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Schulprogramme

Seminararbeit 2002 26 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Gründe für Schulprogramme an beruflichen Schulen

2 Das Schulgesetz als Rahmen der Schulprogrammentwicklung

3 Begriffsbestimmung und –abgrenzung

4 Notwendige Bestandteile eines Schulprogramms

5 Entwicklungsschwerpunkte
5.1 Unterricht und Erziehung
5.2 Schulleben
5.3 Organisation und Kommunikation

6 Funktionen des Schulprogramms
6.1 Schulprogramme als Instrument der inneren Schulentwicklung
6.2 Das Schulprogramm als Marketinginstrument
6.3 Das Schulprogramm als Kontrollinstrument der Schulaufsicht
6.4 Das Schulprogramm zur Kooperation und Kommunikation mit Ausbildungsbetrieben
6.5 Das Schulprogramm als Kooperationsgrundlage gegenüber Dritten

7 Probleme bei der Erstellung von Schulprogrammen bzw. der Erfüllung der Funktionen
7.1 Rahmenbedingungen:
7.2 Mobilisierungsprobleme:
7.3 Fehlende Konsequenz und Schwierigkeiten bei der Evaluation
7.4 Schulprogramme als Werbemaßnahme
7.5 Rolle der Schulaufsicht
7.6 Das Duale System: Wirtschaft und Berufsschule
7.7 Beteiligung verschiedener Interessengruppen am Schulprogramm

8 Erste Ergebnisse/Auswirkungen

1 Gründe für Schulprogramme an beruflichen Schulen

Die beruflichen Schulen sind seit Jahren Mittelpunkt der Kritik am dualen Ausbildungssystem:

Häufig wird ein veralteter Unterricht und eine schlechte Ausstattung der Schulen angeführt, welche nicht mehr den Bedürfnissen des Berufsalltages entspricht. Der Schulunterricht kann keine berufliche Handlungskompetenz vermitteln, da er zu stark theoretisch ausgerichtet und der Anteil an allgemeinbildendem Unterricht enorm groß ist. Statt dessen führt der Berufsschulunterricht oftmals zu trägem Wissen, d.h. Wissen, das nicht zur Anwendung kommt, das in bestehendes Vorwissen nicht integriert wird und zu wenig vernetzt und damit zusammenhangslos ist. Die Lerninhalte des Berufsschulunterrichts werden nicht mit der betrieblichen Ausbildung abgestimmt, und die Lernkooperation zwischen Schule und Betrieben ist meist sehr dürftig. Die Wirtschaft fordert daher von den beruflichen Schulen zunehmend Modernisierung, Flexibilität und Qualität.

In der bildungspolitischen und erziehungswissenschaftlichen Diskussion vieler Länder hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Einzelschule als „pädagogische Handlungseinheit“ der Ort ist, an dem Schulentwicklung stattfindet. Hinter dieser Erkenntnis steht die Erfahrung, dass die einzelne Schule ihre Aufgabe weit besser meistern kann, wenn sie sich den Vorstellungen und Bedürfnissen der Menschen und Institutionen öffnet, die in der Schule und mit der Schule leben, arbeiten und lernen. Hieraus entstand die Idee des Schulprogramms, welches als Hilfsmittel der Schulentwicklung dazu dienen soll, die kontinuierliche Weiterentwicklung und Qualitätsverbesserung der einzelnen Schule aufrecht zu erhalten und zu fördern.

In Hamburg trifft dieser Auftrag auf eine Schullandschaft, in der viele Schulen sich seit langem selbstständig weiterentwickelt und vielfältige Innovationen angestoßen haben. Die Voraussetzungen sind daher gut, sich des Mediums Schulprogramm zu bedienen, um wichtige schulische Gestaltungs- und Verständigungsprozesse zu strukturieren und zu dokumentieren.

2 Das Schulgesetz als Rahmen der Schulprogrammentwicklung

Das Hamburgische Schulgesetz, das am 1. August 1997 in Kraft getreten ist, verpflichtet die Schulen dazu, ein Schulprogramm zu entwickeln. Die Schulen hatten für das erste Schulprogramm drei Jahre Entwicklungszeit.

Das Schulgesetz widmet dem Schulprogramm einen eigenen Paragraphen (§ 51), in dem der normative Rahmen der Schulprogrammentwicklung festgelegt ist. Die Erarbeitung des Schulprogramms geschieht im Rahmen des allgemeinen Bildungsauftrags der Schule und unter Berücksichtigung der Lehrpläne, Bildungspläne, Stundentafeln, Richtlinien und sonstiger verbindlicherVorgaben.

Hamburgisches Schulgesetz § 51, Sätze 1 und 2:

Die Schule legt die besonderen Ziele, Schwerpunkte und Organisationsformen ihrer pädagogischen Arbeit sowie Kriterien zur Zielerreichung in dem Schulprogramm fest. Sie konkretisiert darin den allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag unter Berücksichtigung der speziellen Voraussetzungen und Merkmale ihrer Schülerschaft und die spezifischen Gegebenheiten der Schule und ihres regionalen Umfeldes im Rahmen ihrer gesetzlich gegebenen inhaltlichen und unterrichtsorganisatorischen Gestaltungsmöglichkeiten.

Aufgabe eines Schulprogrammes ist es also, eine Brücke zwischen dem allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag und den Grundsätzen für dessen Verwirklichung auf der einen Seite und den spezifischen Voraussetzungen der jeweiligen Schülerschaft der Schule und den schulischen Rahmenbedingungen auf der anderen Seite zu schlagen. In Satz 3 liefert das Schulgesetz dazu Beispiele für konkrete Maßnahmen und Arbeitsvorhaben.

Ferner wird folgendes festgelegt:

Der Beschluss des Schulprogrammes erfolgt durch 2/3-Mehrheit der Schulkonferenz auf der Grundlage von Vorlagen der Lehrerkonferenz. Die Schulleitung ist verantwortlich für die Umsetzung der Beschlüsse der Schul- und der Lehrerkonferenz und sorgt für die Erstellung, Einhaltung, Auswertung und Weiterentwicklung des Programmes. Die Schulaufsicht berät die Schulen bei der Programmerstellung und bei der Wahrnehmung ihrer Selbstverwaltungsaufgaben und genehmigt das vorgelegte Programm. Die schulischen Mitwirkungsgremien der Schüler, der Eltern und der Mitglieder des Schulbeirats an beruflichen Schulen sind zur Unterstützung in die Beratung des Schulprogramms einbezogen.

3 Begriffsbestimmung und –abgrenzung

Die Begriffe „Schulprofil“, „Schulleitbild“ und „Schulprogramm“ werden oftmals unzureichend voneinander abgegrenzt.

Mit dem Schulprofil kann zum einen der Ruf bzw. das Image der Schule gemeint sein, zum anderen kann das Profil auf einem traditionellen thematischen Schwerpunkt einer Schule basieren. Für berufliche Schulen ergibt sich dies durch den jeweiligen beruflichen Schwerpunkt. Der Begriff wird durch die Außenwahrnehmung der Schule bzw. das Außenverhältnis bestimmt, welches nicht unbedingt immer der innerschulischen Wirklichkeit entsprechen muss. Jede Schule hat ein Schulprofil, teils jedoch unbewußt und ungeplant.

Ein Schulleitbild (oder Motto) hingegen muss durch jede Schule individuell entwickelt werden. Es stellt die wichtigsten Ziel- und Wertevorstellungen in intern entwickelten, knappen (max. 10), teils visionären, einprägsamen Leitsätzen dar. Im Leitbild werden also die Grundideen artikuliert, nach denen sich die Schule ausrichten will, nach innen wie nach außen.

Der Unterschied zwischen dem Schulprogramm und dem Leitbild liegt in der Ausführlichkeit und dem Konkretisierungsgrad, die erheblich größer sind als beim Leitbild. Innerhalb des Schulprogrammes werden einzelne Schritte beschrieben, die zur Realisierung des Schulleitbildes führen sollen. Hierdurch wird bewusst versucht, das Schulprofil positiv zu beeinflussen. Aus dem impliziten Schulprofil wird durch ein gelebtes Schulprogramm ein explizites.

Ein Schulprogramm beginnt im Regelfall mit der Beschreibung des Ist-Zustandes der Schule, dem impliziten Schulprofil. Diese Bestandsaufnahme der Stärken, Schwächen und Besonderheiten der Schule zusammen mit dem individuellen Leitbild sind Grundlage für eine dauerhafte Schulentwicklung. In diesen Sinne ist das Schulprogramm ein Instrument der Schulentwicklung – ein Arbeitsprogramm mittlerer Reichweite, in dem die einzelne Schule bilanziert, was sie in den vergangenen Jahren zur Weiterentwicklung von Unterricht, Schulleben, Kommunikation und Organisation getan hat, und daran anknüpfend beschreibt, welche Schwerpunkte sie in der nächsten Zeit bearbeiten will. Ein Schulprogramm dokumentiert also neben dem bisher Erreichten auch Ziele und konkrete Umsetzungsschritte und gibt an, wann und wie eine Schule überprüft, welche Ziele erreicht werden konnten und welche nicht.

Merkmale eines Schulprogramms:

- Im Schulprogramm drückt sich die pädagogische Grundhaltung der Schule aus.
- Ein Schulprogramm enthält auf der Basis der beschriebenen Ausgangslage klare Zielvorstellungen. Die Kriterien der Zielerreichung werden benannt.
- Das Schulprogramm nennt Maßnahmen zur Zielerreichung, entwirft einen Zeitplan, benennt Verantwortliche für die Umsetzung und weist die notwendigen Ressourcen im Rahmen des Schulbudgets aus.
- Das Schulprogramm setzt Schwerpunkte in Unterricht, Schulleben, Organisation und Kommunikation sowie Kooperation mit den Partnern des dualen Systems und berücksichtigt dabei curriculare und sonstige Rahmenvorgaben und schulinterne Verabredungen.
- Das Schulprogramm enthält Aussagen über die Durchführung der internen Evaluation.
- Bei der Erarbeitung des Schulprogramms werden alle schulischen Gruppen angemessen einbezogen.

4 Notwendige Bestandteile eines Schulprogramms

Um als Grundlage für die weitere Entwicklung der Schule und zur Sicherung der Qualität der pädagogischen Arbeit dienen zu können, sollte das Schulprogramm folgende Bestandteile beinhalten:

1.) Bestandsaufnahme

Die Bestandsaufnahme erfordert eine Verständigung über die spezielle Ausgangslage der pädagogischen Arbeit in der Schule.

2.) Spezifische Unterrichts- und Erziehungsaufgaben

Auf der Grundlage der Bestandsaufnahme auf der einen Seite und der Diskussion des auf die Schule bezogenen Bildungs- und Erziehungsauftrags auf der anderen Seite muß eine Verständigung darüber erreicht werden, welche spezifischen Entwicklungsaufgaben sich daraus für die Schule ergeben.

3.) Konkrete Maßnahmen und Arbeitsvorhaben

Auf der Grundlage der Verständigung über die spezifischen Unterrichts- und Erziehungsaufgaben der Schule sind konkrete Maßnahmen und Arbeitsvorhaben zu entwickeln, mit denen die spezifischen Aufgaben erfüllt werden sollen.

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Details

Seiten
26
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638155441
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v8614
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Note
1,5
Schlagworte
Schulprogramme

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Titel: Schulprogramme