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Das Europakonzept Napoleons III.

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeit ohne Krone
2.1 Die Einflüsse seiner Kindheit
2.2 Die Machtergreifung

3. Die politischen Unternehmungen in Europa

4. Der Verlust des Thrones

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Napoleon Bonaparte- ein Name, den Europa fürchtete und bewunderte, der Name eines ehrgeizigen und erfolgreichen Strategen, der den Kontinent mit Krieg überzog. Er war ein Mann, der aus Europa ein einziges Heerlager machen wollte, dessen Provinzen von seinen Generälen als eine Art Militärkonsule verwaltet werden sollten. Ehrgeiz, Entschlussfreude und wohl überlegtes Vorgehen zeichneten seine Laufbahn. Aber schließlich und endlich schlug sich sein Größenwahn Bahn und er überforderte sein Heer, indem er sich mit dem Riesen des Ostens anlegte. Als seine Ära zu Ende ging, waren seine Errungenschaften daher bereits wieder verfallen und nach einem kurzen Zwischenspiel entstand eine Regierung unter Louis Philippe, dem Bürgerkönig.

Doch das Erbe Napoleons I. sollte erneut bedeutend für Europa werden und es war auffällig, „dass Louis Napoleon nicht bloß der Träger eines Namens, sondern der Träger eines Prinzips ist, von welchem er selbst getragen wird.“[1]

Mein Hauptaugenmerk wird auf der Darstellung und der Analyse des Europakonzeptes Napoleons III. liegen, wobei für mich die Frage interessant ist, inwieweit sich seine Mittel und Absichten mit denen des großen französischen Kaisers decken. War er ein großer Feldherr? Wie hat er die Massen für sich gewonnen? War seine Herrschaft absolut und unbedroht? Das sind nur einige der Fragestellungen, die im Laufe meiner Ausführungen behandelt werden.

Zu Beginn werde ich zeigen, wer in welcher Art und Weise auf sein Leben Einfluss nahm, wobei ich seine Mutter explizit erwähnen werde. Dann möchte ich darauf eingehen, wie er an die Macht gelangte und aus der Republik wieder einen absolutistischen Staat machte und endlich seine Vorstellungen vom Aussehen Europas umzusetzen versuchte, dabei auf Italien bedeutenden Einfluss nahm und sich aber schließlich diplomatisch selbst in die Enge manövrierte, aus welcher er nur auf allen vieren wieder heraus gekrochen kam.

Ich werde zeigen, dass Napoleon III. ein widersprüchlicher Mensch war, dessen Ansichten und Aktionen sich häufig gegenseitig ausschlossen, der selten einen einheitlichen Kurs fand und sich auch allzu oft von Dritten beeinflussen ließ.

In meiner Gliederung gibt es keinen Punkt, der explizit die Bezeichnung „Das Europakonzept Napoleons III.“ trägt. Die bezüglich dieses Themas gemachten Ausführungen sind impliziert in den vorhandenen Gliederungspunkten.

2. Die Zeit ohne Krone

2.1 Die Einflüsse seiner Kindheit

Ein Kind nimmt sich immer seine Eltern als Vorbild. Dies war auch bei Charles Louis Napoleon, dem späteren Kaiser Napoleon III. der Fall.

Sein Vater Louis Napoleon war ein misstrauischer, mürrischer, eifersüchtiger Mensch, der selten zu Späßen aufgelegt war. Diese Eigenschaften waren verständlicherweise für das Verhältnis zu seinen beiden Söhnen nicht förderlich. Auch gegenüber seiner Frau Hortense verhielt er sich zurückhaltend, scheu und sensibel, womit ihre erhöhte Aufmerksamkeit erklärt ist, die sie ihren Kindern angedeihen ließ. Doch Louis Napoleons Charakter machten ihn zu einem geeigneten Herrscher, denn neben seinen negativen Eigenschaften, die seinen Umgang mit Menschen kennzeichneten, war er pflichtbewusst und friedfertig.

Seine Gemahlin Hortense war das ganze Gegenteil: leichtfertig, heiter, schlagfertig. Sie hatte Freude an Gesellschaft, welche sie stets mit ihrem geistreichen Witz zu unterhalten wusste. In politischer Hinsicht war sie eine Royalistin mit einer extrem ausgeprägten romantischen Ader, der ihrem ehrgeizigen Geltungsdrang zugute kam. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Kinder eher mit ihrer lustigen Mutter als ihrem schweigsamen Vater befassten.

Im Jahre 1806 wurde Louis Napoleon durch seinen Bruder, den großen Kaiser der Franzosen Napoleon I., zum König von Holland ernannt, was dem künftigen Monarchen nicht gefiel, aber seiner Frau umso mehr. Er regierte gutmütig, aber entgegen den Vorstellungen seines Bruders. Unter anderem unterminierte er die Seeblockade gegen England, da er wusste, dass Holland vom Handel mit England abhängig war.

Am 20.4.1806 wurde Charles Louis Napoleon in Paris geboren, also noch während sein Vater der König der Niederlande war. Dass Hortense seine Mutter war, wird nicht bezweifelt, aber über die Identität seines Vaters wurde heftig spekuliert, obwohl es nach dem neusten Stand der Forschung wahrscheinlich Louis Napoleon, der Gatte von Hortense, war.[2]

Vier Jahre später legte der Vater des späteren Kaisers die Krone nieder, nachdem es mit Napoleon I. zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen war, weil Louis Napoleon einen Separatfrieden mit England anstrebte und der Kaiser der Franzosen deshalb die Niederlande wieder zu einem Teil Frankreichs machen wollte.

In seiner Kindheit war Charles Louis Napoleon ein stilles, freundliches und verträumtes Kind, das mit Freude lernte, zeitweise aber auch faul und träge war. In seinem Vorgehen war er zielstrebig, teilweise sogar starrsinnig, bedächtig und überlegt.

Nach der Rückkehr des Großen Kaisers im Jahre 1815 wurde seine Mutter Hortense zu einer der treusten Anhängerinnen des Napoleon Bonaparte und gab den dynastischen Gedanken an ihre Kinder, besonders aber an Charles Louis weiter, was dessen zukünftige Ansichten und Taten nachhaltig prägen sollte. Aber nachdem der Kaiser erneut vertrieben worden war, musste sie mit ihrem Sohn nach Baden fliehen, wo die letzte napoleonische Gräfin regierte.

Im Jahre 1818 erhielt Louis Napoleon einen neuen Erzieher: Monsieur Le Bas. Dieser war ein glühender Republikaner, der den Prinzen durch seinen Idealismus häufig mit riss und ihn zur Schwärmerei anhielt. Zu diesem Zeitpunkt war der Junge aber bereits durch den Napoleonismus seiner Mutter geprägt. Über seinem Bett hing ein Bild des Kaisers, in seinem Besitz befand sich ein altes Schulbuch seines berühmten Onkels, der Pavillon im Garten des Anwesens wurde „Napoleons Klause“ genannt- er war bereits überzeugt von der Tradition des Namens Napoleons.[3] Trotz dieser Umstände gelang es Monsieur Le Bas dennoch, dem späteren Kaiser Humanität einzupflanzen, die er ihm anhand der Erzählungen über die antike Geschichte näher brachte, in der jede tyrannische Herrschaft zerstört worden war. Zusätzlich genoss Louis eine klassisch-humanistische Bildung im St. Anna Gymnasium in Augsburg.

Sport spielte in seinem Leben eine bedeutende Rolle. Besonders der Reitsport hatte es ihm angetan. Er genoss die Geselligkeit und lebte bei Reiten seine Abenteuerlust aus, die er später auch in der Politik ausleben sollte. Im Alter von 16 besuchte er die Artillerieschule in Thun, was ihm später bei den Anstrengungen, die Armee auf seine Seite zu ziehen, gute Dienste leisten sollte.

Seine Überzeugung von der Tradition und Verpflichtung seines Namens kam zum Ausdruck, als er sich der italienischen Einheitsbewegung anschloss und seine Sache derart rechtfertigte: „Der Name, den wir tragen, verpflichtet uns, den unglücklichen Völkern, die uns rufen, beizustehen.“[4] Sein Bruder begleitete ihn. Als schließlich die Österreicher auf Seiten der italienischen Partikularstaaten eingriffen, wollte Hortense ihre Söhne vor deren Zugriff retten und floh mit ihnen nach Frankreich.

Seit 1832 war Charles Louis aus dynastischer Sicht der erste Anwärter auf den französischen Thron, denn sein älterer Bruder war in Italien gestorben und Napoleon II., Sohn des Großen Kaisers, hatte ebenfalls sein Leben ausgehaucht. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte er erstmals ein Konzept seiner künftigen Herrschaft. Die Fürsten Europas sollten dem Volk eine ihrer Nationalität angepasste Verfassung geben, die eine Gewaltenteilung und demokratische Institutionen vorsah. Er hatte den Kopf voller origineller Ideen. Seine weitreichende Bildung sollte ihm die Unterstützung zahlreicher Schichten einbringen. So verfasste er eine Schrift über Rübenzucker, welche die Industriellen begeisterte, eine gegen Arbeitslosigkeit, um die Sozialisten und die Arbeiter zu bedienen und eine über Artillerienutzung, um das Militär von seiner Person zu überzeugen. Des weiteren war er ein überzeugter Verfechter der Nationalstaatsidee. Überhaupt war der Nationalstaat sein Allheilmittel gegen jedes Problem, das in Europa auftrat. Daher strebte er ein vereinigtes Europa an, in dem die Nationen basierend auf ihrem Selbstbestimmungsrecht ihre Herrscher durch ein Plebiszit legitimeren sollten, so dass alle dadurch entstehenden Staaten friedlich nebeneinander existieren konnten. Neben seiner nationalen Überzeugung diente dieses Prinzip gleichzeitig einem seiner anderen Ziele: die Revision des Wiener Kongresses von 1815, der Frankreich in seinen Augen seiner Vormachtstellung beraubt hatte.

Die Befreiung und Einigung aller Völker Europas als Vollendung der Französischen Revolution- das betrachtete er als seine Lebensaufgabe.

2.2 Die Machtergreifung

Seinen ersten Umsturzversuch wollte er als einen zweiten Marsch des Napoleons I. inszenieren. Es war sein Plan, die Kontrolle über Strassburg zu übernehmen und dann mit einer Armee auf Paris zu marschieren, wobei sich unterwegs neue Regimenter anschließen sollten. Anfänglich ließen sich die Soldaten in der Stadt auch vom Mythos des Namens Napoleons umnebeln, aber in der Finckenmattkaserne wurde er verhaftet, nachdem Zweifel an seiner Identität aufgekommen waren. Der Bürgerkönig Louis Philippe begnadigte den Emporkömmling, den er nicht ganz ernst nahm, unter der Bedingung, dass er nach Amerika auswanderte. Während seiner Zeit im Exil wuchs in ihm die Erkenntnis, dass die Vereinigten Staaten durchaus eine Gefahr für Europa werden konnten. Diese Überlegungen spielten später eine Rolle bei seinem Mexikoabenteuer.

Die Krankheit seiner Mutter veranlasste ihn dazu, illegal die Heimreise anzutreten. Hortense starb im Oktober 1837 in seinen Armen in der Schweiz. Aufgrund des Drucks aus Paris auf die Schweiz floh er schließlich nach England, wo er von Königin Viktorias Absichten der Einführung eines allgemeinen Stimmrechts für Männer und Frauen ohne jeglichen Zensusbestimmungen erfuhr. Außerdem befasste er sich mit Studien der Lebensumstände der Arbeiterklasse.

Bei dieser Gelegenheit analysierte er das Regierungssystem seines großen Vorbildes und kam zu dem Schluss, dass es sich dabei um eine starke Demokratie gehandelt habe. Die durchgeführte und weitreichende Zentralisation wäre nur ein vorübergehendes aber notwendiges Übel gewesen. Als demokratische Attribute bewertete er unter anderem die Gleichheit aller Staatsbürger, die freie Berufswahl und das allgemeine Wahlrecht. Umstände, welche das System stark gemacht haben, waren seiner Meinung nach die Bündelung der Macht in den Händen des Kaisers, der den Staat als einziger nach außen hin repräsentieren durfte, die weise und umsichtige Beschneidung der Befugnisse der Volksvertretung und die Unterdrückung von Parteiengezänk und unpatriotischer Presse. Letzteres sollte Charles Louis selbst in seinem System nicht umsetzen, was die Integrität seiner Regierung schließlich untergrub. Selbst den Krieg, den Napoleon I. über Europa gebracht hatte, verteidigte sein Erbe. Schließlich wollte er damit nur das Glück zu den anderen Völkern bringen: „Sie gleichen den Überschwemmungen des Nils: wenn seine Fluten die Felder Ägyptens bedecken, könnte man an Verheerungen glauben; kaum aber haben sie sich zurückgezogen, so folgen Überfluss und Fruchtbarkeit“[5]

[...]


[1] Konstantin Franz: „Louis Napoleon“, S.7

[2] Vgl. Heinz Rieder: „Napoleon III. Abenteurer und Imperator“, S.26 ff

[3] Vgl. Heinz Rieder: „Napoleon III. Abenteurer und Imperator“, S.40 f

[4] Heinz Rieder: „Napoleon III. Abenteurer und Imperator“, S. 48

[5] Heinz Rieder: „Napoleon III. Abenteurer und Imperator“, S.92

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638029223
ISBN (Buch)
9783638927956
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86924
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Europakonzept Napoleon III

Autor

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