolo, L.: Die Kunst der Geräusche. 1913. Nachgedruckt unter dem Titel “Die Geräuschkunst” in Schmidt-Bergmann, H.: Futurismus. Geschichte, Ästhetik, Dokumente. Hamburg. 1993. S.235-241. oder online abgerufen unter http://www.unknown.nu/futurism/noises.html am 15.01.2001.

78 Feige, M.: Deep In Techno. Die ganze Geschichte des Movements. Berlin. 2000. S.21.

79 Meueler, C.: Auf Montage im Technoland. S.247. In: SPoKK (Hrsg.): Kursbuch Jugendkultur. Stile, Sze- nen und Identitäten vor der Jahrtausendwende. Mannheim. 1997. S.243-250.

80 Vgl. Feige, M.: Deep in Techno. Die ganze Geschichte des Movements. Berlin. 2000. S.48.

81 Die Detroiter Autofirma Ford wirbt Anfang 2001 in den USA in einem Werbespot für ihre Marke, in dem eine Maschine, die halb Discjockey, halb Auto-Fabrikroboter ist, ein Auto zusammenbaut, während im Hintergrund ein Detroit-Techno-Stück eingespielt wird.

82 Vgl. Toffler, A.: The Third Wave. London. 1981.

83 Miehe, S.: Weltanschauungen in der Techno-Community - Konstruktion einer Jugendbewegung. Unveröff. Diplomarbeit im Fach Medienberatung. Berlin. 1998. S.14f.

84 Thornton, S.: Club Cultures. Music, Media and Subcultural Capital. London/GB. 1996. S.75.

85 Vgl. Anz, P.; Meyer, A.: Die Geschichte von Techno. S.21. In: Anz, P.; Walder, P. (Hrsg.): Techno. Zü- rich. 1995. S.8-21.

86 Vgl. Schäfer, S.; Waltmann, D.; Schäfers, J.: Techno-Lexikon. Berlin. 1998. S.313f.

87 Moskwa TV: Tekno Talk. Schallplatte. Westside Music. 1985.

88 Vgl. Laarmann, J.: Das Tekkno A-Z. Editorial. S.3. In: Frontpage. Forcing the Future. Nr.1. 1992.

89 Coers, M. M.: Friede, Freude, Eierkuchen: die Technoszene. München. 2000. S.9f.

90 Laarmann, J.: Frontpage S.3. In: Frontpage. Nr.9. 1993.

91 Vgl. Deleuze, G.; Guattari, F.: Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie. Berlin. 1992.

92 Androutsopoulos, J. K.: Deutsche Jugendsprache. Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen. Frankfurt/Main. 1998. S.544.

Details

Seiten
105
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638156189
ISBN (Buch)
9783638726511
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8722
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für deutsche Philologie II
Note
sehr gut
Schlagworte
Jugendsprache Soziolinguistik Pragmatik Sprachwissenschaft Technokultur Szene House Stil Postmoderne Individualisierung Sampling Dekontextualisierung

Autor

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Titel: Techno - eine neue Kommunikationsform