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Der Ursprung Spartas - Historischer Prozess und Analyse

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Thesen zur Herkunft der Spartaner – Heraklidensage und Dorische Wanderung
1.1. Die Heraklidensage
1.2. Dorische Wanderung
1.3. Überschneidungen zwischen Dorischer Wanderung und Heraklidensage

2. Kynousura, Pitane, Mesora und Limnai - Die vier Dörfer

3. Das fünfte Dorf – Die Eingliederung Amyklais

4. Die südliche Expansion

Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Proseminararbeit behandelt den Ursprung Spartas. Die Ursprungszeit Spartas sei dabei maximal bis zum Ende der archaischen Zeit eingegrenzt, wobei für diese Arbeit der Schlusspunkt der Ursprungszeit mit dem Ende der südlichen Expansion der Spartaner spätestens etwa 700 v. Chr. zu setzen ist.

Behandelt man den Ursprung Spartas, so sind zuerst die Fragen zu diskutieren, woher die Spartaner kamen und ab wann es den „Spartaner“, so wie der Begriff ihn klassifiziert, überhaupt gab. In diesem Themenkomplex müssen, um diese Fragen zu beantworten, die Dorische Wanderung und die Heraklidensage sowie deren Überschneidungen herausgearbeitet und analysiert werden. Darauf aufbauend sind die nachfolgenden historischen Prozesse zu betrachten, die zur Stadt- und Staatenbildung Spartas führten. Ziel dieser Arbeit kann es allerdings keines Falles sein, einen Gesamtüberblick zu bieten, sondern vielmehr will diese Arbeit die grundsätzlichen Faktoren, Fakten und Prozesse der spartanischen Entstehungsgeschichte aufarbeiten. Dabei sollen Ereignisse aus der parallel verlaufenden griechischen Frühgeschichte nur soweit für diese Arbeit herangezogen werden, wie sie für Sparta und dessen Entstehung von Bedeutung sind.

Die Literaturrecherche zu diesem Thema gestaltete sich bisweilen schwierig. Zwar ist zum Themenkomplex Sparta als solchem eine Fülle wissenschaftlicher Literatur vorhanden, grenzt man die Literatur allerdings auf die Werke ein, welche die archaische Zeit und die Ursprungphase teilweise oder ausschließlich behandeln, so wird die Zahl der Werke übersichtlicher. Anders als für die archaische Zeit konnte für die Ursprungsphase keine Monographie gefunden werden, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Für diese Arbeit war es daher notwendig, eine große Menge an Literatur zu sichten. Im Literaturverzeichnis sind daher nur die Werke aufgeführt, die in der Arbeit Verwendung gefunden haben.

Dass die Quellenlage zu dem vorliegenden Thema äußerst schwierig ist, wird schon bei einem Blick in die zahlreichen, teilweise recht kontroversen Debatten innerhalb der Literatur deutlich. Die zur Verfügung stehenden Quellen sind entweder nur fragmentarisch erhalten oder oft viele hundert Jahre später aufgeschrieben worden. Außerdem stellt sich bei einigen Quellen die Frage nach der Authentizität. Es muss dabei an dieser Stelle festgestellt werden, dass sich diese Arbeit in einem Grenzbereich zwischen Alter Geschichte und Archäologie bewegt.

1. Thesen zur Herkunft der Spartaner – Dorische Wanderung und Heraklidensage

Durch archäologische Ausgrabungen ist belegt, dass es in Lakonien bereits lange vor und während der mykenischen Epoche Siedlungen mit Handelsbeziehungen nach Kreta gab[1]. Es kann daher hier einleitend festgestellt werden, dass eine Entstehung Spartas keines Falls im leeren unbesiedelten Raum stattfand, sondern im Gegenteil in einem Gebiet, das zumindest teilweise von Menschen besiedelt war.

1.1. Die Heraklidensage

Bei der Heraklidensage handelt es sich in keiner Weise um eine wissenschaftliche Theorie zum Ursprung Spartas. Obwohl die Heraklidensage eine „legendäre Erzählung [...] ist, deren Einzelheiten überwiegen ohne historischen Wert“[2] sein mögen, ist der Einstieg in den Bereich der früh-griechischen Mythologie hier doch nötig, will man verstehen, wie sich der Ursprung Spartas in zeitgenössischer Sicht darstellte.

Der Begriff Herakliden meint Nachfahren des Herakles. Dessen Söhne seien der Sage zufolge von der Peloponnes vertrieben worden, allerdings hätten drei Ururenkel des Herakles später auf die Peloponnes zurückkehren können. Per Los sei die Halbinsel durch die Ururenkel des Herakles in drei Teile aufgesplittert worden. Lakonien sei dabei Aristodemos zugelost worden und dieser vermachte es seinen beiden Söhnen Prokles und Eurysthenes, welche jeweils als Ursprungsväter von einem der beiden spartanischen Königshäuser galten[3]. Eine zeitliche Einordnung dieses Ereignisses findet sich bei Thukydides. Demnach hätten die Herakliden Peloponnes achtzig Jahre nach der Zerstörung Trojas zurückerobert[4]. Diese Schilderung muss allerdings in dem Kontext gelesen werden, dass Thukydides im 5. Jhr. v. Chr. lebte und die Heraklidensage im 8. Jhr. v. Chr. vermutlich noch nicht bekannt war[5] und somit auch die Datierung als solche mit zum Mythos der Heraklidensage gehört. In der Literatur findet sich die nicht ganz abwegige Einschätzung, dass die Sage sich erst nach Abschluss der Ursprungsphase als „politische Propaganda [...] zur historischen Rechtfertigung“ etwa um das Jahr 600 v. Chr. herum etabliert habe[6].

Diese These der zeitlichen Einordnung wird auch durch ein überliefertes Fragment des griechischen Dichters Tyrtaios, der im 7. Jhr. v. Chr. lebte, untermauert, denn im Zusammenhang mit den Spartanern spricht dieser von „des Herakles´ echtem Geschlechte“[7]. Auch das Element des Mythos als Mittel zur historischen Rechtfertigung lässt in den Quellen wiederfinden. So schreibt Xenophon, dass „Lykurg [...] zur Zeit der Herakliden gelebt“[8] habe. Die Heraklidensage wird hier also zur Rechtfertigung einer anderen sagen-ähnlichen Konstruktion, nämlich der Gesetzgebung des Lykurg, herangezogen. Die Theorie, dass die Heraklidensage als Mittel zur historischen und politischen Rechtfertigung entstand, wird ebenfalls von dem englischen Althistoriker Robin Osborne vertreten[9]. Im großen Geflecht der griechischen Mythen und Sagen erscheint diese Ansicht durchaus plausibel. Die mangelnde Kenntnis über die eigene Abstammung musste zwangsweise zur Sagenbildung führen, um die eigene Herrschaft zu rechtfertigen. Die Rückführung auf Herakles, also auf eine göttliche Komponente, ist dabei insofern wichtig, als das auch andere griechische Städte zu der Zeit oder früher ähnliche Sagen kannten, die Spartaner also in dieser Beziehung nicht zurückstehen konnten.

1.2. Dorische Wanderung

Im Gegensatz zur Heraklidensage handelt es sich bei der Theorie der dorischen Wanderung um eine wissenschaftlich nachprüfbare Erklärung zum Ursprung Spartas.

Allerdings muss dabei betont werden, dass dieser Themenkomplex in der Literatur ebenfalls streckenweise sehr umstritten ist und die Quellenlage ebenfalls nicht als ausreichend bezeichnet werden kann.

Hinweise auf eine Beteiligung der Dorier, die ursprünglich etwa in der Gegend des heutigen Mazedonien beheimatet waren, am Ursprung Spartas finden sich in verschiedenen Quellen.

[...]


[1] Vgl.: Franz Kiechle: Lakonien und Sparta. Untersuchungen zur ethnischen Struktur und zur politischen Entwicklung Lakoniens und Spartas bis zum Ende der archaischen Zeit. Vestigia, Bd. 5. München. 1963, S. 3ff.

[2] August Pauly u.a.: Pauly's Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft in alphabetischer Ordnung, Bd. III, 2. Stuttgart. O. J., S. 1373.

[3] Vgl.: Karl-Wilhelm Welwei: Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Grossmacht. Stuttgart. 2004, S. 13.

[4] Vgl.: Lukas Thommen: Sparta. Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis. Stuttgart u.a. 2003, S. 23.

[5] Vgl.: Karl-Wilhelm Welwei: Sparta, S. 23.

[6] Manfred Clauss: Sparta. Eine Einführung in seine Geschichte und Zivilisation. Beck'sche Elementarbücher. München. 1983, S.14.

[7] Tyrtaios: Fragment 8. IN: Walter Ahrend (Hg.) u.a.: Altertum - Alter Orient, Hellas, Rom. Geschichte in Quellen, Bd. 1. München. 1965.

[8] Xen. Lak. X, 8.

[9] Vgl.: Robin Osborne: Greece in the making. 1200 – 479 B.C. London u.a. 1996, S. 36f.

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638021500
ISBN (Buch)
9783638923477
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86613
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für Alte Geschichte
Note
1,8
Schlagworte
Ursprung Spartas Historischer Prozess Analyse Proseminar Sparta Zeot

Autor

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