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Die Außenpolitik der Weimarer Republik unter Gustav Stresemann von 1924-1929

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die außenpolitische Ausgangslage der Weimarer Republik vor

3. Zur Person Stresemanns und seinen außenpolitischen Zielen

4. Verbesserung der europäischen Beziehungen
4.1. Von der Ruhrkrise zum Dawes-Plan
4.2. Der Vertrag von Locarno und Deutschlands Beitritt zum Völkerbund
4.3. Der Berliner Vertrag
4.4. Außenpolitische Stagnation und Young-Plan

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Weimarer Republik standen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg außenpolitisch äußerst schwierige Zeiten bevor. Der erste deutsche demokratische Staat musste mit dem Versailler Friedensvertrag sehr harte Bedingungen hinnehmen, wie z.B. die erheblichen Reparationszahlungen, die militärischen Beschränkungen und natürlich die beträchtlichen Gebietsverluste. Neben der Notwendigkeit, die innenpolitischen und wirtschaftlichen Krisen zu lösen, die unter anderem auch eine Folge des Vertragswerkes von Versailles waren, galt es also ebenso, die Bedingungen der Friedensverträge für die Weimarer Republik in der Hinsicht erträglicher zu machen, dass der Spielraum in der Außenpolitik erweitert und die eingesetzte Isolation durchbrochen werden konnte.

Waren die ersten Jahre noch von starkem gegenseitigem Misstrauen zwischen Siegermächten und Besiegten des Ersten Weltkriegs geprägt, so kam es ab 1924 zu einer Entspannung der außenpolitischen Situation und im weiteren Verlauf der Jahre sogar zu weiteren Annäherungen. Dies war vor allem Gustav Stresemann zu verdanken, der im Dezember 1923 nach etwa 100-tägiger Kanzlerschaft das Außenministerium des Weimarer Staates weiterführte und dieses Amt bis zu seinem Tode im Oktober 1929 innehatte.

Der folgende Beitrag untersucht nun die Außenpolitik der Weimarer Republik in der Ära Stresemann von 1924 bis 1929. Es soll vor allem die Frage beantwortet werden, ob Deutschland durch die stresemannsche Außenpolitik eine Besserstellung in der internationalen Staatengemeinschaft erfahren hat. Um den Kontext nicht zu gefährden, sollen bei der Untersuchung des Problems die innenpolitischen Entwicklungen Deutschlands weitestgehend außen vor gelassen werden. Zu Beginn wird noch kurz auf die außenpolitische Lage Deutschlands bis 1924 eingegangen, um eine mögliche Besserstellung der Weimarer Republik nach dem Tode Stresemanns auch vergleichend beurteilen zu können.

Die Literatur über Stresemann und die Außenpolitik in seiner Zeit ist umfangreich. Besonders erwähnenswert ist hier die erst vor kurzem erschiene Monographie von Gottfried Niedhart[1], die die gesamte Außenpolitik der Weimarer Zeit prägnant darstellt. Um etwas mehr über die Person Gustav Stresemanns zu erfahren, sind dessen Biographien von John P. Birkelund[2] und Jonathan Wright[3] empfehlenswert. Und wenn die Materie etwas tiefgründiger untersucht werden soll, ist hier auf die umfassenden Werke von Peter Krüger[4] und Ludwig Zimmermann[5] zu verweisen.

2. Die außenpolitische Ausgangslage der Weimarer Republik vor 1924

Wie schon in der Einleitung kurz erwähnt wurde, waren die außenpolitischen Bedingungen für die Weimarer Republik äußerst ungünstig. Zwar gibt es in der Wissenschaft auch gegenläufige Ansichten, wie z.B. die von Michalka, der unter anderem auf die nach wie vor ökonomische, politische und auf lange Sicht hin auch militärische Stärke Deutschlands hinweist[6], aber trotz allem stand die Weimarer Republik nach dem verlorenen Krieg wirtschaftlich und militärisch zunächst nicht gut da. Der zwischen den Siegern und ohne deutsche Beteiligung ausgehandelte Versailler Vertrag hatte für Deutschland erhebliche Folgen: Neben herben Gebietsverlusten und Rüstungsbeschränkungen, mussten zudem hohe Reparationen an die Westmächte geleistet werden. Da die Höhe und Dauer der Reparationen von den Westmächten noch offen gelassen wurde, konzentrierten sich die deutschen Außenpolitiker daher zunächst hauptsächlich auf deren endgültige Festlegung. Einen ersten Teilerfolg konnten die Deutschen in dieser Hinsicht nach der Londoner Reparationskonferenz im Jahre 1921 verbuchen: Die Höhe wurde auf 132 Mrd. Goldmark festgelegt. Pro Jahr sollten etwa zwei Milliarden geleistet werden, plus einer jährlichen Quote von 26 Prozent der deutschen Ausfuhren.[7]

Des Weiteren sah sich der deutsche Staat nach dem Ersten Weltkrieg einer Isolation ausgesetzt, welche erst 1922 durch das Rapallo-Abkommen mit der ebenfalls isolierten Sowjetunion allmählich durchbrochen werden konnte. Der Vertrag, der während der internationalen Wirtschaftskonferenz in Genua unterzeichnet wurde, auf der die weiteren Reparationsverhandlungen nicht zum Abschluss kamen, war für die Weimarer Republik ein erster „Befreiungsschlag“. Inhalt waren unter anderem der gegenseitige Verzicht auf Reparationen und wirtschaftliche Meistbegünstigung[8], jedoch gab es auch Spekulationen über geheime Militärabkommen.[9] Daher war Rapallo den Westmächten, und vor allem den Franzosen, die immer noch ein großes Sicherheitsbedürfnis gegenüber dem östlichen Nachbarn hatten, ein Dorn im Auge. „Denn aus französischer Sicht war der Vertrag ein sicherheitspolitisches Ärgernis: Zum einen machte er eine zusätzliche Schwächung des gefährlichen Nachbarlandes mittels russischer Reparationsansprüche unmöglich; zum anderen stellte sich die Frage, ob Rapallo eine allgemeine deutsche Option für den Osten und gegen den Westen bedeutete – und womöglich eine Gefährdung Polens.“[10] Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, dass der Rapallo-Vertrag erstmals eine kurzzeitige Stärkung der deutschen Position gegenüber den Westmächten bedeutete, da diese nun befürchten mussten, dass sich die Weimarer Republik dauerhaft nach Osten orientieren würde. Das brachte für Deutschland aber eben auch Schaden mit sich: Einerseits stieg im alliierten Lager das Misstrauen gegenüber der Weimarer Republik erheblich an und andererseits bestätigte das die „vermeintliche Unberechenbarkeit“ der Deutschen.[11] Dies musste daher zwangsläufig zu Gegenreaktionen führen, vor allem von Seiten Frankreichs, da eine Stärkung Deutschlands dem französischen Sicherheitsbedürfnis entgegenlief. Im Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen daraufhin das Ruhrgebiet, um eine Politik der „produktiven Pfänder“[12] zu betreiben. Grund war einerseits der Rapallo-Vertrag, andererseits nicht vollständig geleistete Reparationszahlungen.[13]

[...]


[1] Niedhart, Gottfried: Die Außenpolitik der Weimarer Republik (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 53), 2., aktualisierte Aufl., München 2006.

[2] Birkelund, John P.: Gustav Stresemann. Patriot und Staatsmann. Eine Biographie, Hamburg 2003.

[3] Wright, Jonathan: Gustav Stresemann 1878-1929. Weimars größter Staatsmann, München 2006.

[4] Krüger, Peter: Die Außenpolitik der Republik von Weimar, 2., unveränderte Aufl., Darmstadt 1993.

[5] Zimmermann, Ludwig: Deutsche Außenpolitik in der Ära der Weimarer Republik, Berlin/Frankfurt/Göttingen 1958.

[6] Michalka, Wolfgang: Deutsche Außenpolitik 1920-1933, in: Bracher, Karl Dietrich/ Funke, Manfred/ Jacobsen, Hans-Adolf (Hrsg.): Die Weimarer Republik 1918-1933. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft (Schriftenreihe bpb, Bd. 251/ Studien zur Geschichte und Politik), 2., durchgesehene Aufl., Bonn 1988, S. 303-326, hier S. 307.

[7] ebd., hier S. 309.

[8] Ebert, Johannes/ Schmid Andreas: Das Jahrhundertbuch, Gütersloh/München 1999, S. 287.

[9] Michalka: Außenpolitik (wie Anm. 6), hier S. 312.

[10] Sturm, Reinhard: Kampf um die Republik 1919-1923, in: bpb (Hrsg.): Weimarer Republik (Informationen zur politischen Bildung, Bd. 261), überarb. Neuaufl., Bonn 2003, S. 18-31, hier S. 27.

[11] Grevelhörster, Ludger: Kleine Geschichte der Weimarer Republik 1918-1933. Ein problemgeschichtlicher Überblick, 4. Aufl., Münster 2003, S. 74.

[12] Die Politik der „produktiven Pfänder“ beschreibt die Politik Frankreichs gegenüber Deutschland, bei ausbleibenden oder nicht vollständigen Reparationszahlungen deutsche Gebiete (in diesem Falle das Ruhrgebiet) als „Pfand“ in Besitz zu nehmen.

[13] Michalka: Außenpolitik (wie Anm. 6), hier S. 312.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638021159
ISBN (Buch)
9783638923279
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86478
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Außenpolitik Stresemann Deutschland Weimarer Republik

Autor

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Titel: Die Außenpolitik der Weimarer Republik unter Gustav Stresemann von 1924-1929