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Zu: Charles E. Ives: Central Park in the Dark

Hausarbeit (Hauptseminar) 1999 15 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

I Charles Ives und Central Park in theDark

II Partituranhang zu Central Park in the Dark

III Der erste Höreindruck

IV Das Material der ersten beiden Takte

V Das Material der Takte drei bis fünf

VI Das Material der Takte sechs bis acht

VII Das Material der Takte neun und zehn

VIII Zehntaktiger Abschnitt

IX Überlagerung des Klangteppichs

X Transzendentalphilosophie

XI Das Werk und Transzendentalismus

XII Literatur

I Charles Ives und Central Park in the Dark

Charles Ives wurde am 20.Oktober 1874 in Danbury (Connecticut) geboren. Den Hauptteil seiner musikalischen Ausbildung erhielt er von seinem Vater George E. Ives, der in Danbury als Kapellmeister tätig war und eine unkoventionelle musikalische Haltung hatte. Durch seine Experimentierversuche (z.B. mit Tonclustern, Polytonalität und Vierteltönen) beeinflußte er seinen Sohn nachhaltig; andererseits wurde Charles Ives aber auch von der zu dieser Zeit stark vertretenen amerikanischen Transzendentalphilosophie beeinflußt: „Inspired by transcendentalist philosophie, Ives sought a highly personalized musical expression.“[1]

Es folgte ein Musikstudium bei Horatio Parker an der Yale University, das Charles Ives im Jahre 1898 abschloss. Seine experimentellen Neigungen stießen zu dieser Zeit nicht nur in der Universität auf Ablehnung: „Between 1902 [...] and 1920 there had been no single performance of Ive`s music generated by anyone`s efforts besides his own.“[2]

Nach seinem Musikexamen arbeitete Ives als Organist und als Versicherungsvertreter in New York, ehe er im Jahre 1906 eine eigene Versicherungsgesellschaft gründete. In diesem Jahr komponierte er Central Park in the Dark – unter erschwerten Bedingungen, da er seiner Leidenschaft zu komponieren nur neben seinem Beruf ausüben konnte. Ives bewohnte seinerzeit eine Studentenbude in der Nähe des Central Parks (Central Park West 65), und war den verschiedensten Höreindrücken ausgesetzt:

Die frühmorgentlichen Geräusche der Leute, die in beiden Richtungen vorbeigingen, all die verschiedenen Schritte, die sich manchmal aber einander anglichen [...] Ich war tief beeindruckt von der Fülle dieser verschiedenen und immer wechselnden Schläge, Taktarten und Rhythmen, die da gleichzeitig abliefen – und dies erst noch auf ganz natürliche, oder zumindest nicht unnatürliche Art und Weise [...][3]

Im Partiturvorwort befindet sich eine detaillierte Beschreibung der Geräusche, die Ives durch Central Park in the Dark wiedergeben wollte. Central Park in the Dark ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht das einzige Stück, das aufgrund dieser Höreindrücke entstanden ist. Zu erwähnen sind ebenfalls die Stücke Die ganze Strecke hin und zurück, Die Sturmglocke am Feuerwehrwagen, Auf dem Straßenpflaster, und Tonstraßen.

II Partituranhang zu Central Park in the Dark

This piece purports to be a picture-in-sounds of the sounds of nature and of happenings that men would hear some thirty or so years ago (before the combustion engine and radio monopolized the earth and air), when sitting on a bench in Central Park on a hot summer night. The strings represent the night sounds and silent darkness – interrupted by sounds [the rest of the orchestra] from the Casino over the pond – of street singers coming up from the Circle singing, in spots, the tunes of those days – of some „night owls“ from Healy`s whistling the latest or the Freshman March – the „occasional elevated“, a street parade, or a „break-down“ in the distance -. of newsboys crying „uxtries“ – of pianolas having a ragtime war in the apartment house „over the garden wall“, a street car and a street band join in the chorus – a fire engine, a cab horse runs away, lands „over the fence and out“, the wayfarers shout – again the darkness is heard – an echo over the pond – and we walk home.[4]

Charles E. Ives

III Der erste Höreindruck

Central Park in the Dark startet mit sehr leisen (ppp) und langsamen Klängen (Molto Adagio) der Streicher, die einen atonalen Eindruck hinterlassen. Eine einprägsame melodische Linie ist in den ersten Takten nicht vorhanden, so dass man das Material als Zuhörer nicht ohne weiteres fassen kann. Die Streicherklänge, die laut Ives die Nachtgeräusche und die stille Dunkelheit des Parks darstellen, beinhalten auf den ersten Blick etwas ungeordnetes und chaosbehaftetes. Nicht nur jedweder Tonikabezug fehlt, auch die Rhythmik scheint konfus angegliedert zu sein: Formal steht das Stück zwar im 4/4 Takt, dies wird jedoch durch komplexe Rhythmen (Halbe, Triolen, Viertel und Quintolen innerhalb der ersten zehn Takte) und durch taktübergreifenden Phrasierungen (nur in Takt fünf und acht wird die Zählzeit eins angestoßen) verschleiert. Die ersten zehn Takte erscheinen dem Zuhörer als ein unstrukturiertes, geheimnisvolles Gebilde. Erst eine genaue Analyse beweist, dass es sich gerade nicht um unstrukturierte Klänge handelt.

IV Das Material der ersten beiden Takte

Der Anfangsakkord von Central Park in the Dark besteht aus zwei übermäßigen Dreiklängen (siehe Abbildung 1; zur besseren Übersicht werden einige Töne enharmonisch verwechselt, M.S.), die den Abstand eines Tritonus haben. Zusammen ergibt das Material der übermäßigen Dreiklänge eine (gedachte) Ganztonleiter mit den Tönen d, e, fis, gis, ais, his (aus Vereinfachungsgründen wird die genaue Tonhöhenbezeichnung weggelassen, M.S.).

Abb.1: 1.Takt, 1.Akkord (und Material)[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der zweite Akkord von Central Park in the Dark besteht wie der erste aus zwei übermäßigen Dreiklängen, diesmal sind die Dreiklänge jedoch im Vergleich zum Anfangsakkord um eine kleine Terz verschoben (siehe Abbildung 2). Wie schon zuvor haben die Dreiklänge einen Tritonusabstand und bilden eine Ganztonleiter (dis, f, g a, h, cis) – die zweite Ganztonleiter ist jedoch um einen halben Ton nach oben verschoben. Der Baßton (as) wird als ein Überbleibsel des ersten Akkordes angesehen und kann so vernachlässigt werden.

[...]


[1] http://www.schirmer.com/composers/Ives_bio.html

[2] Hitchcock, H.Wiley: Ives – Oxford Studies for Composers (14). Oxford: University Press 1977,

[3] Ives, Charles: Ausgewählte Texte (Hrsg. von Wener Bärtschi). Zürich: Atlantis Musikbuch-Verlag 1985, S.189 f.

[4] Quelle: Ives, Charles: Central Park in the Dark – Full Score. New York: Coelke-Bomart 1973,

[5] Alle Notenbeispiele entnommen aus Schatt, Peter: Charles Ives: „Central Park in the Dark“. In: Musik und Unterricht 7/1991, S.47 ff.

Details

Seiten
15
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638105507
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v863
Institution / Hochschule
Folkwang Universität der Künste – Fachbereich 2
Note
Schlagworte
Charles Ives Central Park Dark

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