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Islamische Identität und anti-westlicher Diskurs im Iran des 20. Jahrhunderts

Magisterarbeit 2007 134 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Bemerkungen zur Transkription

I Einleitung

II Historische Synopse
1. Transformation der iranischen Gesellschaft vor dem Hintergrund kolonialer Expansionsbestrebungen im 19. Jahrhundert
2. Modernisierungsbestrebungen im 19. Jahrhundert: Die Babi-Bewegung (1844-1852)
3. Vom ‚Haus der Gerechtigkeit’ zum Parlament: Die ‚konstitutionelle’ Revolution (1905-1911)
4. Reza Schah und Nation Building (Reg. 1925-1941)
5. Iran im tripolaren Spannungsfeld zwischen Sowjetunion, Großbritannien und den USA
5.1 US-amerikanisches Interesse am Iran: Das Erdöl
5.2 Britisch-amerikanischer Interessenskonflikt: Der Weg zur Nationalisierung der iranischen Ölindustrie
6. Mohammad Mosaddeq und nationale Selbstbestimmung (1951-1953)
7. Iran unter der ‚Pax Americana’ (1953-1979)

III Von der Feder zum Schwert – Vordenker, Theoretiker und Ideologen der Iranischen Revolution
1. Theoretische Vorbemerkungen
1.1 Die Konstruktion des Anderen
1.2 Orientalismus
1.3 Umgekehrter Orientalismus
1.4 Nativismus
1.5 Kultur-inhärente Eigenheiten schiitischer Identität
2. Ğalāl Āl-e A½mad - ﺠﻼﻞ ﺁﻞ ﺍﺤﻤﺪ (1923-1969)
3. þAlī Šarī΄atī ﻋﻠﻰ ﺸﺮﻴﻌﺘﻰ - (1933-1977)
4. Éey¿ Mortaæā MoÔahharÍ - ﺸﻴﺦ ﻣﺮﺘﻀﺎ ﻣﻄﻬﺮﻯ (1920-1979)
5. Seyyed RÚ½ollāh ¾omeynÍ - ﺴﻴﺪ ﺮﻮﺢﺍﻠﻠﻪ ﺨﻣﻴﻨﻰ (1902-1989)

IV Zusammenfassung

V Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

Abbildungen

Bemerkungen zur Transkription

Die Umschrift persischer Wörter richtet sich im Wesentlichen nach dem System der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft*, die Vokalisierung erfolgt nach Junker/Alavi**. Einzig der arabisch-persische Buchstabe ﻭ wird gemäß der Umschrift der Encyclopaedia Iranica anstatt mit v mit w wiedergegeben. Gewisse Inkonsistenzen lassen sich insofern nicht vermeiden, als bestimmte Eigen-, Orts- und Monatsnamen in der im Deutschen gebräuchlichen Schreibweise wiedergegeben werden.

Die Umschrift des persischen Alphabets:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die meisten und schlimmsten Übel, die der Mensch dem Menschen zugefügt hat,

entsprangen dem felsenfesten Glauben an die Richtigkeit falscher Überzeugungen.

Bertrand Russel

I Einleitung

„Je mehr Menschen, vor allem junge Menschen,

für unsere Sache sterben, desto stärker werden wir.

Die Moslems aller Länder müssen die Todesfurcht bezwingen,

damit sie die ganze Welt bezwingen können.“[1]

Im Mai dieses Jahres haben Iran und die Vereinigten Staaten nach fast 30 Jahren wieder erste, offizielle diplomatische Beziehungen auf ranghoher Ebene aufgenommen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da der iranische Präsident MahmÚd Ahmadī-Nežād keine Gelegenheit ungenutzt lässt, den ‚Westen’ zu attackieren und herauszufordern. Schon 2005 löste sein Wunsch, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, internationale Entrüstung aus. So explizit, so öffentlich hatte dies zuletzt der damalige Revolutionsführer der Islamischen Republik Iran, Àyatollāh ¾omeynī, kurz vor seinem Tod im Jahre 1989 gefordert. Während der diesjährigen Trauerfeiern zu dessen Todestag am 3. Juni erneuerte Ahmadī-Nežād seine Forderung nach der Zerstörung des israelischen Regimes: „Mit Gottes Hilfe haben die Kinder Libanons und Palästinas den Countdown zur Zerstörung des zionistischen Regimes in Gang gesetzt […]. Wir werden hoffentlich in naher Zukunft die Zerstörung dieses Regimes erleben.“[2]

Auch im Rahmen des umstrittenen iranischen Atomprogramms geht Ahmadī-Nežād demonstrativ auf Konfrontationskurs zur Weltgemeinschaft und zum Uno-Sicherheitsrat: „Unser Land“, so der iranische Präsident im vergangenen April in der Anreicherungsanlage in Natans, „ist heute dem Club der Nuklearstaaten beigetreten.“[3] þAlÍ LāriºānÍ, iranischer Chefunterhändler in den Atomverhandlungen mit der Internationalen Atombehörde (IAEA), geht sogar davon aus, dass sich der Bestand an Zentrifugen, die für die Anreicherung von Uran benötigt werden, schon bald von offiziell bisher bekannten 328 auf 3000 Zentrifugen erhöhen werde. Das verarbeitete Uran kann bekanntlich sowohl für Energiegewinnung als auch für den Bau von Nuklearwaffen verwendet werden. Mit diesen Kapazitäten, so „Der Spiegel“, könnte Iran jährlich zwei Atombomben herstellen. Insgesamt plane Teheran bis zu 54.000 solcher Geräte.[4]

Die Staatengemeinschaft scheint sich indes in einem Punkt einig zu sein: Eine atomare Aufrüstung der Islamischen Republik würde die ölreiche Region um den Persischen Golf in eine machtpolitische Instabilität mit unvorhersehbaren Konse­quenzen manövrieren. Dies wäre weder im Interesse Washingtons noch Moskaus, schon gar nicht Tel Avivs. Die neusten Entwicklungen scheinen die Fronten indes noch zu verhärten. Allen Verständigungs- und Vermittlungsversuchen auf diplomatischer Ebene zum Trotz sind Medienberichten zufolge die Amerikaner gewillt, die Nachbarstaaten Irans militärisch aufzurüsten. Dies unter der explizit geäußerten Prämisse, eine Aus­dehnung des iranischen Einflusses zu verhindern.[5] Die Reaktion Teherans ließ nicht lange auf sich warten. In einer Fernsehansprache erklärte der iranische Staatsführer und Nachfolger ¾omeynīs, Àyatollāh ¾āmeneī, prompt die USA und Israel zu den größten Feinden Irans. Der Hass auf Amerika wachse mit jedem Tag.[6]

Es lässt sich somit ein Konflikt beobachten, der in seiner eigentümlichen Dynamik an zwei Fronten ausgetragen wird. Auf der einen Seite wird er bestimmt durch machtpolitische Motive und Interessen. Diese lassen sich als Grundkonstanten poli­tischer Handlungsimperative aller im Wettbewerb um Macht und Einfluss befindlichen Staaten bezeichnen. Auf ein Höchstmaß verschärft wird dieser Konflikt durch die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der derzeit bekannten Erdölreserven in den Staaten um den Persischen Golf, allen voran Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und die Verei­nigten Arabischen Emirate, zu finden sind.[7] Der Mittlere Osten wird somit zum geo­strategischen Fixpunkt der energiepolitischen Interessen der Wirtschaftsmächte.

Auf der anderen Seite wird dieser Konflikt zusätzlich genährt durch beiderseitige ideologisch-dogmatische Abgrenzungs- und Anschuldigungsrhetorik. Verfolgt man den Verlauf der gegenseitigen Agitationen seit den Ereignissen des 11. September 2001, so lässt sich ein Diskursfeld bestimmen, auf dem dieser Konflikt von den am politischen Prozess beteiligten Akteuren inszeniert, ausgehandelt und reproduziert wird. Im Rah­men des Anti-Terror-Kampfes, der von den Vereinigten Staaten als unmittelbare Ant­wort auf die Anschläge auf das World Trade Center ausgerufen wurde, geriet der Iran wieder ins Zentrum politischer Überlegungen Washingtons sowie westlichen Medien­interesses.

Gerade die westlichen Medien sind es, die diesen politisch motivierten, jedoch ideologisch geführten Diskurs bereitwillig aufgreifen und ihrerseits zu irreführenden Essentialisierungen und Verzerrungen beitragen. Die stigmatisierenden Vorgaben der Politik werden somit in einen öffentlichen Diskurs verlagert und erhalten schließlich eine allgegenwärtige Deutungs- und Wirkungsmächtigkeit. Der derzeitige Zwischenstand dieses bipolaren Konfliktes zwischen Iran und dem ‚Westen’ ist eher ernüchternd. Ganz abgesehen von den tatsächlichen real-politischen Interessen und Notwendigkeiten, die selbstverständlich vorhanden sind, gewinnt man den Eindruck, dass die politisch-mediale Zurschaustellung gegenseitiger Geringschätzung, Verachtung und Dämonisierung den Konflikt nur weiter anheizt. Im Grunde umschreiben die Politik wie auch die Medien beider Lager nur wortreich die pessimistische Vorannahme, dass ein Antagonismus vorherrsche, aber eben nicht verstanden und damit auch nicht aufgelöst werden könne – es sei denn mit Mitteln der Gewalt. Auf die Suche nach Ursachen und Motiven wird bereitwillig verzichtet. Die vorliegende Arbeit will diese Leerstelle des öffentlichen Diskurses auffüllen helfen, indem sie vor allem die im religiösen Identitätsdiskurs beheimateten Hintergründe und Eigenlogiken für die iranischen Positionen in diesem Konflikt sichtbar werden lässt.

Die Geschichte Irans im zwanzigsten Jahrhundert war geprägt von Abgrenzungs- und Eigenständigkeitsbestrebungen. Der hegemoniale Einfluss des Westens schuf – wie zu sehen sein wird – das Paradigma einer allmählichen Verwestlichung weiter Teile der iranischen Gesellschaft. Erst das Wissen um das tatsächliche Ausmaß der wirtschaftlichen und kulturellen Penetration des Westens lässt die Eindeutigkeit und – wie man anhand der derzeitigen Debatte feststellen kann – vor allem die Nachhaltigkeit der iranischen Positionen verständlich werden. Kapitel II widmet sich zunächst der detaillierten Darstellung dieses Prozesses.

Dies ist zugleich der Anknüpfungspunkt für die vorliegende religionswissenschaftliche Arbeit. Eine kulturwissenschaftlich geprägte Religions­wissenschaft ist in der Lage, die spezifisch als ‚religiös’ verhandelten Identitäts­komponenten des iranischen Diskurses in den Blick zu nehmen und in ihrer Entwick­lung zu beleuchten. Die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die vor allem in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts unter der Führung Mohammad Reza Schahs in ihrer Wirkungsmacht alle Teile der iranischen Gesellschaft erreichten, führten zu einer Gegenreaktion, die den Absichten des Schah-Regimes diametral entgegenlief und in Gestalt des Islam ein ebenso starkes wie identitätsstiftendes Gegenparadigma hervorbrachte. Dem Islam, genauer gesagt, der schiitischen Ausprägung des Islam, wurde die Rolle eines Bewahrers und Beschützers einer eigenen schiitisch-iranischen Identität zugeschrieben. Wie anhand der Darstellungen im Kapitel III zu sehen sein wird, veränderten sich dabei nicht nur grundsätzliche Lehrinhalte schiitisch-theo­logischer Apologie, sondern auch gewisse gesellschaftliche Funktionalitäten von ‚Religion’. Der schiitische Islam, die Schia, erfuhr auf verschiedenen Ebenen von klassisch-konservativen Mustern abweichende, jedoch keinesfalls einheitliche Neuinter­pretationen. Grundsätzlich jedoch sah man in ihm ein Instrument, die bestehenden und als ungerecht erachteten Gesellschaftsverhältnisse herauszufordern. Der Islam wurde somit Teil eines Diskursfeldes, auf dem ein inneriranischer Konflikt um Macht und Werte ausgetragen und um die ideale Art und Weise gesellschaftlichen Zusammen­lebens gerungen wurde.

Anhand der Darstellung der theoretischen Entwürfe einer Auswahl iranischer Autoren und Denker wird der Versuch unternommen, die themenrelevanten Schwer­punkte dieses Diskurses aufzuzeigen. Dem ‚Westen’, der hierbei ins Zentrum der kritischen Betrachtungen der Autoren gerät, wird eine eigene schiitisch-religiöse Identität gegenübergestellt. Sowohl der Sprachgebrauch als auch ideologische Inhalte dieses Diskurses scheinen hierbei eine bis in die Gegenwart anhaltende Kontinuität aufzuweisen. Eine Kontinuität, so die These dieser Arbeit, die mit der Entstehung und Rezeption der Schriften iranischer Intellektueller und Geistlicher in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Anfang nahm und über den Akkumulationspunkt ‚Iranische Revolution’ bis zu rezenten politischen Auseinander­setzungen zwischen Iran und dem ‚Westen’, speziell zwischen Teheran und Washington, bis heute besteht und dem Herrschaftsdiskurs im Iran enorme Wirkungskraft verleiht.

Im Folgenden sollen zunächst im Rahmen einer historischen Synopse die Entwicklungslinien, die zum heutigen politischen Konflikt führten, nachgezeichnet und die jeweiligen gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Dimen­sionen der Auseinandersetzung beleuchtet werden. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf die politisch und wirtschaftlich motivierten hegemonialen Eingriffe westlicher Staaten und die dadurch partiell initiierten inneriranischen gesellschaftlichen Veränderungs­prozesse gerichtet.

Eine Reihe diskurstheoretischer Vorbemerkungen soll anschließend die Grund­lage schaffen für eine Verortung der Position und Argumentation ausgewählter Autoren, die für den gesellschafts- und religionstheoretischen Diskurs im Iran des 20. Jahr­hunderts maßgeblich waren. Grundsätzliche Schwierigkeiten, die sich zwangsläufig bei der Beschäftigung mit so genannten ‚fremden Kulturen’ und nicht christlichen Religionen ergeben, sollen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive heraus angedeutet und verständlich gemacht werden. Auch die Vergegenwärtigung historisch und religiös-kulturell gewachsener habitueller Spezifika schiitisch-iranischer Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsmuster dient einem umfassenderen Verständnis der Ideen- und Geistesgeschichte im Iran des 20. Jahrhunderts.

II Historische Synopse

Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern

besteht hauptsächlich darin,

dass Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann.

Samuel Butler

Geschichte lässt sich, mit Max Weber gesprochen, als eine kausale Abfolge von Ereig­nissen verstehen, deren Endprodukt die Gegenwart ist. Bedeutung bei der Auswahl und Formulierung eines potentiellen Forschungsgegenstandes haben für Weber aller­dings nur diejenigen „Kulturerscheinungen“ bzw. „-entwicklungen“, die Teil einer histori­schen Kausalkette sind, welche auf „uns“, d. h. die Gegenwart zuführen und somit einen „Realgrund“ besitzen. Im Gegensatz dazu spricht Weber von einem „Erkenntnisgrund“, d.h. Zusammenhängen, die zwar der Wissensakkumulation dienen, jedoch nicht Teil der auf „uns“ zuführenden Kausalketten sind.[8]

Die seit der Iranischen Revolution von 1979 anti-westliche Gesinnung der neuen Machthaber Irans, die von der Bush-Administration geführte Debatte über die ‚Achse des Bösen’ und die damit einhergehende Stigmatisierung Irans als ‚Schurkenstaat’, der insbesondere dem Westen feindlich gesonnen sei, sowie die gegenwärtige Auseinander­setzung um das iranische Atomprogramm – um nur einige Punkte zu nennen – sind Anlass genug, den Verlauf der iranischen Geschichte des 20. Jahrhunderts im Weber­schen Sinne als „Realgrund“ zu betrachten.

Die Entwicklung von vormodernen Herrschafts- und Gesellschaftsverhältnissen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hin zu einem modernen Nationalstaat war für die iranische Gesellschaft auf politischer, wirtschaftlicher, sozialer sowie kultureller Ebene von fundamentaler Bedeutung.[9] Diese allmähliche Transformation der iranischen Gesellschaft war gekennzeichnet von einem „permanenten Machtkampf zwischen königlichen, traditionellen und modernistischen Eliten“[10], der darüber hinaus auch einen Kampf um Ideen, Werte und nicht zuletzt die Art und Weise des gesellschaftlichen Zusammenlebens beinhaltete. Der zeitliche Ausgangspunkt dieses epochalen Bruchs muss jedoch bereits in das Chronotop des 19. Jahrhunderts verortet werden; geriet Iran nämlich in das Blickfeld kolonialer Expansionsbestrebungen Russlands und Groß­britanniens.

1. Transformation der iranischen Gesellschaft vor dem Hintergrund kolonialer Expansionsbestrebungen im 19. Jahrhundert

Sowohl für Russland als auch für Großbritannien war die geostrategische Lage Irans von besonderer Bedeutung. Für Großbritannien galt es, im Rahmen der Besetzung und Sicherung des indischen Subkontinents, die Beherrschung des Seeweges von Groß­britannien nach Indien zu festigen und gleichzeitig eine geographische Isolation Indiens durch verbindende Landkomplexe zu verhindern:[11] „Ginge es nicht um unseren indischen Besitz, würden wir uns um Persien kaum Gedanken machen.“[12] Das expan­dierende Russland hingegen wollte neben ökonomischen Motiven auch aus militär-strategischen Überlegungen heraus Zugang zum Persischen Golf erlangen.[13]

Innerhalb dieser konfligierenden Interessenlagen wurde Iran zum Austragungsort machtpolitischer Bestrebungen Russlands und Großbritanniens. Paradoxerweise ver­hinderte gerade diese Konstellation der gegenseitigen Rücksichtnahme eine vollständige Kolonialisierungspolitik, d. h. weder wurden eine koloniale Staatenbildung noch eine infrastrukturelle Modernisierung verwirklicht.[14] Die koloniale Penetration Irans seitens der Großmächte beschränkte sich somit in erster Linie auf den Handel.[15]

Die Integration Irans in den kapitalistischen Weltmarkt und die damit verbundene „Zäsur Moderne“[16] hatte weitreichende Konsequenzen im Hinblick auf einen damit in Gang gesetzten sozio-politischen Transformationsprozess. Die militärischen Nieder­lagen Irans gegen Russland zu Beginn des 19. Jahrhunderts[17] waren mit Gebiets­abtretungen iranischer Nordprovinzen, Reparationszahlungen und der Vergabe von Handelskonzessionen an das Zarenreich verbunden. Um die dadurch entstandene Vormachtstellung Russlands auszugleichen, verlangte Großbritannien seinerseits den regierenden Qajaren weitreichende Handelskonzessionen ab.[18] Dieser doppelten Einflussnahme seitens beider europäischer Mächte hatte die qajarische Zentralgewalt weder administrativ noch sozial-politisch etwas entgegenzusetzen.

Darüber hinaus wurden neben der Vergabe von Konzessionen auch Teile des Staatsgebietes „in Form der Verpachtung an die Meistbietenden: Verpachtung der Zoll­erhebung, der Verwaltung der Handelswege, des Staatslandes und selbst ganzer Provinzen“[19] veräußert. Zusammen mit einer immer weiter reichenden Finanzkrise des Königshofes leiteten diese Faktoren einen „Prozess der Dezentralisierung ein“[20], der die qajarische Zentralgewalt nicht nur immer weiter schwächte, sondern sie in ein noch größeres Abhängigkeitsverhältnis zu Russland und Großbritannien geraten ließ.

Die Integration Irans in den expandierenden Weltmarkt setzte den einheimischen Markt zusehends unter Druck. Eine ungehinderte Einfuhr russischer und britischer Waren brachte die Produktivität des städtischen Handwerks zum Erliegen.[21] Vor allem waren die an den zentralen Handelsrouten gelegenen Städte, wie Tabriz, Schiraz, Isfahan oder Yazd betroffen, deren Händler und Handwerker sich in mehreren Petitio­nen an den König wandten, um Schutz für ihr Gewerbe zu erbitten.

Vor dem Hintergrund der Privatisierung der Böden änderten sich auch die Anbau­arten der Agrarprodukte.[22] War es den Bauern bisher möglich, durch ihre landwirt­schaftliche Tätigkeit ihre eigene Subsistenz zu sichern, waren sie durch die Einbindung in überregionale Märkte gezwungen, marktorientierte Produkte zu erzeugen. Dies bedeutete eine „Ablösung der Produktion von food crops für Subsistenz durch cash crops für den Markt – konkret: Getreide, Baumwolle, Seide und Opium.“[23] Die Bauern waren von nun an für die Sicherung ihres Lebensunterhaltes zum Zukauf notwendiger Lebensmittel auf dem Markt angewiesen.[24] Folglich wurden die Reproduktions­bedingungen einer vormodernen Gesellschaftsform durch

„Bedingungen einer halbkolonialen Weltmarktintegration über die Durch­dringung des einheimischen ’Marktes’ und die Verwandlung des Haupt­produktionsbereiches, der Agrarwirtschaft, von einem auf die Reproduktion der traditionellen Gesellschaftsverhältnisse gerichteten zu einem auf die Bedürfnisse der Industriestaaten nach Rohstoffen orientierten Bereich“[25]

unterminiert. Landflucht sowie die Pauperisierung der Bevölkerung waren die Folge.

Die Integration Irans in den Weltmarkt hatte jedoch nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene folgenschwere Konsequenzen. Über die zentralen Handelsrouten wurden nicht nur ausschließlich ausländische Produkte gehandelt, sondern auch die im Okzident ent­standenen Ideologien und Konzepte wie Sozialismus, Liberalismus, Nationalismus, Konstitutionalismus, Aufklärung und Modernisierung importiert und rezipiert.[26]

2. Modernisierungsbestrebungen im 19. Jahrhundert:
Die Babi-Bewegung (1844-1852)

Im Spiegel der veränderten Alltagswirklichkeit – bedingt durch ein gesamt­gesellschaft­liches Wirksamwerden der halbkolonialen Eingliederung in den kapitalis­tischen Welt­markt – verdichtete und intensivierte sich die Auseinandersetzung über „grundlegende Modernisierungen der iranischen Gesellschaft im Wege der Implemen­tation von administrativen, militärischen und wirtschaftlichen Reformen.“[27]

Die Babi-Bewegung kann als der erste landesweite sozial-religiöse Aufstand bezeichnet werden, der sich explizit aus den Folgen und Erfahrungen kapitalistischer Weltmarktpolitik erklären lässt.[28] Darüber hinaus lieferte auch ein Substrat aus internen Faktoren den Nährboden für die Entstehung und Entwicklung der Babi-Bewegung. Das Zusammenspiel verschiedener gesellschaftlicher Gruppen bzw. Interessen, ethnisch oder religiös begründet, antizentralistische Tendenzen der Stammesaristokratie und die in manchen Strömungen herrschaftsfeindliche Grundgesinnung des schiitisch-klerikalen Selbstverständnisses[29] verleiht der Babi-Bewegung ihre sozial-politische Schlagkraft. Diese Faktoren, sowohl externe als auch interne, sind Gächter zufolge prägend für „eine Reihe von soziopolitischen Bewegungen, die im Laufe des 20. Jahrhunderts die iranische Gesellschaft entscheidend transformieren […]“[30] und bilden somit die „geis­tige und politische Generalprobe“[31] für die heraufkommenden antidespotischen Bewegun­gen gegen die herrschende Elite im 20. Jahrhundert.

Zentrale Persönlichkeit der Bewegung wurde Seyyed Ali Mohammed alias Bāb (übers.: Tor - ﺒﺍﺐ ). Dieser verkündete genau 1000 Mondjahre nach dem Amtsantritt des letzten Imams der Zwölferschia, des ‚mahdi’ ( ﻣﻬﺪﻯ ), im Jahre 1844, er sei das „Tor“ zum verborgenen Imam, sowie das Ende des Millenniums und die Wiederkehr von Imam Mahdi. Vier Jahre später verstand sich Bab nicht mehr als Tor zum Imam Mahdi, sondern als dieser selbst. Im Jahre 1850 wird Seyyed Ali Mohammed hingerichtet. Im Iran sind die Anhänger der BahāÿÍ-Religion, in die die Bāb-Bewegung schließlich mündete, bis zum heutigen Tag Verfolgungen ausgesetzt, da sie im Gegensatz zu zoro­astrischen, jüdischen und christlichen Minderheiten nach traditionell schiitischer Rechtsauslegung nicht den vollen Schutz (øemmeh - ﺬﻣﻪ , arab. ªimma)[32] der Schariþa (šarīþa - ﺸﺮﻴﻌﺔ ) genießen.[33]

In den Schriften Bābs sind die ersten „Modernisierungsforderungen“ enthalten, die grundsätzlich auf eine Verbesserung der Lebensverhältnisse ausgerichtet sind.[34] Neben seinen Forderungen nach Verrechtlichung und Rationalisierung der Wirtschaft oder nach Reformen der sozialen Lage der Frauen konnte erst während der Radikali­sierung der Bewegung die Forderung nach einer Aufhebung des Privatbesitzes die Angehörigen derjenigen Schichten und Gruppen mobilisieren, die „durch die Integration Irans in die Weltmarktpolitik ihren traditionellen Milieus entrissen wurden.“[35]

Aus einer anfänglich religiös-chiliastischen Bewegung wurde sukzessive eine sozio-religiöse Protestbewegung, die sich in vielen Städten als Massenbewegung gegen die herrschende Elite manifestierte. Freilich wurden die Widerstände seitens der Zentralmacht sowie auch mit Hilfe der religiösen Elite bekämpft und gewaltsam niedergeschlagen. In einem Massaker im Jahre 1852 wurde die Führung der Babis, später auch deren Anhänger und Sympathisanten hingerichtet und eliminiert.

Die Idee einer grundlegenden Modernisierung der iranischen Gesellschaft ist seither fester Bestandteil iranischer Intellektualität, zumal mit einigem Recht behauptet werden kann, dass gerade die blutige Niederschlagung der Bewegung seitens der zentralen Staatsmacht im Gedächtnis vieler Iraner nachhaltig verankert worden sein dürfte. Trotz des Misserfolgs dieser revolutionären Bewegung zeichnete sich ein verändertes Bewusstsein der Beherrschten gegenüber den Herrschenden ab[36], was im Hinblick auf eine Beurteilung zukünftiger innergesellschaftlicher Auseinandersetzungen von großer Bedeutung sein sollte.

3. Vom ‚Haus der Gerechtigkeit’ zum Parlament: Die ‚konstitutionelle’ Revolution (1905-1911)

Dennoch sollte für fast 40 Jahre keine soziale Bewegung mehr entstehen, die das Machtmonopol der Qajaren-Herrscher hätte in Frage stellen können. Der intellektuelle Prozess jedoch, der durch die Geschehnisse der Babi-Bewegung nicht mehr aufzuhalten war, mündete in Überlegungen, „wie dem politischen und ökonomischen Einfluß des Auslandes wirksam begegnet werden könnte“[37]. Dieser „Denk- und Aufklärungs­prozeß“[38] beschränkte sich allerdings nicht nur auf den Iran. Auch in vielen anderen islamischen Ländern, die unmittelbar den Einflüssen und Auswirkungen des euro­päischen Kolonialismus ausgesetzt waren, konnten islamische Erneuerungsbewegungen Fuß fassen.[39]

Diese politisch-religiösen Erneuerungen brachten einen Wandel in Gang, der alle gesellschaftlichen Schichten tangierte.[40] International reisende iranische Kaufleute nahmen liberale Ideen auf, welche auf bereits bestehende nicht-orthodoxe Traditionen der schiitischen Geistlichkeit trafen, die – je nach Interessenlage – bisweilen eng mit dem kaufmännischen Milieu in Verbindung standen.

Die ‚einfache’ Bevölkerung war durch die anhaltende sozio-ökonomische Krise des 19. Jahrhunderts zu größerer Mobilität gezwungen. Auf der Suche nach Arbeit bzw. Subsistenzsicherung im Ausland gerieten Bauern, städtische Handwerker sowie Bazar-Arbeiter insbesondere in Russisch-Transkaukasien in Kontakt mit sozial­demokratischem Gedankengut.

Der politisch aufgeklärte Teil der iranischen Bevölkerung nutzte die „kollektive Unzufriedenheit“,[41] um die herrschenden Verhältnisse zu hinterfragen und sich gegen den Despotismus der Qajaren-Herrscher zur Wehr zu setzen:

„[Es] galt nun nicht mehr die jahrtausendealte Parole, sich in die relative Geborgenheit der eigenen kleinräumigen Gemeinschaft zurückzuziehen und nur diese zu verteidigen. Schemenhaft begann sich – über die eigene Gemeinschaft, die Gilde, das Stadtquartier, das Dorf hinaus – die Vorstel­lung abzuzeichnen, daß die herrschenden Verhältnisse insgesamt nur ge­ändert werden könnten, wenn auch das despotische Herrschaftssystem, und nicht nur dessen personelle Besetzung, grundlegend gewandelt würde.“[42]

Dieses von Greussing beschriebene veränderte Bewusstsein kam im Rahmen der Tabak-Revolte von 1891-92 erstmals zur Entfaltung. Nachdem sich die Engländer die Tabak­konzession vom Schah gesichert hatten und ihnen somit die komplette Vermarktung dieses Produktes übertragen wurde, kam es zu Massenprotesten, Kund­gebungen sowie Proklamationen gegen das herrschende Regime und – zum ersten Mal in der Öffent­lichkeit – gegen die ökonomischen Interessen der europäischen Kolonial­mächte.[43] Unter der Federführung hochrangiger Geistlicher gelang es, den Schah zur Annullierung seiner Entscheidung zu veranlassen. Nahezu das ganze Volk verzichtete damals auf den Tabakkonsum.[44]

Obwohl es während der Tabak-Revolte noch zu keinerlei Forderungen nach „institutionelle[r] Beschneidung königlicher Macht und nach demokratischer Teilhabe“[45] kam, offenbarte der Protest zwei weitreichende und im Hinblick auf die Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts wichtige Erfahrungen: einerseits die Wirkungsmächtigkeit neuer Kommunikationsmittel wie der Telegraphie, welche schnellen und überregionalen Meinungs- und Informationsaustausch ermöglichte, und andererseits die Möglichkeit von Koalitionsbildungen unterschiedlicher gesellschaft­licher Gruppen gegen die monarchische Herrschaft.[46]

Die anhaltende wirtschaftliche Depression zu Beginn des 20. Jahrhunderts, maß­geblich bedingt durch die halbkoloniale Weltmarkteingliederung Irans, die externen Auswirkungen der Kolonialpolitik und der damit einhergehende Zusammenbruch weiter Teile sozialer und kultureller Ordnung, versetzte die iranische Gesellschaft in einen Zustand kollektiver Unzufriedenheit.[47] Das Angriffsziel der Konstitutionellen Revolution von 1905-1911 waren demnach die Qajaren-Herrscher, welche v. a. durch die unbegrenzte Konzessionsvergabe für den Zerfall und die pessimistische Grund­stimmung großer Teile der iranischen Gesellschaft verantwortlich gemacht wurden. In diesem Sinne lässt sich die Konstitutionelle Revolution als eine weitere antidespotische Bewegung verstehen. Eine Bewegung jedoch, die mit ihren Forderungen und Zielen weitreichender und nachhaltiger sein sollte als ihre Vorläufer.

In der Lesart Greussings ist die Konstitutionelle Revolution die erste „bürger­liche“ Bewegung auf iranischem Boden, die von Vorstellungen wie Gewaltenteilung oder politischer Institutionalisierung der Kontrolle der despotischen Macht getragen wurde und „nicht mehr von moralischen Appellen an den ’guten König’, er möge sich gefälligst an jene religiösen Vorschriften halten, die der Islam zur Führung seines Amtes bereitstellt.“[48] Konkret wurde die Forderung nach einem repräsentativen ‚Haus der Gerechtigkeit’ (þadālat-¿Áneh - ﻋﺪﺍﻠﺖ ﺠﺎﺒﻪ ) laut, wobei dessen Aufgaben nicht explizit erläutert wurden, es sich jedoch um eine von der Staatsmacht unabhängige, kontrollierende und rechtsprechende Institution gehandelt haben dürfte.[49] Im Januar 1906 stimmte der Schah der Einrichtung des gewünschten ‚Hauses der Gerechtigkeit’ zu. Die Dynamik der Bewegung, d. h. das Wechselspiel von Willkürmaßnahmen seitens der Staatsmacht und die Agitationen gegen solche Maßnahmen seitens des Volkes, ermög­lichte eine neuerliche Zuspitzung der Forderungen. Die Protestbewegung beschränkte sich jedoch nun nicht mehr auf die Schaffung eines ‚Hauses der Gerech­tigkeit’, sondern der Ruf nach einer Nationalversammlung (maĝles - ﻤﺠﻠﺲ ) und damit zusammenhängend die Forderung nach einer Verfassungsordnung (mašrÚÔiyat - ﻤﺸﺮﻮﻄﻴﺖ ) wurde laut. Im August 1906 stimmte Mozaffar od-Din Shah der Einrichtung einer National­versammlung zu, daraufhin fand im Oktober 1906 die erste Sitzung statt. Ein erster Ver­fassungsentwurf wurde im Dezember 1906 vom schwerkranken Schah unterzeichnet. Ein Vorfall, der in der Geschichte Irans bis dahin einzigartig war: Der ‚König der Könige’ (šāhan-šāh – ﺸﺎﻫﻨﺸﺎﻩ ) stimmte einer institutionellen Beschränkung seiner Macht zu.

Greussing sieht nicht nur anhand der Etablierung einer Verfassung bzw. des Grundgesetzes, sondern auch in deren inhaltlicher Gestaltung einen definitiven Bruch mit dem überkommenen Herrschaftssystem. Zentrale Elemente der Verfassung waren die Freiheit der politischen Organisation, die Unantastbarkeit der Person und die Integ­rität des Eigentums. Inhalte, welche in der autokratisch-despotischen Herrschaft der Qajaren-Herrscher bisher keine Rolle gespielt hatten. Bis zur Verabschiedung der Verfassung der Islamischen Republik Irans im Dezember 1979 sollten diese wenigstens formell Bestand haben.[50]

Von Bedeutung in diesem Zusammenhang ist außerdem die Tatsache, dass es diversen iranischen Gruppen gelang, eine „Gegenelite“[51] zu formieren, die sich demon­strativ gegen die etablierte Herrschaftsform (d. h. gegen eine Konservierung der halb­kolonialen Herrschaft des ‚ancien régime’ der Qajaren[52] und somit gegen deren traditionelle Legitimationsideologie) stellen konnte. Mit der Herausforderung der etablierten Macht beschränkten sich allerdings die Gemeinsamkeiten der Revolutions­front. Zu unterschiedlich waren die Interessenlagen der diversen Gruppen, zu verschieden deren sozio-politische Ambitionen.[53] Versprachen sich beispielsweise die modernisierten Admi­nistratoren von der Bewegung einen Schritt in Richtung moderner National­staats­bildung nach europäischem Vorbild und somit implizit eine diesbezügliche Auf­hebung des historisch gewachsenen Monopols der schiitischen Geistlichkeit auf die Ausübung des Bildungs- und Justizwesens, war die religiöse Elite nicht bereit, auf diese Privi­legien zu verzichten. Vielmehr insistierten selbst die wenigen Großayatollahs, die die neuerliche parlamentarische Herrschaftsform akzeptierten, auf das Recht, die von der Nationalversammlung erlassenen Gesetze auf eine Vereinbarkeit mit dem religiösen Gesetz, der Schariþa, zu überprüfen.[54]

Ohne detaillierter auf die Entwicklungsgeschichte der Verfassungsrevolution einzugehen, lässt sich festhalten, dass sowohl interne als auch externe Hemmfaktoren zum letztendlichen Scheitern der Bewegung beitrugen. Intern insofern, als sich gegen­sätzliche Interessenlagen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen wie auch die Pluralität der iranischen Gesellschaft auf ethnischem, sprachlichem sowie religiösem Gebiet kontraproduktiv auf eine Entfaltung und Konsolidierung konstitutioneller Momente aus­wirkten.[55] Die Verfassungsrevolution fiel überdies zwei externen Faktoren zum Opfer. Erstens schlossen die Kolonialmächte Russland und Großbritannien 1907 einen Vertrag, über den die Iraner nicht einmal informiert, geschweige denn konsultiert wurden.[56] Der Iran wurde danach in drei Einflusszonen aufgeteilt: eine nördliche russische, eine süd­liche, von Großbritannien verwaltet, und eine schmale neutrale Zone, die dem neuen Regime als Herrschaftsgebiet eingeräumt wurde. Dem politischen Entscheidungsrahmen des Regimes waren jedoch aufgrund ständiger Kollision mit britischen und russischen Interessen selbst in diesem Raum enge Grenzen gesetzt.[57] Noch schwerwiegender und für die Thematik dieser Arbeit von Bedeutung war zweitens die Brutalität der russischen Intervention von 1911. In Tabriz im Nord-Osten Irans führte das russische Militär und die von ihnen geführte Kosaken-Brigade im Dezember 1911 und Januar 1912 ein regelrechtes Massaker an den Konstitutionalisten durch: „Führende Männer der konstitutionalistischen Bewegung wurden wie Tiere abge­schlachtet, ihre Leichen gar zweigeteilt und wie Hammelhälften jeweils an den Eingängen zum Bazar aufgehängt.“[58] Ein Vorgang, der laut Greussing den Despotismus nicht nur politisch, sondern auch visuell restaurierte.

Nichtsdestotrotz war die Verfassungsbewegung im Stande, innerhalb eines diskursiven Rahmens einen ideologischen Bruch zur traditionellen Herrschafts­legitimation zu vollziehen. Zwar gelang es ihr nicht den Zustand der halbkolonialen Herr­schaftsform zu überwinden, eine „real erlebte Kolonialisierungsgefahr“[59] brachte jedoch die Idee hervor, der einzige Weg zur Beseitigung der kolonialen Gefahr könne nur anhand der Nachahmung des Gesellschaftsmodells der durch Rechts- und National­staatlichkeit sowie die Industrialisierung geprägten westeuropäischen Staaten vollzogen werden.[60]

Eine durch den Zarismus unterstützte Restaurierung der Qajaren-Macht war vor diesem Hintergrund nur von geringer Nachhaltigkeit. Zu stark war mittlerweile der Gedanke unter der „Intelligentsia“[61] verbreitet, sowohl der Qajaren-Hof als auch die schiitische Geistlichkeit seien die entscheidenden Hemmfaktoren im Hinblick auf eine Verwirklichung eines nach okzidentalen Mustern „modernen“ Nationalstaatsgebildes. Legitimationsgrundlage dieses Nationalstaates war neben den europäischen Vorgaben der ideologische Rückgriff auf die präislamische „persische Zivilisation“.[62] Dieser Verklärung der präislamischen, persischen Zivilisation (z.B. der arischen Rasse oder persischen Sprache) zur Vorgeschichte der Moderne wurden zwei als Fremdwesen erklärte Elemente gegenübergestellt: „1. die tribale Stammesordnung als unheilvolles Relikt nomadisierender Turkstämme; 2. der Islam und seine institutionellen Träger, die Geistlichkeit, als Erbe der semitisch-arabischen Invasion.“[63] Vor dem Hintergrund dieses Diskurses entwickelte sich schließlich die Idee eines modernen „Iranismus“[64] (irāniyat - ﺍﻴﺮﺍﻨﻴﺖ ).

4. Reza Schah und Nation Building (Reg. 1925-1941)

Ausschließlich auf ideologischen Theorien basierende sozial-politische Bewegungen sind kaum in der Lage, die Machtstrukturen einer Gesellschaft ernsthaft in Frage zu stellen, wenn nicht handfeste politische Begebenheiten oder Konstellationen dies begünstigen. So gesehen lässt sich die Machtergreifung Reza Schahs von 1925, „also die Herstellung des Gewaltmonopols des zentralisierten Staates“[65], nicht nur anhand der Geschehnisse und der daraus resultierenden Folgen der Verfassungsbewegung erklären. Politische Ereignisse sowie externe Interessenlagen, insbesondere jene Großbritanniens, förderten den Aufbau und die Etablierung eines zentralistisch organisierten Staats­apparates unter der Federführung Reza Schahs.

Im Zuge der Oktoberrevolution von 1917 verließ die russische Kolonialmacht die politische Bühne Irans und spielte zunächst einmal keine wesentliche Rolle mehr.[66] Die noch junge Sowjetunion kündigte daraufhin einseitig alle Verträge, außer denjenigen, die ihnen die ölreichen Nordgebiete um das Kaspische Meer zusicherten. Diese Kräfte­verschiebung warf erneut die Machtfrage in Iran auf. Das Vakuum wurde jedoch schnell von Großbritannien gefüllt. Zum einen war Großbritannien darauf bedacht, der von der Sowjetunion ausgehenden „kommunistischen Gefahr“ in dieser Region entgegen­zutreten, zum anderen verschob sich die Interessenlage Großbritanniens durch den Ölfund von 1908 im Südwesten des Landes zunehmend von einer geostrategischen, hauptsächlich von Britisch-Indien definierten, zu einer ökonomischen und militär-strategischen.[67] Die Briten weiteten ihre Einflusszone auf das ganze Land aus und waren fortan die entscheidende Macht im Iran.

Zur Durchsetzung der eigenen Politik und einer diesbezüglichen straffen und zügigen Zentralisierung der Staatsmacht unterstützte Großbritannien die ihrer russischen Führung entkleideten Kosaken-Brigade[68] im Norden unter dem Oberbefehl Reza Khans. Am 21. Februar 1921 nahm seine Truppe, welche zuvor von britischen Militärs in Marsch gesetzt worden war, praktisch ohne jeglichen Widerstand Teheran ein.[69] Als Kriegsminister unter der nominellen Führung des Qajaren-Schahs Soltan Ahmad gelang es Reza Khan, zwischen 1921 und 1925 mehrere Stammesaufstände militärisch niederzuschlagen und dabei den gesamten Iran unter die Kontrolle der Teheraner Zentrale zu bringen. 1925 schließlich ließ sich Reza Khan zum Schah krönen, die Qajaren wurden von den Pahlawis[70] abgelöst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schah Reza auf dem Pfauenthron

Reza Khan jedoch ausschließlich als Produkt britischer Interessen zu betrachten, würde nicht nur einem „handlungswirksamen Verschwörungs­syndrom“[71] das Wort reden, sondern vor allem der komplexen Kräftekonstellation zwischen internen und externen Faktoren jener Zeit nicht gerecht werden. Sicherlich waren alle strategisch wichtigen Entscheidungen Reza Khans von den Briten bzw. der AIOC (Anglo-Iranian Oil Company) mitbestimmt. So wäre z.B. die militärische Befriedung der Nomaden­stämme oder die Zerstörung der Stammesordnung ohne militärtechnische, organisa­torische und finanzielle Hilfe der Briten kaum realisierbar gewesen.[72] Andererseits jedoch waren weite Teile der iranischen Gesellschaft davon überzeugt, in Reza Khan und seiner von ihm geführten Kosaken-Brigade „jenen gesunden arischen Kern gefunden zu haben, der noch nicht von der Verderbnis qajarischer Cliquen und religiösem Fanatismus befallen wäre.“[73] In einer strengen Führung Reza Khans sahen neben den Zentralisten auch die eher konservativ orientierten Bazar-Händler die Grund­voraussetzung für eine nationale Entwicklung. Gleichzeitig setzte Großbritannien seine Hoffnungen auf die Führung Reza Khans, verband es damit doch die Realisierung seiner kolonialen Ziele, darunter insbesondere „die Verlagerung der Sicherheitskosten der Ölextraktion auf den neuen Staat.“[74]

Gestützt auf das Militär, gelang es Reza Kahn nach und nach, sämtliche politische Macht auf seine Person zu konzentrieren. Auf der einen Seite gab er vor, derjenige zu sein, den sich die Träger der Revolution (Zentralisten, Legalisten und Geistlichkeit) wünschten, auf der anderen Seite verfolgte er mit dem Rückhalt des straff organisierten Militärs eigene Interessen. In der Lesart Greussings war somit ein Rückfall in die Tradition despotischer Monarchie unvermeidbar. Vier Elemente sind für Greussing dafür verantwortlich zu machen:

1. Die militärische Macht, die Reza Khan sich während seiner Feldzüge aneignen konnte.
2. Die Schwäche der linken und der konstitutionalistischen Bewegung, die nach der britisch-russischen Intervention von 1911 keine gesellschaftlich relevante Rolle mehr zu spielen vermochte.
3. Eine eigene ökonomische Basis, die sich der Staat durch eine nicht versiegende externe Einkommensquelle, nämlich die Erdöl-Renten, schaffen konnte.
4. Ein Teil der hohen Geistlichkeit, die die von der Verfassungsbewegung propagierten laizistischen Strömungen einer potentiellen Republik fürchteten und daher eine neuerliche Monarchie befürworteten.[75]

Die logische Konsequenz dieser Kräftekonstellation hätte die Etablierung einer Militärdiktatur sein müssen. Dass dies nicht geschah, lag an der Tatsache, dass Reza Khan es verstand, mit der Gründung der Pahlawi-Dynastie und dem dazugehörigen Aufbau eines Hofes – wenngleich gestützt auf das Militär – eine politisch und finanziell unabhängige und dominante strategische Gruppe zu bilden; Towfigh spricht in diesem Zusammenhang von einem „Hof-Militär-Komplex“.[76] Alle anderen politischen Kräfte – ob nun aristokratische Bürokraten oder das Kabinett – mussten sich der Dominanz des Hofes beugen. Diese patrimoniale Strukturierung des Staates als Raum und Bedingung strategischen Handelns sollte sich auch bis zum Sturz seines Sohnes Mohammed Reza im Jahre 1979 nicht ändern.[77]

Ebenso wie die institutionelle Beschränkung der Macht des Qajaren-Schahs während der Verfassungsbewegung einen fundamentalen Bruch der Historizität Irans darstellte, können auch die nach der Machtergreifung Reza Khans in Angriff genommenen Maßnahmen als gesamtgesellschaftlich wirksam werdende Innovationsbrüche betrachtet werden. Trotz scheinbarer Ähnlichkeiten kann diese von Reza Khan geschaffene Politikform jedoch nicht als „Restauration oder Reproduktion der traditionellen politischen Herrschaftsform (orientalische Despotie, Patrimonialismus) verstanden werden.“[78] Zu ‚innovativ’, zu radikal waren die Modernisierungsbestrebungen Reza Khans in Form von Säkularisierung, Antitribalismus, Nationalismus sowie staatlichem Kapitalismus.

In der Lesart Francis Robinsons lässt sich die Säkularisierung in islamischen Ländern als ein Anpassungsprozess verstehen, dem im Gegensatz zu Westeuropa kein eigenständiger historischer Prozess in Folge eines ökonomischen und sozialen Transformationsprozesses vorausging. Die Rationalisierung aller Gesellschafts­strukturen lässt sich somit entweder als Folge direkter Einwirkung kolonialer Politik verstehen oder, wie im Iran, als Versuch, koloniale Herrschaftsverhältnisse überwinden zu wollen, indem die institutionellen Vorgaben Europas kopiert werden.[79]

Unter der stark nationalistisch definierten Herrschaft Reza Schahs wurden beispielsweise das islamische Straf- und Zivilrecht durch die Einführung des französischen Zivilrechts und des italienischen Strafgesetzbuches verdrängt.[80] Der Einfluss der schiitischen Geistlichkeit und damit auch der Schariþa wurde stark reduziert, da Hierarchiebildungsprozesse staatlicher Gerichte in Bezirksgerichte, Regionalgerichte, Landesgerichte und einem obersten Gerichtshof in Teheran die juristische Deutungshoheit definierten. Folge davon war der Machtverlust der Geistlichkeit nicht nur auf juristischer Ebene, sondern auch auf politischen, sozialen und ökonomischen Gebieten.

Im Bildungssektor wurde dieser ‚Entzauberungsprozess’ am deutlichsten spürbar. Die ursprüngliche Unterweisung im islamischen Wissen wurde durch ein Ausbildungs-system ersetzt, das westliche Gelehrsamkeit und Wissenschaft zum Ziel hatte.[81] Die meisten Absolventen höherer Schulen und Universitäten traten in den öffentlichen Dienst ein, was zu einem Ausbau der staatlichen Bürokratie beitrug, die somit wesentlich von westlichen Bildungsidealen durchdrungen war.

Im Zug des Antitribalismus wurde der Fokus auf eine zwangsweise Ansiedlung der Stammesnomaden gelegt. Der ethnisch und sprachlich äußerst heterogene Iran sollte sprachlich, ideologisch und politisch sukzessive homogenisiert werden.

„Die Politik im Hinblick auf die Stämme stand in engem Zusammenhang mit langfristigen Ambitionen, das multiethnische Reich in einen vereinten Staat aus einem einzigen Volk, einer Nation, mit einer Sprache, einer Kultur und einer politischen Autorität zu transformieren.“[82]

Traditionell ethnische Bekleidung wurde geächtet, außer der schiitischen Geistlichkeit hatten sich alle Menschen am westlichen Kleidungsstil zu orientieren. Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese „Modernisierungsbestrebungen“ teilweise mit einer Gewalt und Brutalität durchgeführt wurden, die gerade das „einfache Volk zutiefst beleidigen und in die Arme der Geistlichkeit treiben mußten“[83] (z.B. die zwangsweise Europäisierung der Hutmode oder die gewaltsame Entschleierung der Frau).

Ideologisch begleitet wurde dieser Prozess der Modernisierung und der Nationalstaatsbildung durch den oben bereits erwähnten Rückgriff auf vorislamische Mythologie und Legitimationsgrundlagen. Vor dem Hintergrund der Etablierung eines auf Iranismus beruhenden, zentralisierten Nationalstaates sollte die ‚Perserfizierung’ der fragmentierten Bevölkerung nicht nur die nationale Entwicklung forcieren und somit eine – wenn möglich – rasche nachholende Industrialisierung nach sich ziehen, sondern auch eine konsequente Trennung von Religion und Staat, gemäß dem kemalistischen Modell der Türkei, ermöglichen.[84] Unter dem deutlich erkennbaren nationalistischen Paradigma kann Reza Schahs Politik der Säkularisierung und Modernisierung somit als Ausgangspunkt einer ‚Verwestlichung’ verstanden werden, eine Politik beruhend auf kultureller Uniformität, politischer Konformität sowie ethnischer Homogenität.[85]

5. Iran im tripolaren Spannungsfeld zwischen Sowjetunion, Großbritannien und den USA

Unter allmählicher Ausschaltung bzw. massiver Einschränkung aller oppositioneller Gruppen gelang es Reza Schah, seine Macht zu konsolidieren. Seine später erzwungene Abdankung im Jahre 1941 muss daher grundsätzlich auf externe Ursachen zurück­geführt werden. Aus zweierlei Gründen wandte sich Reza Schah in den 30er Jahren dem nationalsozialistischen Deutschland zu:[86] einerseits wollte man durch Verkauf neuer Ölextraktionsrechte an NS-Deutschland die chronische Finanzkrise des Staates mildern, war doch zuvor der Versuch gescheitert, den mit der AIOC 1901 geschlossenen Ölvertrag neu zu verhandeln, was zu einer erheblichen Erhöhung des iranischen Gewinns geführt hätte. Andererseits wollte man durch Hinwendung zu NS-Deutschland die erdrückende Vormachtstellung der Briten unterminieren und somit den eigenen strategischen Handlungsspielraum ausdehnen.

„Nicht zuletzt dieses drückende und dem iranistischen Nationalismus wider­sprechende Dominanzverhältnis veranlaßte das Regime, zur Relativierung der britischen Machtstellung in den 30er Jahren auf NS-Deutschland zu setzen, was Reza Schah letztlich die Macht kostete.“[87]

Intern wurde das nach Reza Schahs erzwungener Abdankung entstandene Macht­vakuum zum einen durch das Aufkommen von Parteien und Gewerkschaften gefüllt. Zum anderen versuchten diverse gesellschaftliche Gruppen (Großgrundbesitzer, Stammesaristokraten oder Qajaren-Aristokraten), die während der Regierungszeit Reza Schahs keine Machtpositionen erlangen konnten, verlorene Privilegien wieder­zuerlangen.[88]

Im Hinblick auf die Thematik dieser Arbeit müssen jedoch die, wie sich zeigen wird, langfristigen Interessen der Großmächte dargestellt werden. Bis zur britisch-russischen Besetzung des Landes während des Zweiten Weltkrieges im August 1941 waren die Ölvorkommen und die AIOC die „absolut dominanten Gründe für das Interesse der westlichen Mächte im Iran.“[89]

Folgt man Wolfram Schneider, dann schuf – aus Sicht der Alliierten – der Angriff NS-Deutschlands auf die UdSSR durch die ‚Operation Barbarossa’ die Notwendigkeit, eine südliche Versorgungslinie in die UdSSR hinter die Ostfront sicherzustellen.[90] Außer­dem war für die Briten nach wie vor der Schutz der Ölinstallationen im Süden des Landes von Bedeutung.[91] Der Norden wurde von sowjetischen, der Süden wieder von britischen Truppen besetzt.[92] Neben den kriegsökonomisch diktierten Erfordernissen ging es den Alliierten alsbald erneut um eine langfristige Regelung der Verfügung über das iranische Erdöl.[93] Der Erdölreichtum und die enorm wichtige geostrategische Lage Irans riefen schließlich auch die USA auf den Plan. Waren die diplomatisch-politischen Beziehungen zwischen Iran und den USA bis dato minimal gewesen, wandten sich iranische Politiker von nun an vermehrt an die Amerikaner, von denen sie sich ein Ein­greifen hinsichtlich einer Beendigung der Besatzung erhofften.[94]

1942 schließlich setzten sich die Vereinigten Staaten erstmals auf offizieller politischer Ebene für den Iran ein. Auf Druck der USA unterzeichneten die Briten und die Sowjets mit den Iranern im Januar 1942 ein Abkommen, das sie dazu verpflichten sollte, ihre Truppen sechs Monate nach Beendigung des Krieges abzuziehen.[95] Spätestens zu diesem Zeitpunkt erkannte die US-Regierung im ganzen Ausmaß die geostrategische Relevanz und die ökonomische Bedeutung des gesamten Mittleren Ostens aufgrund der immensen Ölreserven. Im darauf folgenden Jahr intensivierten die USA ihre Bemühungen, durch Entsendung amerikanischen Personals ihre Präsenz im Iran zu erhöhen. So wurden beispielsweise drei militärische Missionen entsandt, die in bera­tender Funktion die Organisation iranischer Truppen unterstützen sollten. Auch das Gendarmeriewesen sollte nach dem Vorbild der US-Bundesstaatspolizei umstrukturiert werden. Darüber hinaus beteiligte sich während des Zweiten Weltkrieges eine 30.000 Mann starke amerikanische Truppe auf iranischem Boden im Rahmen der „Persian Gulf Service Command“ an der Versorgung der UdSSR.[96]

Die Richtlinien der amerikanischen Iran-Politik wurden 1943 von einem Mitarbeiter der Near East Division namens John D. Jernegan vorgegeben. Sein Memorandum erfuhr große Zustimmung und wurde bis in die höchsten Ebenen des State Department und zuletzt auch an Präsident Roosevelt weitergegeben.[97] Neben einer Analyse des bisherigen Engagements der USA im Iran erarbeitete Jernegan auch perspektivisch eine zukünftige Entwicklungsstrategie der US-Politik. Demnach sei es dringend notwendig, nicht nur den Krieg, sondern auch den Frieden im Mittleren Osten zu gewinnen. Die britisch-sowjetische Rivalität würde dieses Ziel jedoch mittelfristig gefährden, da davon auszugehen sei, dass weder die Briten noch die Sowjets ihre Okkupation Irans nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges aufzugeben bereit wären. Eine fortschreitende wirtschaftliche, politische und militärische Schwächung Irans sei somit unvermeidbar. Jernegan war fest davon überzeugt, die USA, „die traditionell einen antiimperialistischen Anspruch verfolgten und an der Ausbeutung unter­entwickelter Länder nicht interessiert schienen“[98], stünden mit ihren Interessen niemals in einer Reihe mit dem eigennützigen Imperialismus britisch-sowjetischer Prägung.

Gerade aber weil Jernegans Memorandum eine eigenständige und unabhängige US-Politik im Iran propagierte, führte das in der Lesart Martschukats dazu, dass sie dezidiert gegen eine weitere Besetzung und Ausbeutung Irans durch Großbritannien und der Sowjetunion gerichtet war. Gleichzeitig lieferte sie aber auch eine Begründung für die Integration Irans in das amerikanische Interessengebiet. Es sei nicht Jernegans Intention gewesen, die ökonomische und politische Entwicklung des Iran um seiner selbst Willen zu fördern. Vielmehr ginge es ihm darum, „britische und sowjetische Machtausbreitung und somit Rückwirkungen auf die wirtschaftlichen und politischen Interessen der USA zu vermeiden.“[99] Und obwohl eine Empfehlung zur Stärkung wirtschaftlicher, militärischer und politischer Strukturen nach amerikanischem Vorbild tatsächlich einen Beitrag zu größerer Freiheit des Iran leisten könne, würde sie zu keiner unabhängigen, „autozentrischen Entwicklung“ Irans beitragen.

Präsident Roosevelt schien fasziniert von Jernegans Vorschlägen und wollte aus dem Iran ein Musterbeispiel für selbstlose US-Politik machen. Die Konferenz Roosevelts, Churchills und Stalins im Dezember 1943 in Teheran wird von Martschukat als weiterer Schritt zu mehr Unabhängigkeit Irans nach amerikanischen Vorstellungen beurteilt, bestätigten doch die drei Mächte im Rahmen einer Deklaration ihre Versprechung, die Einigkeit und die Unabhängigkeit des Iran zu wahren und gleichzeitig die Entwicklung des Landes zu fördern.[100]

Wie wenig nachhaltig diese Vereinbarungen und gegenseitigen Versprechungen sein sollten, wurde bereits kurz nach dem endgültigen Sieg der USA über Japan erkennbar. Die UdSSR bestand – entgegen der Deklaration – auf eine sowjetische Zone im Norden Irans und förderte die Entstehung eines eigenständigen Staates Aserbaidschan als Pufferzone. Der erste Konflikt des herannahenden Kalten Krieges war im Begriff zu entstehen. Für die USA war eine sowjetisch dominierte Zone am nördlichen Rand des Mittleren Ostens undenkbar, hätte dies schließlich „nicht nur die politische und militärische Expansion der UdSSR bedeutet, sondern auch die amerikanischen Ölinteressen in Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrein gefährdet.“[101]

5.1 US-amerikanisches Interesse am Iran: Das Erdöl

Neben der Eindämmung des sowjetischen Expansionsdranges war die Frage nach der Vergabe von Erdölkonzessionen zum alles entscheidenden Faktor geworden. Wie wichtig der Rohstoff Öl geworden war, hatte der Zweite Weltkrieg mit aller Deutlichkeit gezeigt. Militärstrategische Erfordernisse machten das Erdöl zu einem Faktor, der gerade im Hinblick auf langfristige Sicherheitsüberlegungen der westlichen Allianz während eines in der Entstehung begriffenen Kalten Krieges an Bedeutung nicht unter­schätzt werden durfte:

„Der Zugang zum Öl des Mittleren Ostens ist absolut notwendig für Europa und würde im Falle eines langen Krieges ebenso notwendig für die USA werden. Russland könnte ohne das Öl des Mittleren Ostens niemals eine erfolgreiche Eroberung Europas durchführen.“[102]

Die energiewirtschaftliche Bedeutung des Mittleren Ostens war den Amerikanern bereits während des Zweiten Weltkriegs bewusst. Alleine mit den eigenen Erdöl­reserven – so glaubte man – hätte man einen weiteren Krieg in der Größenordnung des Zweiten Weltkrieges nicht bewältigen können.[103] Martschukat kann verdeutlichen, dass jedoch nicht allein die Steigerung der Erdölproduktion dieser Region eine Sonder­stellung verlieh[104], sondern vor allem das Verhältnis von nachgewiesenen absoluten Reser­ven zur absoluten Produktion diese Region aus energiepolitischer Sicht immer wichtiger werden ließ.[105]

Darüber hinaus übertrafen die extrem hohen Fördermengen pro Bohrstation diejenigen in den Vereinigten Staaten teilweise um das 500-fache, was sich überaus positiv auf Förder- und Produktionskosten auswirkte. So war das Geschäft mit dem „schwarzen Gold“ trotz höherer Transportkosten überaus profitabel[106] und neben der militär-strategischen Bedeutung dieser Region ein weiterer wichtiger Motivationsgrund politischen Handelns.

5.2 Britisch-amerikanischer Interessenskonflikt: Der Weg zur Nationalisierung der iranischen Ölindustrie

Unter der Truman-Administration begann die amerikanische Iranpolitik definiertere Konturen anzunehmen.[107] Man kam zu der Einschätzung, dass der gesamte Mittlere Osten sowohl militärisch als auch wirtschaftlich weiterentwickelt werden müsse. Iran spielte demnach eine besondere Rolle in den US-amerikanischen Überlegungen, betrachtete man ihn doch als schwächstes Glied in der Kette der sowjetischen Nachbar­staaten in dieser Region. Eine Dominanz des Landes durch die UdSSR sollte vermieden und gleichzeitig Iran in seiner Orientierung hin zum Westen gestärkt werden. Fiele der Iran in die Hände der Sowjetunion, befürchtete man weitreichende Konse­quenzen:[108] Die Position des Westens in der gesamten Region würde dadurch gefährdet, da die UdSSR eine Basis für weitere Angriffe auf angrenzende Staaten hätte. Ein sowjetischer Zugang zum iranischen Erdöl wäre somit gleichbedeutend mit einer massiven Bedrohung der Erdölvorkommen der umliegenden Staaten. Ein Szenario, das es unter allen Umständen zu vermeiden galt.

Trotz der offensichtlichen sowjetischen Bedrohung rechnete man in Washington nicht mit einer offenen militärischen Intervention von Seiten Moskaus. Eher war davon auszugehen, dass Moskau versuchen würde, mit subversiven Aktivitäten seinen Einfluss auf Iran geltend zu machen: Druck auf diplomatischer Ebene bis hin zur Installierung einer Marionettenregierung.[109] Dementsprechend wurde die offizielle amerikanische Iran­politik im Juli 1949 im Rahmen eines „Report of the National Security Council on the Position of the United States with Respect to Iran – NSC 54“ klar definiert. Nochmals wurde als oberstes Ziel ausgegeben, „militärische, ökonomische, politische und psychologische Gewinne der UdSSR in dieser Region zu verhindern.“[110] Um dies zu verhindern und Iran dahingehend zu unterstützen, eine Orientierung zum Westen hin zu ermöglichen, richtete man den Focus auf eine expandierende iranische Wirtschaft, stabile innere Verhältnisse sowie auf einflussreiche Iraner, die amerikanische Interessen vertreten sollten. Iran sollte so in das System der kapitalistisch-demokratischen Staaten eingebunden werden. Dies jedoch nun ausdrücklich unter der Zielsetzung, „die innere Entwicklung des Iran den amerikanischen Interessen dienlich zu gestalten“ und das Land am geostrategisch so wichtigen Persischen Golf „bestmöglich zur ökonomischen und sicherheitspolitischen Stabilisierung der eigenen Position im internationalen Kräfte­feld einzusetzen.“[111] Dies könne aber nur realisiert werden, wenn der Iran es schaffte, die eigenen wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Dafür benötige das Land jedoch eigene, größere Einnahmenquellen, vor allem aus der Erdölindustrie.

[...]


* Die DMG-Umschrift wird in wissenschaftlichen Bibliotheken i. d. R. auch für alle anderen Sprachen, die mit dem arabisch-persischen Alphabet geschrieben werden, einheitlich verwendet.

** Junker, Heinrich F.J., Alavi, Bozorg, Persisch-Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1985.

[1] Seyyed RÚ½ollāh ¾omeynÍ, am 1. Februar 1979, dem Tag seiner Heimkehr nach Teheran nach fast 15-jährigem Exil. Auf dem Friedhof Behešt-e Zahrā hielt er eine Rede für die zahllosen Opfer des Schah-Regimes. Zitiert in: Der Spiegel, Nr. 33, vom 10. August 1987, S. 88.

[2] Ahmadī-Nežād zitiert in: Spiegel Online, „Der Countdown zur Zerstörung Israels läuft“. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,486393,00.html, 03, Juni 2007, (dl: 27.07.2007). Bemerkenswert ist, dass Ahmadī-Nežād nun nicht mehr von einer Zerstörung Israels, sondern nur von der Zerstörung des zionistischen Regimes spricht. Ein vermeintlicher Unterschied, der bei genauerer Betrachtung jedoch nur theoretisch zum Tragen kommt.

[3] Ahmadī-Nežād zitiert in: Spiegel Online, Iran provoziert die Weltgemeinschaft. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,476292,00.html, 09. April 2007, (dl: 27.07.2007).

[4] Vgl. hierzu ebd. Einen ausgezeichneten Überblick relevanter Ereignisse im Iran kann überdies auch der aktuelle Iran-Report der Heinrich-Böll-Stiftung vermitteln. Vgl. Nirumand, Bahman, Iran-Report, in: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.), Nr. 08/2007, 6. Jahrgang. URL: http://www.boell.de/downloads/presse2007/iran-report0807.pdf, (dl: 30.07.2007).

[5] In jeweils bilateralen Rüstungsabkommen sollen Israel Waffen im Wert von 30 Milliarden Dollar und Ägypten Lieferungen im Wert von 13 Milliarden Dollar erhalten. Daneben seien geplante Waffenverkäufe an Saudi-Arabien und an fünf andere ölreiche Golfstaaten im Wert von 20 Milliarden Dollar vorgesehen. Vgl. hierzu Spiegel Online, Schutz vor Iran. USA wollen Israel und verbündete Golfstaaten aufrüsten. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,497018,00.html, (dl: 30.07.2007).

[6] Vgl. Spiegel Online, Iran. Chamenei spricht von wachsendem Hass auf die USA. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,497061,00.html, (dl: 30.07.2007).

[7] Vgl. hierzu Wikipedia, Erdöl/Tabellen und Grafiken, zuletzt geändert am 21. Juni 2007, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Erd%C3%B6l/Tabellen_und_Grafiken#Weltreserven, (dl: 30.07.2007).

[8] Vgl. Weber, Max, Kritische Studien auf dem Gebiet der kulturwissenschaftlichen Logik, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hg. von Winckelmann, Johannes, Tübingen 1973, S. 234f.

[9] Vgl. Gächter, Afsaneh, Elitenzirkulation in Transformationsgesellschaften. Eine soziologische Fallstudie zur Zirkulation der Eliten im Iran, in: Winkelhane, Gerd (Hrsg.), Islamkundliche Untersuchungen, Bd. 261, Berlin 2004, S. 88.

[10] Ebd., S. 1.

[11] Vgl. Danesch, Mostafa, Die Politik Großbritanniens und Rußlands in der Iranischen Bürgerlichen Revolution 1905 – 1911, Dissertation der Universität Köln 1979, S. 30.

[12] „Were it not for our possessing India, we would trouble ourselves but little about Persia“, Zitat von Premierminister Lord Salisbury, zitiert in Martschukat, Jürgen, Antiimperialismus, Öl und die Special Relationship. Die Nationalisierung der Anglo-Iranian Oil Company im Iran 1951-54, in: Finzsch, Norbert und Meyn, Rolf (Hrsg.), Nordamerika-Studien, Bd. 6, Münster 1995, S. 39.

[13] Vgl. Danesch, Mostafa, S. 24ff.

[14] Vgl. Towfigh, Ebrahim, Modernisierung und postkoloniale Herrschaft in Iran. Versuch über den Staat, in: Kößler, Reinhart & Schiel, Tilman (Hrsg.), Umbrüche der Moderne. Arbeit – Staat – Kultur, Frankfurt am Main 1997, S. 85.

[15] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 89.

[16] Ebd., S. 87.

[17] Vgl. Danesch, Mostafa, S. 51ff.

[18] Vgl. hierzu Greussing, Kurt, Vom „guten König“ zum Imam. Staatsmacht und Gesellschaft im Iran, Bregenz 1987, S. 86.

[19] Ebd., S. 86.

[20] Gächter, Afsaneh, S. 90.

[21] Vgl. ebd., S. 90.

[22] Vgl. hierzu ebd., S. 91ff.

[23] Greussing, Kurt, S. 94.

[24] Vgl. ebd., S. 94f.

[25] Towigh, Ebrahim, S. 87-88.

[26] Vgl. Epkenhans, Tim, Moral und Disziplin. Seyyed Hasan Tāqīzade und die Konstruktion eines „progressiven Selbst“ in der frühen iranischen Moderne, in: Winkelhane, Gerd (Hrsg.), Islamkundliche Untersuchungen, Band 264, Berlin 2005, S. 2, Gächter, Afsaneh, S. 93.

[27] Ebd., S. 2.

[28] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 94-98.

[29] Entgegen verbreiteten Vorstellungen über eine grundsätzliche Feindseligkeit des schiitischen Klerus gegenüber der weltlichen Macht argumentiert Fragner. Er verfolgt die schiitisch-islamischen Theorien über staatliche Macht von der Safawidenzeit des 16. Jahrhunderts bis zu Staatsgründung der Isalmischen Republik Iran, vgl. Fragner, G. Bert, Von den Staatstheologen zum Theologenstaat: Religiöse Führung und historischer Wandel im schiitischen Persien, in: Tietze, Andreas (Hrsg.), Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, Bd. 75, Wien 1983, S. 73-98.

[30] Gächter, Afsaneh, S. 94, vgl. hierzu auch Banani, Amin, The Modernization of Iran 1921-1941, Stanford 1969, S. 25ff.

[31] Greussing, Kurt, S. 100.

[32] Auch Obhut, Rechtsschutz oder Schutzvertrag. Juden, Christen und Zoroastrier, die so genannten Schriftbesitzer, erhalten in der islamischen Gemeinschaft durch Zahlung einer Kopfsteuer einen geschützten Rechtsstatus.

[33] Vgl. Halm, Heinz, Der schiitische Islam. Von der Religion zur Revolution, München 1994, S. 163.

[34] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 97f.

[35] Ebd., S. 97.

[36] Vgl. ebd., S. 98.

[37] Greussing, Kurt, S. 113.

[38] Ebd., S. 113.

[39] Beispielhaft für diesen in der Entstehung begriffenen „pan-islamischen Reformismus“ sind für Greussing Männer wie Seyyed Jamal ad-Din al Afghani oder Mohammad Abduh. Vgl. ebd., S. 114, vor allem auch Peters, Rudolph, Erneuerungsbewegungen im Islam vom 18. bis zum 20. Jahrhundert und die Rolle des Islams in der neueren Geschichte: Antikolonialismus und Nationalismus, in: Ende, Werner & Steinbach, Rudolph (Hrsg.), Der Islam in der Gegenwart, Bonn 2005, S. 113- 123.

[40] Vgl., Greussing, Kurt, S. 114f.

[41] Gächter, Afsaneh, S. 117.

[42] Greussing, Kurt, S. 114.

[43] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 117.

[44] Vgl. Greussing, Kurt, S. 115.

[45] Ebd., S. 115.

[46] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 117.

[47] Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 89f.

[48] Greussing, Kurt, S. 115.

[49] Zur Chronologie der Verfassungsbewegung vgl. ebd., S. 115ff.

[50] Vgl. ebd., S. 117.

[51] Wie bereits oben zitiert ist Gächter zufolge die iranische Geschichte des 20. Jahrhunderts von einem permanenten Machtkampf zwischen königlichen, traditionellen und modernistischen Eliten geprägt. Für die Zeit der konstitutionellen Bewegung bilden demzufolge traditionelle Eliten, d.h. alte Kaufmannschaften bzw. Bazaris und schiitische Geistlichkeit, sowie moderne Eliten (Administratoren im Verwaltungsapparat, modern ausgebildete Intellektuelle und Teile iranischer Literaten, die sich für Fortschritt und Erneuerung einsetzen) die Gegenelite. Vgl. hierzu Gächter, Afsaneh, S. 117, Towfigh, Ebrahim, S. 90.

[52] Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 90.

[53] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 117.

[54] Vgl. hierzu Towfigh, Ebrahim, S. 90.

[55] Zur Verfassungsbewegung vgl. auch Abrahamian, Ervand, Iran Between Two Revolutions, Princeton, 1982, S. 50-92.

[56] Greussing, Kurt, S. 119.

[57] Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 92.

[58] Greussing, Kurt, S. 128.

[59] Towfigh, Ebrahim, S. 94.

[60] Vgl. ebd., S. 94.

[61] Abrahamian stellt die Heterogenität der „Intelligentsia“ heraus, sieht aber durchaus große Gemeinsamkeiten im Wunsch, eine ökonomische, politische und ideologischen Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen. Vgl. hierzu Abrahamian, Ervand, S. 61f.

[62] Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 97f.

[63] Ebd., S. 98.

[64] Gächter, Afsaneh, S. 121.

[65] Towfigh, Ebrahim, S. 94.

[66] Vgl., ebd., S. 105ff, Gächter, Afsaneh, S. 136ff, Greussing, Kurt, S. 130ff.

[67] Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 106: „Die britische Schiffsindustrie wechselte nicht zuletzt aufgrund des ungehinderten Zugangs zum iranischen Öl vom Brennstoff Kohle zu Öl, was zu einer erheblichen Effektivierung der militärischen Schlagkraft der britischen Marine während des ersten Weltkrieges beitrug“.

[68] Die Kosaken-Brigade wurde 1879 organisiert und stellte die einzige reguläre Truppe des qajarischen Königshofes. Zunächst stand die Brigade unter Führung russischer Offiziere, die direkt vom Zaren ernannt wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lösten jedoch iranische Offiziere die russischen Oberbefehlshaber ab. Vgl. hierzu Gächter, Afsaneh, S. 136, Anm. 339.

[69] Vgl. hierzu in aller Ausführlichkeit, Majd, Mohammad Gholi, Great Britain & Reza Shah, The Plunder of Iran, 1921-1941, Gainesville 2001, S. 61ff.

[70] Greussing sieht in der Aufnahme des Wortes „pahlawi“ ( ﺜﻬﻟﻮﻯ ) in den Königsnamen Reza Shahs einen ideologischen Kitt, der im Rahmen einer militärischen und administrativen Zentralisierung des Landes in einen Nationalstaat dezidiert auf vorislamische, iranische Traditionen verweisen soll. pahlawi ist die eigentliche Bezeichnung der zur Sassaniden-Zeit gesprochenen und geschriebenen mittelpersischen Sprache und heißt übersetzt „Held“ (neupersisch: kühn, mutig). Dieser Namenszusatz, der explizit an vorislamische Traditionen anknüpfte, wurde aus nachvollziehbaren Gründen insbesondere von der schiitischen Geistlichkeit abgelehnt. Unter Mohammed Reza Shah, dem Sohn Reza Shahs, wird – wie zu sehen sein wird – der ideologische Rückgriff auf alt- und mittelpersische Mythologie und Geschichte auf die Spitze getrieben. Vgl. Greussing, Kurt, S. 133.

[71] Towfigh, Ebrahim, S. 107.

[72] Vgl. ebd., S. 107.

[73] Ebd., S. 106.

[74] Ebd., S. 107.

[75] Vgl. Greussing, Kurt, S. 131f.

[76] Towfigh kann deutlich machen, wie es Reza Khan gelingen konnte, selbst das Militär zum bloßen Exekutivorgan des von ihm etablierten Hofes herabzusetzen. Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 109ff.

[77] Vgl. ebd., S. 112.

[78] Ebd. S. 112.

[79] Vgl. Francis, Robinson, Die Säkularisierung im Islam, in: Schluchter, Wolfgang (Hrsg.), Max Webers Sicht des Islam, Frankfurt am Main 1987, S. 264.

[80] Vgl. hierzu Gächter, Afsaneh, S. 143ff.

[81] Abrahamian verweist auf die drastische Zunahme der Einschulungsraten in Primär- und Sekundärschulen bei gleichzeitigem rapidem Rückgang der Zahl an traditionellen Theologiestudenten. Vgl. Abrahamian, Ervand, S. 142.

[82] “The policy toward the tribes was closely related to the long-range ambition of transforming the multiethnic empire into a unified state with one people, one nation, one language, one culture, and one political authority.” Ebd., S. 144f.

[83] Greussing, Kurt, S. 132.

[84] Vgl. Towfigh, Ebrahim, S. 109.

[85] Vgl. Gächter, Afsaneh, S. 147, Abrahamian, Ervand, S. 148. Sowohl die innenpolitischen Verhältnisse während der Herrschaft Reza Schahs als auch die Stellung Irans im Kräftespiel der Kolonialmächte werden detailreich von Ahmad Mahrad behandelt, vgl. Mahrad, Ahmad, Iran unter der Herrschaft Reza Schahs, Frankfurt/New York 1977.

[86] Die Beziehungen zwischen NS-Deutschland und Iran werden im Rahmen der Habilitationsschrift von Ahmad Mahrad behandelt, vgl. Mahrad, Ahmad, Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Iran und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich, Anzali/Iran 1979.

[87] Towfigh, Ebrahim, S. 107.

[88] Zur innerpolitischen Lage, dem Aufkommen von Parteien und machtpolitischen Auseinandersetzungen vgl. Gächter, Afsaneh, S. 149ff, zur makrosozialen Lage vgl. Greussing, Kurt, S. 145ff.

[89] Martschukat, Jürgen, S. 37.

[90] Churchill versicherte in einer Rundfunkansprache sowohl seinen Zuhörern als auch der sowjetischen Regierung jede sinnvolle militärische und wirtschaftliche Hilfe. Iran war hierzu besonders prädestiniert, da er im Gegensatz zu den beiden anderen Nachschubrouten – über das Nordkap nach Murmansk sowie über den Pazifik nach Wladiwostok – weder durch Deutschland noch durch Japan direkt bedroht war. Vgl. Schneider, Wolfram, Die britische Iranpolitik im Zweiten Weltkrieg und der Ausbruch des Kalten Krieges, Teil 1, Hamburg 1996, S. 142.

[91] Vgl. Martschukat, Jürgen, S. 49.

[92] Vgl. hierzu detailliert Schneider, Wolfram, S. 170-180.

[93] Vgl. Greussing, Kurt, S. 142.

[94] Vgl. Martschukat, Jürgen, S. 50.

[95] Vgl. ebd., S. 50f.

[96] Vgl. ebd., S. 51.

[97] Vgl. hierzu ebd., S. 52f.

[98] Ebd., S. 53.

[99] Ebd., S. 53.

[100] Vgl. ebd., S. 53.

[101] Ebd., S. 54.

[102] “Access to Middle Eastern oil is essential to Europe and would be essential to US in a long war. Russia could never consolidate a European conquest without Middle Eastern Oil”. Memorandum des Assistant Secretary of State for Near Eastern, South Asian and African Affairs, George McGhee. Zitiert in ebd., S. 60.

[103] Vgl. ebd., S. 61.

[104] Betrug der Anteil dieser Region an der weltweiten Erölproduktion 1945 noch 7,85%, so stieg er bis 1950 auf 17,3%, was vor allem auf einen deutlichen Produktionszuwachs im Iran zurückzuführen ist. Vgl. ebd., S. 62.

[105] Bei damalig nachgewiesenen amerikanischen Erdölreserven von 3,4 Milliarden Tonnen förderten die USA 1950 ca. 270 Millionen Tonnen Rohöl. Ein Verhältnis von Reserven zu Produktion von 12,59:1. Das nachgewiesene Ölvorkommen des Mittleren Ostens betrug damals 4,5 Milliarden Tonnen, bei einer Produktion von 90 Millionen t/a, ein weitaus positiveres Verhältnis von 50:1. Selbst das expandierende Lateinamerika, insbesondere Venezuela, der traditionell wichtigste Öllieferant der USA, konnte diese Zahlen mit einem Verhältnis von 16:1 nicht annähernd erreichen. Vgl. ebd., S. 62f.

[106] Vgl. ebd. S. 63f.

[107] Vgl. hierzu ebd., S. 73f.

[108] Vgl. ebd., S. 74.

[109] Vgl. ebd., S. 74ff.

[110] Ebd., S. 75.

[111] Ebd., S. 76.

Details

Seiten
134
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638906449
ISBN (Buch)
9783638906517
Dateigröße
5.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86614
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Relgigionswissenschaft
Note
1,8
Schlagworte
Islamische Identität Diskurs Iran Jahrhunderts

Autor

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Titel: Islamische Identität und anti-westlicher Diskurs im Iran des 20. Jahrhunderts