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Das Primary Nursing Konzept

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Pflege in deutschen Krankenhäusern

2. Geschichte des Primary Nursing Konzeptes

3. Das Primary Nursing Konzept
3.1 Definition
3.2 Kernelemente
3.3 Verantwortung und Kontinuität
3.4 Direkter Kommunikationsfluss
3.5 Pflegedurchführender ist zugleich Pflegeplaner

4. Implementierung von Primary Nursing aus Managementsicht
4.1 Verantwortung und Kontinuität
4.2 Direkte Kommunikation
4.3 Pflegeprozessplanung & Durchführung der Pflege

5. Vorteile des Primary Nursing Konzeptes

6. Schwierigkeiten

7. Persönliches Fazit

Literatur

Einleitung

Im Bereich des Marketings gibt es einen Bereich, der sich mit dem Kundenbeziehungsmanagements (engl. Customer Relationship Management, CRM) auseinandersetzt. Kundenansprachen und Kundenbindung nehmen in allen Unternehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Für Unternehmen ist die Kundengewinnung bis zu fünfmal teuerer, als die Kundenbindung. CRM beschreibt die Verwaltung von Kundenbeziehungen. Um den Erfolg des Unternehmens zu steigern, sind die Unternehmensaktivitäten auf langfristige Kundenbeziehungen ausgerichtet. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kundenbeziehungsmanagement)

Märkte werden zunehmend von der steigenden Kundenmacht gesteuert und damit verschärft sich der Wettbewerb. Der Trend, dass Kunden öfter und schneller den Anbieter wechseln, kann entgegengewirkt werden, in dem Kunden mehr Service geboten wird.

Ein Ansatz nennt sich „one Face to the Customer“. Die Bedeutung ist sehr einfach und bezieht sich auf die Betreuung eines Kunden während allen Prozessen des Unternehmens durch eine Person. Damit wird die Neuorientierung vom funktionalen klassischen Marketing, hin zum übergreifenden ganzheitlichen Marketing, das auf die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden fokussiert ist, definiert. (vgl. http://www.kundenbindung-crm.de/)

Nicht nur im Marketingbereich ist eine ähnliche Struktur zu erkennen. Primary Nursing, auf die Pflege spezialisiert, lässt zumindest aus Sicht der Kunden- oder Patientenbeziehungen, vergleichbare Ansätze finden.

In meiner Hausarbeit möchte ich mich deshalb mit dem Primary Nursing Konzept, seiner Entstehung und den notwendigen Maßnahmen einer Implementierung des Konzeptes aus Managementsicht auseinandersetzen.

Keine Veränderung einer Struktur eines Unternehmens kann ohne eine sorgfältige Berücksichtigung aller Faktoren wirksam vonstatten gehen.

Primary Nursing kann eine Grundlage für die Pflege bedeuten und Pflege auf unseren Weg in die Zukunft neu definieren.

Die Bezeichnungen Schwester, Pflegende oder Stationsleitung sind nicht gleichzeitig auf das weibliche Geschlecht bezogen, sondern beziehen sich natürlich auf männliche und weibliche Personen.

1. Pflege in deutschen Krankenhäusern

Momentan ist die pflegerische Organisation in den meisten deutschen Krankenhäusern auf eine funktions- bzw. tätigkeitsorientierte Pflege ausgerichtet. Das bedeutet, dass pflegerische Tätigkeiten gebündelt am Patienten durchgeführt werden (z. Bsp. Vitalzeichenkontrolle, etc.). Auch im Rahmen der Gruppenpflege bleibt diese Tätigkeitsorientierung bestehen, bezieht sich aber auf eine kleine Anzahl von Patienten. Um in kürzerer Zeit mehr Aufgaben zu erledigen, entwickelte sich diese tätigkeitsorientierte Organisation der Pflege aus dem Taylorismus (Trennung von Hand- und Kopfarbeit). (vgl. Kleine Hörstkamp, 2004).

Eine Schwachstelle, der in Deutschland üblichen Pflege-Organisationen, ist die zeitlich begrenzte Schichtverantwortung. Die pflegerische Arbeit wird von Schicht zu Schicht organisiert, geregelt und kontrolliert. Die Pflegenden übergeben ihre Zuständigkeit und Verantwortung am Schichtende an die nachfolgende Schwester. Dies wird besonders in den praktizierten Übergaberitualen, mit Berichten über besondere Vorkommnisse und Verläufe in der letzten Schicht und Hinweisen für die nächste Schicht, sichtbar. Dabei werden weder die individuellen Bedürfnisse des Patienten, noch die der Pflegekraft hinterfragt. Durch die schichtbezogene Verantwortung, fehlt es an der Kontinuität in der Planung und der Betreuung des Patienten während seines Aufenthaltes im Krankenhaus.

„Pflegende sind auf dieser Weise nicht für den Pflegeprozess, sondern für die Leistungserbringung während ihrer Betriebsschicht verantwortlich…“ (Monika Streubelt, Heilberufe online, 14.11.2006)

Diese Art der Organisation kommt nicht der Forderung der Pflegenden nach, eigenverantwortlich, eine professionelle Pflege zum Wohle des Patienten durchzuführen.

2. Geschichte des Primary Nursing Konzeptes

Primary Nursing wurde in den 60iger Jahren in den USA entwickelt und bedeutet auf Deutsch Primär- oder Bezugspflege. Begründerin dieses Pflegesystems war Marie Manthey.

Die Theoriebildung des Primary Nursing Konzeptes entstand unter dem Prozess der „Entprofessionalisierung der Pflege“ in den Vereinigten Staaten.

In den 20-er und 30-er Jahren arbeiteten die Krankenschwestern in den USA weitgehend autonom. Die examinierte Pflegekraft war hauptsächlich als private Pflegekraft („Private Duty Nurse“) im Haus des jeweiligen Patienten oder als Gemeindeschwester („Public Health Nurse“) tätig. Es existierten keine Vorschriften, Routineprozeduren, kein Zeitplan und keine Kontrolle. Dieses autonome Handeln, bezeichnet Manthey als wahre Profession. Durch die Verlagerung der Krankenversorgung aus dem häuslichen Umfeld in den stationären Krankenhausbereich, zerfiel diese Struktur. Durch Arbeitsvorgaben, Richtlinien und der entstandenen Differenzierung der Pflegekräfte (Pflegehelfer, examiniertes Personal, Pflegekräfte mit akademischen Ausbildungen), konnte keine Gesamtheit der Pflege eines Patienten ausgehend von einer Fachkraft aufrechterhalten werden. Das examinierte Pflegepersonal wurde zu einem ausführenden Organ von Aufgaben akademischer Fachkräfte und gleichzeitig Überwacher unterstellter Personalgruppen (Pflegehelfer, etc.). Daraus entstanden hierarchische Strukturen.

Um aus dieser Ent- oder Deprofessionalisierung wieder eine Professionalisierung zu machen, wurde das Primary Nursing Konzept von Maria Manthey am University of Minnesota Hospital entwickelt und erstmals 1969 umgesetzt. (vgl. http://www.pflegewiki.de/wiki/Primary_Nursing)

3. Das Primary Nursing Konzept

3.1 Definition

Um die Schlüsselkonzepte von Primary Nursing zu kennzeichnen, werden vier zentrale Definitionen herausgestellt.

Marram et al. (1976)

„Primary Nursing ist die Durchführung von umfassender, kontinuierlicher, koordinierter und individueller Pflege durch die Primary Nurse, die über Autonomie, Rechenschaftspflicht und die Autorität verfügt, als verantwortliche Pflegeperson für ihre Patienten zu handeln.“

Anderson und Choi (1980)

„Primary Nursing ist als Pflegesystem so organisiert, daß es die kontinuierliche und umfassende pflegerische Versorgung der Patienten maximiert. Den Schwerpunkt bildet eine Pflegeperson, die über die professionelle/organisatorische Autonomie verfügt, die Verantwortung und die Rechenschaftspflicht für die Pflegeplanung und soweit möglich, die umfassende pflegerische Versorgung bestimmter Patienten während ihres Krankenhausaufenthaltes zu übernehmen. Im Idealfall erstreckt sich diese Verantwortung auch über die Wiederaufnahme eines Patienten, auf die häusliche Pflege und die weitere ambulante Versorgung.“

Manthey (1980)

- Zuteilung und Akzeptanz individueller Verantwortung für Entscheidungen einer Pflegeperson
- Zuteilung der täglichen Pflege nach dem Prinzip der fallbezogenen Betreuung
- Direkte Kommunikation
- Eine Pflegeperson trägt die Verantwortung für die Pflegequalität bestimmter Patienten einer Station, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638012126
ISBN (Buch)
9783638917803
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v87080
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Primary Nursing Konzept Organisation Kommunikation

Autor

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Titel: Das Primary Nursing Konzept