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Russlands Avantgarde

Die Rolle der künstlerischen Avantgarde am Beispiel von Kasimir Malewitsch

Seminararbeit 2007 23 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

INHALT

1. Das Vor-Avantgardistische Russland
1.1 Darstellung der politischen und sozialen Situation
1.2 Notwendigkeit eines allumfassenden Umsturzes

2. Herausbildung einer russischen Avantgarde
2.1 Politische und gesellschaftliche Umbrüche
2.2 Entwicklungen in der russischen Avantgardekunst
2.2.1 Bestrebungen und Aussagen der künstlerischen Avantgardisten
2.2.2 Der avantgardistische Künstler im politischen Kontext

3. Der Künstler Kasimir Malewitsch
3.1 Biographische Angaben
3.2 Darstellung des Oeuvre
3.3 Malewitschs Beitrag zur Avantgarde

4. Malewitschs ästhetisches Konzept des Suprematismus
4.1 Künstlerische Elemente suprematistischer Malerei
4.2 Theoretischer und philosophischer Rahmen des Suprematismus
4.2.1 Reine Empfindung als Weg der Erkenntnis
4.2.2 Die Gegenstandslosigkeit als Verdichtung höchster menschlicher Erkenntnisprinzipien
4.3 Einordnung des Suprematismus als geistige und politische Strömung
4.3.1 Der Suprematismus als nackte Ikone
4.3.2 Der Suprematismus als politische Linke

5. Niedergang der russischen Avantgarde
5.1 Politisches Diktat als Ende der freien Künste
5.2 Prägung Russlands durch die Avantgardistische Epoche ?
5.2.1 Gesellschaftliche Bedeutung der Avantgarde
5.2.2 Nachhaltigkeit von Malewitschs Werk

ABSTRACT

Russland erfuhr zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegende Neuerungen. Das Zarentum wurde abgeschafft und es entwickelte sich unter Lenin der Sowjetstaat, welcher später in das sozialistische Diktat Stalins überging. Dieser Zeitraum zwischen Revolution und Machtergreifung Stalins ist als Russische Avantgarde bekannt geworden

Die kurze Zeitspanne, in der die Oktoberrevolution von 1917 in Russland auch einen neuen Freiraum für avantgardistische Experimente der Kunst öffnete, hat einen ungeheuren Reichtum hervorgebracht. Doch ebenso eng, wie diese Avantgarde mit der linken Hoffnung und der idealistischen Begeisterung der Künstler verbunden ist, hat ihre Geschichte sie auch verknüpft mit der stalinistischen Unterdrückung der Moderne und ihrer Diffamierung als Formalismus.[1]

Der Maler Kasimir Malewitsch wurde zu einem der bedeutendsten Vertreter der künstlerischen Avantgarde in Russland. Er entwickelte ab 1912/13 das ästhetische Konzept des Suprematismus. Diese Stilrichtung der Moderne in der bildenden Kunst steht dem Futurismus und Konstruktivismus nahe. Wie auch andere avantgardistische Künstler forderte Malewitsch, von der reinen Darstellung der Welt zu ihrer Umgestaltung fortzuschreiten. Von der Kunst erhoffte man sich einen starken Einfluss auf gesellschaftliche Formungsprozesse. Malewitschs Werk basierte daher auch auf einem umfassenden theoretischen Konzept. Das ‚Schwarze Quadrat auf weißem Grund‘ war Initialwerk in der Geschichte der Kunst als Geste.

Die Dynamik der Avantgarde wurde durch Einführung neuer sozialistischer Maximen jäh beendet. Spätestens mit Stalin und der Etablierung des sozialistischen Realismus wurde das avantgardistische Erbe getilgt. Erst seit der Perestroika in den 90-er Jahren erwacht das Interesse an russischer Vergangenheit wieder.

1. Das Vor-Avantgardistische Russland

1.1 Darstellung der politischen und sozialen Situation

Russland unterschied sich lange von den westlichen Entwicklungen. Der Zar bewilligte nur zaghaft Reformen, welche in ihrer Umsetzung zu oft fehlschlugen. Die Infrastruktur wurde nur langsam verbessert und die Industrialisierung kam erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Gang. „Der Widerspruch zwischen der traditionsorientierten Bevölkerungsmehrheit und dem modern-absolutistischen Regime bestimmte bis weit ins 20. Jahrhundert das soziale und geistige Leben Russlands.“[2]

Die Ideen der Französischen Revolution und das Erwachen der Nationalstaaten in West- und Mitteleuropa führten zu einer Entfremdung zwischen Teilen der europäischen Oberschicht und dem russischen Zarenregime. „Die Spannung fand Ausdruck in der Debatte zwischen ‚Westlern‘ und ‚Slawophilen‘. Während erstere die Öffnung gegenüber dem ‚Westen‘ guthießen [...] betonten die Slawophilen slawische und orthodoxe Traditionen und sahen die Zukunft des Landes in der Rückkehr zu diesen Wurzeln.“[3] In dieser Auseinandersetzung trat erstmals die Gruppe der Intelligenzija hervor. Diese Ideengemeinschaft basierte auf dem Willen, die autokratische Zarenherrschaft zu stürzen, Verantwortungsbewusstsein gegenüber sozialer Schwäche und der Glaube an eine wissenschaftlich fundierte Weltanschauung. Aus der Intelligenzija heraus entwickelte sich die Bewegung der ‚Volkstümler‘, welche einen Sturz des Zarismus durch Aufklärung der bäuerlichen Massen anzustrebten. ‚Terroristen‘ verübten Anschläge auf Einrichtungen des Staates und auf dessen hohe Beamte. Spektakulärster Fall ist die Ermordung des Zaren Alexander II. in St. Petersburg 1881.

Die Staatsgewalt schlug erbarmungslos zurück, verbot Studentenorganisationen; Geheimdienstler schwärmten aus; Tausende von Verdächtigen wurden nach Sibirien verschleppt. Verfolgung traf ebenfalls die junge russische Arbeiterbewegung.

1.2 Notwendigkeit eines allumfassenden Umsturzes

Die Unzufriedenheit der Industriearbeiterschaft, das wachsende Selbstbewusstsein des Bürgertums, die verbreitete Missstimmung auf den Dörfern und nicht zuletzt die wachsenden nationalen Spannungen im Vielvölkerstaat Russland gipfelten in der Revolution von 1905 bis 1907. Auslöser war die Niederlage im Kampf gegen Japan. Neben dem Industrieproletariat und der Intelligenzija beteiligten sich erstmalig auch Bauern am Umsturz. Der Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen. Der Zar gewährte nun eine ‚Duma‘ (Parlament), welche demokratischen Forderungen jedoch nicht gerecht wurde.

Es manifestierte sich die Erkenntnis, dass ein erneuter Umsturzversuch unternommen werden musste. Im Ausland bereiteten sich die sozialistische Gruppen ‚Menschewiki‘ unter Trotzki und ‚Bolschewiki‘ unter Lenin auf die Beseitigung des Zarenregimes und dem Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse in Russland vor.

2. Herausbildung einer russischen Avantgarde

2.1 Politische und gesellschaftliche Umbrüche

Der Erste Weltkrieg machte schmerzhaft deutlich, dass das russische Reich trotz aller Modernisierungsversuche dem Deutschen Heer nicht gewachsen war. Die russischen Armeen erlitten schwere Niederlagen. Zar Nikolaus II. dankte am 5. März 1917 in Folge von Streiks und Unruhen ab. 1918 wurden er und seine Familie von den Bolschewiki ermordet. Die Macht ging in die Hände einer provisorischen Regierung über.

Neben der Regierung entwickelte sich der Petersburger Sowjet – der Arbeiter- und Soldatenrat – rasch zu einer eigenständigen Kraft. In ihm gewannen die Vertreter der Bolschewiki, des radikalen Flügels der russischen Sozialdemokratie, an Bedeutung und Profil, insbesondere nachdem Wladimir Iljitsch Lenin, die politische und ideologische Leitfigur dieser Gruppe, aus dem Schweizer Exil zurückgekehrt war.[4]

Die Bolschewiki stürzten mit der Mehrheit der Sowjets am 6. November 1917[5] die provisorische Regierung. Die neue Führung der Volkskommissare leitete Friedensverhandlungen ein und sicherte sich somit den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung. In kürzester Zeit wurde das zaristische System zerschlagen und eine Diktatur der Kommunistischen Partei errichtet.

2.2 Entwicklungen in der russischen Avantgardekunst

2.2.1 Bestrebungen und Aussagen der künstlerischen Avantgardisten

“Was unter dem Titel ‚russische Avantgarde‘ firmiert, könnte unterschiedlicher nicht sein. Bei einem Maler wie Chagall existiert der Raum noch, bei Malewitsch verschwindet er vollständig, und Tatlin schließlich greift in den Raum hinaus.“[6] Die avantgardistische Kunstentwicklung in Russland war – wie auch in der gesellschaftspolitischen Frage - geprägt durch zwei scheinbar konträre Phänomene: das sich Besinnen auf die Tradition der Volkskunst einerseits – und ein sich Öffnen gegenüber der internationalen Kunstwelt andererseits.[7] Es gab einen regen Austausch mit der westlichen Kunstszene – insbesondere mit dem damaligen Mekka internationaler Kunst: Paris. Somit orientierte sich die Russische Avantgarde auch stark an den französischen Entwicklungen wie Fauves, Kubismus und Matisse. Große Sammler, wie z.B. Morozow und Schuschkin luden Künstler nach Moskau ein, um an Ort und Stelle ihre Werke zu schaffe.[8]

[...]


[1] Katrin Bettina Müller. Mir nach, Fliegergenossen, in die Tiefe. Kasimir Malewitsch- eine Einführung.
In: www.db-artmag.de//06/d/thema-malewitsch.php, am 10.07.2007.

[2] Hans-Henning Schröder. Vom Kiewer Reich bis zum Zerfall der UdSSR. In: Informationen zur politischen Bildung. Band 281 Russland, Bonn 2003, S. 9.

[3] Ebd.

[4] Schröder, 2003, S. 10.

[5] Entspricht dem 24. Oktober nach dem Julianischen Kalender.

[6] Die russische Avantgarde im Kunsthaus Zürich. Der russische Weg in die Abstraktion. März 1999.
In: www.cosmopolis.ch/cosmos1/avantgar.htm, am 3. August 2007.

[7] Vgl. Russische Avantgarde. In: www.museenkoeln.de/museum-ludwig/default.asp?sam_01_00.asp~inhalt, am 1. August 2007.

[8] Ebd.

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638021098
ISBN (Buch)
9783638923255
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86453
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Zittau
Note
2,0
Schlagworte
Russlands Avantgarde

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