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Anthony Downs - Ökonomische Theorie der Demokratie

Ist dieses Modell geeignet um die Wahlbeteiligung in Demokratien zu analysieren?

Seminararbeit 2005 14 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rahmen der Ökonomischen Theorie der Demokratie nach Downs
2.1. Der rationale Wähler

3. Das Parteiendifferential
3.1 Trendfaktor und Leistungsbewertung

4. Die Informationskosten

5. Die Parteienideologie

6. Die Ungewissheit
6.1 Ungewissheit durch Koalitionsbildung im Mehrparteiensystem
6.2 Minimizing Maximum regret

7. Der Stimmwert

8. Wahlbeteiligung, Ja oder Nein ?

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Anthony Downs gilt als Mitbegründer der Ökonomischen Theorie der Demokratie. Heute wird diese Richtung der Politikwissenschaft auch als Rational Choice, Public Choice oder Neue Politische Ökonomie bezeichnet. Sie geht zurück auf Josef A. Schumpeters Arbeit „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“, der das Handeln politischer Akteure mit dem Handeln wirtschaftlicher Akteure auf einem Markt verglich. Demnach ist die politische Arena als ein Markt, auf dem es um Stimmenmaximierung der Politiker und um Nutzenmaximierung der Bürger geht, zu verstehen. Downs Weiterentwicklung dieser Theorie gilt als eine der bahnbrechenden Demokratietheorien und wurde immer wieder von namhaften Wissenschaftlern weiterentwickelt. Auch heute dient sie noch als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Theorien.

In Anbetracht der anstehenden Landtagswahlen in 3 Bundesländern der BRD ist es von Interesse, aufgrund welcher Motivation der Bürger seine Stimme abgibt. Auch die Reflexion der eigenen Wahlentscheidung ist spannend. Warum geht man zur Wahl? Für welche Partei wird man sich entscheiden? Oder enthält man sich letztlich der Stimme? Diesen Fragen wird in dieser Arbeit auf Grundlage der Ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs nachgegangen. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, ob seine Theorie geeignet ist, die Wahlbeteiligung in Demokratien zu analysieren. Zunächst werden die Rahmenbedingungen und Annahmen der Theorie vorgestellt um darauf folgend die einzelnen Schritte der Wahlentscheidung nach Downs rekonstruieren zu können. Miteinbezogen werden dabei verschiedene Momente der Entscheidungsfindung um schließlich zu der Thematik des Wahlparadoxons zu kommen. Zur Vereinfachung werden nur die nötigsten Rahmenbedingungen vorgestellt. Auch wird das Modell der Parteienkonkurrenz Außen vor gelassen und auf die Darstellung der Formeln, die Downs in seiner Arbeit entwickelt, wird zur Vereinfachung verzichtet.

2. Rahmen der Ökonomischen Theorie der Demokratie nach Downs

Die demokratische Regierungsform wird in dem Modell als Rahmen aller politischen Prozesse angesehen. Dabei orientiert sich Downs an westlichen Demokratien. Die Politik selbst wird als „marktförmiger Tausch“[1] begriffen. Es finden periodisch Wahlen statt, die der Bürger als Gelegenheit zur Auswahl einer Regierung aus mindestens zwei Parteien die sich zur Wahl stellen, wahrnimmt. Es wird auf der demokratischen Grundlage geheim, gleich, unmittelbar, allgemein und frei gewählt.

2.1. Der rationale Wähler

Nach Downs ist der Wähler ein nutzenmaximierender und rational handelnder Mensch. Verwendet wird in der Rational Choice Theorie die Schablone des homo oeconomicus. Er handelt also rational, wenn er unter mehreren Alternativen diejenige wählt, die ihm mit dem geringsten Aufwand einen maximalen Nutzen verspricht. Er unterliegt in seinem Verhalten dem Eigennutzaxiom. Er muss demnach drei Dinge wissen um rationale Entscheidungen treffen zu können:

1.) Er muss seine Ziele kennen
2.) Er muss wissen, welche Möglichkeiten ihm zur Verfügung stehen um diese Ziele zu erreichen
3.) Er muss sich der Folgen der jeweiligen Entscheidung bewusst sein.[2]

Seine Entscheidungen trifft der rationale Wähler anhand seiner individuellen Präferenzordnung und ist des Weiteren vollständig informiert.[3] Außerdem trifft er stets die gleiche Entscheidung wenn er vor denselben Alternativen steht. Die Präferenzen des rationalen Bürgers werden als gegeben angesehen und sind nicht widersprüchlich aber transitiv.[4] Mit diesen Bedingungen konstruiert Downs das eher abstrakte Bild eines homo politicus, den er aber selbst als den „Durchschnittsmensch innerhalb der Wählerschaft“[5], ansieht. Diese Reduktion der Wirklichkeit ist seiner Ansicht nach notwendig um Prognosen bezüglich des Wählerverhaltens machen zu können.

3. Das Parteiendifferential

Um zu einer Entscheidung bei einer Wahl zu gelangen, bildet der Wähler laut Downs das Parteiendiffenrential. Wie aber errechnet der Wähler sein zu erwartendes Parteiendifferential? Innerhalb eine Zweiparteiensystems wägt er ab welche Partei ihm den größten Nutzen bringen würde. Aus den Wahlversprechen der Regierungspartei sowie der Oppositionspartei zieht er die Differenz. Ist diese nun positiv wird der Wähler für die momentane Regierung stimmen. Bei einer negativen Differenz wird er sich für die Oppositionspartei entscheiden, geht die Differenz gegen Null wird sich der Wähler der Stimme enthalten.[6] Allerdings führt Downs hier an, dass sich der Wähler keineswegs auf die Wahlversprechen der Parteien stützen kann. Der Bürger muss nun also die hypothetischen Leistungen der Oppositionspartei mit den Leistungen der amtierenden Regierung vergleichen. Allerdings muss er sich hierbei auf Vermutungen und Unsicherheiten hinsichtlich Zukünftigem stützen. Aus diesem Grund führt Downs den Trendfaktor und die Leistungsbewertung in sein Modell ein.

3.1 Trendfaktor und Leistungsbewertung

Der Trendfaktor soll den Trend der Regierungs- und Oppositionspartei für die Zukunft fortführen. Falls der Wähler nun noch immer keinen Unterschied zwischen beiden Parteien sieht, bewertet er die Leistungen der Regierungspartei in der Vergangenheit.[7]

Diese beiden Faktoren werden verwendet, wenn das Parteidifferential des Wählers Null beträgt. Befindet sich der rationale Wähler hingegen in einem Mehrparteiensystem ergeben sich Schwierigkeiten für den Wähler das Parteiendifferential zu ermitteln. Der Bürger sieht sich hier vor eine Fülle an Wahlprogrammen und Wahlalternativen gestellt. Diese sind aber nach Downs schlicht mit der Reduktion der Komplexität durch den Vergleich der Regierungspartei mit ausschließlich der ihm, dem Bürger, am naheliegensten Oppositionspartei zu lösen.[8]

4. Die Informationskosten

Downs geht in seinem Modell von einem vollständig informierten Bürger aus. Das entspricht allerdings nicht der Wirklichkeit und ist in hohem Maße abstrakt. Um dieser Tatsache beizukommen führt er u.a. die Informationskosten ein. Die Kosten entstehen bei der Informationsbeschaffung. Der Wähler muss sich z.B. Zeitungen und Zeitschriften kaufen, sich im Fernsehen oder Radio informieren. Die Kosten beinhalten auch die Verarbeitung und Selektion der persönlich als wichtig erachteten Informationen. Des Weiteren nimmt die Information Zeit in Anspruch. Der Wähler hat somit auch Opportunitätskosten, da er die verwendete Zeit nicht mehr anderweitig nutzen kann. Letztendlich verursacht die Information Kosten, die der rationale Wähler nur auf sich nimmt, wenn der erwartete Nutzen daraus die Informationskosten übersteigt. Demzufolge wird er sich möglichst kostenlose und schnell verdauliche Informationen beschaffen, da er von seiner einzelnen Stimme nicht den entsprechenden Gewinn an Nutzen erwarten kann.[9] Aber hätten wir es dann nicht mit einem Wähler zu tun, der nur ein Mindestmaß an Wissen gesammelt hat? Rational wäre es nach Downs Modell. Die Qualität seiner Information ist dabei nicht von Interesse. Man muss aber von einem Minimum an Information ausgehen. In der Literatur wird der rationale Bürger dabei auch als ignoranter Wähler bezeichnet.

Darüber hinaus bieten auch die zur Wahl stehenden Parteien dem Wähler Entscheidungshilfen an, wie im nächsten Abschnitt besprochen wird.

5. Die Parteienideologie

Dem Wähler werden von den Parteien als einfachstes Mittel zur Entscheidungshilfe deren Ideologien angeboten. Es werden ihm damit die Informations-, Informationsbeschaffungs- und Opportunitätskosten erspart. Der Wähler kann sich folglich auf die Gesinnungen der Parteien in allen ihm wichtig erscheinenden Politikfeldern verlassen und muss somit keine Kosten der Information tragen.[10] Er bekommt eine politische Orientierung ohne größeren Aufwand und/oder Kosten und die Entscheidung bei einer Wahl wird ihm wesentlich erleichtert.

[...]


[1] Volker Dreier: `Rational Choice´ und Strukturalistische Wissenschaftstheorie, in: Rational Choice in der Politikwissenschaft. Grundlagen und Anwendungen, Opladen: Leske + Budrich 1994, S. 189-190.

[2] Anthony Downs: Ökonomische Theorie der Demokratie, hrsg. v. Rudolf Wildenmann, Tübingen: J.C.B. Mohr1968, S. 202.

[3] Ruth Zimmerling: `Rational Choice´ - Theorien: Fluch oder Segen für die Politikwissenschaft?, in: Rational Choice in der Politikwissenschaft. Grundlagen und Anwendungen, Opladen: Leske + Budrich 1994, S. 14-17.

[4] Henrike Fröchling: Ökonomie und Wahlen in westlichen Demokratien. Eine vergleichende Rational - Choice - Analyse, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998, S. 21f; Dreier: `Rational Choice´ und Strukturalistische Wissenschaftstheorie, S. 191; Siegfried F. Franke: Die Ökonomische Theorie der Politik, in: Rational Choice in der Politikwissenschaft. Grundlagen und Anwendungen, Opladen: Leske + Budrich 1994, S. 53-56.

[5] Downs: Ökonomische Theorie der Demokratie, S. 7.

[6] Downs, Ökonomische Theorie der Demokratie, S. 38.

[7] Ebd. S. 39.

[8] Ebd. S. 42f.

[9] Auf den Stimmwert des einzelnen Wählers werde ich in den folgenden Kapiteln näher eingehen.

[10] Downs: Ökonomische Theorie der Demokratie, S. 93-98.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638021289
ISBN (Buch)
9783638923330
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86555
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Politikwissenschaftliches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Anthony Downs Theorie Demokratie

Autor

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Titel: Anthony Downs - Ökonomische Theorie der Demokratie