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Aspekte personalen Erzählens am Beispiel des Romans 'Amado Amo' von Rosa Montero

Seminararbeit 2004 11 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Dominanz einer Reflektorfigur

3. Dominanz der Innenperspektive
3.1 Erlebte Rede
3.2 Rhetorische Fragesätze
3.3 Innerer Monolog
3.4 Szenische Darstellung

4 Die Zeit

5 Schlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dem Roman Amado Amo [1] von Rosa Montero lernen wir den etwa 50jährigen César, einen Artdirector einer Madrider Werbeagentur, kennen, der zunächst erlebt, wie man seinen Kollegen Matías langsam aus der Firma drängt, in der ein ständiger Machtkampf um die Positionen herrscht. César ist ausgebrannt und bald soll ihn daher dasselbe Schicksal ereilen.

Anhand dieses Romans soll im Folgenden das personale Erzählen erläutert werden, das „seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ die Romanentwicklung bestimmt hat (vgl. STANZEL, 1967, S. 39). Die wichtigsten Aspekte dieser Technik sind das Vorherrschen einer Reflektorfigur[2] und das Überwiegen der Innenperspektive (Vgl. STANZEL, 1989, S. 81)

2 Dominanz einer Reflektorfigur

In der personalen Erzählsituation wird das Geschehen aus der Sichtweise einer[3] bestimmten beteiligten Figur, der sogenannten Reflektorfigur, vom Erzähler geschildert. Diese wird hier verkörpert durch César. Zu Beginn unseres Romans beobachtet er seinen Kollegen Matías, der seinen Firmenparkplatz belegt vorfindet:

(S. 9) « Al entrar en el aparcamiento subterráneo casi se empotró contra la trasera de un automóvil rojo. El otro conductor sacó la cabeza por la ventanilla: una coronilla rala, unas mejillas blandas y enrojecidas, unos ojos hinchados. [... ] Matías se apeó hecho una furia: Maldita la leche que, me cago en la, hay que joderse con el. »

Bereits in diesen ersten Zeilen wird dem Leser deutlich, dass die Reflektorfigur in ihrer Wahrnehmung durch ihre „subjektiv-psychologische Sichtweise eingegrenzt“ ist; sie kann demnach Nebenfiguren nur von außen betrachten. (Vgl. VOGT, S. 54f.) Die Formulierung “mejillas blandas y enrojecidas” beweist, dass hier aus der speziellen Sichtweise Césars gesprochen wird, der Matías demzufolge auch mit normaler Gesichtsfarbe kennen muss.

Der Leser erlebt die „dargestellte Wirklichkeit <als> unkommentierte Spiegelung [...] im Bewusstsein einer Romangestalt“ (vgl. STANZEL, 1989, S. 70). Informationen über andere Figuren erhält er also nur durch Gedanken und Dialoge der Reflektorfigur[4].

Dies zeigt sich als Matías ausgerechnet vom Parkhauswächter die vielsagende Nachricht erhält, dass sein Platz ohne sein Wissen einem anderen Mitarbeiter zugewiesen wurde:

(S. 10) « Matías abrió la boca, la cerró. Y César pensó: Está acabado. »

Durch diesen kurzen Gedanken der Reflektorfigur erfährt der Leser, wie es aus Césars Sicht um Matías steht: Er wirkt hier hilflos wie ein Fisch auf dem Trockenen. Und er ist es auch, denn er ahnt, dass der Verlust seines Firmenparkplatzes gleichzeitig auch den Verlust seines Arbeitsplatzes bedeutet.

Ähnlich informativ sind die Dialoge. Da Matías in keiner Weise begreifen will, dass ein Gespräch mit dem für den Parkplatzverlust verantwortlichen Vorgesetzten erfolglos sein wird, versucht César im Fahrstuhl zum Büro das Thema zu wechseln:

(S. 13) « Hay que dejar de fumar, bromeó César mientras encendía un cigarillo. ¿Y dices que tú le das las llaves al encargado? Eso es. Pero yo tengo que hablar con Pittbourg, insitió Matías empecinadamente. Pobre infeliz, se dijo César. »

In diesem kurzen Dialog erfährt der Leser, dass Matías gewissermaßen „mit Tunnelblick“ auf eine mögliche Bewältigung seines Problems starrt. Daher geht er auf eine scherzhafte Bemerkung Césars gar nicht ein, sondern wiederholt gebetsmühlenhaft seinen Plan mit eben dem Vorgesetzten zu reden, der ihn bei der Firmenparkplatz-Entscheidung bezeichnenderweise außen vor gelassen hat. César zieht mitfühlend für sich den Schluss, dass Matías nicht mehr zu helfen ist.

Die Reflektorfigur „nimmt wahr, empfindet <und> registriert“.[5] (Vgl. STANZEL, 1989, S. 194)

Das Zurücktreten des Erzählers, der im eigentlichen Sinne Übermittler zwischen Geschehen und Leser ist, und die Dominanz der Reflektorfigur lassen im Leser „die Illusion der Unmittelbarkeit seiner Wahrnehmung“ entstehen. (Vgl. STANZEL, 1989, S. 71)

Anders als im auktorialen Roman, in dem der Erzähler allwissend und allgegenwärtig ist, zieht er sich im personalen Roman so stark hinter das Geschehen zurück, dass der Leser den Eindruck hat, dieses Geschehen direkt aus der Sicht der Reflektorfigur zu erleben. Er kann hierbei dazu neigen, Erzähler und Reflektorfigur als eine Person wahrzunehmen. Doch personales Erzählen ist nach Stanzel auch durch die „Nicht-Identität der Seinsbereiche“ von Erzähler und Reflektorfigur charakterisiert (vgl. STANZEL, 1989, S. 71).

Der Leser wird zwar nicht mehr durch direkte Stellungnahmen des Erzählers gelenkt, dennoch „unterschwellig“ in seiner Haltung und in seinem Urteilsvermögen beeinflusst, da der Autor als Wortgeber natürlich weiterbesteht. (Vgl. STANZEL, 1967, S. 40ff.)

[...]


[1] Im weiteren Text mit A.A. abgekürzt.

[2] die durch ihre Nichtidentität mit dem Erzähler definiert wird

[3] oder mehreren

[4] Stanzel spricht in diesem Zusammenhang auch vom „personalen Medium“ (vgl. STANZEL, 1967, S.43)

[5] Die Erzählerfigur im älteren Roman hingegen „erzählt, berichtet, [...], übermittelt, korrespondiert, [...], bezieht sich auf ihr eigenes Erzählen, redet den Leser an <und> kommentiert das Erzählte“.

Details

Seiten
11
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638027427
ISBN (Buch)
9783656571001
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86864
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für romanische Philologie
Note
1,0
Schlagworte
Aspekte Erzählens Beispiel Romans Amado Análisis

Autor

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Titel: Aspekte personalen Erzählens am Beispiel des Romans 'Amado Amo' von Rosa Montero