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Disziplinierung in Landsknechtsregimentern vor dem Hintergrund der Heeresgesetze

Seminararbeit 2006 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Selbstverständnis der Landsknechte
1.1 Motivation des Landsknechts
1.2 Habitus der Landsknechte
1.3 Organisation im Inneren des Landsknechtshaufens

2. Auslöser undisziplinierten Verhaltens: Der Sold

3. Formen der Gehorsamsverweigerung
3.1 Meutereien
3.2 Selbstversorgung durch Plünderungen

4. Verfassung und Organisation im Regiment
4.1 Heeresgesetze
4.2 Der Artikelsbrief
4.3 Regimentsämter
4.3.1 Der Obrist
4.3.2 Weitere Ämter

5. Rechtsprechung

6. Straftaten und deren Ahndung

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Auch wenn der Erzherzog und spätere römische König Maximilan, der in der Forschung gerne als der Schöpfer der Landsknechte genannt wird, mit der Einübung von Gefechtskörpern wie den bekannten Gevierthaufen und dem Igel großen Einfluss auf die Ausbildung der Landsknechte hatte, entwickelten diese im Laufe der Zeit zu erheblichen Teilen selbst Brauchtümer, Mitspracherechte, Verwaltungs- und Organisationsformen.[1] Schon die unterschiedlichen Nationen innerhalb eines Trupps und die daraus entstehenden Schwierigkeiten, wie z.B. Verständigungsprobleme, machen deutlich, dass es sicherlich nicht einfach gewesen sein kann, diese verschiedenen Kriegsmänner einheitlich zu führen, Disziplin und Ordnung herzustellen und diese auch zu erhalten. Dazu kamen schließlich auch die Eigenarten und Ansprüche der einzelnen Söldnergruppen, wie speziell der Landsknechte.

Mit welchen Mitteln die Kriegsherren versuchten, die Landsknechte im 16. Jahrhundert zu disziplinieren, soll hier erörtert werden. Dabei ist es von Bedeutung sich zu vergegenwärtigen, was den Landsknecht ausmachte, wie er sich verhielt und wie er sich selbst verstand. Daraufhin soll behandelt werden, welche Ursachen Ungehorsam unter den Landsknechten erzeugt und in welcher Form dieser auftrat. Nach der Besprechung der Rechtsordnung soll auf die Strafjustiz eingegangen werden. Auf die Disziplinierung mit religiösen Mitteln kann im Umfang dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Es werden Quellen verwandt, um einerseits den Alltag des Knechts mit der Rechtsordnung zu schildern, auf der anderen Seite wird die rechtliche Grundlage, ein Artikelsbrief, als Bezugsort dienen.

1. Selbstverständnis der Landsknechte

Die Landsknechte haben sich durch eine eigene Sprache, andersartige Kleidung und Lebensstil, Liedern und Bräuche zu einer eigenen sozialen Schicht entwickelt. Sie plünderten und brandschatzten das Land auf eigene Faust und machten den ortsansässigen Bauern das Leben zur Hölle. Ihre Trinkgelage arteten regelmäßig aus, sie waren Haudegen, denen man erst erklären musste, dass sie nicht wahllos mit ihren Hakenbüchsen um sich schießen konnten. Sie verspielten im Suff ihre Waffen und konnten oft wegen Trunkenheit ihren Dienst nicht antreten. Baumann beschreibt die Landsknechte bezeichnenderweise als „nicht nur “schlechte Deutsche“, sie waren auch schlechte „Soldaten“.“[2] Weiter beschreibt er, dass die Söldner ausdrücklich ermahnt werden mussten, den Kontakt zum Feind zu meiden und sich in die Schlachtordnung einzugliedern, wenn Alarm geschlagen wurde. Auch die vielen Eskapaden mit Prostituierten und das stete Fluchen der Landsknechte lassen auf keine sehr fromme oder sittsame Lebensweise schließen. Das Zitat von Sebastian Frank, aus dem Blickwinkel eines Zeitgenossen, dass die Arbeit der Landsknechte aus Lästern, Würgen, Rauben, Plündern, Prennen bestehe und sie des Weiteren noch Blutschuld und Unkeuschheit treiben, Jungfrauen notzüchtigen, Verwundete gefangen legen, Kartenspielen und Würfeln, Saufen, Huren und Gotteslästern, trifft das Bild des Landsknechts wohl sehr genau.[3] Abgesehen von den Unarten der Knechte entwickelten sie durch erfolgreiche Schlachten Selbstvertrauen in ihrer Einheit. Innerhalb der Landsknechtsgemeinschaft entstanden eigene Bräuche und ein ausgeprägt diszipliniertes Vorgehen. Auch die ihre eigene Rechtsordnung verkörpert beispielhaft ihr Selbstverständnis.[4] Sie selbst begriffen sich als ehrliche Kriegsleute, sahen sich selbst als ehrbar und rechtschaffen. Die Landsknechte verstanden sich als „freie, unabhängige Söldner!“, daher beanspruchten sie auch das Recht für sich, ihren Kriegsherren frei zu wählen.[5]

1.1 Motivation des Landsknechts

Was waren die Beweggründe eines Mannes, sich als Söldner verpflichten zu lassen?

Überwiegend bestanden die Landsknechte aus städtischen, handwerklich-bürgerlichen, ländlich-bäuerlichen Schichten. Die Männer erhofften sich eine Zukunft abseits der teils perspektivlosen ländlichen Heimat oder es trieb sie die Abenteuerlust, die Sehnsucht nach dem Unbekannten und Fremden, die Aussicht auf Ruhm und Beute. Der wichtigste Grund aber mag die Hoffnung auf Arbeit und gute Bezahlung gewesen sein. Wenn es in ihrer Heimat keine Arbeit für sie gab, suchten sie im Kriegsdienst ihr Glück. Auch die Aussicht auf sozialen Aufstieg lockte so manchen in den Kriegsdienst.[6]

1.2 Habitus der Landsknechte

Generell gab es keine Kleidervorschrift oder Uniform für die Landsknechte. Die Kriegsherren waren finanziell nicht im Stande ihre Söldner einheitlich einzukleiden, und so entstand das Gewohnheitsrecht der Knechte, sich individuell kleiden zu dürfen. Das gehörte zum Selbstverständnis eines freien Kriegsmannes, wie es die Landsknechte für sich beanspruchten.[7]

1.3 Organisation im Inneren des Landsknechtshaufens

Anhand einiger Quellen lässt sich innerhalb der Landsknechtsregimenter eine eigene Ordnung und Selbstverwaltung erkennen. Auch ein Mitspracherecht der Landsknechte bildete sich heraus, was als ein Charakteristikum dieser Söldner gilt.[8] Aber gerade dieses selbstständige Agieren machte die Landsknechte unberechenbar. Es war notwendig sie zu zügeln und zu disziplinieren, um sie auf dem Schlachtfeld effektiv einsetzen zu können. Andererseits war es für die Söldner wichtig, sich zusammenzurotten, um sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, die sie regelmäßig und in unerhörtem Umfang ausbeutete und betrog.[9] Das geschah in der Gemein. Sie rotteten sich trotz Verbot zusammen und lehnten sich gegen ihren Kriegsherren auf. Den Knechten war es nicht gestattet, sich ohne Erlaubnis in der Gemein zu versammeln und Gerichte abzuhalten. Dass sie regelmäßig gegen das Verbot verstießen, weist auf eine innere Struktur hin, die sie unabhängig von der Kontrolle des Kriegsherren bestehen ließ.

Die Disziplinierung durch die Obrigkeit bewirkte, dass die Söldner lernten, dass sie organisiert und diszipliniert erfolgreicher waren als wild und ungeordnet. Dieses Wissen setzten die Söldner auch in der Zeit ohne Anstellung, als gartende Knechte, ein. Gefährlich wurde allerdings, wenn die Knechte dieses Wissen auch gegen die Kriegsherren anwendeten.[10]

[...]


[1] Burschel, Peter: Söldner im Nordwestdeutschland des 16. und 17. Jahrhunderts, Sozialgeschichtliche Studien, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1994, S. 17 und 34.

[2] Vgl.: Baumann, Reinhard: Söldnerwesen im 16.Jahrhundert im bayrischen und süddeutschen Beispiel. Eine gesellschaftsgeschichtliche Untersuchung, Neue Schriftenreihe des Stadtarchivs München, Heft 79, München: Kommissionsbuchhandlung Wölfle 1978, S. 134.

[3] Vgl. Baumann: Söldnerwesen im 16.Jh., S. 138; und auch Burschel: Söldner im Nordwestdeutschland,

S. 136.

[4] Rogg, Matthias: Landsknechte und Reisläufer: Bilder vom Soldaten. Ein Stand in der Kunst des 16. Jahrhunderts, (Krieg in der Geschichte; Bd. 5), Paderborn, u.a.: Schöningh 2002, S. 96.

[5] Vgl. Baumann, Reinhard: Protest und Verweigerung in der Zeit der klassischen Söldnerheere, in: Armeen und ihre Deserteure. Vernachlässigte Kapitel einer Militärgeschichte der Neuzeit, Bröckling, Ulrich/ Sikora, Michael (Hrsg.), Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1998, S. 20.

[6] Schennach, Martin P.: Tiroler Landesverteidigung 1600- 1650. Landmiliz und Söldnertum, Innsbruck: Wagner 2003, S. 278-279; sowie Baumann, Reinhard: Landsknechte. Ihre Geschichte und Kultur vom späten Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg, München: Fink 1997, S.62-71; und Baumann, Söldnerwesen im 16. Jh., S. 84-89.

[7] Baumann, Landsknechte, S. 44-46.

[8] Ebd., S. 36, sowie Rogg, Landsknechte und Reisläufer, S. 96.

[9] Baumann, Söldnerwesen im 16.Jh., S. 201-208.

[10] Bröckling, Ulrich: Disziplin. Soziologie und Geschichte militärischer Gehorsamsproduktion, München: Fink 1997, S. 52-53.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638019262
ISBN (Buch)
9783638920247
Dateigröße
882 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86563
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Disziplinierung Landsknechtsregimentern Hintergrund Heeresgesetze Realität Krieges Frühen Neuzeit Militärgeschichte Jahrhundert

Autor

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