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Die Rolle der Frau während der mexikanischen Revolution

Seminararbeit 2006 21 Seiten

Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Regime von General Porfirio Díaz

3. Die mexikanische Revolution
3.1. Frauen und die katholische Kirche
3.2. Intellektuelle Frauen
3.2.1. Frauenvereinigungen und Organisationen
3.2.2. Schriftstellerinnen und Journalistinnen
3.2.3. Der Frauenkongress in Yucatán
3.2.4. Politische Partizipation
3.3. Die soldaderas
3.3.1. Margarita und Adelita
3.3.2. Fotografien

4. Laura Esquivels Roman Como agua para chocolate
4.1. Romanfiguren
4.1.1. Mamá Elena
4.1.2. Die Männer
4.1.3. Die Angestellten Nacha und Chencha
4.1.4. Tochter Rosaura
4.1.5. Tochter Gertrudis
4.1.6. Tochter Tita
4.2. Der Roman und die mexikanische Revolution
4.3. Die Verfilmung

5. Gesetzliche und gesellschaftliche Entwicklungen nach

6. Fazit

7. Bibliographie

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Internet Quellen

Filmographie

1. Einleitung

Es existiert eine umfangreiche Anzahl an Schriftgut über die mexikanische Revolution. Ihre Auslöser, Abläufe und Resultate wurden recherchiert und analysiert, aber nur selten wurde die Rolle der Frau und ihr Zutun an diesem geschichtlichen Ereignis mit einbezogen. In den letzten Jahrzehnten hinterfragten Geschlechter- und Frauenforschung die Objektivität dieser Geschichtsschreibung und deren Selektionskriterien. Durch Studien und Publikationen wurde die geschichtliche Perspektive zu Gunsten der mexikanischen Frau erweitert und gegenwärtig ist bekannt, dass die mexikanische Revolution keine reine Männersache war. Prinzipiell haben alle mexikanischen Frauen Einfluss auf die Revolution genommen und soldaderas[1] waren ebenso fundamental für deren Verlauf wie engagierte Journalistinnen und Organisatorinnen von Frauenvereinigungen.

Die vorliegende Arbeit soll zum einen die unterschiedlichen Rollen der Frauen und deren aktive Beteiligung während der mexikanischen Revolution genauer darlegen und zum anderen auf gesellschaftstypische Frauenbilder Mexikos mittels unterschiedlicher Darstellungsweisen aus Fotografie, Film und Literatur eingehen. Meine Analyse basiert vornehmlich auf Laura Esquivels Roman Como agua para chocolate und dessen Verfilmung. Der Rückgriff auf die Geschehnisse und Zustände im porfiriato[2], sowie die gesetzlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach 1910 bilden dabei den Rahmen dieser Arbeit.

2. Das Regime von General Porfirio Díaz

Der anfängliche Wirtschaftsaufschwung und die Modernisierung Mexikos im porfiriato hatten die Herausbildung einer neuen Mittelschicht zur Folge, deren Frauen sich die neu entstandenen Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten zunutze machten.[3] Laut Macías (1982: 11) waren „[...] Mexican women […] eager to study and earn their living” und zum Ende des Díaz Regimes arbeiteten nicht nur tausende Frauen als Lehrerinnen, sondern auch als Sekretärinnen, Krankenschwestern und Angestellte.

Im Hinblick auf die Zivilrechte der Frau kam es 1884 jedoch zu rückschrittlichen Abänderungen, die, insbesondere für verheiratete Frauen, weitere Einschränkungen und eine stärkere Abhängigkeit von ihren Ehemännern bedeuteten.[4]

Während jedoch mittelständische Frauen in Mexiko mehr als je zuvor arbeiteten und studierten, kam es für die Frauen der Unterschicht zu keinen aussichtsreichen sozialen oder politischen Umgestaltungen, und nach Macías (1982: 13) lebten sie „[...] on the edge of misery or in its abyss“. Die Mehrheit war in der Textil- und Tabakindustrie beschäftigt, andere in Lebensmittelfabriken und Schneidereien, wobei sie die am schlechtesten bezahlten Positionen inne hatten und unter verheerenden Bedingungen arbeiteten. Zudem stieg die Anzahl der ungelernten Hilfsarbeiterinnen und Haushälterinnen und um ihr Überleben zu sichern, begaben sich viele Frauen in die Prostitution.[5]

Im Fortlauf des porfiristischen Regimes kam es zu einer wirtschaftlichen Depression und die Unzufriedenheit der Bevölkerung entlud sich in einer Reihe von illegalen Streiks und Demonstrationen, wobei Frauen aktiv an Organisation und Ausführung derselben teilnahmen. Außerdem entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts die politische Opposition Partido Liberal Mexicano und Frauen aller Klassen, aber vor allem der Mittelschicht, schlossen sich dieser Widerstandsbewegung an.

3. Die mexikanische Revolution

Der Beginn der Revolution beeinflusste mexikanische Frauen aus allen sozialen Schichten und Macías (1982: 49) beschreibt diese als einen „catalyst for the women’s movement in Mexico”. Für die Frauen der Ober- und Mittelschicht ergaben sich weitere Beschäftigungsmöglichkeiten und die Gelegenheit zur Vertretung und Äußerung weiblicher Interessen und Standpunkte. Die Frauen der Unterschicht dagegen waren durch die revolutionären Begebenheiten häufig gezwungen sich von ihrer bisherigen Lebensführung auf unterschiedlichste Weise abzuwenden.

Entscheidend war, dass Frauen aller Klassen andersartige gesellschaftliche

Rollen übernahmen, die im folgenden Teil genauer betrachtet werden sollen.[6]

3.1. Frauen und die katholische Kirche

Die Revolution brachte antiklerikale Gesetzte und zunehmend auch Gewalt gegenüber der katholischen Kirche mit sich.[7] Ihr wurden Grundbesitz und die Kontrolle über Erziehung entzogen. Die Anzahl der Priester wurde herabgesetzt, Kirchen geschlossen und entweiht. Anhängern von Orden war es untersagt, sich politisch zu engagieren, sie wurden aus Positionen in Krankenhäusern und Schulen entlassen, entführt, festgenommen und ermordet.

In den ersten Jahren der Revolution unterstützte die katholische Kirche diejenigen Präsidentschaftskandidaten, von denen sie sich eine gesicherte Stellung der Kirche innerhalb der mexikanischen Gesellschaft erhoffte. Später nahm sie von dieser Haltung jedoch Abstand und befürwortete ausschließlich konservative Strömungen. Außerdem konterte sie gegen die ihr zugefügte Diskriminierung durch die Gründung katholischer Vereinigungen, wobei sie, entgegen der bisherigen Haltung, die Frauen aufforderte, sich aktiv für die katholische Kirche einzusetzen.

Zur Zeit der Revolution war Religion für viele „a pervasive force and an integral part of their lives” (Macías 1982: 45) und kirchliche Frauenbewegungen organisierten Demonstrationen gegen revolutionäre Vorkommnisse und antikatholische Gesetzesbeschlüsse, gründeten Komitees zum Erhalt von Tradition und katholischen Werten und wendeten sich gegen die Tätigkeiten revolutionärer Frauenvereinigungen. Während der Christero Rebellion[8] 1926/27 organisierten und verrichteten sie die Distribution von Lebensmitteln, Medikamenten und Waffen.

Diese Geschlossenheit und Protestbereitschaft der Frauen zur Verteidigung

kirchlicher Interessen überzeugte Revolutionäre, dass Frauen eine reaktionäre Kraft für die Ziele der Revolution darstellten. Diese Auffassung sollte noch lange ein Hindernis in der Fortentwicklung der Frau in der mexikanischen Gesellschaft darstellen.

3.2. Intellektuelle Frauen

Die Gruppe der Intellektuellen bestand überwiegend aus weiblichen Lehrkräften oder Frauen der Mittel- und Oberschicht, die anderweitig Zugang zu Bildung hatten. Sie versuchten durch Gründungen von Frauenorganisationen, durch Veröffentlichung von Artikeln und Zeitungen und durch das Abhalten von Versammlungen ihre Standpunkte zu übermitteln und die Frauen hinter ihren gemeinsamen Zielen zu vereinen.[9]

[...]


[1] Die Bezeichnung soldadera kam mit den spanischen Eroberern 1519 nach Mexiko (vgl. Salas 2001: 120) und die Bedeutung des Begriffs lässt sich zum einem durch eine Übersetzungen des Wortstamms herleiten (soldado: Soldat(in), soldada: Wehrsold), und zum anderen durch die Anführung der deutschen Äquivalente der Marketenderinnen. Sie folgten und versorgten die Truppen gegen Bezahlung und oftmals schloss dieses auch die Dienste als Prostituierte mit ein.

[2] Der Begriff porfiriato bezeichnet die Regentschaft des Diktators Porfirio Díaz von 1876 bis 1910 in Mexiko.

[3] Bereits unter der Präsidentschaft von Benito Juárez (1867-1872) wurde der Grundstein für ein extensives Bildungswesen gelegt (vgl. Soto 1990: 11) und bei 1895 waren mehr als die Hälfte der Lehramtsstellen von Frauen besetzt (vgl. Soto 1990: 12; Potthast 2003: 273).

[4] Unverheirateten Frauen wurde untersagt vor dem dreißigsten Lebensjahr das Elternhaus zu verlassen. Ehefrauen war es verboten Verträge zu unterzeichnen, bestimmte Berufsrichtungen auszuüben, sie besaßen kein Mitspracherecht in der Kindererziehung und kein Anrecht auf Eigenbesitz (vgl. Soto 1990: 10).

[5] 1905 waren 11.554 Prostituierte in Mexiko Stadt registriert, wobei 95 Prozent aus der Altergruppe der Fünfzehn- bis Dreißigjährigen stammte. Die Gesamtpopulation dieser Altergruppe betrug damals 71.737 Frauen (vgl. Macías 1982: 44).

[6] Zu beachten ist allerdings, dass Überschneidungen oder auch Abweichungen innerhalb der folgenden Einteilung möglich waren.

[7] Antiklerikale Reformen unter Präsident Juárez hatten bereits zu einem offenen Konflikt zwischen Staat und katholischer Kirche geführt, jedoch beruhigten sich diese Spannungen weitgehend während des Díaz Regimes.

[8] Bewaffneter Aufstand von katholischen Guerillas gegen die Regierung.

[9] Herausragende Feministinnen zur Zeit der Revolution waren die Journalistin Juana Belén Gutierrez de Mendoza (1875-1942), die Lehrerin Dolores Jiménez y Muro (1848-1925) und Hermila Galindo de Topete (1896-1954), die Privatsekretärin von Präsident Carranza.

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638021036
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86438
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
Rolle Frau Revolution Geschichte Literatur Kulturgeschichte

Autor

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Titel: Die Rolle der Frau während der mexikanischen Revolution