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Die Situation der Frauen in der Zeit zwischen Beendigung des 2. Weltkrieges und der Währungsreform

Hausarbeit 2003 15 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. DIE SITUATION DER FRAUEN IN DER ZEIT ZWISCHEN BEENDIGUNG DES 2.WELTKRIEGES UND WÄHRUNGSREFORM
1.1 Frauenmehrheit
1.2 Wohnungssit uat ion
1.3 Versorgungsl age
1.4 Hausarbeit
1.5 Frauenerwerbstät igkeit

2. Die Entwickl ung nach der Währungsreform
2.1 Die Sit uat ion der Frauen nach der Währungsref orm
2.2 Konsequenzen für die Versel bstständigung Von Frauen

3. SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Ich beschäftige mich in dieser Hausarbeit mit folgender Fragestellung: Wie hat jene Generation von Frauen, die heute in den öffentlichen Debatten um die Anerkennung von Kindererziehungszeiten als „Trümmerfrauen“ bezeichnet werden, in der unmittelbaren Nachkriegszeit gelebt und wie hat sich das Leben dieser Frauen verändert, als allmählich die Männer zurückkehrten und die Zeiten langsam besser wurden?

Weiter führend gehe ich der Frage nach: Was ist aus der Eigenständigkeit dieser lange Zeit allein stehenden Frauen geworden? Konnte daraus ein neues Selbstverständnis oder gar eine Emanzipation vom Manne entstehen?

Ich habe die Hausarbeit zeitlich gegliedert und bearbeite die Nachkriegszeit bis zur Währungsreform sowie die Zeit nach der Währungsreform getrennt. Diese Gliederung erscheint mir sinnvoll, weil insbesondere für Frauen nach der Währungsreform einschneidende Veränderungen stattgefunden haben, auf die ich mich im zweiten Teil beziehe.

Nicht eingegangen bin ich insgesamt auf die Situation der verheirateten Frauen, die keine kriegsbedingte Trennung von ihren Männern erfahren haben, weil meine Fragestellung dieses nicht erfordert.

1. DIE SITUATION DER FRAUN IN DER ZEIT ZWISCHEN BEENDIGUNG DES WELTKRIEGES UND WÄRUNGSREFORM

1.1. FRAUENMEHRHEIT

Als am 8. Mai 1945 die deutsche Wehrmacht bedingungslos kapitulierte und somit für die Deutschen der 2. Weltkrieg zu Ende war, hatte es in diesem Krieg 3,7 Mill. gefallene deutsche Soldaten gegeben, 11,7 Mill. befanden sich in Gefangenschaft. Die Verluste bedeuteten, dass diese vom Zusammenbruch getroffene Gesellschaft in ihrer Mehrzahl eine Frauengesellschaft war, denn es gab bei Kriegsende 3,7 Mill. allein stehende Frauen überwiegend im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.1 Bei der ersten Volkszählung nach dem Kriege am 10. Oktober 1946 betrug die Frauenmehrheit rund 7,3 Mill., auf 1000 Männer kamen rund 1249 Frauen.2

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, wie die Frauen gelebt bzw. überlebt haben. Dabei ist der Begriff „allein stehende Frauen“ in dem Sinne zu verstehen, dass die Frauen zwar ohne Männer waren, jedoch tatsächlich meist nicht „alleine standen“, sondern überwiegend in Frauenzentrierten Haushalten unterschiedlicher Form lebten, beispielsweise Mutter-Kinder-Familie, Schwester-Schwester-Haushalt oder Drei-Generationen-Haushalt3. Das Zusammenleben gab ihnen einerseits emotionalen Halt, bedeutete andererseits jedoch, dass enorme Wohnungs- und Versorgungsprobleme auf den Schultern der verantwortlichen Frauen lasteten.

1.2. WOHNUNGSSITUATION

Nach dem Kriege waren in den drei Westzonen 45% aller Wohnungen zerstört oder derart stark beschädigt, dass sie unbewohnbar waren4. Besonders in den Städten war die Wohnungsnot unvorstellbar groß und sie wurde durch den Zustrom der Flüchtlingsmassen aus den Ostgebieten und den Bedarf der Besatzungsmächte auf das Äußerste verschärft. Aus Berichten der Familienfürsorge Dortmund geht beispielsweise hervor, dass im Jahre 1939 eine Wohnung durchschnittlich mit 3,8 Personen belegt war, 1945 mussten darin 7,7 Personen durchschnittlich leben. Es entfielen im Jahre 1939 auf eine Person 7,6 ² Wohnfläche, 1947 waren es nur noch 4,7 ²5. 1946 standen 14 Mill.

Haushaltungen nur 8 Mill. Wohnungen zur Verfügung6, sodass die Menschen in dunklen und feuchten Bunkern und Kellern, zugigen Trümmerwohnungen, unbeheizbaren Lauben, alten Fabrikräumen und zerstörten Häusern hausten. Durch den Zustand dieser Unterkünfte und der räumlichen Enge war es den Frauen oft kaum möglich, ein Minimum an gesundheitlich einwandfreier Lebensweise herzustellen. Das Zusammenleben vieler Menschen auf engstem Raume führte darüber hinaus zu erheblichen Spannungen und Konflikten, die jeden Einzelnen schwer belasteten.

1.3. VERSORGUNGSLAGE

Eine befragte Berlinerin, Jahrgang 1910, kommentierte die katastrophale Versorgungslage nach Beendigung des Krieges mit folgenden Worten: „Während des Krieges gab es eine einigermaßen gesicherte Versorgung, aber Bombenangriff; nach Kriegsende gab es zwar keine Bombenangriffe mehr, aber auch kein Essen.“7 Die Bewirtschaftung und Rationierung von Lebensmitteln hatte in Deutschland bereits im Jahre 1935 begonnen8, doch die Versorgung der Bevölkerung konnte während der Kriegsjahre durch die Ausbeutung der besetzen Länder, von Zwangsarbeitern und Häftlingen der Konzentrationslager leidlich gewährleistet werden.

Als jedoch mit dem Kriege die agrarischen Ostgebiete verloren, Landwirtschaft und Transportwege zerstört und durch Zonengrenzen gewachsene Wirtschaftsbeziehungen abgeschnitten waren, begann für die Bevölkerung der Hunger9. Es mangelte in erster Linie an Lebensmitteln und weiterhin an allen Dingen des täglichen Bedarfs wie Kleidung, Schuhe, Möbel, Hausrat. Vorwiegend in den Städten waren daher die Lebensbedingungen unvorstellbar schlecht. Die Militärregierung versuchte in Zusammenarbeit mit den Ernährungsämtern die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu sichern. Es erfolgte die Einteilung der Bevölkerung in Versorgungsgruppe von I (Schwerarbeiter) bis V (Sonstige Personen), entsprechende Lebensmittelrationen pro Person und Tag wurden festgesetzt und wie bisher über Lebensmittelkarten ausgegeben.

Nach und nach wurden die Kaloriensätze immer niedriger geschraubt. So standen beispielsweise im Sommer 1945 in Konstanz der Bevölkerung täglich nur noch 800 Kalorien pro Person zur Verfügung10. Es begann ein zermürbender Überlebenskampf, den in erster Linie die Frauen bestritten, die einerseits in der Mehrzahl ohne Männer lebten und andererseits traditionell dafür verantwortlich waren, dass die Familie ausreichend gekleidet und ernährt wurde.

Total erschöpft standen Frauen täglich 5-6 Stunden vor den Läden Schlangen, obwohl, bedingt durch immer wieder auftretende Versorgungsengpässe, nicht einmal gewährleistet war, dass sie die Lebensmittelrationen für sich und ihre Angehörigen erhalten würden11. Sie versuchten aus Allem und Jedem etwas Essbares herzustellen, um sich und Ihre Nächsten am Leben zu erhalten, gingen Beeren, Pilze, Brennnesseln und Löwenzahn sammeln und bereiteten daraus unter großem Zeitaufwand Mahlzeiten. Frauen fuhren stundenlang, auf den Trittbrettern überfüllter Züge stehend, in ländliche

Gebiete zum so genannten Hamstern12, d.h. sie versuchten, ihren letzten Hausrat oder die letzten warmen Kleidungsstücke bei den Bauern gegen landwirtschaftliche Produkte einzutauschen. Dabei mussten sie notgedrungen ihre Kinder unbeaufsichtigt zu Hause lassen und deren Erziehung vernachlässigen. Einen großen Stellenwert nahmen die Schwarzmarktgeschäfte ein, die ebenso wie das Hamstern verboten waren, weil dadurch Lebensmitteln und andere Bedarfsgüter der offiziellen Verteilung entzogen wurden. Auf den „Schwarzen Märkten“ versuchten Frauen ihre Habseligkeiten gegen Nahrungsmittel einzutauschen, es war häufig die einzige Möglichkeit, die Familie über Wasser zu halten13. Viele Frauen, die weder Hausrat noch sonstige Tauschwaren zur Verfügung hatten, begannen tagsüber bei den Bauern gegen Naturallohn zu arbeiten.

Sie nahmen stundenlange Anfahrtswege in Kauf, versorgten in den Arbeitspausen die mitgebrachten Kinder und verrichteten am Abend die gesamte Hausarbeit14. Trotz aller Bemühungen stieß die Überlebensarbeit der Frauen im Winter 1946/47 an ihre Grenzen. Durch die frühe und harte Kältewelle brach das gesamte Transportsystem zusammen, die knappen Lebensmittel erfroren in den Lagerhallen und auf den Transportwegen und die geringen Kohlerationen reichten bei Weitem nicht aus. Tausend verhungerten in diesen Monaten oder erfroren in ihren unbeheizbaren Unterkünften. In den immer schlichter versorgten Großstädten kam es zu zahlreichen Streiks und Hungerdemonstrationen, die überwiegend von Frauen initiiert wurden. So nahmen beispielsweise über 12.000 Frauen am 13. Dezember 1946 ab einer Großkundgebung in Herne teil und protestierten gegen den derzeitigen Vorsitzenden des Ernährungsamtes15.

Obgleich das Überleben der Bevölkerung in dieser Zeit weitgehend vor der Leistungsfähigkeit der Frauen abhing, erhielten die Hausfrauen bei der Einstufung in Versorgungsgruppen die geringsten Zuteilungen. Sie wurden bis zum März 1947 der Versorgungsgruppe V, der niedrigsten Gruppe für Erwachsene, zugeordnet. Die folgende Gegenüberstellung der Tagesrationen V und I verdeutlicht die Härte dieser Einteilung:

KARTE V (SONSTIGE PERSONEN) KARTE I (SCHWERARBEITER)

300 g. Brot 600 g. Brot

20 g. Fleisch 100 g. Fleisch

7 g. Fett 30 g. Fett

30 g. Nährmittel 60 g. Nährmittel

Bemerkenswert dabei ist, dass unter die Rubrik I (Schwerarbeiter) u. a. Pfarrer, namhafte Künstler und Schuldirektoren fielen, indes wurde Hausarbeit offiziell nicht als Arbeit anerkannt16. An dieser Stelle stellt sich die Frage nach dem Ausmaß und der Bedeutung der Hausarbeit, die die Frauen trotz Minimalversorgung zu bewältigen hatten.

1.4. HAUSARBEIT

Es herrschte allgemein lange die Einschätzung vor, dass nach dem Kriege ein völliger Stillstand und anschließend eine schleppende Ingangsetzung der Produktion stattgefunden haben. Aufgrund neuerer Forschungsergebnisse sieht jedoch fest, dass die industrielle Produktion unmittelbar nach Kriegsende sehr schnell wieder in Gang kam, beispielsweise in der amerikanischen Zone schon Ende 1945 20% des Standes von 1936 erreicht hatte und kontinuierlich anstieg17. Obgleich im britisch - amerikanischen Besatzungsgebiet die Kohlenproduktion im Jahre 1946 bereits 51% des Standes von 1936 ausmachte, erhielten die Haushalte im Winter 1946/47 derart geringe Brennstoffzuteilungen, dass die Temperaturen in vielen Wohnungen den Gefrierpunkt nicht überschritten18.

Der Grund für das Missverhältnis zwischen Produktion und Verteilung liegt in der Tatsache, dass sich gemäß den Weisungen der Militärregierung die Ankurbelung der Wirtschaft auf die Produktionszweige der Grundstoffindustrie konzentrierte, also auf jene Betriebe, die Rohstoffe, Halbwaren und Betriebsstoffe herstellten, welche zur Weiterverarbeitung in anderen Produktionszweigen benötigt wurden. Das Ziel war, die Voraussetzungen für eine kapitalistische Wirtschaft zu schaffen, der Aspekt der Versorgung der Bevölkerung war dabei zweitrangig19. Die Konsumgüterproduktion wurde hintenangestellt, das ließ sich aber nur realisieren, wenn der lebensnotwenige Bedarf der Bevölkerung durch die Ausweitung der Reproduktionsarbeit der Hausfrauen gedeckt wurde20.

So waren es die Hausfrauen, die außer der täglichen mühseligen Beschaffung von Nahrungsmitteln einen großen Teil der in Nicht-Krisen-Zeiten ausgelagerten Arbeiten übernahmen: Den Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln auf dafür freigegebenen städtischen Grünflächen, die Herstellung von Seife und Waschmitteln aus Efeublättern, Kastanien oder Farnasche, Beschaffung von Brennholz aus den Umliegenden Wäldern, die Herstellung von Kleidung aus alten Uniformen oder Betttüchern, die ständige Reparatur der wenigen noch vorhandenen Bekleidungsstücken.

In einem Bericht der Familienfürsorge Dortmund vom 6. Juni 1947 heißt es u. a.: „Gesehen werden muss auch die außergewöhnliche starke arbeits- und zeitmäßige Belastung der weiblichen Bevölkerung mit der Instandhaltung der Wäsche und Bekleidung. Nadelarbeiten nehmen fast täglich Stunde um Stunde in Anspruch, vorausgesetzt, dass Näh- und Stopfgarn vorhanden ist.“21

Es lässt sich sagen, dass die offizielle als Arbeit nicht anerkannte, erweiterte Hausarbeit der Frauen- so die Produktion von Gebrauchsgütern, die unbezahlte Arbeit bei der Wiederherstellung von Wohnraum, die Ernte aus Gemüse- und Obstanbau, die Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln und die Herstellung von Kleidung die Wirtschaft erheblich entlastete. Sie war von größter Bedeutung für das Überleben der Bevölkerung in der Nachkriegszeit. Ohne sie wäre ein Großteil der deutschen Bevölkerung verhungert und verwahrlost.

1.5. FRAUENERWERBSTÄTIGKEIT

Nach Beendigung des Krieges war sowohl bei Frauen wie auch bei Männern die Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme gering. Die körperlichen und seelischen Anstrengungen hatten die Menschen erschöpft, sie waren lustlos und apathisch geworden. Die Frauenerwerbsquote war von 35,2% im Jahre 1939 auf 28,3% im Jahre 1947 gesunken. Für die Jahre 1945 und 1946 gibt es keine genauen Angaben22. Diejenigen Frauen, die erwerbstätig waren, hatten erhebliche Schwierigkeiten, ihre Familien zu ernähren.

Ihr Verdienst reichte knapp für die amtlich festgesetzten Lebensmittelrationen aus, welche wiederum kaum das überleben garantierten. Zum Hamstern, Tauschen oder selbst Produzierten fehlte Ihnen aufgrund der Erwerbstätigkeit die Zeit23. Durch die hohe weibliche Bevölkerungsmehrheit und die damit verbundenen schwindenden Heiratschancen waren aber auf lange Sicht zahlreiche Frauen gezwungen, ein Lohnarbeitsverhältnis einzugehen, um sich künftig selbst zu versorgen. Zwang zur Arbeit wurde auch seitens der Besatzungsmächte auf Frauen ausgeübt. Die Wiederankurbelung der Wirtschaft machte es erforderlich, dass in erster Linie das Transportsystem und der Wohnraum instand gesetzt wurden. Es musste unverzüglich mit Aufräumarbeiten begonnen werden und dazu wurden alle noch vorhandenen Arbeitskraftreserven gebraucht. Im Sommer 1945 wurde in den einzelnen Ländern und Provinzen die Arbeitspflicht eingeführt, Männer zwischen 14 und 65 Jahren und Frauen zwischen 16 und 45 Jahren, die keine Kinder unter 14 Jahren zu betreuen hatten, wurden verpflichtet, sich bei den Arbeitsämtern zu melden24, andernfalls drohte man mit Sperrung der Lebensmittelration.

Die Besatzungsmächte wiesen außerdem die deutschen Behörden an, alle Zahlungen der Kriegsversorgung einzustellen25. Am 10. Juli 1946 verabschiedete der alliierte Kontrollrat das Gesetz Nr. 32, fortan durften Frauen bei Bau- und Wiederaufbauarbeiten beschäftigt werden26. Es liegen keine genauen statistischen Angaben über die tatsächlich erfolgten Dienstverpflichtungen vor, jedoch allein in der britischen Besatzungszone arbeiteten Ende 1946 offiziell 7291 Frauen auf dem Bau, 7686 im Bergbau und 6860 im Bereich der Eisen- und Metallgewinnung.

Der Bedarf an weiblichen Arbeitskräften in männlichen Berufen war weiterhin steigend27. Die Zahl derjenigen Frauen, die in Berlin an der Trümmerbeseitigung arbeiteten, wird für den Sommer 1945 mit zwischen 40.000 und 60.000 angegeben28. Vielen Frauen meldeten sich zu dieser schweren und gesundheitsschädlichen Arbeit, weil ihnen damit die Lebensmittelration der Schwerarbeiter zugeteilt wurde. Sie muten an sechs Tagen in der Woche jeweils acht Stunden lang in Akkordarbeit Loren mit Schutt füllen, sie auf primitiven Schienenwegen durch die Stadt schieben und am Abladeplatz wieder entleeren. Sie schleppten Eisenträger, klopften Steine und rissen mit Drahtseilen Fassaden ein. Solange es an Arbeitskräften fehlte, fanden sich Frauen durchweg in allen männlichen Berufen. Sie erhielten allerdings bis zu 20% weniger Lohn als ihre Kollegen und verblieben überwiegend in un- und angelernten Positionen. Da man offiziell damit rechnete, dass sowohl Flüchtlinge und Vertriebene als auch Heimkehrer in großer Zahl als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen würden, hielt man es nicht für nötig, Frauen besser zu qualifizieren und wies wiederholt auf den Charakter der Frauenarbeit als „Ersatzarbeit“ hin29. Die Doppelbelastung der Frauen durch Erwerbs- und Hausarbeit bei gleichzeitiger akuter Unterernährung und schlechten Wohnverhältnissen führte häufig zu schweren Erschöpfungszuständen und Abnützungskrankheiten. Nach einer Statistik des Müttergenesungswerkes litten noch 1952 59% aller untersuchten Mütter an Abnützungskrankheiten und 43% an Schlaflosigkeit und Nervenkrankheiten30.

2. DIE ENTWICKLUNG NACH DER WÄHRUNGSREFORM

2.1. DIE SITUATION DER FRAUN NACH DER WÄHRUNGSREFORM

„Die Währungsreform vom 20.06.1948 ist den meisten Zeitgenossen/innen als die einschneidende Zäsur der Nachkriegsgeschichte, die das Ende des Mangels und den Beginn eines sorgenfreien Lebens markiert, in Erinnerung geblieben. Bis heute teilen sie die Nachkriegszeit in die Jahre vor und nach „der Währung“ ein.“31

[...]


1 Vgl. Doris Schubert, Frauen in der deutschen Nachkriegszeit Band 1, Düsseldorf 1984, S. 15

2 Vgl. Ebenda, S. 74

3 Vgl. Sibylle Meyer und Eva Schulze, Wie wir das alles geschafft haben, München 1984, S. 140

4 Vgl. Schubert a.a.o., S. 34

5 Vgl. Klaus-Jörg Ruhl (Hrsg), Unsere verlorenen Jahre, Darmstadt und Neuwied 1985, S. 157

6 Vgl. Ute Frevert, Frauen-Geschichte, Frankfurt am Main 1986, S. 245

7 Zit. In S. Meyer und E. Schulze, a.a.o., S. 92

8 Vgl. Frevert, a.a.o., S. 245

9 Vgl. Schubert, a.a.o., S. 34

10 Vgl. Ruhl, a.a.o., S. 134

11 Vgl. Meyer und Schulze, a.a.o., S. 93

12 Vgl. Ebenda, S. 78

13 Vgl. Ebenda, S. 102

14 Vgl. Schubert, a.a.o., S. 148

15 Vgl. Ebenda, S. 102

16 Vgl. Ebenda, S. 45

17 Vgl. Ebenda, S. 35

18 Vgl. Ebenda, S. 36

19 Vgl. Ebenda, S. 35

20 Vgl. Frevert, a.a.o., S. 249

21 Ruhl, a.a.o., S. 168 f.

22 Vgl. Schubert, a.a.o., S. 75

23 Vgl. Meyer und Schulze, a.a.o., S. 98 f.

24 Vgl. Schubert, a.a.o., S. 76

25 Vgl. Ruhl, a.a.o., S. 193

26 Vgl. Meyer und Schulze, a.a.o., S. 188

27 Vgl. Ruhl, a.a.o., S. 200

28 Vgl. Frevert, a.a.o., S. 249

29 Vgl. Ebenda, S. 250

30 Vgl. Meyer und Schulze, a.a.o., S. 200

31 Schubert, a.a.o., S.69

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638043526
ISBN (Buch)
9783638940443
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v86138
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Situation Frauen Zeit Beendigung Weltkrieges Währungsreform

Autor

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