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Thomas Hobbes - Begründung und Legitimation politischer Ordnung durch Vertrag?

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Hobbes und sein Werk „Leviathan“
2.1 Historische Einordnung und Allgemeines
2.2 Der Naturzustand in Hobbes „Leviathan“
2.3 Der Vertrag – Ausweg aus dem Naturzustand hin zur politischen Ordnung
2.3.1 Inhalt des Vertrages
2.3.2 Der neu geschaffene Staat
2.3.3 Der Leviathan
2.3.4 Die Bürger im Staat

3. Interpretation der These
3.1 ,liberale’ Aspekte
3.2 ,illiberale’ Aspekte
3.3 Schlussfolgerungen

4. Aktualität des Hobbesschen Staatskonzepts

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Selbstständigkeitserklärung

1.Einleitung

Thomas Hobbes – sein Name, ein Programm und das schon seit über 350 Jahren. Was war so überwältigend und neu an seinen Staatstheorien? Was wollte uns Hobbes lehren? Und, warum beschäftigen wir uns noch heute mit seinem Nachlass?

In der einschlägigen Literatur gilt Hobbes nicht erst seit kurzem als „Klassiker der politischen Theorie“. Schon in der Schule werden Kinder mit seinen Theorien konfrontiert und auch anerkannte Wissenschaftler zerbrechen sich immer wieder aufs neue den Kopf über sein Hauptwerk, den „Leviathan“.

In der folgenden Hausarbeit wird versucht, einen Einblick in das Schaffen des Staatsphilosophen zu geben. Des Weiteren werden vertiefende Inhalte und Anregungen zur Diskussionen offen gelegt. Darüber hinaus lesen Sie zu Beginn etwas zu Hobbes und dem Werk des „Leviathan“, bevor im nächsten Schritt der Naturzustand und dessen Beseitigung behandelt wird. Anschließend werden Aussagen zur neuen politischen Ordnung und ihrer Begründung durch den Vertrag getroffen. In diesem Zusammenhang wird eine nähere Erläuterung zu den Akteuren des Staates gegeben. Im zweiten Teil wird, die in der Fragestellung zu dieser Hausarbeit gegebene These näher beleuchtet. Schlussendlich werde ich mich zur Relevanz des Hobbesschen Staatsmodels für die heutige Zeit äußern.

Schon nach kurzem Einlesen in die Thematik fiel mir auf, wie kontrovers und intensiv das Thema Hobbes und sein „Leviathan“ in der heutigen Wissenschaft umkämpft ist. Die eine Seite sieht ihn als Begründer oder Urvater des Liberalismus, während andere von einem der größten Vertreter des Absolutismus sprechen. Endgültig geklärt ist die Thematik seit über 350 Jahren noch immer nicht. Umso schwieriger war es, die einzelnen wertenden Aussagen der Sekundärliteratur aufzugliedern und getrennt aus der Perzeptionswirklichkeit zu betrachten. Deshalb mein versuch, die verschiedenen Aussagen so deutlich wie möglich kenntlich zu machen und sie bei der Interpretation der These mit einfließen zu lassen.

Am Ende wird meine Stellungnahme zum Thema auch nur eine Meinung von vielen sein. Jedoch hoffe ich, dass vielleicht auch diese wieder neue Diskussionen anregt und neuen Gesprächsstoff bieten kann.

Hobbes bleibt also auch in Zukunft weiterhin interessant. Die Frage, ob er ein Verfechter des Absolutismus, ein Vordenker des Liberalismus oder er vielleicht sogar als „[...] Vater oder Großvater unseres modernen Staat[es] zu sehen.“ (Campagna 1998: 353.) ist, bleibt.

2. Thomas Hobbes und sein Werk „Leviathan“

2.1 Historische Einordnung und Allgemeines

Thomas Hobbes (1588 – 1679) war ein in England geborener Staatsphilosoph. Aufgewachsen in einem gutbürgerlichen Elternhaus, galt Hobbes als sehr begabtes Kind und erwarb schon in jungen Jahren den akademischen Grad des Bachelor in Oxford. Den Rest seines Lebens war er als Hauslehrer in einer adligen Familie in England angestellt. Zwischenzeitlich arbeitete er als Sekretär von Francis Bacon. Durch die Anstellung als Hauslehrer kam er in der Welt herum und traf auf einflussreiche Personen seiner Zeit, wie zum Beispiel Galileo Galilei. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer verfasste er viele Schriften, in welchen er sich hauptsächlich mit den Gesellschaftsproblemen seiner Zeit auseinandersetzte. Die Zeit seines Wirkens war vor allem durch Unruhen und Bürgerkriege in England geprägt. Mehr als einmal musste Hobbes wegen seinen kritischen Äußerungen, vor allem gegen die Kirche, ins Exil flüchten.

Sein heutiges Hauptwerk ist unumstritten der „Leviathan[1] “ (im englischen Original: „Leviathan or the Matter, Forme and Power of a Commonwealth Ecclesiastical and Civil“), welches er 1651 vor dem Hintergrund des englischen Bürgerkrieges verfasste. Dieses Werk umfasst vier Teile. Heute werden jedoch hauptsächlich die ersten zwei zur Bearbeitung seiner Theorien zu Rate gezogen. Dies liegt daran, dass Teil drei und vier sich weitestgehend mit Religionsfragen beschäftigt. Schon das Titelbild des „Leviathan(s)“ zeigt Hobbes’ grundsätzliche Vorstellung von einem Staat: Ein gewaltiger Herrscher (Leviathan), vereinigt und zusammengesetzt aus den Bürgern. Die Gewalt dieses Herrschers wird durch das Schwert (die weltliche Macht) und den Bischofsstab (geistliche Macht) in seinen Händen gekennzeichnet. Mit dieser Macht erhebt er sich über den Staat. Borger fasst dieses Bild in einem Satz zusammen: „[...] der Staat ist reines Menschenwerk aus subjektiver Vernunft, ohne Verankerung in Transzendenten.“ (Borger 2005: 1035). Der Himmel über dem Leviathan ist leer. Ein Gottesbezug ist nicht mehr gegeben. Hobbes wendet sich an dieser Stelle vom bisher vorherrschenden klassischen Menschenbild ab.

Des Weiteren sei darauf verwiesen, dass Hobbes in den Wirren seiner Zeit nach einem neuen Ansatz für seine Staatstheorien suchte. Den Ansatz dafür fand er in der Genauigkeit der Wissenschaft. Das heißt, dass das Untersuchte zähl- und berechenbar sein musste. Jedoch erkannte er auch die Schwierigkeiten, welche solch eine Methode mit sich bringt, denn die politische Wissenschaft hat es im Gegensatz zur Geometrie schwerer. So muss die Leidenschaft als Grundzug des menschlichen Wesens bei den politikwissenschaftlichen Betrachtungen mit berechnet werden, während dieser Fakt in der Geometrie überhaupt keine Relevanz hat. (vgl. Schwan 1993: 180f.)

2.2 Der Naturzustand in Hobbes „Leviathan“

Grundlegend sei darauf verwiesen, „[...] in a state of nature, there are no laws, reliable instincts, and above all, no insured communication or common language“ (Willms 1989: 570.). Hobbes’ ging bei der Betrachtung seines Menschenbildes im Naturzustand davon aus, dass jeder Mensch von Grund auf mit den gleichen geistigen Fähigkeiten ausgerüstet ist. Kein Mensch ist also mehr oder minder begabt als der andere. Es kann sich also keiner einen Vorteil gegenüber einem anderen verschaffen. Zusätzlich ist das Individuum ein sinnlich wahrnehmendes Lebewesen. Dadurch werden auf mechanische Weise Begierden hervorgerufen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Mensch durch Leidenschaften gesteuert ist (vgl. Schwan 1993: 182.). Jedoch leben die Menschen nicht in einem glücklichen bzw. in einem friedlichen Zustand. Es bestehen drei Hauptursachen, die den Menschen in einen chaotischen Naturzustand leben lassen. Diese drei Ursachen sind nach Hobbes: Mitbewerbung, Verteidigung und Ruhm. Die Individuen können sich untereinander nicht sicher sein. Der eine wird immer des anderen Sachen begehren oder versuchen, seine Mitmenschen zu unterwerfen oder gar zu töten. Dieses Handeln beruht auf Naturgesetzen, welche: „[...] consists in principles which in the long term maximise our chances of self – preservation.” (Cromartie 2000: 165.). Die Menschen leben also in völliger Furcht untereinander. Hobbes beschreibt die Situation als Krieg aller gegen alle – bellum omnium contra omnes (vgl. Hobbes 1980: 112 – 116.). Ferner arbeitet Hobbes mit zwei weiteren Bildern. Zum einen mit dem des Wolfes – homo homini lupus, in welchem sich der Mensch widerspiegelt, der einem anderen Menschen zur Bedrohung wird. Zum anderen benutzt Hobbes das Bild des Hasen – homo homini lepus. Diesen Vergleich verwendet Hobbes, um zu zeigen, wie der Mensch im Gegenzug Todesfurcht erleiden muss (vgl. Schwan 1993: 183.)

Kersting sagt in seinem Werk über Hobbes’ aufgestelltes Naturzustandstheorem: „Die Naturzustandtheorie kommt zu dem negativen Ergebnis, daß die menschliche Natur keinerlei eigene Vergesellschaftungsressourcen besitzt.“ (Kersting 1992: 103.). Diese Aussage leitet er aus vier Punkten ab, in welchen er den Grund sieht, dass es zur Überwindung des Naturzustandes und zur Begründung eines Vertrages nach Hobbes kommen muss. Erster Punkt ist der Konstitutive Egoismus, in welchem der Mensch nur nach seiner Selbsterhaltung strebt. Ferner die Knappheitsbedingte Konkurrenz, bei welcher die Knappheit der Güter eine Konkurrenzstreben der Menschen untereinander hervorruft. Als dritten Punkt nennt Kersting die Konkurenzbedingte Verfeindung, die durch die vorangegangenen Punkte zwangsläufig auftreten muss. Letztendlich verweist er in Punkt vier auf die Rationalität des offensiven Mißtrauens und vorbeugende Gewaltanwendung. Indem er noch einmal betont, dass jeder dem anderen misstrauen oder ihm zuvor kommen muss, um sich eine günstige Ausgangsposition im Naturzustand zu sichern – der Mensch ist also dem Mensch ein Wolf (vgl. Kersting 1992: 104 – 106.).

In diesem sozial-chaotischen Naturzustand versucht Hobbes Ordnung hineinzubringen, wie im Folgenden gezeigt wird.

[...]


[1] Der Leviathan ist ein biblisches Seeungeheuer, welches im Buch Hiob auftaucht. Das Gegenstück ist Behemoth, zu welchem Hobbes auch ein Werk schrieb.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638021111
ISBN (Buch)
9783640710423
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86467
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,3
Schlagworte
Thomas Hobbes Begründung Legitimation Ordnung Vertrag theorie leviathan souverän

Autor

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