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Zukunftsforschung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 16 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung des Begriffs Zukunftsforschung

3. Arbeitsweisen und Methoden der Zukunftsforschung

4. Zukunft der Umwelt und drohende Naturkatastrophen am Beispiel des Phänomens „Coral Bleaching“ am Great Barrier Reef, Australien

5. Entwicklungen und Basistrends der Zukunft

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit widmet sich dem Thema der Zukunftsforschung, einem spannenden Thema, das die Menschheit schon lange interessiert, jedoch erst im Jahre 1968 erste Wurzeln im Bereich einer wissenschaftlichen Erforschung in Deutschland schlagen konnte. Prof. Dr. Kreibich und sein Team gründeten 1981 das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin und wurden lange Zeit von Vertretern anderer wissenschaftlicher Disziplinen belächelt, da die Zukunftsforschung nicht zum Kanon der deutschen Wissenschaft gehörte.[1] Renommierte Forschungsinstitute und Lehrstühle an Universitäten, an denen leistungsfähige Zukunftsforschung betrieben wurde, gab es weltweit allerdings teilweise schon seit den 40er und 50er Jahren. Nur in Deutschland war es ein langer, harter Weg um sich in den wissenschaftlichen Reihen zu etablieren. Prof. Dr. Kreibich (2004) bedauert, dass noch immer die Lage der Zukunftsforschung in Deutschland eine „elende“ sei. „Wir verfügen in der Bundesrepublik über ca. 2.300 Institute und Einrichtungen, die sich wissenschaftlich mit der Vergangenheit beschäftigen- Universitätsinstitute, Historische Kommissionen, Museen, Archive etc. Demgegenüber lassen sich jene Einrichtungen, die sich wissenschaftlich mit der Zukunft oder besser mit Zukünften als komplexes Problemfeld befassen, an zwei Händen abzählen.“[2] Er appelliert demnach, dass die Investoren nicht das ganze Geld in eine unveränderbare Vergangenheit stecken sollen, sondern in eine richtungweisende Zukunft. Um den Forschungsgegenstand der Zukunftsforschung zu verstehen, wird zunächst der Begriff näher erläutert. Anschließend werden die Methoden und Arbeitsweisen der Zukunftsforschung dargelegt, so dass der Leser die Zusammenhänge versteht. Im Verlauf der Arbeit wird der Aspekt der Zukunft im Bereich der Umwelt vertieft. Das wissenschaftliche Interesse in diesem Bereich entstand zum einen aus aktuellem Anlass, zum anderen können bei dem Fallbeispiel über die Gefährdung des Great Barrier Reefs in Australien persönliche Erkenntnisse und Erfahrungen während meines Studiums an der University of Queensland in Brisbane, 2006 berücksichtigt werden. Die Forscher der „School of Marine Studies“ sind derzeit sehr aktiv, um das größte, lebende Weltwunder vor einer katastrophalen Zerstörung zu bewahren. Anschließend werden die Entwicklungen und die Basistrends der Zukunft erörtert.

2. Erläuterung des Begriffs Zukunftsforschung

Prof. Dr. Kreibich (2000) definiert Zukunftsforschung als die wissenschaftliche Befassung mit möglichen, wünschbaren und wahrscheinlichen Zukunftsentwicklungen und Gestaltungsmöglichkeiten, sowie deren Voraussetzungen und Gegenwart[3]. Dabei geht die Zukunftsforschung davon aus, dass die Zukunft nicht vollständig vorhersehbar ist und verschiedene Zukunftsentwicklungen möglich sind. Die wissenschaftliche Befassung mit Zukünften verläuft durch alle Disziplinen und ist deswegen nicht von einzelnen Disziplinen in ihrer Komplexität zu erfassen. Die Zukunftsforschung arbeitet demnach interdisziplinär und multidisziplinär[4]. Eine einzelne wissenschaftliche Disziplin könnte dem vielfältigen Themengebiet nicht gerecht werden. Die unterschiedlichen Themengebiete beinhalten Problemfelder wie „die Wirkung der technisch- industriellen Dynamik in Form globaler ökonomischer, ökologischer und sozialer Disparitäten, Machtungleichgewichte, Bevölkerungsexplosionen in der dritten Welt, religiöse und ethische Spannungen und die gravierenden Ungleichverteilungen bei der Nutzung des Naturvermögens.[5] “ Aus diesem Grund werden die Erkenntnisse aus unterschiedlichen Fachdisziplinen genutzt und komplexe funktionale Verknüpfungen von Fachwissen unterschiedlicher Disziplinen und Praxisbereiche kombiniert, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. „Danach ist Zukunftsforschung befasst mit: komplexen dynamischen Systemen und Prozessen; großräumigen bzw. globalen Zusammenhängen und Wirkungen; mittel- und langfristigen Folgen von Entscheidungen, Maßnahmen und Handlungen aus Vergangenheit und Gegenwart; mittel- und langfristigen Zeiträumen, Perspektiven und Handlungsorientierungen in der Zukunft (mittelfristig umfasst einen Zeitraum von ca. 5- 20 Jahren, langfristig von ca. 20- 50 Jahren und in Ausnahmefällen auch darüber hinaus); sektorenübergreifenden Problemen, Themen und Handlungsstrategien; Unsicherheiten; Diskontinuitäten und vernetzten Folgen höherer Ordnung; Vorstellungen über zukünftige Entwicklungen und ihren Einfluss auf gegenwärtiges und zukünftiges Verhalten.[6] “ Sein Kollege Prof. Dr. Dürr (2004) fügt hinzu, dass Zukunftsforschung in der deutschen Sprache mehrere Bedeutungen haben kann: zum einen die Erforschung der Zukunft, als auch eine in Zukunft anzustrebende Forschung, welche die Zukunftsfähigkeit des Menschen verbessert und sein Überleben langfristig sichert.[7] Die Erforschung der Zukunft bedeutet demnach Erkenntnisse darüber zu erlangen, was künftig passieren wird. Nach Dürr (2004) ist dies jedoch nur möglich, wenn man eine gewisse Ordnungsstruktur der Welt voraussetzt, die in der zeitlichen Abfolge zum Ausdruck kommt und somit erlaubt, aus den Gegebenheiten der Gegenwart auf Ereignisse in der Zukunft zu schließen.[8] Und das ist prinzipiell dann exakt, wenn die Zukunft eindeutig determiniert ist. Prinzipiell setzt jedoch die Zukunftsforschung eine Welt voraus, in der die Zukunft in irgendeiner Weise offen ist, also in der Zukunft nicht einfach so passiert, sondern aktiv gestaltet werden kann. Der Mensch bekommt dadurch die Möglichkeit, Zukünftiges vorherzusehen und in seinen Gunsten zu beeinflussen oder zu nutzen. Dennoch plädiert Dörr (2004), dass dieses Handeln nur zukunftsfähig ist, wenn es ihm gelingt, dabei die natürlichen Lebensgrundlagen seiner Existenz nicht zu zerstören. In der Fachliteratur fällt in diesem Sinne häufig der Begriff der „Nachhaltigkeit“. Kreibich (2004) sieht die Zukunftsforschung heutzutage als ein humanitäres partizipativ- evolutionäres Projekt, so dass er sich mit dem Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung verbunden fühlt, welches durch den Brundtland- Bericht 1987 und der Agenda 21 der Rio- Konferenz 1992 geprägt wurde[9]. Das Wunschdenken der Menschheit sind Visionen, die deutliche gewisse Tendenzen und Entwicklungen bevorzugen und somit handeln sie oft auf Kosten der Umwelt. So meint dynamisch „Nachhaltigkeit“ eine Tendenz und zwar „das Leben lebendiger werden zu lassen“ und damit auch die Zukunftsfähigkeit des Menschen zu sichern und zu stärken.[10] Als Konsequenz haben sich auch die Arbeitsweisen der Zukunftsforschung weiterentwickelt, welches im nächsten Kapitel erläutert wird.

[...]


[1] Vgl.: Kreibich (2004). Zwischen Visionen und Alltagshandeln-eine Danksagung. In: Dürr et al. (Hrsg.). Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln. Werkstatt Bericht Nr. 64. IZT, Berlin.

[2] Aus: Ebd.,

[3] Vgl.: Kreibich (2000). Herausforderungen und Aufgaben für die Zukunftsforschung in Europe. In: Steinmüller et. al. (Hrsg.). Zukunftsforschung in Europa. Baden- Baden: Nomos Verlagsgesellschaft.

[4] Vgl.: Ebd.

[5] Aus: Kreibich (2006). Zukunftsforschung. Arbeitsbereicht Nr. 23/2006. Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Berlin, S. 9.

[6] Aus: Kreibich (2006). Zukunftsforschung. Arbeitsbereicht Nr. 23/2006. Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Berlin.

[7] Vgl.: Dürr (2004). Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln- aus physikalischer- philosophischer Perspektive. In: Dürr et. al. (Hrsg.) Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln. Werkstatt Bericht Nr. 64. Berlin: Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.

[8] Vgl.: Ebd.

[9] Vgl.: Kreibich (2004). Zwischen Visionen und Alltagshandeln- eine Danksagung.In: Dürr et. al. (Hrsg.) Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln. Werkstatt Bericht Nr. 64. Berlin: Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung

[10] Vgl.: Dörr (2004).

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638014809
ISBN (Buch)
9783638918558
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87209
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,5
Schlagworte
Zukunftsforschung

Autor

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Titel: Zukunftsforschung