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Die Außenpolitik Konstantins des Großen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 34 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Militärpolitik unter Konstantin dem Großen

3. Die Außenpolitik unter Konstantin dem Großen
3.1. Konstantin an der Rheingrenze
3.1.1. Zusammenfassung
3.2. Konstantin an der Donaugrenze
3.2.1. Der Einfall der Sarmaten
3.2.2. Der Einfall der Goten
3.2.3. Der Gotenkrieg von
3.2.4. Der Gotenfoedus von
3.2.5. Die Vertreibung der Sarmaten aus dem Banat
3.2.6. Zusammenfassung
3.3. Konstantin und Persien
3.3.1. Armenien
3.3.2. Der Feldzug gegen Persien
3.3.3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

5. Quellenverzeichnis

6. Bibliographie

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Außenpolitik, die unter Konstantin dem Großen betrieben wurde. Zunächst werde ich Aussagen über die Militärpolitik Konstantins treffen, die zum einen als Grundlage und zum anderen als Ergebnis der außenpolitischen Unternehmungen angesehen werden kann. Des Weiteren werde ich die Arbeit Konstantins an den außenpolitischen Brennpunkten Rhein, Donau und Persien darstellen. Hierzu nutzte ich vor allem die Dissertation Barcelós zu „Roms auswärtigen Beziehungen unter der Constantinischen Dynastie (306- 363)“ sowie die Veröffentlichung Bleckmanns „Constantin und die Donaubarbaren“ und Brockmeiers

„Der Große Friede 332 n. Chr.“. Ebenso bediene ich mich Aufsätzen aus dem Cambridge Companion to the Age of Constantine von Noel Lenski. Um meine Aussagen zur Außenpolitik Konstantins zu belegen, nutze ich Eusebius, Laktanz, Zosimos sowie den Anonymus Valesianus als Quellen.

2. Die Militärpolitik unter Konstantin dem Großen

Bei der Betrachtung der Militärpolitik Konstantins ist es wichtig festzuhalten, dass er die Heeresreform Diocletians abschloss.

Diocletian wurde als letzter Soldatenkaiser von seinen Truppen berufen. Bei seinem Amtsantritt hatte er mit einer Anzahl von Problemen zu kämpfen. Er musste Usurpatoren, Grenzkonflikten sowie wirtschaftlichen Defiziten entgegenwirken.

Um diesen Aufgaben gewachsen zu sein, führte er eine Reihe von allumfassenden Reformen durch.

Diocletian trennte sich von einem Teil seiner Macht, indem er sie mit jeweils noch einem Augustus sowie zwei Caesares teilte und so die Tetrarchie erfand. Mit diesem System der zwei Seniorkaiser und der zwei Juniorkaiser war es möglich das krisengeschüttelte Imperium nach innen und außen zu stabilisieren. Des Weiteren reformierte Diocletian das Steuersystem und schaffte einen gewaltigen Staatsapparat.

Auch mit der Heeresreform wollte er die Krisenzeiten des Römischen Reiches beenden. Es kam zu einer Neuverteilung von Verantwortungen. Während vor Diocletians Kaiserzeit ein Statthalter sowohl für die zivilen als auch für die militärischen Bereiche einer Provinz zuständig war, änderte sich dies nun dahingehend, dass für die militärischen Belange einer Provinz ein dux eingesetzt wurde und für die zivilen Angelegenheiten ein separater Statthalter zuständig war.

Um Usurpationen vorzubeugen, verkleinerte Diocletian die Provinzen und erhöhte deren Anzahl.

Damit Diocletian an mehreren Kriegsschauplätzen präsent sein konnte, war es notwendig die Armee zu vergrößern. Diocletian erhöhte die Zahl der Legionen und erschuf neue Hilfstruppen. Obwohl es in Stadt und Land einen Menschenmangel gab, gelang es Diocletian dennoch die erforderlichen Kräfte für den Soldatenstand zu interessieren. Für viele war das Soldat- Sein ein viel versprechendes Angebot, da der Soldatendienst einträglich war und man „nach 20 Jahren mit dem Privileg der Befreiung von allen persönlichen Pflichtleistungen“1 entlassen wurde.

Damit die römische Streitkraft schlagkräftiger wurde, teilte Diocletian die Armee in die comitatenses und die limitanei – in eine Feld- und eine Grenzarmee, wobei die Anzahl an Soldaten in den comitatenses überwog als bei den limitanei. Ebenso versuchte Diocletian barbarische Kontingente in seine Armee zu integrieren und so die römische Armee zu stärken.

Es kam zu einer „Militarisierung des Staates und seiner Funktionäre“1, indem man nun in den hohen Positionen Berufsoffiziere anstelle von Aristokraten fand. Die Verdrängung der Aristokraten und die Ausschaltung des Senats führte dazu, dass die land besitzenden Senatoren sich auf ihre Güter zurückzogen. Dort wollten sie sich gegen finanzielle Zugriffe der kaiserlichen Beamten schützen und waren nun auch gezwungen ihre Güter eigenständig gegen Angriffe der Germanen zu verteidigen. Somit führte die Militarisierung auch zu einer „Regionalisierung von Herrschaft und Wirtschaft“2.

Nachdem unter Diocletian diese ersten viel versprechenden Anfänge einer Heeresreform zu finden waren- Anfänge daher, dass alle Reformen nur allmählich durchgesetzt werden konnten oder manchmal gar nicht zum Tragen kamen- wurde die Heeresreform unter Konstantin konsequent vollendet. Die Trennung in comitatenses und limitanei wurde nun mit Nachdruck durchgesetzt. Das Bewegungsheer (comitatus) wurde an strategisch wichtigen Punkten im Hinterland stationiert und sollte bei einem Grenzdurchbruch die Feinde so schnell wie möglich stellen und niederschlagen. Die Mitglieder des comitatus hatten nun einen eigenen Status errungen. Man sah sie als die physisch höheren Standards erfüllenden Mitglieder der Armee an, die eine kürze Dienstdauer bis zur Erringung voller Privilegien und dem Austritt aus der Armee hatten. Die limitanei hingegen waren an den Grenzen stationiert und sollten diese sichern. Ein solches Hervorheben der comitatenses, wie zuvor erwähnt, hatte Auswirkungen. Jedoch sind deren Ausmaße schwer zu benennen, aber man kann festhalten, dass sie zu einer geringen Abnahme der Qualität der Grenztruppen führte3. Konstantin setzte als Kommandeure des comitatus den magister peditus und den magister equitus ein.

Diese Trennung der Heermeister von Infanterie und Kavallerie fand in der Realität nicht konsequent statt. Die Heermeister kommandierten beide Teile des comitatus und wurden oft auch nur mit der allgemeineren Bezeichnung magistri militum geführt. Diese hatten auch die Autorität über die duces der Provinzen.

Konstantin war sich bewusst, dass die imperiale Macht abhängig von der militärischen Unterstützung war. Um die Macht zu erlangen, war es wichtig eine große Anzahl von Offizieren und Männern als Unterstützung hinter sich zu versammeln. Aus dieser Loyalität erwuchs eine starke Verknüpfung zwischen dem Herrscher und der Armee. Die Mitglieder der Armee erwarteten, dass der Herrscher auch selbst das Heer führte und kämpfte. So machte ihn die Kampfverletzung Konstantins 324 in Adrianopel bei den Truppen beliebt. Konstantin zeigte seine Verbundenheit mit der Armee auch darin, dass er auf Münzen oder in Statue als Soldat (zum Beispiel mit Dreitagebart)1 dargestellt wurde. Einige Soldaten hatten häufig mit Konstantin zu tun. Sie waren mit dem Image des Herrschers bei den Truppen beauftragt. Deren Beziehung zum Kaiser wurde durch Geldgeschenke zu wichtigen Anlässen und imperialen Geburtstagen gefestigt und gestärkt.

Wie schon zuvor erwähnt, nutzte Diocletian auch schon die Kraft der Barbaren und entwickelte Truppen, die vollständig aus Barbaren bestanden oder integrierte barbarische Truppenteile in die römischen Truppen.

Unter Konstantin erfuhr die Rekrutierung von Barbaren in die Römische Armee ganz neue Ausmaße. Für Konstantin stand es nicht im Mittelpunkt, dass die Barbaren ihre pagane Gesinnung ablegen sollten und zu Römern umerzogen werden sollten. Dennoch ist festzuhalten, dass die paganen Eigenschaften nach der Rekrutierung abgeschwächt wurden2. Dieser Trend der Auswirkungen des Christentums auf die Barbaren wuchs auch nach Konstantin im 4. Jahrhundert weiter an. So wurde das Christentum unter Valens und Valentinian innerhalb der Goten so weit verbreitet, dass die gotischen Führer Verfolgungen der christlichen Einflüsse als notwendig empfanden.

Ein weiterer Trend in den römisch- barbarischen Beziehungen ist darin zu erkennen, dass man Barbaren in den höchsten Rängen des Militärs wieder finden kann. Aufgrund dessen konnten Barbaren über Generationen zu enormer Macht gelangen. Das Nutzen von barbarischen Kräften erfuhr durch die Kämpfe innerhalb der Tetrarchie unter Konstantin und Licinius neue Maßstäbe. Mit groß angelegten Rekrutierungen von Barbaren in die Römische Armee eliminierte Konstantin den Kreislauf von Grenzgewalt und Usurpation, die das 3. Jahrhundert getrübt hatten1. Die Kämpfe gegen Maxentius und Licinius ermutigten zur Rekrutierung von Männern aus Gebieten hinter der Grenze (beyond the frontier)2 in die imperiale Armee.

Aus diesem Trend resultierte die Entwicklung, dass die Römer bis in das 5. Jahrhundert lernen mussten, sich mit einer großen Anzahl von Nicht- Römern in ihrer Mitte zu arrangieren. Die altertümliche Trennung der Menschen in Römer, Griechen und Barbaren konnte unter diesen integrierenden Bedingungen nicht mehr aufrechterhalten werden.

Das Einbinden der barbarischen Bestrebungen in das römische System kann als Höhepunkt der imperialen Antwort auf die brutale Art und Strenge der Barbaren gesehen werden. Diese Strenge, die die Römer auch schon selbst gespürt hatten, wurde nun für die Zwecke des Imperiums eingesetzt.

Somit lässt sich festhalten, dass uns Konstantins Herrschaft einen ersten flüchtigen Blick in die postimperiale Zeit bot.

3. Die Außenpolitik unter Konstantin dem Großen

Die Bedingungen, die unter Konstantin im Rahmen der Militärpolitik geschaffen wurden, hatten Auswirkungen auf die Außenpolitik, die unter Konstantin betrieben wurde oder resultierten aus außenpolitischen Erfolgen Konstantin des Großen. Das Römische Reich hatte im 3. und 4. Jahrhundert neben innenpolitischen Krisen auch außenpolitische Probleme zu bewältigen. Im Rahmen der Außenpolitik standen die Barbaren im Mittelpunkt. Eusebius beschreibt diejenigen als Barbaren, die unzivilisiert außerhalb der grenzen des Römischen Imperiums nach ihren wilden Sitten1, lebten. So mussten außenpolitisch drei Krisenherde beseitigt werden. Diese, an der Peripherie des Imperiums gelegenen Gebiete, waren das Rheingebiet, die Donau sowie Persien.

3.1. Konstantin der Große an der Rheingrenze

Wie schon einleitend erwähnt, stehen außenpolitisch die Barbaren, also die Menschen, die außerhalb des Reiches an dessen Grenzen leben, im Mittelpunkt. Betrachtet man die Quellenlage, so fällt auf, dass wir über die Barbaren und deren Lebensweise nur aus römischen Quellen informiert werden und es keine alternativen Quellen aus barbarischer Sicht gibt. Daher sollten die römischen Aussagen mit einer gewissen Distanz betrachtet werden.

In der Forschung werden die Barbaren als Traditionskerne2 benannt. Dies bedeutet, dass die Barbaren als aristokratische Krieger in Gruppen zusammen leben und ihre Traditionen von Ort zu Ort bringen und von Generation zu Generation weitergeben. Die barbarische Identität resultiert nicht aus einer nahen Verwandtschaft, sondern ist offen für alle diejenigen, die teilnehmen möchten.

Die grenznahen Siedlungen der Barbaren wuchsen und unterschieden sich von denen im Landesinneren durch Reichtum und Status. Aufgrund dieser herausragenden Stellungen wird für diese Siedlungen das Römische Reich zur Beschaffungsstelle, um den materielle Stand beibehalten zu können.

[...]


1 Vogt, Joseph: Constantin der Große und sein Jahrhundert, Münchner Verlag 1949, S. 110.

1 Schulz, Raimund: www.gymnasium-himmelsthuer.de/fachbereiche/geschichte/Downloads/vortrag_spaetantike.pdf, S.3.

2 Schulz, Raimund: S. 4.

3 vgl. Lenski, Noel (Hg.): The Cambridge Companion to the Age of Constantine, Cambridge University Press 2006, S .331.

1 siehe CONSTANTINVS NOB C: RIC 6 Rome 141, Hirmer Verlag, München.

2 Lenski: S. 324 (übersetzt).

1 Lenski: S. 368 (übersetzt).

2 Lenski: S. 368.

Details

Seiten
34
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638046541
ISBN (Buch)
9783640731091
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86419
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,6
Schlagworte
Außenpolitik Konstantins Großen

Autor

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