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Internationale Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen der Länder Deutschland versus Brasilien

in Bezug auf Regulierung, Organisation und Finanzierung des stationären Behandlungssektors

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Entwicklungen des Krankenhauswesens
2.1 Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland
2.2. Entwicklungen in Brasilien

3. Grundmerkmale des stationären Sektors
3.1 Struktur des stationären Sektors in Deutschland
3.2. Struktur des stationären Sektors in Brasilien
Tabelle 1. Grundmerkmale des stationären Sektors (Krankenhäuser),
Brasilien und Deutschland, 2000 (ca.)

4. Unterschiede im stationären Sektor
4.2 Unterschiede in der Finanzierung

5. Ausblick in die Zukunft

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Internationale Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen von Deutschland und Brasilien lassen sich unter anderem in der Regulierung, Finanzierung und Organisation des stationären Behandlungssektors nach-weisen. Der direkte Vergleich soll hier die Unterschiede deutlich machen.

Lateinamerika zeichnet sich durch seine sehr autoritäre politische Kultur und die weltweit größte Ungleichheit in der Einkommensverteilung aus. (Fleury 2001)

Einen Blick auf das brasilianische Gesundheitssystem zu werfen verspricht aus verschiedenen Gründen interessant zu sein. So stellt sich zum einen vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Brasilien die Frage, ob und wie die Regierung von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva die Schwierigkeiten bewältigt, vor die sie sich seit Amtsantritt 2002 gestellt sieht, wie die extreme Armut und soziale Ungerechtigkeit der Bevölkerung, den Druck zur Privatisierung und Kommodifizierung sozialer Dienste durch die Weltbank und nicht zuletzt das Erbe einer langjährigen Militärdiktatur. Zum anderen ist jedoch auch im Bezug auf die mittlerweile gut 20 Jahre dauernde Geschichte der Gesundheitsreformen in Deutschland ein Blick oder auch ein Vergleich mit Brasilien nicht uninteressant. Denn in Brasilien wird das umgesetzt, wovon in Deutschland seit Jahren immer öfter die Rede ist: Eine steuerfinanzierte Gesundheitsversorgung mit freiem Zugang für die gesamte Bevölkerung. (Giovanella/de Souza Porto 2004)

2. Entwicklungen des Krankenhauswesens

2.1 Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland

Die zum Teil bis heute noch sichtbaren Strukturen und Elemente des modernen deutschen Gesundheits- und Krankenhauswesens sind bereits im 19. Jahrhundert geschaffen worden, obwohl sich erste Ansätze einer Gesundheits-verwaltung noch bis in das Mittelalter zurückverfolgen lassen. (Fehlemann/Ferber/Woelk 2002)

In den letzten Jahrzehnten hat die rasante globale medizinisch-technische Entwicklung die Ausgestaltung des deutschen Krankenhauswesens erheblich mitgeprägt. Die minimal-invasive Chirugie etwa hat der klassischen Operation ein völlig neues Gesicht gegeben, ebenso hat sich die Innere Medizin vom traditionellen konservativen Fach, zu einem apparativ ausgerichteten und operativ intervenierenden Fach entwickelt. Viele der neuen Verfahren drängen von den Universitätskliniken und Transplantationszentren in die Peripherie der Allgemeinkrankenhäuser. (Labisch/Spree 1996) Das moderne Krankenhaus zeichnet sich heutzutage durch Spezialisierung und Arbeitsteilung aus, es ist – nicht nur im Gesundheitswesen – ein wichtiger Arbeitgeber. Ende der 1980er Jahre waren knapp 900.000 Menschen im Krankenhauswesen beschäftigt, ca. ein Neuntel hiervon waren Ärzte, nahezu die Hälfte der Beschäftigten ist im Pflegebereich tätig. (Beske 1995) Als Krankenhäuser firmieren in Deutschland für die öffentlichen Krankenhäuser Länder, Kreise, Städte oder Zweckverbände, freigemeinnützige Krankenhäuser stehen unter der Trägerschaft der freien Wohlfahrtsverbände, private Krankenhäuser werden von Privatärzten oder Kapitalgesellschaften geführt. Im Jahr 1998 wurden in Deutschland rund 208 Milliarden Euro für Gesundheitsleistungen ausgegeben, d.h. 10,8% des Bruttoinlandsproduktes wurden in Gesundheitsleistungen investiert. Werden die Pro-Kopf-Ausgaben herangezogen liegt Deutschland mit 2370 Euro je Einwohner weit vor Brasilien. (Buchner/Wasem 2002)

2.2. Entwicklungen in Brasilien

Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Kranken- bzw. Rentenversicherung in Brasilien nur auf einen bestimmten Mitgliederkreis begrenzt, das waren die wichtigsten Berufe für den Export wie Bahnbeschäftigte und Hafenarbeiter. (Oliveira/Teixeira 1986)

Bereits in den 1970er Jahren erfolgte eine Ausweitung der medizinischen Versorgung der Versicherten in Brasilien. Grundcharakteristik der Erweiterung der medizinischen Versorgung war die Privatisierung der Leistungserbringung im Krankenhaussektor durch Verträge mit Privatanbietern. Das brasilianische Bundesrenteninstitut gab den Vertragsabschlüssen mit privaten Krankenhäusern Vorrang vor dem Bau neuer eigener Krankenhäuser wie vorher üblich. Die Eigentumsverhältnisse im Krankenhausbereich veränderten sich soweit, dass Ende der 1980er Jahre 70% der Betten in privater Hand waren. (Oliveira/Teixeira 1986) Ende der 1980er Jahre fand im brasilianischen Gesundheits- und Krankenhauswesen eine wichtige strukturelle Reform statt. Es erfolgte der Wechsel von einem Sozialversicherungsmodell, wie in Deutschland, zu einem steuerfinanzierten Versorgungssystem mit freiem Zugang für alle Bürger. 1988 erfolgte die Verabschiedung einer neuen brasilianischen Bundesverfassung, die Gesundheit als soziales Grundrecht festschrieb und den Staat verpflichtete, generellen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung zu gewährleisten. Anfang der 1990er Jahre standen schließlich sämtliche Gesundheitsleistungen des Bundesrenteninstituts und die privaten Krankenhäuser, die von der öffentlichen Hand unter Vertrag genommen wurden, der gesamten Bevölkerung offen. (Giovanella/de Souza Porto 2004)

Die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Brasilien sind vergleichsweise niedrig. Im Jahr 2002 beliefen sich die Sistema Unico de Saude - Ausgaben auf rund 40 Milliarden Real, umgerechnet 14 Milliarden Euro. Damit machen die öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen etwa 3,2% des Bruttoinlandproduktes aus und die Pro-Kopf-Ausgaben des SUS liegen unter 100 US-$. Bisher gibt es keine umfassende Statistik über die gesamten Gesundheitsausgaben, doch Schätzungen beziffern die öffentlichen Ausgaben auf rund 60% der Gesamtausgaben für das Gesundheitswesen. (Biasoto/Piola 2001)

3. Grundmerkmale des stationären Sektors

3.1 Struktur des stationären Sektors in Deutschland

Die Aufgaben des deutschen Krankenhauses werden im Fünften Sozial-gesetzbuch nach §107, Absatz 1 zusammengefasst. Innerhalb des Kranken-hauses lassen sie sich in die Bereiche ärztlicher Dienst, Pflegepersonal, Versorgungsdienste, Verwaltung und Funktionsbereiche gliedern. (Beske 1995) Unterschiede zum brasilianischen Krankenhauswesen bestehen nicht nur in der Primärversorgung, sondern werden auch im Krankenhaussektor deutlich. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Zahl der vorgehaltenen Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner. In Deutschland werden für 1000 Einwohner 6,4 Betten vorgehalten. In Brasilien stehen dem nur 2,9 Betten gegenüber. (BMG-Daten des Gesundheitswesens 2001) Die Zahl der statistisch erfassten Betten und deren Vergleich sagt aber nichts über die Personalausstattung und die Nutzung der Betten aus. (Figueras/Saltman 1997) Will man die Wirtschaftlichkeit des Krankenhaussektors unterschiedlicher Länder betrachten, muss man zum Beispiel die hierfür verwendeten Ausgaben mit den tatsächlich erbrachten Leistungen vergleichen. Ein in internationalen Vergleichen üblicherweise herangezogener Indikator ist die Zahl der Fälle die in Krankenhäusern aufgenommen und behandelt werden. Vergleicht man Fallzahlen und Kosten der Krankenhäuser, steht der stationärer Sektor in Deutschland gut da. Bei einer im Durchschnitt liegenden Ausgabenintensität wird hierzulande eine deutlich überdurchschnittliche Zahl von Behandlungsfällen versorgt. In der Bundesrepublik werden knapp 20 Akutfälle pro 100 Einwohner registriert. Demgegenüber steht der OECD-Durchschnitt mit knapp 16 und Brasilien mit knapp 12 Akutfällen pro 100 Einwohner. Das Forschungsinstitut BASYS kommt in einer vergleichenden Untersuchung zu dem Ergebnis, „dass die Krankenhausversorgung der Bundesrepublik Deutschland unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses von Leistungen zu Kosten sehr gut abschneidet.“ (Huber 1993)

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Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638009577
ISBN (Buch)
9783638914963
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86794
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,0
Schlagworte
Internationale Unterschiede Gesundheitssystemen Länder Deutschland Brasilien

Autor

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Titel: Internationale Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen der Länder Deutschland versus Brasilien